Zusammenfassung von Der eingebildete Kranke

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Der eingebildete Kranke Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Komödie
  • Klassizismus

Worum es geht

Lachen über die Ärzte

In seiner letzten Komödie spottet Molière wie schon in früheren Stücken über die Ärzte – indem er sie sehr geschäftig einen Scheinkranken behandeln lässt. Dieser ist als eindimensionaler Charakter angelegt, der von seinen eingebildeten Krankheiten so besessen ist, dass er sogar seine Tochter mit einem Arzt zwangsverheiraten will. Deftig-burlesk geht es zu in dieser Satire; ein turbulenter, heute noch häufig gespielter Spaß mit ernstem Hintergrund: nicht nur, weil Molière selbst krank war, als er das Stück verfasste, nicht nur, weil er als Schwerkranker den eingebildeten Kranken selbst spielte und nach der vierten Aufführung starb; sondern auch, weil Molière mit aufklärerischem Impetus die Ärzteschaft seiner Zeit an den Pranger stellte, die in leeren Ritualen erstarrt war und sich – zum Leidwesen der Patienten – neuen medizinischen Erkenntnissen verschloss.

Take-aways

  • Der eingebildete Kranke ist Molières letzte Komödie – und eine seiner bekanntesten.
  • Inhalt: Aus Eigennutz will der Hypochonder Argan seine Tochter mit einem Arzt verheiraten, den sie hasst. Das Dienstmädchen Toinette und Argans Bruder Béralde verhindern das durch viele Tricks und Verstellungen und sorgen für den richtigen Bräutigam.
  • Ein Hauptthema ist der Gegensatz von Schein und Sein: Was echt wirkt, ist eingebildet oder geheuchelt, während umgekehrt Verstellungen oft zur Wahrheit führen.
  • Molière selbst spielte als Schwerkranker die Hauptrolle und starb nach der vierten Aufführung noch im Kostüm.
  • Mit der Komödie prangerte er die Medizin- und Autoritätsgläubigkeit seiner Zeit an.
  • Die Medizin war im 17. Jahrhundert in Ritualen erstarrt und verweigerte sich neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
  • Die häufigste Behandlungsmethode war der Einlauf – was im Stück sehr zur burlesken Komik beiträgt.
  • Molière ging es um Aufklärung durch Lächerlichmachen, was ihm viele Feinde einbrachte.
  • Zusammen mit den Tragödienautoren Corneille und Racine prägte er das Zeitalter der französischen Klassik.
  • Zitat: „Sagen Sie mir doch bitte, verehrter Herr Doktor: Wie geht es mir?“

Zusammenfassung

Ein knauseriger Hypochonder

Herr Argan studiert seine Apothekerrechnung. Er empört sich über die hohen Preise und korrigiert sie eigenmächtig nach unten. Diesen Monat hat er acht Medikamente und zwölf Einläufe bekommen, wobei es vergangenen Monat noch zwölf Arzneien und 20 Einläufe gewesen sind. Der Rückgang schlägt sich sofort auf seine Stimmung nieder. Panisch klingelt er nach dem Dienstmädchen Toinette. Er fühlt sich von aller Welt verlassen, als sie nicht sofort erscheint, und beschimpft sie, als sie endlich da ist. Argan erkundigt sich bei ihr nach dem Ergebnis seines letzten Einlaufs und mahnt, den nächsten vorzubereiten.

Widersprüchliche Hochzeitspläne

Argan wünscht, seine Tochter Angélique zu sprechen. Doch als sie kommt, wird er zum Einlauf gerufen, und Angélique ist mit Toinette allein. Sie gesteht dem Dienstmädchen, dass sie verliebt ist, und möchte, dass Toinette ihre Gefühle gutheißt und die Vortrefflichkeit des Geliebten bestätigt. Das tut sie auch, mahnt aber gleichzeitig zur Vorsicht: Ob die Gefühle des Mannes lauter seien, werde sich zeigen, wenn er um Angéliques Hand anhalte. Just in dem Moment kommt Argan zurück und verkündet Angélique, dass um ihre Hand angehalten wurde. Nun müsse er sie ja nur noch fragen, ob sie wolle. Angélique ist entzückt und antwortet mit ihrer Tochterpflicht zum Gehorsam. Argan erwähnt, den Wünschen seiner Frau nicht nachgegeben zu haben, die seine beiden Töchter ins Kloster schicken wollte. Zwar kenne er seinen zukünftigen Schwiegersohn noch nicht, aber er soll in allem zur Zufriedenheit ausfallen. Angélique bestätigt das eifrig und gesteht, ihn seit sechs Tagen zu kennen und sich verliebt zu haben. Argan zählt einzelne Vorzüge des Bräutigams auf, die er vom Hörensagen kennt und die Angélique schwärmerisch bestätigt. Dass er allerdings in drei Tagen seinen Doktorhut erhalten soll, irritiert sie. Schließlich stellt sich heraus, dass sie nicht über den gleichen Mann sprechen. Angéliques Angebeteter heißt Cléante. Der von ihrem Vater Ausgewählte dagegen ist der Neffe seines Arztes und selbst angehender Arzt.

„Der Herr Magister und der Herr Doktor haben viel Spaß mit Ihrem Körper. Die beste Melkkuh sind Sie für diese Herren.“ (Toinette zu Argan, S. 14)

Toinette fragt Argan nach den Gründen für seine Wahl. Die Antwort ist schlicht: Argan möchte Ärzte in seiner Familie – und vor allem in seinem Haus – haben. Auf Toinettes direkte Frage hin, ob er denn wirklich krank sei, fängt er wieder an, sie zu beschimpfen. Ihren Hinweis, dass ja nicht er heirate, sondern seine gesunde Tochter, pariert er mit der Entgegnung, dass er damit Angélique den Mann und sich selbst den Arzt gebe. Er verweist zudem auf die Gehorsamspflicht der Tochter. Toinette meint, er könne sich diese Hochzeit aus dem Kopf schlagen: Angélique werde nicht zustimmen. Im Streitgespräch mit dem Dienstmädchen verhärtet sich Argans Wille: Entweder Angélique heirate Thomas Diafoirus oder er schicke sie ins Kloster. Er erregt sich so sehr, dass er plötzlich gar nicht mehr krank wirkt. Auch Toinette bleibt hart: Sie will diese Heirat nicht zulassen.

Eine zweifelhafte Ehefrau

Argan beschwert sich bei Béline, seiner zweiten Frau und Angéliques Stiefmutter, über Toinettes Verhalten. Béline beruhigt ihn und zeigt sich sehr besorgt um seine Gesundheit. Zum Dank kündigt er an, wie versprochen sein Testament aufzusetzen. Béline gibt sich betroffen – dabei hat sie bereits den Notar, Bonnefoy, gerufen. Er eröffnet Argan, dass er seiner Frau nichts vererben könne: Ein Mann könne seiner Gattin nur durch eine Schenkung zu Lebzeiten Geld hinterlassen, und auch das nur, wenn keine Kinder da seien. Als Argan überlegt, seinen Anwalt in dieser Sache hinzuzuziehen, rät ihm Bonnefoy schnell davon ab: Anwälte seien nicht dafür geeignet, das Gesetz zu umgehen. Er selbst jedoch kenne mehrere Möglichkeiten, wie er Béline dennoch etwas hinterlassen könne. Mit einem Zeichen gibt Béline Bonnefoy zu verstehen, dass ihr die Variante mit dem Bargeld gefällt. Argan gegenüber aber gibt sie vor, den Gedanken an seinen Tod nicht ertragen zu können und ihm nachfolgen zu wollen, sollte er sterben. Die Eheleute tauschen Versicherungen ihrer Liebe aus, und Argan bedauert, dass er und Béline kein gemeinsames Kind haben – was Béline geflissentlich überhört. Als Argan mit dem Notar ins Nebenzimmer geht, um das Testament aufzusetzen, steckt sie Bonnefoy heimlich eine Geldbörse zu.

Ein lachhafter Bräutigam

Cléante, der von Angéliques bevorstehender Heirat erfahren hat, sucht Argans Haus auf. Er möchte seine Geliebte sprechen, angeblich als Vertretung von Angéliques Musiklehrer. Toinette will den beiden ungestörte Zeit verschaffen, aber vergebens: Argan besteht darauf, dass der Musikunterricht in seiner Anwesenheit stattfindet. Da erscheinen Thomas, der Bräutigam in spe, und dessen Vater, Doktor Diafoirus. Argan und der Doktor tauschen Höflichkeiten aus, wobei sie immer gleichzeitig sprechen. Der tapsige Thomas fragt seinen Vater, an wen er sich zuerst wenden soll, und richtet dann eine akademisch verschwurbelte Rede an Argan. Anschließend will er Angélique auf die Stirn küssen – sie weicht mithilfe eines Knickses aus und er gerät ins Stolpern. Als er sie als „zweite Mutter“ anspricht, wird klar, dass er sie mit Béline verwechselt hat. Toinette lobt seine Redekünste ironisch, Argan ernsthaft. Darauf beginnt Thomas’ Vater, ihn zu charakterisieren, und entwirft dabei das unvorteilhafte Bild eines nicht eben intelligenten, in seinen akademischen Ansichten verknöcherten Jungen. Ein Beweis dafür liefert Thomas, als er eine Papierrolle aus der Tasche zieht, sein Traktat gegen den Blutkreislauf. Er will es Angélique schenken und lädt sie außerdem ein, ihm beim Sezieren einer Leiche zuzusehen.

Das wahre Liebespaar bekennt sich

Argan fordert den vermeintlichen Musiklehrer Cléante auf, seine Tochter etwas vorsingen zu lassen. Cléante kündigt eine Szene aus einer Oper an, die die Zuneigung zweier Menschen zum Ausdruck bringen wird. Dabei sei die Ausgangslage folgende: Der Schäfer Tirsis hat die Schäferin Philis vor einem aufdringlichen Flegel gerettet. Dafür dankt sie ihm herzlich, und er verliebt sich in die Schöne. Er will um ihre Hand anhalten, aber da erfährt er, dass ihr Vater sie schon bald mit einem anderen verheiraten will. Verzweifelt sucht er sie auf, um von ihr über ihre Gefühle ins Bild gesetzt zu werden. Dabei wird er Zeuge der Hochzeitsvorbereitungen und sieht sogar den lächerlichen Bräutigam. Er ist zornerfüllt und doch zum Schweigen verdammt – endlich aber findet er die richtigen Worte. Cléante fängt an, mit Angélique im Duett zu singen und so ihr Herz zu erkunden. Ihre Antwort ist Ja: Sie liebe ihn auch, und sie hasse den unerwünschten Nebenbuhler. Argan ist zuerst ganz ergriffen, dann aber besinnt er sich und bezeichnet Tirsis als Frechdachs und Philis als verlottert in ihrem Verhalten dem Vater gegenüber. Als er den Text sehen möchte, steht da nichts, nur Noten. Cléante macht ihm weis, dass neuerdings der Text schon in den Noten enthalten sei.

Angélique im Dilemma

Argan fordert Angélique auf, dem jungen Herrn Diafoirus als Zeichen ihrer künftigen Verbindung die Hand zu reichen. Die Tochter sträubt sich und bittet den Vater, ihr Zeit zu lassen, damit die notwendige gegenseitige Zuneigung entstehen könne. Thomas sagt, was ihn betreffe, sei diese Neigung schon da. Bei ihr sei das leider nicht der Fall, entgegnet Angélique. Béline äußert schließlich den Verdacht, dass Angélique vielleicht einen anderen Mann im Sinn habe. Diese leugnet es nicht und sagt, eine Tochter müsse nicht alles für ihren Vater tun, und wenn er ihr schon nicht den Mann geben wolle, der ihr gefalle, dann solle er ihr wenigstens den ersparen, der ihr gar nicht gefalle. Natürlich gebe es auch Frauen, die nur auf den Tod des Gatten warteten und darum nicht weiter wählerisch seien ... Argan geht dazwischen und spricht ein Machtwort: Angélique hat nur die Wahl zwischen Thomas Diafoirus und dem Kloster. Sie hat vier Tage Zeit, sich zu entscheiden.

„Die Quellen der Linderung, die für mich unentbehrlich sind, sollen mir in meinem Haus zur Verfügung sein: Beistand, Zuspruch und Verschreibungen.“ (Argan, S. 19)

Später wird Argan von Béline gewarnt: Sie hat einen jungen Mann vor Angéliques Zimmertür gesehen. Die jüngere Tochter Louison könne das sicher bezeugen. So horcht Argan Louison aus. Die leugnet zunächst, etwas Besonderes gesehen zu haben, gibt dann aber unter der Androhung von Prügeln zu, dass da ein junger Mann war, angeblich ein Gesangslehrer, der Angélique Liebesgeständnisse gemacht hat.

Streitgespräch über Medizin

Argans Bruder Béralde trifft ein. Toinette bestärkt ihn in seinem Vorhaben, Argan die geplante Hochzeit auszureden. Sie selbst kündigt an, dass sie ihrerseits auch einen Plan habe. Im Gespräch mit Argan äußert Béralde die Vermutung, dass die Idee, Angélique ins Kloster zu schicken, von Béline stammt. Als er seinen Bruder nach dem Grund für den unpassenden Bräutigam fragt, wiederholt Argan, dass der Schwiegersohn vor allem ihm passen müsse. Da sagt ihm sein Bruder ins Gesicht, dass er ja gar nicht krank sei, sondern nur um jeden Preis krank sein wolle. Es entspinnt sich ein Gespräch über die Möglichkeiten der Medizin. Béralde vertritt die Position, dass die Medizin zwar Krankheiten beschreiben und auf Latein oder Griechisch benennen könne, aber nicht imstande sei, sie zu heilen. Entweder wüssten das die Ärzte und sagten es aus Profitgier nicht oder aber sie glaubten selbst an ihren Irrtum. Béraldes Ansicht nach gerät der kranke Körper irgendwann von allein wieder ins Gleichgewicht, wenn man ihn nur lässt. Um Argan von seinem fanatischen Glauben an die Medizin zu kurieren, würde er ihn gern eine Komödie von Molière ansehen lassen. Argan beschimpft Molière als anmaßend und unverschämt; dieser ziehe den Berufsstand der Ärzte in den Dreck. Um ihn das büßen zu lassen, würde er ihn ohne ärztlichen Beistand sterben lassen. Béralde entgegnet, dass Molière diesen Beistand ohnehin verweigern würde, weil er der Überzeugung sei, dass Arzneien dem Kranken die allerletzten Kräfte rauben.

Argan wird verunsichert

Da kommt der Apotheker Magister Fleurant mit der Klistierspritze, um Argan einen Einlauf zu verpassen. Béralde ordnet an, diesen zu verschieben – sehr zur Beunruhigung Argans. Prompt kommt sein Arzt hinzu, Doktor Purgon, empört, dass man sich seinen Anweisungen widersetzt. Er kündigt die Beziehung zu Argan auf und wünscht ihm die schlimmsten Krankheiten an den Hals. Sämtliche Hinweise des Patienten, dass nur sein Bruder schuld sei, ignoriert er. Kaum ist Doktor Purgon aus dem Haus, kündigt Toinette einen anderen Arzt an. Argan, der es nicht erträgt, ohne Arzt zu sein, lässt ihn hereinbitten. Es ist Toinette selbst, die als Arzt verkleidet Argan ihre Dienste anbietet. Der vermeintliche Mediziner behauptet, schon viel von dem Patienten Argan gehört zu haben. Als Beweis seiner Kunst gibt er sein eigenes hohes Alter an: Er sei 90, dabei schätzt Argan ihn auf höchstens 27. Toinette fühlt Argan den Puls und bezeichnet diesen als unfolgsam; seine bisherigen Ärzte seien Idioten. Toinettes Diagnose: ein Lungenleiden. Darauf deuteten etwa Kopfschmerzen, großer Appetit und eine Vorliebe für Wein hin. Sie hält die bisherigen Diätvorschriften für Quatsch und verordnet Argan seine nicht eben leichten Leibspeisen. Außerdem rät sie dem Patienten, sich sofort den einen Arm amputieren und ein Auge „stilllegen“ zu lassen, denn diese Körperteile zögen alle Nahrung an sich. Das geht Argan dann doch zu weit. Er zieht die Mangelernährung einer Körperseite der Verstümmelung vor.

Zwei Enthüllungen

Nachdem der vermeintliche Arzt gegangen ist, kommt Béralde wieder auf die Hochzeitsangelegenheit zu sprechen. Weil der Kontakt zu Doktor Purgon und seinem Neffen ja nun abgebrochen ist, möchte er den richtigen Kandidaten wieder ins Spiel bringen. Argan aber will Angélique nun wegen ihres Ungehorsams ins Kloster schicken. Damit tue er ja nur seiner Frau einen Gefallen, wirft ihm Béralde vor. Was sie betreffe, so sei Argan ebenso blind wie gegenüber der Medizin. Dieser widerspricht und ruft Toinette als Zeugin für die große Zärtlichkeit seiner Frau herbei. Toinette bestätigt alles und schlägt einen Trick vor, um es zu beweisen: Argan soll sich tot stellen, und Bélines Reaktion werde ihre wahren Gefühle offenbaren. So geschieht es auch: Bélines Erleichterung über Argans Tod und die Verachtung ihres Mannes könnten deutlicher nicht sein. Der „Tote“ erhebt sich, ihm sind die Augen geöffnet. Toinette schlägt vor, das gleiche Schauspiel für Angélique zu veranstalten. Diese ist ehrlich entsetzt über den Tod des Vaters, zumal sie glaubt, er sei voller Zorn auf sie gestorben. Cléante kommt hinzu, aber Angélique will nun von Hochzeit nichts mehr wissen, sondern aus Reue freiwillig ins Kloster gehen. Da erkennt Argan, was er an seiner Tochter hat.

Glückliches Ende

Argan stimmt einer Hochzeit zwischen Angélique und Cléante zu, unter der Bedingung, dass dieser Arzt wird. Darauf lässt Cléante sich gerne ein. Béralde schlägt jedoch vor, dass Argan selbst Arzt werden könne – dann wäre er noch näher an dem, was er brauche. Argans Bedenken, dass er dafür Latein können und die Krankheiten und Arzneien kennen müsse, wischt Béralde beiseite: Es genüge vollauf, sich wie ein Arzt zu kleiden. Den anderen verrät Béralde, dass er eine kleine Komödie vorbereitet hat: Ein Trupp von Komödianten – sie stellen Klistierspritzenträger, Apotheker, Ärzte und Chirurgen dar – soll die feierliche Promotion Argans inszenieren. Der Vorsitzende hält eine lateinisch klingende Rede, und der Kandidat wird in „Latein“ geprüft. Damit ist Argan frisch approbiert, er liest seine Antrittsrede vom Blatt und wird von dem Ballett aus Ärzten und Assistenten umtanzt.

Zum Text

Aufbau und Stil

Die Prosakomödie Der eingebildete Kranke besteht aus drei Akten sowie getanzten und gesungenen Zwischenspielen, die bis auf das letzte, Argans Approbation, keinen Zusammenhang mit der Haupthandlung aufweisen. Sie werden meist nicht mit aufgeführt. Die Handlung folgt der Regel der drei Einheiten, denen ein Drama im französischen Klassizismus folgen musste. Da ist zunächst die Einheit der Zeit (das Stück umfasst maximal 24 Stunden), was eine geraffte Handlung und viele schnelle Entscheidungen bedingt. Dann die Einheit des Ortes: Alles spielt sich in Argans Haus ab. Schließlich die Einheit der Handlung, die allerdings weniger eindeutig gegeben ist: Das Geschehen dreht sich zwar um den einen Kern, Argans medizinischen Wahn, doch die Liebesgeschichte von Angélique und Cléante ist dennoch zu wichtig, als dass man sie als Nebenhandlung bezeichnen könnte. Jeder Akt ist kunstvoll auf einen Höhepunkt hin gebaut. Es gibt einen Umschwung und am Schluss die Lösung, die natürlich, der Komödie gemäß, das Happy End nach sich zieht. Komik erzeugt Molière mithilfe verschiedener Mittel: Er verwendet Situationskomik (z. B. Ins-Wort-Fallen), Übertreibungen, Sprachkomik (etwa das Pseudolatein) und die Komik der Maskerade (Verkleidungen, Verstellungen).

Interpretationsansätze

  • Die gesamte Handlung wird vom Hypochonder Argan angetrieben, der in seinem eingebildeten Kranksein lächerlich und äußerst rücksichtslos ist. Der Wahn, krank zu sein, entspringt einem radikalen Egoismus: Alles muss sich um den Patienten drehen. Seine Krankheit ist die einzige Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Dahinter steht eine große Leere, letztlich die Angst vor der eigenen Nichtigkeit und dem Tod.
  • Besonders auffällig an seiner „Krankheit“ und deren Bekämpfung ist die anale Fixierung: Ständig steht irgendein Einlauf bevor. Daher rührt auch ein Gutteil der burlesken Komik dieser Komödie. Dieser Regression in die anale Phase entspricht Argans Aufgabe seiner Sexualität: Mit Béline hat er keinen Nachwuchs gezeugt, und sie redet mit ihm wie mit einem Kind.
  • Ein wichtiges Thema des Stücks ist der Gegensatz von Schein und Sein: Argan erkennt weder, dass seine Krankheit nur Schein, noch, dass die Liebe Bélines nur geheuchelt ist. Zur Wahrheit gelangt er wiederum mit Mitteln des Scheins: Sowohl der neue Arzt (Toinette) als auch sein eigener, doppelter Tod sind nur gespielt. Auch Angélique und Cléante können ihre Liebe nur durch die Fiktion eines Singspiels äußern.
  • Molière prangert mit der übertriebenen Figur des Argan die Medizin- und damit allgemeiner die Autoriätshörigkeit seiner Zeit an. Besonders aufs Korn nimmt er die Riten der medizinischen Fakultät und überhaupt den universitären Kult, hinter dem sich zu seiner Zeit ein starres Machtmonopol verbarg. Dieses untergrub den Fortschritt, indem aktuelle Forschungsergebnisse zugunsten überbrachter Lehrmeinungen ignoriert wurden.
  • Mit dieser Gesellschaftskritik ist Molière, bei aller Komik und Unterhaltung, die seine Komödie bietet, ein Vertreter der Aufklärung. Aufklärung durch Lächerlichmachen: das ist sein Prinzip.
  • Nicht zuletzt thematisiert das Stück auch die Frauenemanzipation: Angélique wehrt sich gegen die Zwangsverheiratung durch ihren Vater.

Historischer Hintergrund

Die Medizin im 17. Jahrhundert

Medizinische Tätigkeiten waren im Frankreich des 17. Jahrhunderts auf verschiedene Berufe verteilt. Chirurgen etwa waren – wie Friseure – so genannte Barbiere. Sie behandelten auch Zahnerkrankungen, zumeist indem sie die Zähne zogen. So hatte König Ludwig XIV. mit 40 Jahren nur noch die Hälfte seiner Zähne. Einen Chirurgen, der ihn erfolgreich an einer Fistel operiert hatte, ließ er reich entlohnen, und das Jahr wurde zum „Jahr der Fistel“ erklärt.

Im Gegensatz zum Barbier-Chirurg war der Arzt nicht für die Behandlung, sondern für die Diagnose zuständig. Die Therapien, die er verschrieb und die andere durchzuführen hatten, waren zumeist „Reinigungen“ des Körpers in Form von Erbrechen (durch Brechmittel), Aderlass und Abführen – Letzteres durch Mittel wie Einläufe mit Klistierspritzen. Mit deren Beliebtheit kam der „durchbrochene Stuhl“ – also der Toilettensitz – in Mode, der durchaus auch in der Öffentlichkeit benutzt wurde. Ludwig XIII., der an Tuberkulose litt und völlig abgemagert war, wurde in den letzten Monaten seines Lebens 47 Mal zur Ader gelassen, 212 Mal klistiert und 215 Mal purgiert (abgeführt).

Ärzte waren Wissenschaftler und sprachen folglich Latein – was ihnen vor Laien automatisch den Nimbus der Autorität verlieh. Dieser speiste sich auch durch das langjährige Studium, in dem immer wieder lateinische Thesenpapiere verfasst und verteidigt werden mussten.

Entstehung

Der eingebildete Kranke war Molières letztes Theaterstück. Er schrieb es, schon schwer krank, im Januar 1673. Seine eigene Krankheit und die bitteren Erfahrungen mit Ärzten, deren Auftritte er eher mit Tod als mit Heilung verband (seine Mutter und zwei seiner Kinder waren früh gestorben), geben der Komödie einen tragischen biografischen Hintergrund. Stofflich griff Molière auf die Tradition der Ärztesatire zurück, die er bereits mehrfach variiert hatte: mit Der fliegende Doktor, der Umdichtung einer italienischen Farce, mit Die Liebe als Arzt, einer deutlichen Anspielung auf die Ärzte des königlichen Hofes, die auch prompt beim König Beschwerde eingelegt hatten, und schließlich mit //Arzt wider Willen. // Konkreter Anlass für Der eingebildete Kranke war vermutlich ein Angriff auf Molière in Gestalt eines Theaterstücks, Elomire l’Hypochondre ou Les Médecins vengés (Elomire der Hypochonder oder die gerächten Ärzte; Elomire ist ein Anagramm von Molière). Solche Attacken hatte Molière schon häufig erlebt, kein Wunder, war er doch für die in seinen Stücken parodierten Personengruppen und Berufsstände ein unbequemer Zeitgenosse. Indem er wiederum eine künstlerische Antwort in Form einer neuen Ärztekomödie gab, konnte er seine Angreifer und Konkurrenten abermals mit seinen eigenen Mitteln treffen.

Wirkungsgeschichte

Am 10. Februar 1673 wurde Der eingebildete Kranke auf der Bühne des Palais Royal uraufgeführt – mit Molière in der Hauptrolle. In die Rolle des Haustyrannen war er schon vorher mehrmals geschlüpft. Er spielte mit großer darstellerischer Präsenz und unterhielt sein Publikum bestens; seine eigene Krankheit verlieh seinen Auftritten eine zusätzliche dramatische Dimension.

Während der vierten Aufführung des Stücks erlitt Molière schließlich einen Blutsturz: Bei dem Wort „Juro“ („Ich schwöre“) in Argans Doktorprüfung wurde er von einem krampfartigen Hustenanfall gepackt, den er unter großer Anstrengung auf der Bühne in ein explodierendes Gelächter verwandelte; dann schloss man den Vorhang. Er wurde nach Hause getragen und starb wenig später, noch im Kostüm des Argan. Zwei Priester, um die nicht er, sondern sein Hausdiener gebeten hatte, verweigerten ihm die letzte Ölung (über den Klerus war er im Tartuffe hergezogen), ein dritter kam zu spät. Diese tragischen Begleitumstände wirkten in der Aufnahme der Komödie fort, viele Zeitgenossen waren davon berührt.

Der Streit um Molières Werk reichte weit über seinen Tod hinaus: Während die Kirche seine Stücke als Gefahr für die Moral sah, rühmten die Aufklärer die Kompromisslosigkeit seiner Wahrheitssuche. In Frankreich wie im deutschen Sprachraum wird Molière als einer der größten Komödienklassiker nach wie vor viel gespielt. Neben den Tragödienautoren Pierre Corneille und Jean Racine gilt er als wichtigster Autor der französischen Klassik. Der eingebildete Kranke gehört bis heute zu seinen am häufigsten gespielten Stücken.

Über den Autor

Molière wird um den 15. Januar 1622 in Paris als Jean-Baptiste Poquelin geboren. Er ist der erste Sohn des königlichen Tapissiers und Dekorateurs Jean Poquelin. Seine Mutter verliert er mit zehn Jahren. Als er mit 20 den Handwerksbetrieb des Vaters übernehmen soll, lehnt er ab, lässt sich das mütterliche Erbe ausbezahlen und gründet 1642 mit der Schauspielerin Madeleine Béjart das Illustre Théâtre in Paris. Nach drei Jahren macht das Theater Bankrott, und Molière – wie er sich mittlerweile nennt – muss für ein paar Tage ins Gefängnis. Wieder auf freiem Fuß, schließt er sich mit Madeleine einer Wandertruppe von Schauspielern an. Mit ihr touren sie von 1645 bis 1658 quer durch Frankreich. Dank guter Kontakte zum jüngeren Bruder von König Ludwig XIV. darf Molière in Paris seine ersten Komödien spielen: Le Médecin amoureux (Der verliebte Arzt, 1658) und Les Précieuses ridicules (Die lächerlichen Preziösen, 1659). Beide werden große Erfolge, ebenso das Stück L’École des femmes (Die Schule der Frauen), das 1662 folgt. Im selben Jahr heiratet Molière Armande Béjart – Madeleines Schwester oder Tochter, das ist unbekannt –, mit der er etwa sieben Jahre zusammenbleibt. Was Molière schreibt, gefällt dem König so sehr, dass er den Dichter mit einer Pension von 1000 Livres jährlich belohnt, Taufpate von dessen erstem Kind wird und Molières Truppe am Hof und im Palais Royal spielen lässt. Im Mai 1664 darf Molière im Schlossgarten von Versailles ein mehrtägiges Fest organisieren, an dem er u. a. eigene Komödien wie Le Mariage forcé (Die erzwungene Heirat) präsentiert. In diesem Rahmen wird auch der Tartuffe uraufgeführt – eine offene Attacke gegen die Frömmlerei –, der für einen Skandal sorgt und mit einem fünfjährigen Aufführungsverbot belegt wird. Ab 1668 folgen Komödien im Jahresrhythmus, so 1668 L’Avare (Der Geizige), 1670 Le Bourgeois gentilhomme (Der Bürger als Edelmann) oder 1672 Les Femmes savantes (Die gelehrten Frauen). In Le Malade imaginaire (Der eingebildete Kranke) spielt Molière seine letzte Rolle: Am 17. Februar 1673 bricht er während der vierten Aufführung zusammen und stirbt wenig später.

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