Zusammenfassung von Der Glöckner von Notre-Dame

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Der Glöckner von Notre-Dame Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Historischer Roman
  • Romantik

Worum es geht

Schauerromantik in der Pariser Kathedrale

Er gehört sicherlich zu den bekanntesten Figuren der Weltliteratur: Quasimodo, der bucklige Glöckner von Notre-Dame. Leider wird er oft in eine Schublade mit den üblichen Monstern der Freakshow gesteckt. Seine wirkliche Geschichte kennen wenige, dabei ist der Roman von Victor Hugo außerordentlich packend. Der Dichter hat nichts dem Zufall überlassen: In nächtelangen Streifzügen erkundete er die Kathedrale auf der Ile de la Cité in Paris bis in die hintersten Winkel und machte sie zur geheimen Hauptdarstellerin seines ersten großen Romans. Hier entspinnt sich die tragische Liebesgeschichte zwischen dem hässlichen Glöckner Quasimodo, der schönen Zigeunerin Esmeralda, dem frömmelnden Priester Frollo und dem Hauptmann Phöbus. Hugo bediente die Mittelaltersehnsucht seiner Zeitgenossen exzellent: Hexenjagd, Massenszenen, grausame Folter und bedingungslose Liebe wechseln sich ab mit historischen Erläuterungen über Paris und seine Kathedrale, reichlich Zeitkolorit inklusive. Der Roman wurde vom Publikum begierig aufgenommen und später in etlichen Verfilmungen neu interpretiert - sogar zum Broadway-Musical hat er es gebracht. Bei aller Verflachung und Verfremdung lohnt sich ein Blick ins Original: den wichtigsten historischen Roman der französischen Romantik, der sich auch heute noch leicht und mit Spannung liest.

Take-aways

  • Victor Hugos Roman Der Glöckner von Notre-Dame ist ein Hauptwerk der französischen Romantik.
  • Anders als die Dichter der französischen Klassik räumte Hugo auch dem Hässlichen und Grotesken einen Platz in der Literatur ein.
  • Die Kathedrale Notre-Dame de Paris (so der Originaltitel) steht im Mittelpunkt des Werks.
  • Hugo stellte umfassende Recherchen an, damit sein Werk trotz der romantischen Handlung als historisch korrekt erschien.
  • Der Roman beschreibt eine tragische Vierecksgeschichte im Paris des Jahres 1482.
  • Frollo, der Erzdechant von Notre-Dame, ist verliebt in die Zigeunerin Esmeralda, darf dies aber nicht öffentlich zeigen. Seine innere Qual wird beiden zum Verhängnis.
  • Der verkrüppelte Glöckner Quasimodo, ein Adoptivsohn Frollos, wird beim Versuch, Esmeralda zu entführen, gefangen genommen und gefoltert.
  • Die Zigeunerin zeigt Mitleid mit ihm, was zur Folge hat, dass auch Quasimodo sich in sie verliebt. Esmeralda schenkt ihr Herz jedoch dem Hauptmann Phöbus, den Frollo in blinder Eifersucht niedersticht.
  • Es gelingt Frollo, Esmeralda die Schuld anzuhängen und sie einem Hexenprozess auszuliefern.
  • Quasimodo versucht die Zigeunerin zu retten, kann sie aber letztlich nicht vor dem Tod bewahren. Als er herausfindet, dass sein Adoptivvater Frollo hinter dem Hexenprozess steckt, tötet er ihn und stirbt selbst an gebrochenem Herzen.
  • Der Roman wurde ein Sensationserfolg und begründete den Ruhm des Dichters. Victor Hugo wurde geradezu ein französischer Nationalheld.
  • Die düster-romantische Geschichte wurde mehrmals verfilmt und sogar Thema einer Oper und eines Broadway-Musicals.
 

Zusammenfassung

Das Narrenfest

Paris, am 6. Januar 1482: Die ganze Stadt ist in Aufruhr. Heute, am Dreikönigstag, wird traditionell das Narrenfest gefeiert, bei dem es für das einfache Volk immer viel zu glotzen und zu staunen gibt. Den meisten Zuspruch erhält ein Mysterienspiel im Justizpalast, doch ausgerechnet hier kommt es zu tumultartigen Szenen, weil das Stück nicht rechtzeitig beginnen kann. Als es dann doch aufgeführt wird, klatschen die Zuschauer begeistert und loben die Darbietung. Doch nach und nach verliert das Publikum das Interesse am erhabenen Spiel. Stattdessen soll ein ganz anderes Ereignis ihre Augen ergötzen: die Wahl des Narrenpapstes. Während Pierre Gringoire, der Dichter, über die Ablehnung seines Stückes schier verzweifelt, schauen die Leute zu, wie alle möglichen Typen ihr Gesicht durch ein Loch in der Wand stecken. Das Motto: Die hässlichste Visage gewinnt den Wettbewerb. Keiner der Teilnehmer kann jedoch mit dem Gesicht des buckligen, verwachsenen, einäugigen, tauben und ganz und gar entstellten Glöckners von Notre-Dame mithalten. Der sonst von allen Bewohnern gemiedene und vereinsamte Mann mit Namen Quasimodo wird spontan zum Narrenpapst gewählt und durch die Gassen getragen.

Die Zigeunerin

In der einsetzenden Dunkelheit verlässt Pierre Gringoire den Palast und irrt durch die Straßen von Paris, denn er hat kein Nachtlager. Am Grève-Platz hat sich eine Menschenmenge um ein Feuer versammelt. Die Leute schauen einer wunderschönen, exotischen Frau zu, die mit ihrem Ziegenbock lustige Scherze vollführt. "Das ist also die bekannte Esmeralda", denkt sich Pierre, "nur eine Zigeunerin!" Etwas abseits der klatschenden Menge bemerkt der Dichter einen kahlköpfigen Mann, der das Mädchen aus der Entfernung beobachtet und ihre Vorstellung dann und wann mit üblen Beschimpfungen kommentiert. Und noch jemand beobachtet die Zigeunerin: eine alte Einsiedlerin, die im Kerker im nahen Rolandsturm haust.

Meister und Diener

Als kurz darauf der Zug mit dem Narrenpapst ebenfalls den Grève-Platz erreicht, beobachtet Pierre, wie der kahlköpfige Mann wütend auf den buckligen Quasimodo losmarschiert, ihm den hölzernen Bischofsstab zerbricht und ihn scharf zurechtweist. Pierre erkennt nun den Kahlköpfigen: Es ist der Erzdechant (höherer katholischer Geistlicher) Claude Frollo, sein früherer Lehrer. Quasimodo verbeugt sich vor Frollo, der offenbar völlige Gewalt über den Missgestalteten hat, und folgt ihm in Richtung der Kathedrale von Notre-Dame, wo Frollo wohnt und wo der Bucklige das Amt des Glöckners ausübt. Pierre Gringoire folgt Esmeralda durch die dunklen Gassen von Paris. Hier wird er Zeuge eines Entführungsversuchs: Niemand anders als Quasimodo und sein Herr Frollo wollen die Zigeunerin in ihre Gewalt bringen. Gringoire, der Esmeralda helfen will, wird von Quasimodo zu Boden gestreckt. In diesem Augenblick kommt ein ganzer Reitertrupp der königlichen Schützen herangeprescht. Ihr Anführer, der stattliche Hauptmann Phöbus von Châteaupers, rettet Esmeralda, und seine Mannen nehmen den Buckligen gefangen. Frollo kann unerkannt entkommen. Esmeralda bedankt sich artig und verschwindet in der Dunkelheit.

Im Mirakelhof

Wieder zu sich gekommen, stolpert der arme Pierre Gringoire gleich in eine neue Gefahr hinein: Auf der Suche nach einer Bleibe gerät er unwissend in den "Mirakelhof", die streng geheime Stadt der Bettler, Diebe und Zigeuner. Ihr Anführer ist Clopin Trouillefou, der Gaunerkönig. In höchst grotesker Manier verurteilt er den armen Dichter zum sofortigen Tod, weil er die Grenzen der Bettlerstadt überschritten habe, ohne selbst einer von ihnen zu sein. Nun gibt es nur noch eine Möglichkeit, ihn vor dem Galgen zu bewahren: Eines der Mädchen muss ihn heiraten. Zu Gringoires großem Erstaunen findet sich auch jemand dazu bereit: Keine andere als die schöne Esmeralda lässt sich von dem Gesindel zu seiner Frau machen. Pierre kann sein Glück kaum fassen, allerdings stellt sich zu seiner Ernüchterung schnell heraus, dass Esmeralda ihn nur geheiratet hat, um ihn vor dem Galgen zu retten. Seine Annäherungen weist sie harsch zurück. Denn ihre Gedanken sind bei dem Mann, der sie gerettet hat: Hauptmann Phöbus.

Rückblick: Wie alles begann

Im Jahr 1467, an dem Sonntag, der im Kirchenjahr "Quasimodogeniti" heißt (gemeint ist der Weiße Sonntag, eine Woche nach Ostern), fand sich in der Kinderkrippe von Notre-Dame ein Findelkind: Hässlich und verkrüppelt wie es war, zog es den Unmut der frommen Frauen auf sich. Zu deren Verwunderung nahm der junge Priester Claude Frollo den bereits vierjährigen Knaben bei sich auf. Das Findelkind, Quasimodo genannt, gab dem weltabgewandten Mann eine Gelegenheit, sich als Erzieher zu versuchen. Frollo erzog Quasimodo in den Mauern von Notre-Dame und machte ihn zum Glöckner der Kathedrale. Der heranwachsende Junge verlor wegen der Glocken sein Gehör. Er wurde ein ständiger Bewohner der Kirche, betrachtete sie als sein Zuhause und verließ sie fast nie. Die steinernen Wasserspeier und Marmorsäulen wurden seine einzigen Freunde und die Glocken, denen er Namen gab, seine Gefährten. Es gab nur einen, den Quasimodo noch mehr liebte als die Kathedrale: seinen Herrn Claude Frollo. Inzwischen ist Quasimodo an die 20 Jahre alt, und aus dem Erzdechant Frollo ist ein düsterer und strenger Mann geworden. Was die beiden Bewohner der Kathedrale eint, ist ihre Unbeliebtheit beim Volk.

Vorsicht Zigeuner

Quasimodo steht nun vor dem Richter und muss sich für seinen nächtlichen Angriff auf Esmeralda verantworten. Weil er aber taub ist, kann er die Worte des Richters nicht hören. Der Richter ist jedoch selbst ein tauber Mann und er führt das Gelächter der Anwesenden über diese höchst groteske Situation fälschlich auf ungebührliche Antworten des Angeklagten zurück - und verurteilt ihn zur öffentlichen Auspeitschung am Pranger des Grève-Platzes. Das ganze Volk strömt nun dorthin. Darunter sind auch drei Frauen, die sich über einen Auftritt der Zigeunerin Esmeralda unterhalten. Die Frauen besuchen die alte Einsiedlerin, die im Rolandsturm haust und der vor vielen Jahren ein großes Unglück geschehen ist, das sie heute noch beweint: Ihr schönes Töchterchen wurde von Zigeunern gestohlen und gegen ein anderes, hässliches Kind ausgetauscht: Quasimodo.

Am Pranger

Auf dem Grève-Platz beginnt die Auspeitschung des Buckligen. Unter den Spottrufen des Publikums waltet der Foltermeister seines Amtes und geißelt den unglücklichen Quasimodo, der überhaupt nicht versteht, wie ihm geschieht. Danach muss er noch eine Stunde gefesselt am Pranger verbringen. Claude Frollo, der dem Schauspiel zusieht, rührt keinen Finger, um seinen Glöckner und Gehilfen zu befreien. Quasimodo ruft nach Wasser, aber die aufgebrachte Menge beantwortet dies nur mit Steinwürfen. Da löst sich Esmeralda aus der Menge und bringt dem Dürstenden Wasser. Quasimodo, der wegen seines Entführungsversuchs eher eine Ohrfeige erwartet hat, beginnt zu weinen. Selbst der Mob scheint angesichts dieser rührenden Geste besänftigt.

Schicksal

Hauptmann Phöbus hat es auf die schöne Zigeunerin Esmeralda abgesehen. Doch er ist nicht der Einzige: Von den Türmen der Kathedrale schauen ihr noch zwei weitere Augenpaare zu, wenn sie ihre anmutigen Tänze vollführt. Das eine gehört Claude Frollo, der von den Bewegungen der Zigeunerin wie hypnotisiert ist. Als er erfährt, dass sein ehemaliger Schüler Pierre Gringoire ihr "Ehemann" ist, eilt er sofort zu ihm, um ihn über Esmeralda auszufragen. Von ihm wird er über ihre Bewunderung für Hauptmann Phöbus in Kenntnis gesetzt. Das zweite Augenpaar gehört Quasimodo: Dem ist seine Welt der Wasserspeier, Erker und Glocken gänzlich vergällt. Er ist verliebt, weiß aber genau, dass Esmeralda diese Gefühle wegen seiner abstoßenden Hässlichkeit niemals erwidern wird. Nach der Befragung des Pierre Gringoire zieht sich Frollo in sein Turmversteck zurück, in dessen Wände er griechische und lateinische Sprüche eingeritzt hat. Das Wort "???G??" (Schicksal) scheint er mit besonderer Inbrunst in den Stein gemeißelt zu haben. Frollo ist besessen von dem Gedanken an Esmeralda: Er fühlt sich zu ihr hingezogen und empfindet gleichzeitig eine große Eifersucht auf Phöbus.

Eine mörderische Intrige

In eine Verkleidung gehüllt folgt Frollo Phöbus unauffällig zu einem Tête-à-Tête mit Esmeralda. Der Hauptmann bemerkt seinen Verfolger jedoch und sperrt ihn in eine Kammer neben dem Zimmer, in dem er sich mit Esmeralda trifft. Durch eine Luke beobachtet Frollo, wie Esmeralda ihre Liebe zu Phöbus gesteht und die beiden sich leidenschaftlich küssen. Das ist für Frollo zu viel: Er befreit sich aus seinem Verschlag und sticht Phöbus hinterrücks nieder. Esmeralda fällt in Ohnmacht. Als sie wieder erwacht, liegt ihr Geliebter in seinem eigenen Blut vor ihr. In der Folge wird sie des Mordes und der Hexerei bezichtigt, sie wird gefoltert und zum Tod am Galgen verurteilt. Claude Frollo besucht Esmeralda im Kerker. Er gesteht ihr, dass er verrückt nach ihr ist: Er habe sein Leben in großer Sicherheit gelebt, doch dann habe sie ihn mit ihrem Aussehen und ihrem Tanz verzaubert. Frollo erklärt Esmeralda, Phöbus sei tot - eine Lüge, denn der Hauptmann hat den Anschlag überlebt. Frollos Angebot, sie vor dem Galgen zu schützen, wenn sie sich ihm hingebe, weist Esmeralda zurück. Dennoch kommt es nicht zur Urteilsvollstreckung: Quasimodo rettet die Zigeunerin vom Galgen und flieht mit ihr in die Kathedrale. Das Kirchenasyl verhindert den Zugriff der Soldaten und Henker.

Die Belagerung der Kathedrale

Obwohl Esmeralda zunächst seinen Anblick nicht ertragen kann, kümmert sich Quasimodo um sie, besorgt ihr Kleider und Nahrung. Er deutet an, dass sie sicher ist, solange sie in der Kathedrale verbleibt. Quasimodo versucht sogar, Phöbus, der sich inzwischen erholt hat, dazu zu bewegen, in die Kirche zu kommen. Doch der lacht den Glöckner nur aus. Weil Quasimodo ihm den Zutritt zu Esmeralda verwehrt, steigt die alte Eifersucht erneut in ihm auf. Er entwirft einen teuflischen Plan: Er stachelt Pierre Gringoire dazu an, zusammen mit allen Bettlern und Gaunern des Mirakelhofs zu Esmeraldas Befreiung zu kommen. Tatsächlich stürmt schon bald ein wilder Haufen auf die Kathedrale zu. Quasimodo begreift nicht, was geschieht, und glaubt an einen Überfall. Er leitet flüssiges Blei durch die Wasserspeier und wirft Felsbrocken auf die anstürmende Horde. Als schließlich die Soldaten des Königs das Feld betreten, ziehen sich die Bettler und Gauner zurück. Während Quasimodo beschäftigt ist, wird Esmeralda von Gringoire und Frollo entführt. Noch einmal bedrängt Frollo die Zigeunerin. Als er merkt, dass sie nichts für ihn empfindet, wirft er sie in den Kerker zu der Einsiedlerin. Hier stellt sich heraus, dass es sich bei Esmeralda um das vor Jahren entführte Kind der Alten handelt. Die Mutter ist überglücklich, nach so vielen Jahren ihre Tochter wieder vor sich zu sehen. Leider dauert diese Freude nicht lange, denn schon erscheinen die Soldaten und zerren Esmeralda zum Galgen. Alles Flehen und Toben der Mutter nützt nichts. Als sie dem Henker sogar in die Hand beißt, wird sie von den Soldaten totgeschlagen.

Das Unheil vollendet sich

Quasimodo entdeckt, dass Esmeralda aus seinem Versteck entführt wurde. Er schaut hinunter auf den Grève-Platz und muss mit ansehen, wie die Zigeunerin gehängt wird. Plötzlich bemerkt er, dass sich Frollo in seiner unmittelbaren Nähe befindet und ebenfalls dem grausigen Schauspiel zusieht, ja dass er beim Knacken von Esmeraldas Genick sogar in ein hysterisches Lachen ausbricht. Quasimodo wird von unbändiger Wut gepackt. Wie ein Berserker stürzt er sich auf den Erzdechant und schleudert ihn von der Brüstung. Frollo stürzt 200 Meter in die Tiefe und wird zerschmettert. Verzweifelt blickt Quasimodo vom Turm der Kathedrale herab und sieht die beiden einzigen Menschen, die ihm je etwas bedeutet haben, tot am Boden liegen.

Epilog

Pierre Gringoire nimmt Esmeraldas Ziege bei sich auf und wird ein viel beachteter Schriftsteller. Phöbus heiratet irgendein Mädchen, das ihm schon eine ganze Weile schöne Augen gemacht hat. Vom Glöckner fehlt jede Spur. Erst Jahre später entdecken Totengräber das Skelett der Zigeunerin eng umschlungen mit dem Gerippe eines Buckligen.

Zum Text

Aufbau und Stil

Victor Hugos Mittelalterroman ist ein echter "Schmöker": Locker und leicht gleiten die elf Kapitel vor den Augen des Lesers dahin. Der Autor hat das Werk in deutliche Abschnitte eingeteilt. Die ersten beiden Kapitel setzen mit der Haupthandlung ein und schildern in detaillierten Massenszenen das Narrenfest und die Wahl des Narrenpapstes. Hugo stellt hier die Hauptfiguren vor, um dann im dritten Kapitel eine kurze Geschichte der Stadt Paris und der Kathedrale von Notre-Dame einzuschalten. Die dramatische Handlung erhält so durch epische und historische Elemente eine weitere Dimension. Im vierten und fünften Kapitel erzählt der Dichter Quasimodos und Frollos Vorgeschichte und charakterisiert seine beiden Hauptfiguren näher, um erst im sechsten Kapitel mit der eigentlichen Handlung fortzufahren. Die fünf Schlusskapitel erzählen dann die tragischen Entwicklungen der Vierecksgeschichte um Frollo, Quasimodo, Phöbus und Esmeralda. Die Mischung aus historischem Zeitkolorit, romantischer Handlung und Realismus meistert Hugo mit einer Sprache, die alles kann: detaillierte Beschreibungen, groteske Szenerien, spritzige Dialoge und augenzwinkernde Kommentare eines allwissenden Erzählers. Eine leichte Lektüre, aber nicht ohne Tiefgang.

Interpretationsansätze

  • Der Roman ist ein Hauptwerk der Romantik und löst sich als solches von den strengen Prinzipien der Klassik. Hugo forderte von der Literatur dichterische "Wahrheit" (vérité). Hässliches und Groteskes sollten nicht mehr länger ausgespart werden: "Alles, was in der Natur ist, ist auch in der Kunst", verteidigte Hugo seinen Ansatz.
  • Hugo wollte einen "Roman, der zugleich Epos und Drama ist." Seine zwei viel zitierten Formeln lauten: "pittoresque, mais poétique, réel, mais idéal, vrais, mais grand" (pittoresk, aber poetisch, real, aber idealistisch, wahr, aber erhaben), und: "enchâsser Shakespeare dans Homer" (Shakespeare in Homer verpacken).
  • Die Kathedrale Notre-Dame und die Stadt Paris sind nicht nur Schauplätze, sie sind auch heimliche Hauptdarsteller im Roman. Hugo widmet ganze Kapitel einer historischen Betrachtung über die Entwicklung der Kathedrale, ihre Verstümmelungen im Laufe der Jahre und über die Ausbreitung der Stadt.
  • Die Hauptfigur Quasimodo ist ein Widerspruch in sich: Der Bucklige ist äußerlich hässlich, besitzt aber Mitgefühl und eine "schöne Seele". Er ist die Ausgestaltung eines gutmütigen Innenlebens in einem grotesken Äußeren.
  • Im Gegensatz dazu entwickelt sich der Priester Frollo zu einem intriganten und verschlagenen Bösewicht, der sich zuerst seine Liebe zu Esmeralda selbst nicht eingestehen kann und dann rücksichtslos seiner Begierde folgt und andere dafür instrumentalisiert. Sein Gewissenskonflikt und der daraus erwachsende manische Charakter werden von Hugo mit meisterhafter psychologischer Darstellungskunst vorgeführt.
  • Ein übergreifendes Thema stellt das Schicksal dar. Der Gelehrte Frollo, der das Wort auf Griechisch in die Wand ritzt, kann ihm ebenso wenig entrinnen wie Quasimodo, der aufgrund seiner Hässlichkeit zur Einsamkeit verurteilt ist, und wie Esmeralda, die zum Spielball männlichen Begehrens wird.

Historischer Hintergrund

Französische Romantik und Julirevolution

Im Vorwort zu seinem historischen Drama Cromwell (1827) richtete sich Victor Hugo gegen die strengen Stilprinzipien der französischen Klassik. Obwohl das Drama erst im 20. Jahrhundert uraufgeführt werden sollte, geisterte sein Vorwort als "Programm" fortan durch die Kreise der französischen Romantik. Die Literaturepoche der Romantik reichte vom Ende des 18. bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts. Sie war ein gesamteuropäisches Phänomen, hatte ihren Mittel- und Ursprungspunkt aber in Deutschland. Die Romantik war eine Gegenbewegung zur strengen Klassik und zur vernunftbetonten Aufklärung. Die Romantiker rückten das Unlogische, Schwärmerische, Gefühlsbetonte und Mysteriöse in den Mittelpunkt ihrer Dichtung.

Für seinen Mittelalterroman Der Glöckner von Notre-Dame spielten die politischen Ereignisse zu Hugos Zeit kaum eine Rolle. Bis auf eine Ausnahme: Die Volks- und Massenszenen im Glöckner fügte der Autor unter dem Eindruck der Julirevolution von 1830 in den Roman ein. Der Hintergrund: Weil seit der Französischen Revolution von 1789 wieder reaktionäre Kräfte die Macht in Frankreich übernommen hatten und König Karl X. alle liberalen Bestrebungen im Keim ersticken wollte (Auflösung der gesetzgebenden Kammer, Aufhebung der Pressefreiheit), errichteten revolutionäre Kräfte in Paris Barrikaden und zwangen den König zur Abdankung. Der Sieg der Anhänger einer konstitutionellen Monarchie hatte Signalwirkung weit über Frankreichs Grenzen hinaus. In Hugos späterem Werk Les Misérables (Die Elenden, 1862) spielt die Julirevolution dann eine Hauptrolle.

Entstehung

Victor Hugo war, wie alle Romantiker, vom Mittelalter fasziniert. Er begann die Arbeit an seinem großen Mittelalterroman im Jahr 1829. Der Vertrag mit seinem Verleger sah eine Fertigstellung noch im selben Jahr vor. Doch dieser Termin war nicht einzuhalten. Hugo kamen immer wieder andere Projekte dazwischen, bis sein Verleger im Sommer 1830 ein Machtwort sprach: Das Buch sollte im Februar 1831 vollständig vorliegen. Hugo zog aus diesem Ultimatum die Konsequenz: Er verbarrikadierte sich in seiner Schreibstube, legte sich einen großen Tinten- und Papiervorrat zu und widmete sich ausschließlich dem Schreiben - während draußen die Julirevolution von 1830 stattfand. Hugo verbat sich Besuche und verließ fast nie das Haus, genau wie der Glöckner in seinem Roman - abgesehen von nächtlichen Besuchen in der Kathedrale von Notre-Dame, deren atemberaubende Architektur und geheimnisvolle Winkel Ansporn und Inspiration waren. In einem Mauerriss entdeckte Hugo bei einem seiner Streifzüge das griechische Wort für "Schicksal". Er überlegte sich, wer dieses Wort einstmals in den Stein gekratzt haben könnte, und baute es in seine Geschichte ein. Neben ausführlichen Ortsbesichtigungen studierte Hugo auch alte Texte, Aufzeichnungen und Rechtsschriften: Alles sollte historisch korrekt sein. Nach sechs Monaten, im Januar 1831, konnte er seinem Verleger pünktlich das fertige Manuskript seines ersten Romans übergeben.

Wirkungsgeschichte

Am 16. März 1831 stand der fertige Roman in den Regalen der Buchhändler - und wurde ein echter Blitzerfolg. In Windeseile wurde Victor Hugo zu einem der bekanntesten Autoren in ganz Europa. Unzählige Übersetzungen bewirkten etwas Erstaunliches: Reisende aus ganz Europa besuchten Paris, um die von Hugo beschriebene imposante Kathedrale von Notre-Dame zu bewundern. Doch was fanden sie vor? Eine verwahrloste und von Verschmutzungen zerfressene Kirche. 1845 wurde daraufhin von der Stadt Paris eine umfangreiche Restaurierung in Angriff genommen, die fast 20 Jahre dauern sollte. Hugos Roman beeinflusste auch den architektonischen Geschmack seiner Zeit: Die Herabwürdigung von Bauten, die vor der Renaissance entstanden waren, kehrte sich ins Gegenteil um.

Hugos Roman war aber vor allem für die französische Literatur der Zeit wegweisend: Nach der Lektüre des Glöckners von Notre-Dame bezeichnete der französische Dichter Alphonse de Lamartine Hugo als "Shakespeare des Romans". Das künstlerische Ideal bewegte sich weg von der Klassik und hin zur Hochromantik und zur Idealisierung des Mittelalters. Noch der französische Realist Gustave Flaubert schrieb über den Verfasser des Glöckners: "Was für ein Mensch, dieser Victor Hugo! Verdammt, welch ein Dichter!"

Der deutsche Titel des Romans missfiel Victor Hugo übrigens, weil er zu viel Aufmerksamkeit auf den Glöckner lenkt, obwohl diese Figur keinesfalls im Zentrum der Geschichte steht. Dem Roman ging es nicht besser als Herman Melvilles Moby Dick: Die späteren Adaptionen und insbesondere die Verfilmungen konzentrierten sich zumeist auf die unglückliche Liebe zwischen Quasimodo und Esmeralda oder stilisierten den Glöckner sogar zu einer Gestalt aus dem Horrorfilm-Fundus. Zu den bekanntesten Verfilmungen zählen die 1939 erschienene Variante von William Dieterle mit Charles Laughton und die Umsetzung von Jean Delannoy aus dem Jahr 1956 mit Anthony Quinn und Gina Lollobrigida. 1996 nahmen sich sogar die Disney-Studios des Stoffes an und machten aus der Geschichte einen Zeichentrickfilm - natürlich mit Happy End. Außerdem gibt es eine Oper: Notre-Dame (1914) von Franz Schmidt. Auch der Roman Das Parfüm (1985) von Patrick Süskind scheint von Hugos Werk angeregt zu sein.

Über den Autor

Victor Hugo wird am 26. Februar 1802 als Sohn eines Generals in Besançon geboren und entdeckt schon in früher Jugend sein schriftstellerisches Talent. Mit nur 17 Jahren gründet er die literarische Zeitschrift Le Conservateur littéraire und erhält erste Preise für seine Lyrik. Revolutionäre Tendenzen in seinem Werk lässt bereits sein Drama Cromwell (1827) erahnen: In dem berühmten Vorwort plädiert er für ein "romantisches Drama" fernab der klassizistischen Ideale. Das im Februar 1830 in der Comédie Française aufgeführte Drama Hernani ou l'Honneur Castillan (Hernani oder die kastilische Ehre) hat tumultartige Zustände im Zuschauerraum zur Folge, der sich in ein konservatives und ein progressiv-romantisches Lager spaltet. Der Roman Notre-Dame de Paris (Der Glöckner von Notre-Dame, 1831) festigt Hugos Ruhm als romantischer Autor und bringt ihm zehn Jahre später die Aufnahme in die Académie Française ein. Danach wendet sich Hugo dem aktiven politischen Leben zu und vernachlässigt seine Schriftstellerei. Nach der Julirevolution 1830 bezieht er für die Royalisten Partei und wird 1845 von König Louis Philippe in den Adelsstand erhoben. Die Revolution von 1848 lässt Hugo seine Gesinnung ändern, er wird Republikaner. Nach einem missglückten Staatsstreich gegen den späteren Kaiser Napoleon III. muss Hugo zunächst nach Belgien und dann auf die Insel Jersey fliehen. Während seines Exils entsteht Hugos zweites berühmtes Werk, Les Misérables (Die Elenden, 1862), in dem er den Überlebenskampf der untersten Schichten der Gesellschaft beschreibt. 1870 kehrt er nach Paris zurück. Dort stirbt er am 22. Mai 1885. Einer der wichtigsten französischen Literaturpreise (Prix Victor Hugo) ist nach ihm benannt.


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