Zusammenfassung von Das Leben ist ein Traum

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Das Leben ist ein Traum Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Drama
  • Frühe Neuzeit

Worum es geht

Alles nur geträumt

Kann es sein, dass unser Leben nur ein Traum ist und das wahre Leben erst nach dem Tod beginnt? Dieser philosophischen und in der christlichen Theologie bedeutsamen Frage geht Calderón in seinem Drama Das Leben ist ein Traum nach. Trotz der ernsten Themen – schicksalhafte Vorherbestimmung vs. freien Willen, Ehre und Vergeltung sowie ein Vater-Sohn-Konflikt – kommt das Stück leichtfüßig daher, als eine gelungene Mischung aus Komödie und Tragödie. Am Ende steht die Erkenntnis, dass der Mensch sich über sein Schicksal erheben und dabei ganz bescheiden bleiben kann. Prinz Sigismund muss nicht der blutrünstige Tyrann werden, als der er seinem Vater prophezeit wurde. Das grausame, unbeirrbare Schicksal, das noch in den antiken Dramen zum festen Inventar gehörte, lässt sich bei Calderón aushebeln. Freilich nur, weil sich der Mensch aus freiem Willen auf die Seite des Guten stellt. Traumhaft.

Take-aways

  • Calderóns Versdrama Das Leben ist ein Traum zählt zu den wichtigsten Bühnenwerken des „Goldenen Zeitalters“ in Spanien (ca. 1550–1680).
  • Inhalt: König Basilius von Polen erfährt aus einem Horoskop, dass sein Sohn ein Tyrann werden soll. Deshalb sperrt er ihn in einen Turm. Nur für einen Tag soll Prinz Sigismund König sein – und entpuppt sich tatsächlich als Bösewicht und Mörder. Er wird ins Gefängnis zurückgebracht und man sagt ihm, sein Tag als König sei nur ein Traum gewesen. Erst als er das Leben als Traum versteht, bessert er sich und wird König.
  • Das Stück bietet eine Mischung aus ernster Philosophie und heiterer Komik.
  • Manche Figuren treten in verschiedenen Verkleidungen auf und verstärken so die Unsicherheit darüber, was real und was Traum ist.
  • Im Zentrum steht die Frage nach der menschlichen Freiheit und der Macht des Schicksals.
  • Die Grundidee der Handlung geht auf eine christliche Umdichtung der Buddhalegende und das literarische Motiv des wachen Schläfers zurück.
  • Die Moral entspricht der christlichen Heilslehre: Das irdische Leben ist verglichen mit dem Leben nach dem Tod nur ein kurzer Traum.
  • Calderón schrieb insgesamt mehr als 200 Werke.
  • Das Leben ist ein Traum fand schnell Aufnahme im europäischen Ausland und war die Vorlage für viele Bearbeitungen.
  • Zitat: „Was ist Leben? Eitler Schaum, / Truggebild, ein Schatten kaum, / Und das größte Glück ist klein; / Denn ein Traum ist alles Sein, / Und die Träume selbst sind Traum.“

Zusammenfassung

Der Gefangene im Turmverlies

In einer unwirtlichen Bergschlucht Polens steht ein Turm. Dieser dient als Gefängnis für Sigismund, den Sohn des Königs von Polen. Zwei Gestalten nähern sich: die als Mann verkleidete Moskowiterin Rosaura und ihr Diener Clarin. Rosauras Pferd ist davongelaufen, sodass sie sich nun wie ihr Diener zu Fuß durch die unwegsame Landschaft kämpfen muss. Durch die halb geöffnete Tür des Turms erblicken die beiden einen fahlen Lichtschein. Sie hören, wie Sigismund, der mit Ketten gefesselt und mit Tierfellen bekleidet aus dem Turm tritt, sein Schicksal beklagt. Er versteht nicht, warum er in Kettenhaft dahinvegetieren muss, denn er ist sich keines Verbrechens bewusst. Als Rosaura und Clarin sich bemerkbar machen, will Sigismund die vermeintlichen Spitzel sogleich töten. Dann aber hat er Mitleid mit Rosaura und nimmt ihr Gnadengesuch an – ohne allerdings zu bemerken, dass sie gar kein Mann ist.

Ein geheimnisvoller Degen

Vom Gespräch der drei alarmiert, eilt der Turmwächter Clotald mit seinen Soldaten herbei und verhaftet die beiden Fremden. Rosaura kommt nicht mehr dazu, zu erklären, was sie in diese Gegend verschlagen hat. Clotald wirft ihnen vor, das Gesetz des Königs gebrochen zu haben. Jeder Kontakt mit dem Gefangenen werde mit dem Tod bestraft. Den beiden werden die Augen verbunden und die Waffen abgenommen. Rosaura bittet Clotald inständig, gut auf ihren Degen aufzupassen, den ein Geheimnis umgebe. Clotald erkennt den Degen sofort: Er hat ihn einst seiner Geliebten Violante als Pfand für seine Liebe gegeben, zusammen mit dem Versprechen, den Träger des Degens als seinen Sohn anzuerkennen. Deshalb glaubt Clotald in der verkleideten Rosaura sein Kind zu erkennen und findet sich in einem misslichen Dilemma: Soll er das eigene Fleisch und Blut dem König überantworten? Er entscheidet sich dafür, die beiden vor König Basilius zu bringen und zu versuchen, Gnade für seinen vermeintlichen Sohn zu erwirken. Sollte der König sich darauf einlassen, will er sich zu erkennen geben. Ansonsten soll der vermeintliche Sohn nicht erfahren, dass es sein Vater war, der ihn geopfert hat.

Sigismunds Existenz wird enthüllt

Am Hof des polnischen Königs treffen dessen Neffe Astolf und seine Nichte Estrella aufeinander. Astolf, der Herzog von Moskau, hat seine Heimatstadt verlassen, um am Hof die Nachfolgepläne seines Onkels in Erfahrung zu bringen. Er macht Estrella den Vorschlag, seine Frau zu werden – damit würden beide einen Anteil am Thron erhalten. Weder er noch sie wissen von Sigismunds Existenz und rechnen fest damit, dass einer von ihnen den Thron des Königs erben wird. Estrella ist Astolfs Vorschlag gegenüber nicht abgeneigt, allerdings stört sie das Bild einer Frau, das er in einem Medaillon um den Hals trägt. Hat er sein Herz bereits verschenkt? Die Klärung dieser Frage wird vom Eintreten des Königs unterbrochen. Basilius freut sich, dass Nichte und Neffe seinem Aufruf gefolgt sind. Er enthüllt ihnen und dem königlichen Hofstaat nun, dass er nicht kinderlos geblieben ist. Allerdings hätten ihm seine astrologischen Forschungen und Horoskope prophezeit, dass sein Sohn ein Schurke, Verbrecher und Tyrann werden würde. Dies schien sich zu bestätigen, als seine Frau bei dessen Geburt unter Qualen das Zeitliche segnete. Basilius fasste daraufhin den Entschluss, den Sohn in einen Turm einsperren zu lassen. Er gab ihm Clotald als Wächter und Lehrer zur Seite. Nun aber, da er seine königliche Würde bald ablegen wird, reut ihn die Tat. Kann er denn seinem eigenen Sohn die Bestimmung versagen? Was ist, wenn die Sterne Unrecht hatten?

Das Experiment

Um seinem Sohn eine Chance zu geben, will Basilius ein Experiment wagen: Er will Sigismund für einen Tag auf den Thron setzen und sehen, wie er sich verhält. Man soll ihn betäuben, an den Hof bringen und ihm die wahre Geschichte seiner Herkunft erzählen. Sollte er sich als guter König erweisen, gehört ihm der Thron. Wenn er jedoch der Tyrann ist, den die Sterne prophezeit haben, wird man ihn erneut betäuben, zurück ins Gefängnis bringen und ihm erzählen, dass alles nur ein Traum gewesen sei. In diesem Fall, so Basilius, gehe der Thron an Astolf und Estrella. Das Volk ist begeistert und gespannt auf den Ausgang des Experiments.

„Ich Elender! Oh, ich, des Unglücks Sohn! / Gebt mir Kunde, Himmel, sprecht: / Welche Sünden häufte ich / Schon durch die Geburt auf mich, / Weil ihr mich durch Leiden schwächt?“ (Sigismund, S. 7)

Clotald spricht mit Rosaura und Clarin beim König vor, der ihnen sofort die Freiheit schenkt: Da er selbst das Geheimnis um Sigismund verraten hat, gilt die Todesstrafe nicht mehr. Clotald ist erfreut und gibt den beiden ihre Waffen zurück. Als Vater offenbart er sich aber immer noch nicht. Stattdessen versucht er, von Rosaura zu erfahren, warum sie nach Polen gekommen ist. Sie gibt an, dass sie an Astolf Rache nehmen müsse. Er habe ihr die Ehre geraubt. Clotald hält das für unmöglich, weil der Herzog von Moskau keinem russischen Mann die Ehre rauben könne, ganz egal was er getan habe. Jetzt erst enthüllt Rosaura, dass sie eine Frau ist. Clotald wird klar, was sie mit „geraubter Ehre“ meint. Er bleibt fassungslos stehen, als sich Rosaura und ihr Diener entfernen.

König für einen Tag

Später informiert Clotald den König darüber, dass das Experiment beginnen kann: Man hat Sigismund betäubt und in das Schlafgemach des Königs gebracht, wo die Diener schon darauf warten, ihn als König zu bedienen. Basilius geht ab und Clarin erscheint, der sich darüber beklagt, dass sich niemand um ihn kümmert. Rosaura darf sich, nach einem Wechsel der Garderobe, als Nichte Clotalds ausgeben und erfreut sich deshalb der Aufmerksamkeit der Dienerschaft. Clotald zeigt Verständnis und nimmt Clarin in seine Dienste auf.

„Dies ist wirklich jener Degen, / Den der schönen Violante / Ich als Zeichen überließ, / Dass, wer immer ihn mir zeige, / Mich als Vater milde finde (...)“ (Clotald, S. 15)

In diesem Moment betritt Sigismund die Szene und wundert sich über sein prunkvolles Gewand. Clotald klärt ihn über seine Situation auf und versucht ihn dazu zu ermuntern, seinem prophezeiten Schicksal die Stirn zu bieten. Doch Sigismund erkennt in Clotald seinen jahrelangen Wächter und will ihn auf der Stelle töten. Zwar kann man ihn davon abhalten, dennoch verhält er sich aufbrausend und unwirsch gegenüber den Dienern. Einen der Höflinge ergreift er und wirft ihn vom Balkon ins Meer. Als Astolf ihn höflich grüßt, antwortet Sigismund mit beißendem Spott. Basilius erfährt von Sigismunds Verhalten und ist verzweifelt, dass das Schicksal offenbar so große Macht über ihn hat. Er wollte seinen Sohn in die Arme nehmen und erschauert nun vor dessen Mörderhänden. Sigismund tut die Mahnungen seines Vaters ab: Er habe ein Anrecht auf den Thron und daher habe ihm der alte König nichts zu sagen. Da weist Basilius Sigismund darauf hin, dass er vielleicht nur träume ...

Erneuter Angriff auf Rosauras Ehre

Rosaura tritt auf, diesmal in Frauenkleidern. Sie gibt sich als Dame aus dem Gefolge Estrellas aus. Sigismund ist ergriffen von ihrer Schönheit und versucht, ihr Herz mit schmeichelnden Worten zu erobern. Weil ihm das nicht gelingt, schickt er alle Diener aus dem Raum, um sich das Ziel seiner Begierde mit Gewalt zu nehmen. Einzig Clotald tritt ihm entgegen. Sigismund zieht seinen Dolch, es kommt zu einem Handgemenge. Rosaura flieht und ruft um Hilfe, worauf Astolf erscheint und Sigismund bedroht. Erst als der König auftritt, werden die Waffen niedergelegt. Noch einmal spottet Sigismund über seinen Vater und geht ab. Basilius gibt den Befehl, Sigismund zu betäuben, ihn in den Turm zurückzubringen und ihm einzureden, alles sei nur ein Traum gewesen.

Verwirrspiel um ein Bildnis

Als Estrella auftritt, nutzt Astolf die Gelegenheit, um ihr erneut seine Liebe zu versichern. Estrella kommt auf das Bild zu sprechen, das er zuvor um den Hals getragen hat. Als Astolf verschwindet, um das Bild zu holen, erscheint Rosaura. Estrella bittet sie, auf Astolf zu warten und für sie das Medaillon entgegenzunehmen. Daraufhin verlässt sie die Szene.

„Statt Euch feindlich zu bekriegen, / Muss ich Eurem Reiz erliegen.“ (Astolf zu Estrella, S. 19)

Als Astolf zurückkehrt, ist er sehr verwundert, Rosaura vorzufinden. Diese behauptet, dass sie nicht Rosaura, sonder Asträa heiße, der Herzog aber durchschaut das Verwirrspiel und erkennt seine ehemalige Geliebte – die er zwar verlassen hat, aber offenbar immer noch liebt. Das Medaillon, das niemand anders als Rosaura zeigt, will er ihr nicht aushändigen, woraufhin sie versucht, es ihm mit Gewalt zu entreißen. In diesem Moment erscheint Estrella und fordert Aufklärung. Rosaura ersinnt eine List und erklärt, sie habe ein Bildnis von sich selbst fallen lassen, das Astolf aufgehoben habe und nun nicht mehr herausgebe. Estrella fordert es von ihm – unwissend, dass es sich um das Bild seiner ursprünglichen Geliebten handelt. Da sie auf einen Blick erkennt, dass Rosaura auf dem Porträt abgebildet ist, glaubt sie deren Geschichte und gibt es ihr zurück. Nachdem Rosaura abgegangen ist, fordert Estrella das andere Bild von Astolf. Aber da es kein solches gibt und er auch nicht zugeben kann, dass er Rosauras Porträt um den Hals trug, schweigt er. Estrella geht wütend ab. Sie will Astolf nicht wiedersehen.

Das Leben ist ein Traum

Im Turm erwacht Sigismund aus seiner Betäubung. Clotald, Clarin und der König haben ihn wieder hierher gebracht. Clarin wird ebenfalls eingesperrt, weil er entschieden zu viel redet und etwas von den Ereignissen ausplaudern könnte. Sigismund ist wie vom Donner gerührt, als ihm Clotald eröffnet, dass er sein Königtum nur geträumt habe. Er zieht in Erwägung, dass vielleicht sein Leben im Turm ein Traum und das Leben am Hof Realität gewesen sei. Clotald verlässt ihn mit den Worten, dass er nie ganz sicher sein könne, wann er wache und wann er träume – deshalb solle er sich auch im Traum wie ein guter Mensch verhalten. Sigismund erkennt, dass Clotald Recht hat, und beschließt, seinen cholerischen Charakter zu zügeln. Man könne schließlich nie wissen, ob nicht das ganze Leben ein Traum sei ...

Kampf um den Königsthron

In der Zelle beklagt Clarin sein Schicksal. Plötzlich hört er Trommeln, Hörner und Stimmen. Ein aufgebrachter Mob befreit ihn aus dem Turm und will ihn zum König machen. Die Menschen verwechseln ihn mit Sigismund; sie sagen, dass sie den wahren Thronfolger und nicht einen Fremden als König haben wollen. Als Sigismund erscheint, erkennen sie ihren Irrtum und bitten ihn, sich die Königswürde mit Waffengewalt zu nehmen. Sigismund glaubt, erneut zu träumen, und beherrscht sich deshalb. Sogar als Clotald sich vor seine Füße wirft und sein Todesurteil erwartet, hält Sigismund seine Wut im Zaum und begnadigt ihn. Wenn er träumt, will er Gutes tun, und wenn er wacht erst recht. Zusammen mit dem streitbaren Pöbel marschiert er auf den königlichen Palast zu. Im Palast unterrichtet Clarin den König, Astolf und Estrella über die Ereignisse. Das Volk ist gespalten: Einige verteidigen Basilius, andere gehen für Sigismund in die Schlacht. Schließlich greift der König selbst in den Kampf ein, um seine Krone zu retten.

„Morgen setz ich Sigismund / (Dies ist meines Sohnes Name) / Auf den Thron, auf meinen Stuhl, / Ohne dass er selber weiß, / Dass er eines Königs Sohn ist.“ (Basilius, S. 25)

Rosaura fleht derweil Clotald an, ihre Ehre zu verteidigen und Astolf zu töten. Das kann Clotald aber nicht tun, da ihm der Herzog von Moskau gegen Sigismund zur Seite stand. Er verspricht Rosaura sein Vermögen, sofern sie sich in ein Kloster zurückziehe. Sie lehnt ab und macht sich auf, Astolf mit eigenen Händen zu töten. Clotald folgt ihr.

Die Prophezeiung erfüllt sich

Sigismund führt seine Truppen heldenhaft in die Schlacht. Plötzlich tritt ihm Rosaura entgegen, bewaffnet wie ein Mann. Sie erinnert ihn daran, dass sie sich bereits zweimal begegnet sind – im Turm und bei Hof –, und erbittet seine Hilfe gegen Astolf. Sie berichtet ihm, dass bereits ihrer Mutter das gleiche Schicksal wie ihr widerfahren sei – mit dem Unterschied, dass sie wisse, wer ihre Ehre geraubt und sie schmählich verraten habe. Sigismund ist verwirrt: Wenn er Rosaura mehrmals gesehen hat, war es dann immer im Traum oder doch in wachem Zustand? Seine kurz auflodernde Lust, sie zu besitzen, kann er zügeln. Er weiß: Jede böse Tat, egal ob im Wachzustand oder im Traum, hat Konsequenzen im Jenseits. Er zieht wie gewünscht gegen Astolf ins Feld.

„Wenn er sich zuerst als Herrscher / Und darauf zur Haft verdammt sieht, / Kann er glauben, dass er träumte, / Und er glaubt es dann mit Recht: / Weil in dieser Welt, Clotald, / Alle, die da leben, träumen.“ (Basilius über Sigismund, S. 34)

Clarin fällt im Kriegsgetümmel einer Kugel zum Opfer. Basilius sieht ein, dass er gegen Sigismund nicht gewinnen kann, und wirft sich vor ihm in den Staub. So erfüllt sich die Prophezeiung, jedoch hat sie nicht die gefürchteten Konsequenzen. Zu Basilius’ Überraschung reicht ihm der vermeintliche Tyrann die Hand. Als neuer König von allen gefeiert, schafft Sigismund gleich noch alle weiteren Probleme aus der Welt: Er verheiratet Rosaura, deren Herkunft endlich geklärt wird, mit Astolf, sodass ihre Ehre wiederhergestellt ist. Er selbst bittet um die Hand Estrellas und wird nicht abgewiesen. Das allgemeine Erstaunen über die Wandlung seines Charakters erklärt Sigismund ganz einfach: Ein Traum war sein Lehrer. Und da das menschliche Leben ein Traum sei, wolle er künftig die kurze Erdenfrist dazu verwenden, ein gerechter Herrscher zu sein.

Zum Text

Aufbau und Stil

Das Leben ist ein Traum ist ein Drama in drei Akten. Tragische und komische Elemente vermischen sich. Das Ende ist jedoch glücklich und bringt die Lösung aller Probleme. Die Handlung schlägt viele Haken und verdichtet sich zu einem spaßigen Verwirrspiel. Für Unterhaltung sorgt vor allem der Typ des Narren, in der spanischen Komödie „gracioso“ genannt. Diese Rolle spielt hier der geschwätzige Diener Clarin. Zwei Handlungsstränge sind miteinander verknüpft: die Haupthandlung mit Sigismund und Basilius und die Nebenhandlung um Rosauras verlorene Ehre und ihre offene Rechnung mit Astolf. Calderón verknüpft die beiden Stränge so miteinander, dass nur ihre gleichzeitige Auflösung am Ende zu einem Happy End führen kann. Im Original ist der für spanische Barockdramen typische Gongorismus (benannt nach dessen Erfinder Luis de Góngora) erkennbar: ein Stil, der sich durch verspielte, mitunter fast schwülstige Verse auszeichnet. Außerdem gibt es im Text zahlreiche Verweise auf die Mythologie.

Interpretationsansätze

  • Das Drama wendet sich einem fundamentalen philosophischen Problem der Barockzeit zu: Ist das menschliche Leben real oder nur ein Traum – womöglich ein Traum Gottes? Jedenfalls ist das menschliche Leben von Unsicherheit geprägt – das zeigen in Calderóns Stück nicht nur die Wandlungen, die Rosaura durchmacht (sie tritt als Mann, Zofe und Krieger auf), sondern vor allem die Pointe der Haupthandlung: Sigismund kann irgendwann nicht mehr zwischen Träumen und Wachen unterscheiden.
  • Eine weitere philosophische Frage betrifft die Prädestination des Menschen: Besitzt er einen freien Willen oder ist sein Leben vom Schicksal oder von Gott vorherbestimmt? Zunächst scheint im Drama alles für die Prädestinationsthese zu sprechen, doch dann nimmt Sigismund sein Schicksal selbst in die Hand und stärkt damit die These des freien Willens.
  • Im katholischen Spanien der Gegenreformation glaubte man, dass der Mensch dazu geboren werde, Gutes zu tun. Insofern ist Calderóns Drama auch ein Angriff auf den Protestantismus: Eine Verdammnis des Menschen von Geburt an und eine Erlösung einzig durch Gottes Gnade wollte der katholische Autor nicht anerkennen.
  • Das Drama ist ein typisches Barockwerk: Die Verherrlichung der menschlichen Taten und Fähigkeiten, wie sie noch in der Renaissance vorherrschte, verschwindet vor der Erkenntnis, dass das Leben nur eine kurze Episode ist und der Mensch nach einem träumerischen Intermezzo auf Erden in die Ewigkeit eingeht.
  • Sigismunds Entwicklung gibt Aufschluss über Calderóns Einschätzung der menschlichen Existenz: Alle Lust auf Erden ist kurz, die Ewigkeit jedoch unermesslich. Die Moral des Stücks entspricht damit ganz der christlichen Heilslehre: Das menschliche Leben dient allein der Vorbereitung auf das Jenseits.
  • Das Begriffspaar Pflicht und Ehre dominiert die Nebenhandlung um Rosaura, beeinflusst jedoch auch die Entwicklung der Hauptfigur. Erst durch Rosauras unabdingbaren Entschluss, ihre Ehre als Frau gegenüber Astolf wiederherzustellen, erkennt Sigismund, dass er die Pflicht hat, ihr zu helfen und sie nicht etwa – wie zunächst geplant – ebenfalls unehrenhaft zu behandeln.

Historischer Hintergrund

Spaniens Goldenes Zeitalter

Die 130 Jahre zwischen 1550 und 1680 werden als das Goldene Zeitalter Spaniens bezeichnet, das „Siglo de Oro“. Einige der berühmtesten Werke spanischer Kunst und Literatur entstanden in dieser Epoche: Miguel de Cervantes, Lope de Vega und Tirso de Molina schrieben in dieser Zeit ihre Bücher. Die Künstler El Greco und Diego Velázquez eroberten sich mit ihren Werken einen festen Platz in der Kunstgeschichte.

Ironischerweise war der Aufstieg der Kunst mit einem Niedergang der politischen und militärischen Macht Spaniens verbunden. Nachdem England 1588 den Angriff der spanischen Armada zurückgeschlagen hatte, befand sich das Land am Rande des Bankrotts. Spanien musste seine Besitztümer in Italien, den Niederlanden und in Amerika verteidigen und kämpfte mit dem Osmanischen Reich um die nördliche Küste Afrikas. König Philipp IV., der 1621 auf den Thron kam, war ein Förderer der Kunst; die Kultur des Goldenen Zeitalters erreichte während seiner Regentschaft ihren Zenit. Doch zugleich verstrickte sich Spanien in einen Krieg mit den Niederlanden, griff aufseiten Österreichs in den Dreißigjährigen Krieg ein und erregte damit den Groll des nördlichen Nachbarn Frankreich. Um für die hohen Kriegskosten aufkommen zu können, bürdete der König seinen Untertanen immer neue Steuern auf. Zwischen 1634 und 1640 kam es zu Unruhen in Katalonien und Portugal, in deren Folge sich Portugal von Spanien loslöste. Der Westfälische Frieden von 1648 markierte das Ende des Dreißigjährigen Krieges und schwächte Spanien erneut, denn es musste die Unabhängigkeit der Niederlande anerkennen. Der Pyrenäenfriede elf Jahre später beendete den Krieg zwischen Spanien und Frankreich und kostete die spanische Krone Teile des Artois, Flanderns, Luxemburgs und Nordkataloniens. Spaniens Stern sank und Frankreich wuchs zur neuen europäischen Hegemonialmacht heran.

Entstehung

Die konkreten Umstände, unter denen Calderón Das Leben ist ein Traum niederschrieb, sind unbekannt. Verfasst wurde das Stück vermutlich zwischen Mai 1634 und November 1635. Die Forschung hat sich in den letzten 100 Jahren intensiv mit Calderóns Quellenmaterial beschäftigt, aber die Meinungen hierzu gehen auseinander. Einigkeit besteht darin, dass die unmittelbare Vorlage des Dramas ein Gemeinschaftswerk von Calderón und Antonio Coello war. Zwar unterscheiden sich die beiden Werke, was die Handlung betrifft, identisch aber sind der Schauplatz (Polen), bestimmte Motive (Entmachtung des Herrschenden, der Turm als Kerker, der Fenstersturz) und gewisse Figuren (Rosaura, Sigismund).

Das Grundmotiv des Lebens als Traum ist allerdings noch bedeutend älter; es geht wahrscheinlich auf die christliche Ausformung einer Legende des indischen Religionsstifters Buddha zurück. Die Legende von Barlaam und Josaphat entstand im sechsten Jahrhundert und nahm sich das Buddhamotiv zum Vorbild. Sie handelt vom Prinzen Josaphat, dessen heidnischer Vater ihn einsperrt, weil er verhindern will, dass sein Sohn Christ wird, wie es in einer Weissagung prophezeit wurde. Der Einsiedler Barlaam bekehrt den Sohn aber doch, und Josaphat gelingt es schließlich sogar, seinen Vater von der Heilsbotschaft des Christentums zu überzeugen, während er selbst sein Heil in der Askese sucht. Der Stoff wurde mehrmals übersetzt und wanderte über die Jahrhunderte durch die ganze Welt. Das Motiv des wachen Schläfers findet sich in der seit dem Mittelalter verbreiteten Novellensammlung Die sieben weisen Meister ebenso wie in den Märchen aus Tausendundeiner Nacht.

Wirkungsgeschichte

Das Drama wurde 1636 am Hoftheater des Palacio Real in Madrid, dessen Intendant Calderón war, uraufgeführt. Im gleichen Jahr wurde es gemeinsam mit anderen Komödien in einem Sammelband publiziert. Mehrere spanische Ausgaben in den folgenden Jahren und Jahrzehnten schlossen sich an. Calderón selbst nahm sich 1677 erneut des Themas an und machte daraus eines seiner zahlreichen kirchlichen Festspiele, in dem er die Figuren noch stärker typisierte. Bereits 1639 fand die Erstaufführung einer deutschen Fassung von Das Leben ist ein Traum in Hamburg statt, der weitere Vorstellungen im 17. Jahrhundert folgten. 1812 brachte Johann Wolfgang von Goethe das Stück in Weimar auf die Bühne.

Der Stoff wurde u. a. von Franz Grillparzer (Der Traum ein Leben, 1840) und Hugo von Hoffmannsthal (Der Turm, 1925) bearbeitet. Eine der ersten englischsprachigen Übersetzungen stammte vom Romantiker Percy Bysshe Shelley. Der italienische Schriftsteller und Regisseur Pier Paolo Pasolini verwendete Calderóns Motive und Figuren für sein Drama Calderón (1973). Es existieren zudem mehrere Bearbeitungen für das Musiktheater, darunter die Oper Sigismondo (1841) von Gioacchino Rossini.

Über den Autor

Pedro Calderón de la Barca wird am 17. Januar 1600 in Madrid geboren. Er entstammt einer alten Adelsfamilie aus einem Tal bei Burgos. Calderón verliert früh seine Eltern: Als er zehn Jahre alt ist, stirbt seine Mutter, fünf Jahre später sein Vater. Ab 1614 besucht er eine Jesuitenschule in Madrid und beginnt, sich mit Literatur zu beschäftigen. An der Universität Alcalá studiert er Jura, Mathematik, Philosophie und Theologie; er bricht das Studium jedoch 1620 ab, um Soldat zu werden. Bei einem Dichterwettstreit in Madrid erringt Calderón das Wohlwollen Lope de Vegas, der ihn mit den Worten lobt: „Ein Preis wurde an Don Pedro Calderón vergeben, der in seinem Alter Lorbeeren gewinnt, welche die Zeit nur ergrautem Haare zu geben pflegt.“ Als de Vega 1635 stirbt, nimmt Calderón dessen Platz als Hofdramatiker ein und avanciert zum bedeutendsten Dichter seiner Zeit. Sein Bruder veröffentlicht 1636 einen Sammelband mit Dramen, darunter das Meisterstück La vida es sueño (Das Leben ist ein Traum). 1640 beteiligt sich Calderón als Offizier an den Kämpfen gegen die Aufständischen in Katalonien und überzeugt den König auch mit seinen militärischen Leistungen. 1651 wird er sogar zum Priester geweiht – seine anfänglichen theologischen Studien tragen doch noch Früchte. Kurz darauf wird er Domherr der Kathedrale in Toledo und 1663 Hofgeistlicher. Calderón hört nie auf, Stücke zu schreiben. In der letzten Phase seines Lebens widmet er sich hauptsächlich der Verfassung von Fronleichnamsspielen (so genannte „autos sacramentales“) und anderer geistlicher Dramen. Er stirbt am 25. Mai 1681. Calderón hinterlässt mehr als 200 Werke. Zu den bedeutendsten zählen La dama duende (Die Dame Kobold), El príncipe constante (Der standhafte Prinz), El alcalde de Zalamea (Der Richter von Zalamea) und El gran teatro del mundo (Das große Welttheater).

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