Zusammenfassung von Der Garten Eden

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Der Garten Eden Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Roman
  • Nachkriegszeit

Worum es geht

Ein postum veröffentlichtes Rätsel

Der Garten Eden ist Hemingways zweiter Roman, der nach seinem Tod erschienen ist. Mit diesem Buchprojekt wollte der Schriftsteller einen großen Wurf landen. Doch obwohl er von 1946 bis zu seinem Tod 1961 daran arbeitete, hat er den Roman nie zu seiner Zufriedenheit abgeschlossen. Damit das Buch 1986 erscheinen konnte, strich der Verlag etwa zwei Drittel der von Hemingway hinterlassenen Seiten. Inhaltlich schert Der Garten Eden stark aus dem Gesamtwerk aus: Er widmet sich dem Thema Dreiecksbeziehungen und Bisexualität. Für den Macho Hemingway untypisch, dominiert die Frau die Handlung, während die Männerfigur schwach und abhängig auftritt. Und nicht nur inhaltlich ist Der Garten Eden kontrovers, auch die Editionsarbeit wurde stark diskutiert: Während die einen meinen, der Roman käme ziemlich nah an Hemingways Vorstellungen heran, verurteilen die anderen die Eingriffe als Verfälschungen und das fertige Buch als Etikettenschwindel. Was hätte Hemingway selbst aus diesem unvollendeten Roman gemacht? Einige Kritiker meinen, dass Hemingway mit Der Garten Eden seine eigenen eingefahrenen Stilmittel übersteigen, sich selbst als Literat neu erfinden wollte.

Take-aways

  • Der Garten Eden ist ein postum veröffentlichter Roman Ernest Hemingways.
  • Inhalt: Die frisch verheirateten David und Catherine Bourne verbringen ihre Flitterwochen an der sommerlichen Südküste Frankreichs. Sie lernen die junge Marita kennen und beginnen eine Dreiecksbeziehung mit ihr. Doch Catherines Verhalten gerät immer mehr aus den Fugen, sie scheint verrückt zu werden und schließlich verlässt sie David und Marita.
  • Hemingway arbeitete von 1946 bis zu seinem Tod an dem Roman, konnte ihn aber nicht fertigstellen.
  • Veröffentlicht wurde Der Garten Eden erst 1986.
  • Der Lektor Tom Jenks kürzte die hinterlassenen Seiten um zwei Drittel.
  • Die Veröffentlichung löste eine Debatte aus, wie man mit unvollendeten Werken großer Literaten umgehen solle.
  • Einige Kritiker meinen, Hemingway habe sich mit diesem Roman neu erfinden wollen.
  • Zentrale Themen des Romans sind Bisexualität, Dreiecksbeziehung und Wahnsinn.
  • Der Roman mit seiner eher schwachen Männerfigur und der starken Frauenfigur ist untypisch für Hemingway.
  • Zitat: „,Möchtest du dich verwandeln und mein Mädchen sein und dich von mir nehmen lassen?‘“
 

Zusammenfassung

Die Verwandlung

David und Catherine Bourne könnten glücklicher nicht sein. Vor drei Wochen haben sie geheiratet und genießen nun in Le Grau du Roi ihre Flitterwochen, die Sonne und das Meer. Dank Catherines Vermögen blicken sie einer finanziell sorgenfreien Zukunft entgegen. Davids gerade erschienener Roman wird von der Kritik gefeiert und verkauft sich großartig. Mit dem nächsten Buch will er den endgültigen Durchbruch schaffen. Doch zunächst genießt er ganz das Hier und Jetzt mit Catherine. Die beiden trinken und essen sich durch das Angebot regionaler Spezialitäten – und mit seinem Sexleben war David auch noch nie zufriedener. Da fragt Catherine ihn eines Morgens, ob sie ihn überraschen darf. Als er zustimmt, fährt sie in die nächste Großstadt und lässt sich eine Kurzhaarfrisur schneiden – die gleiche Frisur, die David trägt.

„,Du verwandelst dich, sagte sie. ‚Ja, das tust du (…), und du bist mein Mädchen Catherine. Möchtest du dich verwandeln und mein Mädchen sein und dich von mir nehmen lassen?‘ ‚Du bist Catherine.‘ ‚Nein. Ich bin Peter. Du bist meine wundervolle Catherine.‘ (Catherine und David, S. 28) 

In derselben Nacht beginnt Catherine sich zu verwandeln: Sie möchte ein Junge sein, plötzlich spricht sie David mit „Catherine“ an und übernimmt die männliche Rolle im Bett. David macht mit, doch er weiß nicht so recht, was er von der Veränderung halten soll. Nicht nur die vielen Blicke der Leute, die kurzhaarige Frauen für exotisch oder gar anrüchig halten, stören ihn. Obwohl er mit Catherine einig ist, dass sie weder prüde noch konventionell leben wollen, sehnt er sich bereits nach der Zeit zurück, als Catherine einfach „sein Mädchen“ war. Und hatte sie vor Kurzem nicht ganz aus heiterem Himmel gedroht, ihn zugrunde zu richten? Im Reigen der Wermuts und Armagnacs lösen sich seine Bedenken jedoch vorerst auf.

Aufenthalt in Madrid

Das Paar reist an der Küste entlang südwärts. Es regnet und stürmt, sie frönen dem Absinth und es kommt zu ersten Streitigkeiten. Doch die Wolken verziehen sich so schnell wieder, wie sie gekommen sind. David hat mit der Arbeit an seinem neuen Roman begonnen und Catherine verwandelt sich erst einmal nicht weiter. Das hält eine Weile. Doch dann erzählt sie David wieder von einer geplanten Überraschung. Diesmal ist er skeptischer, aber Catherine setzt sich durch. Wieder fährt sie mit dem Auto in die nächstgelegene Stadt – und kommt diesmal mit noch kürzeren Haaren zurück. Sie will sich wieder in einen Jungen verwandeln. Aber nur nachts; tagsüber will sie weiterhin Davids Mädchen bleiben.

„,Meinst du nicht, es würde Spaß machen, wenn ich mich wieder in einen Jungen verwandelte? (…) (...) ‚Nicht jetzt.‘ (...) ‚Danke für das Nicht jetzt. Soll ich diesmal als Mädchen mit dir schlafen und es dann tun?‘ (...) ‚Du bist ein Mädchen. Du bist ein Mädchen. (…).‘ (Catherine und David, S. 74) 

Sie ziehen weiter nach Madrid, schauen sich den Prado an und genießen die Köstlichkeiten der spanischen Küche. Nun verspürt Catherine Lust, auch einmal tagsüber ein Junge zu sein. Sie will als Junge den Prado besuchen. In einem Lokal trifft David zufällig einen alten Bekannten, Colonel John Boyle. Boyle hatte Catherines Eltern gekannt, die beide bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Vor allem kannte er ihren Vater. Er macht auch klar, dass er von Catherines Familie insgesamt nicht viel hält. Als Catherine zu ihnen stößt, trinken sie Absinth, und zwischen Catherine und John entwickelt sich eine längere Unterhaltung. David schämt sich etwas, als Catherine John erzählt, dass sie heute als Junge im Prado war – was der Colonel allerdings schon bemerkt zu haben scheint. David trinkt weiter. Am nächsten Tag fühlt er sich schlecht. Offenbar setzt ihm Catherines beständige Wandlungssehnsucht stärker zu, als ihm lieb ist.

Maritas Auftritt

Die Bournes beschließen, zurück nach Frankreich an die Riviera zu fahren. Dort können sie den Sommer ungestörter genießen. Ihr Hotel haben sie ganz für sich allein, und auch in den vielen kleinen Buchten stört sie niemand beim Schwimmen und Sonnenbaden. David schreibt regelmäßig, meist vormittags, und kommt mit seiner Arbeit gut voran. Währenddessen fährt Catherine in die umliegenden Küstenstädte, um einzukaufen oder zu bummeln. Eines Tages überredet sie ihn, gemeinsam mit ihr zum Friseur nach Cannes zu fahren und sich die gleiche Kurzhaarfrisur schneiden zu lassen. Außerdem will sie sich ihre Haare blond färben lassen, so hell wie möglich. David soll dasselbe tun und lässt sich schließlich sogar überreden.

Auf dem Rückweg von einem ihrer Ausflüge machen David und Catherine in einem Café halt. Dort bemerken sie zwei junge Frauen, die sich am Nebentisch heftig streiten. Schnell stellen die Bournes fest, dass eine der beiden Frauen ihnen gleichermaßen gut gefällt. Catherine glaubt, sie müsse in der Nähe wohnen, denn sie habe die Frau bereits vor Tagen in Cannes gesehen. Zu ihrer Überraschung kommt die Frau zu ihnen an den Tisch und spricht sie an: Ob sie wissen dürfe, bei welchem Friseur die beiden ihre schicke Frisur haben schneiden lassen. David stört zwar, dass sie ständig rot wird – aber er findet die Frau sehr attraktiv.

Am nächsten Tag bringt Catherine die junge Frau zum Mittagessen ins Hotel mit. David hat vormittags fleißig gearbeitet und über die Flitterwochen mit Catherine geschrieben. Unterdessen war Catherine wieder in die Stadt gefahren und hatte dort die junge Frau getroffen. Sie heißt Marita. Der Streit mit ihrer Freundin ist so heftig geworden, dass diese abgereist ist. Nun lädt Catherine Marita in das Hotel der Bournes ein, Platz genug gibt es ja. Marita nimmt begeistert an.

„,Deine Frau ist wunderbar, ich habe mich verliebt in sie.  ‚Ich bin auch in sie verliebt‘, sagte er. ‚Und ich bin auch in dich verliebt‘, sagte sie. ‚Ist das gut so?‘ Er ließ seinen Arm runterrutschen und legte ihr die Hand auf die Schulter (…). (Marita und David, S. 128) 

Als David sie zu ihrem alten Hotel fährt, um ihre Sachen zu holen, gesteht sie ihm, dass sie sowohl in Catherine als auch in ihn verliebt ist. David lässt sich von dieser neuen Entwicklung mitreißen. Als Catherine ihn am nächsten Abend darum bittet, küsst er Marita. Schön findet er sie ja tatsächlich. Danach küsst Catherine sie, woraufhin Marita sich weinend entschuldigt und kurz verschwindet. Ganz wohl ist David bei der Sache nicht. Vor allem, als Catherine ihm bald darauf erzählt, dass auch sie Marita wiederholt geküsst hat. Sie gesteht David, dass sie ihrem Verlangen nach einem „Mädchen“ nachgeben muss. Seit ihrer Jugend wollte sie das einmal ausprobieren. Nun müsse sie das durchleben. Es sei nur eine Phase, versichert sie David. Obwohl der sie bittet, es zu lassen, geht sie zu Marita ins Zimmer. 

Im Garten Eden

Als Catherine zurückkehrt, ist David weg. Sie fürchtet, er sei abgereist. Tatsächlich kommt er aber am Abend wieder zurück. Catherine sitzt niedergeschlagen an der Bar. Von Marita erfährt er, dass es Catherine miserabel geht, er solle nett zu ihr sein. Also macht er ihr einen Drink, doch Catherine schüttet ihn einfach über den Tisch. Auch einen zweiten. Erst den dritten Drink, den ihr David gemixt hat, trinkt sie. Sie kommen ins Gespräch und versöhnen sich wieder. Auch Marita setzt sich zu ihnen. Von nun an verleben sie die Sommertage zu dritt. Vormittags arbeitet David an einer Story. Die Frauen fahren derweil in die Stadt. Vor dem Mittagessen gehen sie meist zu dritt schwimmen. Eines Tages fühlt sich Catherine nach dem Schwimmen überraschend schlapp und muss Siesta halten. David zieht sich in sein Arbeitszimmer zurück. Es liegt Tür an Tür zu Maritas Zimmer. Beide schließen ihre Seite der Verbindungstür auf, doch schlafen will Marita diesmal noch nicht mit ihm. Dafür wird David immer stärker klar, dass er sich tatsächlich auch in Marita verliebt. Er flüchtet sich in seine Arbeit. Von Catherines erotischen Eskapaden mit Marita will er nichts hören. Ebensowenig will er mit ihr darüber sprechen, als er endlich selbst mit Marita geschlafen hat.

„,Noch bin ich deine Frau, sagte Catherine. (…) Ich möchte, dass auch Marita deine Frau wird, um mir auszuhelfen, und dann wird sie mich beerben.‘ ‚Wieso beerben?‘ ‚Man macht doch Testamente‘, sagte sie. ‚Und das hier ist noch wichtiger als ein Testament.‘ (Catherine und David, S. 187)

Die Abende verbringen die drei in ihrer Privatbar, David mischt den Frauen Drinks und sie plaudern. Aus Spaß nennt David Marita hin und wieder „Erbin“. Und schon bald darauf eröffnen ihm die Frauen, dass sie es am liebsten hätten, wenn David auch Marita heiraten würde. David gefällt die Idee. Catherine gesteht ihm, dass sie für seine Zukunft vorsorgen will: Sollte sie verrückt und unzurechnungsfähig werden, dann könne David mit Marita leben und müsse nicht einsam sein. Außerdem will sie einen Neuanfang machen, von nun an nicht mehr trinken, weniger egoistisch sein und Spanisch lernen.

Stimmungsschwankungen

Einige Tage darauf zerstreiten sich Marita und Catherine über Davids Arbeit. Catherine will nach Spanien reisen und den Prado besichtigen. Marita hätte auch Lust dazu, will aber Davids Arbeit nicht unterbrechen – was wiederum Catherine nicht im Geringsten nachvollziehen kann. David nennt Marita nun liebevoll „Haya“, was seiner Erklärung nach „Eine, die errötet“ bedeutet. Während Catherine immer angriffslustiger und unausstehlicher wird, verbringen David und Marita mehr Zeit miteinander. Während die beiden schwimmen gehen, fährt Catherine in die umliegenden Städte und trinkt entgegen ihrem Vorhaben wieder. Marita gefallen Davids Texte. Er zeigt ihr auch die Storys, die noch in Arbeit sind. Catherine dagegen ist eifersüchtig. Sie wirft David vor, von ihrem Geld zu leben, aber sie nie so in seine Arbeit eingebunden zu haben, wie er es jetzt mit Marita tut. Einen Teil seines neuesten Textes findet sie ekelhaft und zerreißt ihn sogar. Ihr Verhalten wird immer exzentrischer. Eines Tages kehrt sie von ihrem Ausflug zurück und berichtet, dass sie sich schrecklich alt fühlt und dass alle Farben plötzlich stark verändert aussehen.

„Catherine kam herein und sagte: ‚Ihr beide seid ein herrliches Paar, ich bin so stolz. Es kommt mir vor, als hätte ich euch erfunden. (…) Ihr könnt den Rest eures Leben zusammen verbringen (…). Ich habe für euch beide keine Verwendung mehr. (Catherine zu Marita und David, S. 247–248)

Danach reist sie kurzerhand ab, kehrt aber schon bald wieder zurück, um sich mit David zu versöhnen. Sie besprechen die Möglichkeit, in der Schweiz einen Psychiater aufzusuchen, aber Catherine will keine Behandlung. Sie schlägt vor, dass David von nun an zwei Tage mit ihr und danach zwei Tage mit Marita zusammen sein soll. Alle drei willigen ein. Und auch als Catherine vorschlägt, dass sich David erneut dieselbe Frisur wie sie schneiden lassen soll, macht er mit – obwohl er sich erst vehement dagegen wehrt und es hinterher bereut.

Schließlich kippt Catherines Stimmung wieder. Sie macht Pläne, wie Davids neues Buchprojekt am besten zu vermarkten sei, doch der will sich nicht reinreden lassen. Zu Marita wird Catherine immer gehässiger. Sex haben die beiden schon lange nicht mehr. Catherine überlegt, ob sie sich eine neue Frau suchen soll. Sie verkündet, David und Marita verlassen zu wollen. Dann schwenkt ihre Stimmung abermals um. Plötzlich will sie mit David wieder so zusammen sein, wie sie es zu Beginn ihrer Flitterwochen waren: zu zweit und verliebt. David ist genervt und frustriert von dem ständigen Hin und Her. Er hat Catherines Launen satt.

Die neuen Bournes

Das Schreiben geht gut voran. Endlich schließt David sein bisher größtes Projekt ab: eine Story über seine Jugendzeit in Afrika, bei seinem Vater. Marita ist begeistert. Zur Feier des Tages gehen die drei schwimmen. Doch am Strand beginnt Catherine erneut zu ätzen: Davids neue Storys würden gar nichts taugen. Sein Vater sei ein versoffener Verlierer gewesen, über den zu schreiben sich nicht lohne. Außerdem sei David ein Analphabet, sein Französisch sei lachhaft schlecht. Sie nennt Marita Davids „Hure“ und erzählt, wie enttäuschend ihre Ehe ist. Schließlich berichtet sie in ruhigem Ton, dass sie die Manuskripte aller neuen Storys von David verbrannt habe, ebenso die gesammelten Rezensionen seiner Bücher. David bleibt ruhig. Auch als er abends sein Arbeitszimmer durchsucht und feststellt, dass Catherine nicht übertrieben hat, verliert er nicht die Fassung. All seine Schreibhefte sind verschwunden. Nur der autobiografische Bericht über ihre Flitterwochen ist noch da. Catherine will, dass David nur noch an diesem Projekt weiterarbeitet. Sie erklärt ihm, der Rest sei die weitere Arbeit nicht wert gewesen. Sie habe in seinem Interesse gehandelt. Nun wird klar: Catherine ist verrückt. Das sagt ihr David auch. Und nur deshalb, sagt er, bringe er sie nicht um.

„,Jetzt kannst du an deinem Bericht weiterarbeiten, und nichts wird dir dabei mehr im Weg stehen. Morgen kannst du anfangen.  ‚Sicher‘, sagte David. ‚Freut mich, dass du das so vernünftig siehst‘, sagte Catherine. ‚Du konntest ja nicht wissen, was für wertloses Zeug das war.‘ (Catherine und David, S. 286–287) 

Zuletzt eröffnet ihm Catherine, dass sie am nächsten Tag nach Paris fahren will, um einen Illustrator für Davids neues Buch zu finden. Aber auch, um den Wert der verbrannten Texte schätzen zu lassen – sie will ihm die doppelte Summe erstatten. Anscheinend tut es ihr doch wieder leid.

David will Catherines Auto zur Inspektion in die Stadt bringen, doch als er ins Hotel zurückkommt, ist Catherine bereits mit dem Zug abgereist. Fortan schläft er in Maritas Zimmer. Die tröstet ihn: Wenn er es einmal geschafft habe, dann könne er seine Texte doch auch ein zweites Mal schreiben. Aber David glaubt nicht daran: Kreative Einfälle seien selten und ließen sich nicht wiederholen.

Es ist September, der Herbst kündigt sich an. Marita und David verbringen ihre Zeit mit Trinken und Schwimmen. Davids Schreibversuche scheitern kläglich. Den beiden dämmert: Catherine wird nicht zurückkommen. Nun werden sie heiraten und es besser machen, nehmen sie sich vor. Am nächsten Morgen platzt der Knoten und David kann all seine verlorenen Storys wieder aufschreiben. In nur wenigen Stunden, Satz für Satz – sogar besser als beim ersten Mal.

Zum Text

Aufbau und Stil

Der Garten Eden ist ein Roman. Ernest Hemingway schreibt darin aus der Sicht des Autors David Bourne in der für Hemingway typischen Perspektive der dritten Person. Der Haupterzählstrang widmet sich der tragischen Dreiecksbeziehung zwischen David Bourne, seiner Frau Catherine und der Zufallsbekanntschaft Marita. In einem Nebenstrang, der vor allem in der zweiten Hälfte des Romans aufscheint, geht es um Davids Erlebnisse in Afrika, die er während der Flitterwochen als Storys verarbeitet. Der Garten Eden besteht aus vier Büchern, die ihrerseits in insgesamt 30 Kapitel aufgeteilt sind. Das erste Buch ist nur etwa 50 Seiten lang und enthält die ersten drei Kapitel. Das zweite Buch umfasst Kapitel 4 bis 9, ist etwa gleich lang wie das erste. Den Großteil des Romans nimmt Buch 3 ein, das bis Kapitel 25 geht. Dort beginnt Buch 4. Einige der markantesten Stilelemente Hemingways finden sich auch in diesem postum editierten Roman. So ist die erzählte Handlung sehr stark in die Geografie und in den Takt der Tages- und Jahreszeiten eingepasst. Sehr oft spiegeln sich die emotionalen Zustände der Handelnden in äußeren Umständen, etwa wenn ein Streit vor der Kulisse einer Truppenübung beschrieben oder von einem aufziehenden Gewitter begleitet wird. Ebenso typisch für Hemingway ist, dass die zentralen Probleme und Motivationen nicht ausdrücklich benannt werden, wodurch die Beweggründe der Figuren im Dunkeln bleiben und der Roman offen für vielfältige Interpretationen wird.

Interpretationsansätze

  • Der Roman thematisiert Bisexualität. Dieses Thema war Mitte der 1950er-Jahre viel stärker verpönt als heute, was mit ein Grund für die verzögerte Publikation des Buches sein könnte.
  • Bemerkenswert an Der Garten Eden ist die für Hemingway untypisch schwache Männerfigur. Der Charakter des David Bourne sitzt völlig schief in Hemingways literarischem Universum, in dem es vor dominanten Männerfiguren nur so wimmelt, denn er ist schwach, passiv und abhängig.
  • Dafür stellt die Figur der Catherine Bourne die dominanteste und vielschichtigste Frauenfigur in Hemingways Werk dar. Manche Kritiker sehen darin sogar einen späten und unerwarteten Ansatz einer feministischen Perspektive im Werk des berühmten Machos Hemingway.
  • Eine andere Überraschung im Vergleich zu den bekannten Romanen Hemingways ist der hohe Grad an Intimität. Kein anderer Roman Hemingways fokussiert sich so stark auf Sexualität und Gefühlsleben seiner Protagonisten.  
  • Der Garten Eden ist voller autobiografischer Anspielungen. So entspricht die Arbeitsweise und der Karriereweg des David Bourne in vielerlei Weise derjenigen Ernest Hemingways. Auch hatte Hemingway selbst einmal Flitterwochen in Le Grau du Roi verbracht.

Historischer Hintergrund

Die USA werden zur Supermacht

Der Zweite Weltkrieg bedeutete für die USA den raschen Aufstieg zur weltpolitischen Supermacht. Die USA waren relativ spät in den Krieg eingestiegen. Seit März 1941 intensivierten sie die Wirtschafts- und Militärhilfe für Großbritannien massiv. Die alte Doktrin des Isolationismus verlor zusehends an Bedeutung. Einen Tag nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 traten die USA offiziell in den Krieg ein. Hitler hoffte, die Amerikaner im Pazifik binden zu können, um derweil in Europa den Sieg zu erringen. Darin irrte er sich jedoch gewaltig. Schon im Sommer 1942 entschieden die USA den Pazifikkrieg gegen Japan für sich. Von nun an konnten sie sich voll darauf konzentrieren, Deutschland im Verbund mit Großbritannien, Frankreich und Russland zu besiegen. Das gelang relativ rasch: Im Frühjahr 1945 war Berlin eingenommen, im Mai kapitulierte Deutschland bedingungslos. Der Krieg gegen Japan dauerte noch bis in den August 1945. Hier errangen die Amerikaner durch fortgesetzte Flächenbombardements und vor allem die beiden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 den Sieg. Anders als nach dem Ersten Weltkrieg blieben die USA diesmal in Europa präsent. Das Verhältnis zwischen Europa und den USA war nachhaltig verändert: Nun brauchten die ehemaligen Großmächte Europas die USA als Schutzmacht gegen die feindliche Sowjetunion. Auch beim wirtschaftlichen Aufbau war Europa auf die Milliardenhilfen Amerikas im Zuge des Marshall-Plans angewiesen.

Entstehung

Während des Zweiten Weltkriegs veröffentlichte Hemingway keine Literatur, sondern konzentrierte sich auf journalistische Arbeiten. Als letzten Roman hatte er 1940 Wem die Stunde schlägt (For Whom the Bell Tolls) vorgelegt, eine Aufarbeitung des Spanischen Bürgerkriegs, etwa ein Jahr nach dessen Ende 1939. Erst im Januar 1946 machte Hemingway sich an sein nächstes literarisches Projekt. Und er hatte Großes vor: Der Garten Eden sollte sein Meisterwerk werden. Hemingway unterbrach die Arbeit daran allerdings immer wieder, um andere Bücher zu schreiben. So war der erste Roman, der nach dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich erschien, Über den Fluss und in die Wälder (Across the River and Into the Trees, 1950). Die Verzögerung dauerte immer länger an, zahlreiche Lektoren – darunter sein Verleger Charles Scribner Jr. – bissen sich an dem Projekt die Zähne aus. Es galt als langweilig, repetitiv und sprachlich nicht auf Hemingways gewohntem Niveau. Bis zu seinem Tod 1961 versuchte Hemingway, den Roman in trockene Tücher zu bringen, blieb aber erfolglos. Einige Jahre nach seinem Tod übergab dann Hemingways Witwe Mary Hemingway die Manuskripte an Hemingways Verleger und Nachlassverwalter Charles Scribner’s Sons. Hemingway hatte zu Lebzeiten drei Versionen des Romans erarbeitet: eine 400 und eine 1200 Seiten starke Fassung sowie einen 300-seitigen Anhang zur längeren Fassung. Außerdem hatte er Passagen markiert, die ihm nicht gefielen, und Anmerkungen für einen späteren Überarbeitungsprozess hinterlassen. Der Lektor Tom Jenks nahm sich dieser Hinweise an und sah alle Versionen durch. Er strich zwei Drittel der ursprünglich rund 200 000 Wörter umfassenden Manuskripte: Statt 48 Kapitel hatte der Roman zum Schluss nur noch 30 Kapitel, eine unterentwickelte Nebenhandlung fiel ganz weg. Innerhalb von etwa fünf Monaten stellte Jenks die Fassung zusammen, die schließlich veröffentlicht werden sollte. Sie basiert weitgehend auf dem längsten der hinterlassenen Manuskripte. Jenks meinte, die von Hemingway geplante Struktur beibehalten und nichts hinzugefügt zu haben. Hätte Hemingway den Roman doch noch zu Ende gebracht – so Jenks Überzeugung –, so wäre das Resultat mit seiner eigenen Fassung in etwa deckungsgleich.

Wirkungsgeschichte

Der Garten Eden war Hemingways neunter veröffentlichter Roman – und der zweite, der erst nach seinem Tod erschien. Charles Scribner’s Sons gaben das Buch im Mai 1986 heraus und bezeichneten es als Meisterwerk aus Hemingways Nachlass. Doch zunächst einmal wurde Der Garten Eden Anlass zu einer generellen Debatte darüber, wie man mit den unvollendeten Werken großer Schriftsteller umgehen sollte. Natürlich waren sich Herausgeber und Nachlassverwalter darüber im Klaren gewesen, dass sie mit der eigenmächtigen Fertigstellung von Der Garten Eden ein Risiko eingingen. Doch sie meinten, die Aufgabe bestmöglich gelöst zu haben. Das Buch sei, so die Herausgeber, „in jeder wesentlichen Hinsicht das des Autors“. Viele Kritiker sahen das anders. Sie studierten die Originalmanuskripte und gaben den Bemühungen des Verlags teils vernichtende Noten. Verlagslektoren könnten immer nur das bis dahin vorliegende Schaffen eines Autors fortschreiben, argumentierten sie. Doch mit Der Garten Eden habe Hemingway gerade versucht, aus seinen alten Bahnen auszubrechen – allerdings, wie er selbst fand, erfolglos. Deshalb wäre es besser gewesen, das Buch gar nicht zu veröffentlichen.  Andere Kritiker stellten die Vermutung an, Der Garten Eden sei eigentlich Teil einer geplanten Trilogie gewesen. Diese hätte das Künstlerdasein beleuchten sollen und die Bücher Inseln im Strom (Islands in the Stream, 1970), Der Garten Eden und Paris – Ein Fest fürs Leben (A Moveable Feast, 1964) umfasst. 2008 wurde Der Garten Eden unter der Regie von John Irvin verfilmt.

Über den Autor

Ernest Hemingway ist nicht nur als einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts bekannt, sondern auch wegen seines abenteuerlichen und teilweise glamourösen Lebens. Geboren am 21. Juli 1899 im amerikanischen Bundesstaat Illinois als Sohn eines Landarztes und einer Opernsängerin, lernt er schon als Kind von seinem naturbegeisterten Vater das Jagen und Angeln. Die Liebe zur Natur und das raubeinige Naturburschenimage, das er später kultiviert, rühren aus dieser Zeit. Seine berufliche Laufbahn beginnt er als Lokalreporter in Kansas City, und die Herkunft vom journalistischen, faktenorientierten Schreiben ist mitbestimmend für Hemingways typischen Stil. Am Ersten Weltkrieg nimmt er freiwillig als Sanitäter teil, nach dem Krieg schließt er sich in Paris einer Gruppe von Schriftstellern und Künstlern um Gertrude Stein an. Die Winter 1925 und 1926 verbringt er im österreichischen Montafontal, wo er den Roman The Sun Also Rises (Fiesta) schreibt, der 1926 erscheint und mit dem ihm sein literarischer Durchbruch gelingt. Hemingway bleibt auch Reporter und Kriegsberichterstatter, so im Griechisch-Türkischen Krieg 1922, im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939 und im Zweiten Weltkrieg. 1940 erscheint For Whom the Bell Tolls (Wem die Stunde schlägt). 1954 erhält er den Nobelpreis für die Novelle The Old Man and the Sea (Der alte Mann und das Meer, 1952). Hemingway sucht oft ganz bewusst die Nähe zu Gefahr, Abenteuer, Risiko; er liebt die Großwildjagd in Afrika und den Stierkampf und überlebt zwei Flugzeugabstürze. Seine Bücher schreibt er meist unter enormem psychischen Druck. Wie viele Schriftsteller seiner Zeit ist er alkoholkrank. Er sucht den Lebensgenuss in vollen Zügen, leidet aber auch unter Depressionen. Ernest Hemingway heiratet viermal und hat drei Söhne; die berühmteste Ehe ist die dritte mit Martha Gellhorn, einer ebenfalls bedeutenden Reporterin und Schriftstellerin. Mit ihr zusammen lebt er ab 1940 auf Kuba. In Idaho setzt Hemingway nach längerer Krankheit seinem Leben am 2. Juli 1961 durch einen Gewehrschuss selbst ein Ende – ähnlich wie bereits sein Vater und wie später seine Enkelin Margaux.


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