Zusammenfassung von Der gefesselte Prometheus

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Der gefesselte Prometheus Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Tragödie
  • Griechische Antike

Worum es geht

Ein tragischer Revolutionär

Die Geschichte um Prometheus hat über die Jahrhunderte hinweg wie kaum ein zweiter Mythos die Fantasie der Dichter angeregt. Prometheus lehnt sich gegen Zeus auf, den übermächtigen neuen Herrscher der Götter, und stellt sich auf die Seite der Menschen. Wie ein antiker Robin Hood stiehlt er den Göttern das Feuer, um es den Sterblichen zu geben, zusammen mit wissenschaftlichen Kenntnissen, die ihnen das harte Dasein erleichtern. Die Möglichkeit, die Prometheus-Geschichte immer neu auszudeuten, zu erweitern und zu verändern, ist wohl der Grund für die bis heute ungebrochene Faszination, die der Stoff ausübt. Um einen zeitlosen Kern herum schafft sich jede Epoche ihren eigenen Prometheus. Die Deutungsvielfalt des Stoffes zeichnet sich bereits in Aischylos’ Fassung ab. Ist Prometheus ein aufsässiger Revolutionär, der sich Zeus aus Trotz widersetzt, oder ein aufopfernder Menschenfreund, der bereit ist, im Dienst der Schwachen eine schreckliche Strafe zu ertragen? Wie die Figuren im Stück kann auch das Publikum hier geteilter Meinung sein – und, zu welcher Auffassung es auch neigt, Aischylos’ formvollendete Verse genießen.

Take-aways

  • Der gefesselte Prometheus ist eine der wichtigsten Tragödien des antiken Dichters Aischylos.
  • Inhalt: Der Göttervater Zeus lässt Prometheus an einen Felsen ketten, weil dieser das Feuer geraubt und es den Menschen geschenkt hat. Der Gott Okeanos, die fluchbeladene Io und der Götterbote Hermes suchen den Gefesselten auf. Als sich Prometheus weigert, ein für Zeus wertvolles Geheimnis zu verraten, wird seine Strafe verschärft: Er wird in die Unterwelt verbannt.
  • Im Drama nimmt neben Prometheus’ Schicksal auch die Geschichte um die mit einem Fluch belegten Io viel Raum ein.
  • Der gefesselte Prometheus ist Teil einer Trilogie. Die anderen beiden Stücke sind aber nicht bzw. nur in Fragmenten erhalten.
  • Das Drama ist die einzige erhaltene antike Tragödie, in der der Held ein Gott ist.
  • Wichtige Quellen für das Stück waren die Werke von Homer, Hesiod und Pindar.
  • Aischylos gilt als der erste wahre Tragödiendichter. Er beeinflusste maßgeblich das Schaffen seiner berühmten Nachfolger Sophokles und Euripides.
  • Aischylos hat rund 90 Stücke verfasst, sieben davon sind vollständig erhalten.
  • Der Stoff wurde in Literatur, Musik und bildender Kunst unzählige Male aufgegriffen, adaptiert und modernisiert.
  • Zitat: „Was Menschen wissen, von Prometheus haben sie’s.“
 

Zusammenfassung

Prometheus’ Strafe

Der Gott Hephaistos bringt mit seinen beiden Gehilfen Obmacht und Zwang den gefesselten Prometheus zu einem abgelegenen Felsen. Obmacht erklärt, wie Zeus’ Auftrag lautet: Hephaistos soll Prometheus an den Felsen ketten – zur Strafe, weil er den Göttern das Feuer gestohlen und es den Menschen gegeben hat. Hephaistos zögert, er hält die Strafe für zu hart: Die Sonne wird Prometheus verbrennen und er wird jeden Tag leiden müssen. Niemand wird die Ketten, die Hephaistos geschmiedet hat, lösen können. Doch Hephaistos’ Mitgefühl ist nicht stark genug, um sich dem mächtigen Zeus zu widersetzen. Seiner Meinung nach hat sich Prometheus sein Schicksal selbst zuzuschreiben: Er hat sich Zeus’ Willen widersetzt, obwohl er wusste, dass Zeus seine Gegner hart bestraft. Hephaistos wäre lieber nicht derjenige, der Prometheus ankettet, doch er hat als Einziger die notwendigen Fähigkeiten. Schweren Herzens macht er sich ans Werk und schmiedet die Ketten – an die Handgelenke, die Arme, die Füße und mitten durch den Brustkorb. Obmacht ist zufrieden. Die drei lassen Prometheus allein.

Gefangen

Prometheus hört Flügel schlagen – der Chor der Meeresnymphen, bestehend aus Töchtern des Gottes Okeanos, trifft auf einem geflügelten Wagen ein. Prometheus bittet sie, Zeugen seiner Bestrafung zu sein. Der Chor hat Mitleid mit ihm. Prometheus wäre lieber im Hades gefangen, wo wenigstens seine Feinde ihn nicht sehen und sich an seinem Leid erfreuen könnten. Der Chor kann sich nicht vorstellen, dass dieser Anblick irgendjemandem Freude bereitet. Nur Zeus wird kein Mitleid kennen. Dieser hat im Olymp gerade erst die Macht übernommen und die alten Gesetze verworfen. Prometheus kann so schnell nicht auf Gnade hoffen. Seine beste Chance auf Rettung wäre, wenn Zeus gestürzt würde. Doch Prometheus hat einen anderen Plan: Er ist im Besitz von Informationen, die für Zeus sehr wichtig sind. Dieses Geheimnis will er nur im Tausch gegen seine Freiheit verraten. Der Chor warnt ihn: Wenn er Zeus noch mehr herausfordert, riskiert er eine noch schlimmere Strafe. Prometheus will es aber darauf ankommen lassen, denn er ist sicher, dass Zeus, ist der erste Zorn mal verraucht, einsehen wird, dass er Prometheus’ Wissen braucht.

Krieg im Olymp

Die Chorführerin möchte wissen, wie es genau zu Prometheus’ Bestrafung kam. Prometheus berichtet davon, obwohl es ihm nicht leichtfällt. Es begann damit, dass die Götter mit Kronos’ Führung unzufrieden waren. Einige wollten ihn stürzen und stattdessen Zeus auf den Thron setzen. Prometheus’ weise Mutter Themis hatte prophezeit, dass der Sieg in diesem Streit mit List davongetragen werde, nicht mit Stärke. Prometheus ging mit diesem Rat zu den Herrschenden, die ihn jedoch nicht ernst nahmen. Daraufhin wechselte er auf Zeus’ Seite und unterstützte ihn. Dank Prometheus’ Rat konnte Zeus seinen Gegner Kronos besiegen. Nach diesem Sieg begann Zeus, Ämter und Würden zu verteilen. Dabei ließ er die Menschen jedoch unberücksichtigt und plante sogar, sie ganz auszulöschen. Prometheus lehnte sich als Einziger gegen diesen Plan auf und beschloss, die Menschen zu retten. Er sorgte dafür, dass sie nicht mehr wissen, wann sie sterben, und verlieh ihnen blinde Hoffnung, vor allem aber schenkte er ihnen das Feuer, das sie für viele verschiedene Zwecke einzusetzen lernten. Für all das wird er nun bestraft.

„Hephaist, dich aber muss der Auftrag kümmern, den / Der Vater dir gegeben, anzuheften hier / Den Missetäter an der hangenden Felsenwand / In stahlgeschmiedeten Banden, unzerreißbaren.“ (Obmacht, S. 7)

Die Chorführerin hat zwar Mitleid mit Prometheus, teilt aber Zeus’ Meinung, dass Prometheus falsch gehandelt hat. Nun solle er seine Kraft auf die Frage lenken, wie er sich aus dieser Lage befreien kann. Prometheus entgegnet, für Außenstehende sei es leicht, zu urteilen. Er habe den Menschen wissentlich und willentlich geholfen, im vollen Bewusstsein, dass er dafür bestraft werden könnte. Wie furchtbar diese Strafe ausfallen würde, habe er natürlich nicht geahnt. Die Chorführerin will noch mehr über Prometheus’ Schicksal erfahren und kündigt an, zu ihm hinunter auf die Erde zu steigen; der Chor verschwindet in seinem Flügelwagen.

Besuch von Okeanos

Prometheus’ Verwandter Okeanos trifft, auf einem Greif reitend, ein. Er hat sich sofort auf den Weg gemacht, um ihm beizustehen. Okeanos hat Mitleid mit Prometheus, als er sieht, wie hart Zeus ihn bestraft hat und wie sehr er leiden muss. Er möchte seinem Freund einen guten Rat geben: Prometheus soll seine Wut auf Zeus überwinden und sich ab sofort nicht mehr gegen ihn auflehnen. Wenn er nicht vorsichtig sei und Zeus gegenüber Demut zeige, erwarte ihn womöglich ein noch schlimmeres Schicksal. Okeanos bietet an, zu Zeus zu gehen und ihn um Gnade für Prometheus zu bitten. Prometheus soll sich unterdessen ruhig verhalten und nicht für noch mehr Aufregung sorgen. Doch Prometheus bittet seinen Freund, diesen Plan zu vergessen: Zeus werde sich nicht umstimmen lassen, und Okeanos brächte sich selbst in Gefahr, wenn er es trotzdem versuchen würde. Prometheus lehnt die Hilfe deshalb ab und bittet Okeanos, nach Hause zurückzukehren, was dieser auch tut.

Prometheus’ Geschenke an die Menschheit

Der Chor erreicht den Felsen. Er beweint Prometheus’ Schicksal und berichtet, in allen Ländern hätten die Menschen Mitleid mit ihm. Prometheus selbst hadert ebenfalls mit seinem Schicksal – schließlich hat Zeus seinen Aufstieg ja vor allem ihm zu verdanken. Statt sich in diesen Gedanken zu verlieren, will er dem Chor weiter berichten, was er für die Menschen getan hat: Bevor Prometheus ihnen half, trieben die Menschen durchs Leben wie durch einen Traum – ohne Einsicht und Wissen. Prometheus gab ihnen die Vernunft, damit sie lernten, wie man Häuser baut und wie man sich den Jahreszeiten anpasst. Dann schenkte er ihnen die Schrift und lehrte sie, wie man Nutztiere einsetzt und Schiffe konstruiert, sodass ihnen das Leben einfacher gemacht wurde. Außerdem gab er ihnen Kenntnisse über Medizin, Weissagung und die Metallverarbeitung. Und obwohl ihm all diese nützlichen Dinge für die Menschen eingefallen sind, fehlt ihm jetzt die zündende Idee, wie er sich aus seiner Lage befreien könnte.

„Das sind die Früchte deiner Menschenfreundlichkeit!“ (Hephaistos zu Prometheus, S. 7)

Die Chorführerin vergleicht Prometheus mit einem Arzt, der für seine eigene Krankheit kein Mittel weiß. Sie ist überzeugt davon, dass er eines Tages genauso mächtig sein wird wie Zeus. Prometheus weiß, dass noch viel Leid auf ihn wartet, bevor er wieder frei ist: Die Schicksalsgöttinnen hätten einen festen Plan, den er nicht ändern könne. Selbst Zeus sei nicht so mächtig, dass er seinem Schicksal entkommen könne. Die Chorführerin kann nicht verstehen, warum sich Prometheus den Menschen zuliebe geopfert hat. Schließlich könne er von ihnen keine Hilfe erwarten. Selbst wenn sie helfen wollten, wären sie gegenüber Zeus doch machtlos.

Ios Schicksal

Eine junge Frau namens Io kommt dazu. Sie trägt Kuhhörner, ist offenbar verwirrt und weiß nicht, in welchem Land sie sich befindet. Als sie Prometheus sieht, bittet sie ihn, ihr den Weg zu weisen. Prometheus hat von ihr gehört: Io ist die Tochter von Inachos. Zeus verliebte sich in sie, worauf seine Frau Hera so eifersüchtig wurde, dass sie die Konkurrentin grausam bestrafte: Sie verwandelte sie in eine Kuh und raubte ihr den Verstand. Prometheus stellt sich vor und erklärt, dass er bestraft wurde, weil der den Menschen das Feuer geschenkt hat. Io möchte wissen, wer ihn an den Fels gekettet hat. Er erklärt, dass Hephaistos es auf Zeus’ Befehl hin getan hat. Mehr will er ihr dazu nicht sagen. Io bittet ihn, ihr zu verraten, wie lange ihre Irrfahrt noch dauern werde, doch er zögert zunächst. Die Chorführerin schließt sich Ios Bitte an, möchte aber auch erfahren, wie sie überhaupt in diese Lage gekommen ist. Prometheus rät Io, ihre Geschichte zu erzählen, da sie sich des Mitgefühls des Chors sicher sein könne.

„Seht an, was ich von Göttern leide, selbst ein Gott! / Schaut her: in was für Qualen ich / Die zehentausendjährige Zeit / Durchkämpfen muss!“ (Prometheus, S. 11)

Io berichtet, dass sie vor einiger Zeit jede Nacht im Traum Visionen hatte. Darin wurde ihr mitgeteilt, dass Zeus sich in sie verliebt habe und sie heiraten wolle. Die Stimmen rieten ihr, sich Zeus’ Willen zu fügen und seine Frau zu werden. Nachdem sie diese Träume lange für sich behalten hatte, weihte sie eines Tages ihren Vater ein, der jemanden nach Delphi schickte, um den Willen der Götter in dieser Sache zu erfahren. Apollo teilte Inachos schließlich mit, dass er Io verstoßen solle, wenn er seine Familie vor Zeus’ Zorn retten wolle. Kaum hatte Io ihr Elternhaus verlassen, verwandelte sie sich in die gehörnte Gestalt, die sie nun ist. Zunächst wurde sie von dem hundertäugigen Wächter Argos bewacht, dann irrte sie verwirrt umher – ständig gequält von einer Stechfliege, die sie immer weitertrieb. Und nun soll Prometheus ihr sagen, wie lange sie dies noch ertragen muss. Sie verlangt von ihm, sie nicht aus Mitleid zu belügen. Der Chor ist erschüttert von Ios Geschichte und voller Mitgefühl.

Prometheus sagt Ios Zukunft voraus

Prometheus erklärt den Anwesenden, dass die arme Io noch Schlimmeres erwarte: Von hier aus werde ihr Weg sie nach Osten führen, zu den Skythen, dann Richtung Kaukasus bis zu den Amazonen und schließlich bis nach Asien. Doch damit sei ihre Irrfahrt noch immer nicht zu Ende. Zudem habe Zeus sie verdammt, sodass sie am Ende sein Bett teile. Als Io das erfährt, will sie lieber gleich sterben, als weiter leiden zu müssen. Prometheus’ kann das verstehen, zeigt ihr aber auf, wie viel schlimmer sein Schicksal ist: Ihm bleibt dieser Ausweg versperrt. Er wird erst frei sein, wenn Zeus gestürzt ist. Io wird hellhörig: Ob das denn möglich sei, will sie wissen. Prometheus bestätigt dies und noch mehr: Es werde Ios Nachkomme sein, der Zeus besiege. Damit werde Zeus seine eigene Gier zum Verhängnis werden. Prometheus bietet Io nun an, ihr entweder zu berichten, wie ihr Weg weiter verlaufen werde, oder ihr zu verraten, wie Zeus gestürzt werde. Die Chorführerin schlägt einen Kompromiss vor: Prometheus soll Io ihre Zukunft vorhersagen und dem Chor von Zeus’ Untergang berichten. Alle sind einverstanden.

Das Königsgeschlecht

Prometheus erklärt Io, ihr Weg werde erst in Ägypten enden, wo sie sich niederlassen und eine Familie gründen werde. An der Mündung des Nils werde sie ihren Verstand zurückerhalten und von Zeus einen Sohn empfangen: Epaphos. Dieser werde über das ganze Gebiet herrschen. Fünf Generationen später würden 50 Mädchen aus dieser Familie nach Argos fliehen, damit sie nicht mit ihren 50 Vettern verheiratet würden. Die Vettern würden den Mädchen folgen, diese würden die Männer aber alle in der Nacht töten – nur ein Mädchen werde Mitleid haben und ihren Bräutigam verschonen. Die Kinder dieser beiden würden die Herrscher von Argos werden. Wieder einige Generationen später werde dieser Familie ein junger Bogenschütze entspringen, der Prometheus aus seiner Gefangenschaft erlösen werde. All das hat Prometheus von seiner Mutter Themis erfahren. Nach Prometheus’ Erläuterungen spürt Io, wie der Wahnsinn wieder zurückkehrt – ihre kurze Zeit der Klarheit ist vorbei.

Die Prophezeiung

Als Io gegangen ist, fassen die Chormitglieder den Entschluss, sich nie mehr auf Beziehungen zu Zeus oder anderen Göttern einzulassen, weil dies nur Kummer und Leid bringe. Allerdings sei Zeus so mächtig, dass es kaum möglich sei, ihm zu entgehen und damit Heras Zorn auf sich zu ziehen. Prometheus sagt voraus, dass eine Hochzeit Zeus zu Fall bringen werde und dass sich damit der Fluch erfülle, den Kronos kurz vor seinem Ende ausgesprochen habe. All seine Macht und sein Hochmut würden Zeus nichts mehr nützen, wenn er auf den Gegner treffe, den er selbst erschaffen habe.

Nachricht von Zeus

Der Götterbote Hermes kommt dazu. Zeus hat von Prometheus’ Andeutungen gehört und fordert ihn auf, Hermes genau zu sagen, welche Hochzeit ihm zum Verhängnis werde. Prometheus will jedoch nichts verraten und schickt ihn zurück zu seinem Herrn. Lieber leidet er weiter, als Zeus’ Befehlen zu gehorchen. Erst wenn er frei sei, werde er sein Geheimnis verraten. Hermes rät ihm, sich nicht aus reinem Trotz gegen Zeus aufzulehnen, sondern dessen Übermacht und Herrschaft anzuerkennen. Wenn Prometheus nicht nachgebe, werde Zeus ihn im Fels einschließen und zerdrücken lassen, nur um ihn dann wieder hervorzuholen, worauf ein Adler ihn wieder und wieder angreifen und seine Leber fressen werde. Die Chorführerin rät Prometheus nachzugeben, um dieses Schicksal abzuwenden. Prometheus weigert sich: Zeus solle ruhig alle Drohungen wahrmachen, töten werde er Prometheus nicht können. Hermes rät dem Chor, Prometheus allein zu lassen, damit sie sich von seiner Aufsässigkeit nicht anstecken lassen. Doch die Frauen wollen bei ihm bleiben. Die Erde beginnt zu beben und Prometheus versinkt zusammen mit dem Chor im Boden.

Zum Text

Aufbau und Stil

Die mit rund 2000 Verszeilen sehr kurze Tragödie besteht im Wesentlichen aus einer kurzen Einleitung (Hephaistos fesselt Prometheus) sowie drei Gesprächen (Prometheus und Okeanos, Prometheus und Io, Prometheus und Hermes). Diese werden von kurzen Dialogen zwischen Prometheus und dem Chor bzw. der Chorführerin unterbrochen. Stehen zu Beginn noch Prometheus’ Strafe und sein Schicksal im Zentrum, wechselt der Fokus später auf die verfluchte Io, deren Nachfahre Prometheus retten wird. Die Sprache folgt, wie im antiken Drama üblich, strengen Gestaltungsregeln. Sprechverse der einzelnen Rollen wechseln sich mit den gesungenen Chorliedern ab. Zur Kunst der Tragödiendichtung gehörte es, möglichst wohlklingende und entlegene Metaphern – auch für ganz banale Inhalte – zu finden. So „weint“ der Chor nicht einfach, nein, „Tränen, tropfend von / Den Augen, netzen mit quellendem Nass / Die schlanken Wangen“. Die poetische Sprache erhöht die dramatische Wirkung des Dargestellten, um beim Zuschauer Mitleid und Furcht zu erzeugen und damit das erklärte Ziel der Tragödie, wie es in Aristoteles’ Poetik ausformuliert ist, zu erreichen.

Interpretationsansätze

  • Im Gefesselten Prometheus ist anders als in allen anderen erhaltenen antiken Tragödien der Held kein Mensch, sondern ein Gott. Prometheus ist dennoch ein ambivalenter Charakter: Es wird nicht eindeutig klar, ob er den Menschen aus reiner Menschenfreundlichkeit oder aus Aufsässigkeit gegen Zeus geholfen hat.
  • Ungewöhnlich ist die ausgesprochen negative Darstellung von Zeus im gesamten Drama, die es in Aischylos’ Stücken so sonst nicht gibt.
  • Zeus’ Handlungen haben eine politische Dimension: Zeus hat seinen Vater gestürzt und muss nun seine Macht sichern. Kurz nach dem Umsturz sind die Gesetze außer Kraft gesetzt: Der frisch inthronisierte Tyrann traut niemandem und schlägt mit aller Härte zu. Die machtpolitischen Schilderungen weisen womöglich Parallelen zum antiken Athen auf.
  • Zentrale Frage des Stücks ist die Theodizee, die Rechtfertigung Gottes: Warum müssen Prometheus und Io solch furchtbare Schicksale ertragen? Io ist Stellvertreterin der gesamten Menschheit, die Heras willkürliche Strafe ertragen muss, obwohl sie selbst keine Schuld trägt. Die Menschen werden zum Spielball der Götter.
  • Die Möglichkeit, die Zukunft sicher vorauszusagen, ist in der Tragödie fest einkalkuliert. So weiß Prometheus bereits, was Io und ihn erwartet und wie er eines Tages gerettet wird. Damit diese Vorhersage eintritt, muss er jedoch bestimmte Regeln einhalten. Zum Beispiel darf er nicht verraten, wer genau ihn retten wird: Bei dem „Bogenschützen“ im Text handelt es sich um Herakles.
  • Besonders wichtig für die Wirkung des Stücks ist der Chor, der dem Publikum hilft, Prometheus’ Schuld einzuordnen. Auffallend ist, dass der Chor zwar eine Bestrafung von Prometheus befürwortet, ihm aber dennoch aus Mitgefühl in die Unterwelt folgt.
  • Das Stück widerspricht teilweise der klassischen Definition der Tragödie, wie sie sich etwa in Aristoteles’ Poetik findet: Der dargestellte Konflikt zwischen Zeus und Prometheus (und auch der zwischen Io und Zeus) wird nicht gelöst. Zudem besitzt das Drama keinen Wendepunkt, sondern hat die Struktur einer Aneinanderreihung einzelner Szenen.

Historischer Hintergrund

Athen im fünften vorchristlichen Jahrhundert

In den Perserkriegen im fünften Jahrhundert v. Chr. behaupteten sich die griechischen Staaten erfolgreich. Damit ging im Jahr 447 v. Chr. die Gründung des attischen Seebunds einher, dem Athen vorstand. Als Folge dieser Ereignisse entwickelte sich in Athen die erste demokratische Staatsordnung. Die entscheidende Macht im Staat blieb jedoch der Stratege Perikles, der die Harmonie im Innern vor allem durch die Ausschaltung seiner Gegner sicherstellte.

Auf den Friedensschluss mit dem Perserreich folgte für Athen eine Phase des äußeren Friedens, die einen bisher nicht gekannten Aufschwung im wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Bereich ermöglichte. In dieser Zeit erblühten insbesondere die Dichtkunst (Sophokles, Aischylos und Euripides), die Geschichtsschreibung (Herodot), die bildende Kunst (Phidias), die Medizin (Hippokrates von Kos) und die Philosophie (Sokrates). Prächtige Bauten wie der Parthenon wurden errichtet, und die Athener verstanden sich selbst als die Krone der Menschheit. Bei den alljährlich stattfindenden Festen der Großen Dionysien wurden zur Erbauung des Volks die neusten Dramen aufgeführt und – je nach Publikumserfolg – ausgezeichnet.

Politisch folgten bald wieder unruhige Zeiten: In den Jahren ab 431 v. Chr. kam es im Peloponnesischen Krieg immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Nachbarstaaten, vor allem mit Sparta. Im Innern setzte sich aber die Blütezeit fort: Athen wurde im kulturellen Bereich zum Vorbild für ganz Griechenland und blieb bis zum Aufstieg Roms das bedeutendste geistige Zentrum der bekannten Welt.

Entstehung

Wie alle antiken Dichter bediente sich auch Aischylos aus dem schier unerschöpflichen Fundus von Götter- und Heldenmythen, die zum Beispiel von Homer in der Ilias und der Odyssee gesammelt wurden. Wichtige Quellen für den Prometheus-Mythos waren Hesiods Hauptwerke, die Theogonie und das Gedicht Werke und Tage. Hesiod hatte bei der Behandlung des Stoffs jedoch andere Schwerpunkte gesetzt. Weitere Elemente des Mythos finden sich bei Pindar, unter anderem in den Isthmien.

Der gefesselte Prometheus ist der erste Teil einer Trilogie. Im zweiten Stück, Der befreite Prometheus, taucht Prometheus im Kaukasus aus der Unterwelt wieder auf. Von diesem Stück sind einige Fragmente überliefert, die unter anderem von den grausamen Angriffen des Adlers handeln. Nachdem Herakles den Adler getötet hat, wird Prometheus auf Zeus’ Befehl hin befreit – aber erst, als sich ein anderer bereitfindet, seine Strafe auf sich zu nehmen. Das dritte Stück der Trilogie ist nicht erhalten. Klare Hinweise zum Inhalt fehlen. Es ist mit Prometheus Feuerträger betitelt und setzt sich vermutlich mit dem Brauchtum des attischen Prometheus-Fests auseinander. Aischylos setzte darüber hinaus die Geschichte um Io und ihre Nachkommen in dem Drama Die Schutzsuchenden fort.

Wirkungsgeschichte

Aischylos beeinflusste maßgeblich das Schaffen seiner berühmten Nachfolger Sophokles und Euripides. Schon in der Antike galt Der gefesselte Prometheus als Aischylos’ beste und wichtigste Tragödie. Jedoch wurden früh Stimmen laut, die seine Autorschaft aufgrund diverser Diskrepanzen zwischen Der gefesselte Prometheus und anderen Stücken anzweifelten. Diese Frage ist bis heute nicht abschließend geklärt – Aischylos’ Ruhm tat der Verdacht allerdings keinen Abbruch: Nach seinem Tod durften seine Stücke als erste überhaupt erneut aufgeführt werden – bis dahin mussten für die Dionysien immer neue Stücke verfasst werden.

Der Prometheus-Stoff wurde in der bildenden Kunst sowie in Literatur und Musik über die Jahrhunderte hinweg unzählige Male aufgegriffen. Unter den Adaptionen sind so unterschiedliche Werke wie das Sturm-und-Drang-Gedicht Prometheus von Johann Wolfgang von Goethe (1785), die Satire Der schlechtgefesselte Prometheus von André Gide (1899) und eine Oper in altgriechischer Sprache von Carl Orff (1968). Die Vielseitigkeit des Prometheus-Mythos wurde von Hans Blumenberg detailliert in seinem Werk Arbeit am Mythos (1979) untersucht. In der Philosophie diente die Geschichte des Feuerbringers Prometheus Geistesgrößen wie Platon, Jean-Jacques Rousseau, Karl Marx und Friedrich Nietzsche als Gleichnis, das sich flexibel für die jeweilige Argumentation einsetzen ließ. Auf den Philosophen Hans Jonas geht die moderne Deutung der Prometheus-Sage zurück, dass jede technische Neuerung auch Schattenseiten und negative Folgen haben kann. Vor diesem Hintergrund wurde 1945 das chemische Element Promethium nach dem antiken Helden benannt. Das Prometheus-Motiv wurde auch im Science-Fiction-Genre – so in Stanislaw Lems Roman Solaris und in Ridley Scotts Alien-Prequel Prometheus – Dunkle Zeichen – aufgegriffen.

Über den Autor

Aischylos zählt mit Sophokles und Euripides zu den drei großen antiken Tragödiendichtern. Wie bei vielen antiken Persönlichkeiten ist über sein Leben nur wenig Verlässliches bekannt. Einige Details sind aus den Komödien des Aristophanes bekannt, dessen Anekdoten höchstwahrscheinlich aber überzogen oder gar frei erfunden sind. Aischylos wird 525 v. Chr. als Sohn des Adligen Euphorion in Eleusis geboren. Im Alter von 25 Jahren nimmt er erstmals mit einer Tragödie an den Großen Dionysien teil. Insgesamt verfasst er rund 90 Stücke für den Dichterwettstreit, den er mindestens fünfmal gewinnt. Die Arbeit des Tragödiendichters geht weit über die eines Autors hinaus: Aischylos ist Dichter, Regisseur, Choreograf und nicht selten auch selbst Schauspieler. Sieben seiner Stücke sind vollständig erhalten: Die Perser, Sieben gegen Theben, Die Schutzsuchenden, Der gefesselte Prometheus, Agamemnon, Die Choephoren und Die Eumeniden. Aischylos wird häufig als der erste wahre Tragödiendichter angesehen. Laut Aristoteles hat er das Theater revolutioniert, indem er zwei Schauspieler statt wie zuvor nur einen einsetzte, wodurch er dynamischere Dialoge ermöglichte. Neben seiner Arbeit als Dramatiker bringt sich Aischylos auch in staatlichen Belangen ein: Er nimmt 490 v. Chr. an der Schlacht bei Marathon und 480 v. Chr. an der Seeschlacht von Salamis teil. In beiden Schlachten kämpfen die Griechen gegen die Perser. Ab 468 v. Chr. tritt in Athen Aischylos’ wichtigster Konkurrent Sophokles auf den Plan, der ihm einige Niederlagen bereitet. Aischylos bringt seine Stücke auch außerhalb von Athen zur Aufführung. Bei einer solchen Reise stirbt er 456 v. Chr. in Gela in Sizilien – der Legende zufolge wird er von einer Schildkröte erschlagen, die ein Raubvogel fallen lässt, um sie auf seinem kahlen Schädel zu zerschmettern.


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