Zusammenfassung von Der Hexenhammer

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Der Hexenhammer Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Geschichte
  • Mittelalter

Worum es geht

Hexenwahn und magisches Denken im Spätmittelalter

Als „das verrückteste und dennoch unheilvollste Buch der Weltliteratur“, als „unglaubliches Monstrum“ und „krudes Machwerk“ bezeichneten Historiker Heinrich Kramers Hexenhammer. Das Handbuch der Hexenverfolgung, das 1486 erschien, beschreibt in allen Einzelheiten, wie Hexen durch die Luft fliegen, allein durch Blicke oder Berührungen Menschen töten, Liebeswahn oder Impotenz erzeugen, Kinder essen, Kühen die Milch nehmen, Hagel und Sturm produzieren und so die Ernte zerstören. Kramer traf damit den Nerv seiner Zeit: Der Glaube an die Existenz von Schadenzauber war trotz der fortschreitenden Christianisierung Europas weit verbreitet. Ausführlich schildert der Dominikanermönch, der als Inquisitor selbst zahlreiche Hexenprozesse leitete, mit welchen Foltermethoden Hexen zum Geständnis gezwungen werden und welchen grausamen Tod sie erleiden sollen. Keine sehr angenehme Lektüre. Einen Wert hat Der Hexenhammer einzig als historisches Zeugnis, bietet er doch wie kein anderes Dokument Einblick in die Kultur- und Mentalitätsgeschichte des spätmittelalterlichen Europa, in dem magisches Denken höchst lebendig war.

Take-aways

  • Heinrich Kramers 1486 erschienener Hexenhammer zählt zu den einflussreichsten Hexentraktaten des Spätmittelalters.
  • Inhalt: Dämonen treiben ein wildes Spiel mit den Menschen, ihr Werkzeug sind die Hexen. Diese gehen einen Pakt mit dem Teufel ein und schädigen durch ihre Zaubereien Menschen, Tiere und Pflanzen. Hexen müssen mit der ganzen Härte des Gesetzes verfolgt, bestraft und ausgerottet werden, sonst ist die Christenheit verloren.
  • Das Werk ist eine Zusammenfassung seinerzeit gängiger Lehrmeinungen zur Hexenverfolgung.
  • Heinrich Kramer führte als päpstlicher Inquisitor zahlreiche Hexenprozesse im oberdeutschen Raum durch.
  • Sein Ziel war es, die Hexenprozesse von der geistlichen auf die weltliche Jurisdiktion zu übertragen.
  • Der Hexenhammer richtet sich ausdrücklich gegen Frauen – sie seien aufgrund ihrer natürlichen Schwäche und Bosheit besonders anfällig für Hexerei.
  • Mit seinem Glauben an dämonischen Zauber traf Kramer den Nerv seiner Zeit.
  • Neben Befürwortern gab es schon zu Kramers Zeit Kritik, etwa von Humanisten wie Erasmus von Rotterdam oder Heinrich Cornelius Agrippa.
  • Ein direkter Einfluss des Werks auf die Hexenverfolgung lässt sich kaum nachweisen. Dennoch gilt es manchen als „unheilvollstes Buch der Weltliteratur“.
  • Zitat: „Schlecht also ist die Frau von Natur aus, da sie schneller am Glauben zweifelt, auch schneller den Glauben ableugnet. Das ist die Grundlage für die Hexen.“
 

Über den Autor

Heinrich Kramer, der sich lateinisch Henricus Institoris nennt, wird um 1430 im elsässischen Schlettstadt geboren. Vermutlich besucht er dort die angesehene Lateinschule und tritt im Alter von etwa 15 Jahren in ein Dominikanerkloster ein, wo er philosophische Grundstudien betreibt. Wegen einer Beleidigung Kaiser Friedrichs III. in einer Predigt wird er 1473 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die die Ordensleitung in Rom im folgenden Jahr wieder aufhebt. Gleichzeitig erhält Kramer die päpstliche Befugnis, als Inquisitor tätig zu sein. 1475 nimmt der Dominikanermönch an einem Inquisitionsprozess gegen Trienter Juden teil, die des Ritualmords beschuldigt und dafür hingerichtet werden. 1478 ernennt Papst Sixtus IV. Kramer zum Inquisitor für ganz Oberdeutschland, ein Jahr später wird er in Rom zum Doktor der Theologie promoviert. Bis Mitte der 1480er-Jahre führt Kramer, der möglicherweise auch für die Vertreibung der Juden aus Schlettstadt 1479 und anderen Reichsstädten im Elsass verantwortlich ist, zahlreiche Hexenprozesse in den Diözesen Konstanz, Basel, Straßburg und Ravensburg durch. Nachdem sich auch in den eigenen Reihen heftiger Widerstand gegen das rabiate Vorgehen des von Zeitgenossen als streitsüchtig und verrückt beschriebenen Inquisitors erhebt, reist dieser nach Rom, um sich Rückendeckung zu holen. Papst Innozenz VIII. erweitert die Vollmachten Kramers und seines Ordensbruders, des angesehenen Kölner Theologen Jakob Sprenger, und ermahnt lokale kirchliche Stellen, die beiden Inquisitoren bei ihrer Arbeit nicht zu behindern. Streitereien über Reformen der Dominikaner führen zum Zerwürfnis zwischen Kramer und Sprenger, der als Leiter des Ordens wegen der zahlreichen Skandale, die „Bruder Heinrich“ auslöst, Strafen gegen seinen ehemaligen Mitstreiter verhängt. Durch diese Auseinandersetzung wird Kramer, der sich öffentlich rühmt, an der Verurteilung von 200 Hexen beteiligt gewesen zu sein, von weiterer Hexenverfolgung abgehalten. 1500 ernennt Papst Alexander VI. ihn zum Nuntius und Inquisitor für Mähren und Böhmen, wo er 1505 kaum beachtet stirbt.

 

Zusammenfassung

Teufels Werk mit Gottes Zulassung

Die Verbreitung des Christentums und der Kampf gegen die Ketzerei schreiten überall im Land voran. Doch leider gibt es aus verschiedenen, vor allem oberdeutschen Regionen immer wieder Nachrichten über dämonische Umtriebe und Hexereien. Örtliche Kleriker und Prediger bestreiten das. Sie behaupten, es gebe keine Hexen, und hindern die Inquisition daran, ihr Amt auszuüben und diese Verbrechen zu verfolgen. Das vorliegende Traktat soll dazu dienen, die Vollmachten der Inquisitoren gemäß der päpstlichen Bulle Innozenz’ VIII. und anderer gelehrter Schriften zu umreißen. Damit sollen vor allem weltlichen Richtern, die verstärkt zur Hexenverfolgung herangezogen werden müssen, Regeln an die Hand gegeben werden, mit denen sie einer weiteren Ausbreitung der Ketzereien Vorschub leisten können.

„Sie unterwerfen sich nämlich durch einen Vertrag mit dem Teufel und ein Bündnis mit der Hölle, der schrecklichsten Knechtschaft, um ihre verworfenen Begierden zu erfüllen.“ (über die Hexen, S. 117 f.)

Manche behaupten, es gebe keinen schädlichen Zauber auf Erden, das sei alles bloß Fantasie und Einbildung. Denn wenn Dämonen wirklich Krankheiten oder auch Heilungen bewirken könnten, hieße das ja, dass sie mächtiger wären als Gott. Die Behauptung, das Werk des Teufels sei stärker als die Schöpfung Gottes, sei abergläubisch und sogar ketzerisch. In Wirklichkeit sind solche Zweifel selbst ketzerisch. Hexen und Zauberer gehen tatsächlich einen Pakt mit einem Dämon ein, sie geben sich ihm preis und wirken ganz real und materiell – nicht nur in der Fantasie – mit ihm zusammen. Sie sind das Werkzeug, mit dem der Dämon arbeitet und dem er die Kraft überträgt, durch Berührung oder Blicke Schaden zu erzeugen. Auch wenn sie nur Instrumente des Dämons sind, sind sie als vernunftbegabte, mit freiem Willen ausgestattete Kreaturen für ihr Handeln verantwortlich und deshalb auch zu strafen, denn sie gehen den Pakt mit dem Teufel freiwillig ein. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Teufel mehr Macht besitzt als Gott. Gott lässt das Böse um des Guten willen zu. Er will die Guten zu prüfen, die Schlechten strafen und die Menschen nicht in Trägheit erstarren lassen.

Die Macht der Dämonen

Beim Geschlechtsakt – ob ehelich oder nicht – spielt Schadenzauber eine herausragende Rolle, denn die Macht des Bösen konzentriert sich im Laster der Wollust, das durch Adams und Evas Ursünde auf das ganze Menschengeschlecht übergegangen ist. Dämonen können durch Zauber Sinnestäuschungen hervorrufen, die männliche Zeugungskraft schädigen, Impotenz verursachen und sogar das männliche Glied entfernen. Sie können aber auch selbst Leben erzeugen, indem sie in der Gestalt von Faunen oder Waldmenschen menschlichen Samen empfangen, aufbewahren und weitergeben. Wenn Hexen Böses tun, Menschen oder Vieh schädigen, betrügen oder morden, so geschieht dies – entgegen einer verbreiteten Ansicht – keinesfalls durch den Einfluss der Sterne. Ihre Taten haben keinen natürlichen Ursprung, sie stehen außerhalb der Schöpfungsordnung und übersteigen, ähnlich wie Wunder, die menschliche Erklärungskraft. Sie sind allein durch Dämonen verursacht – unter Zulassung des allmächtigen Gottes, der aus Schlechtem Gutes hervorbringt. Die dämonische Kraft wirkt stärker in Menschen, die von Natur aus eine bestimmte Veranlagung haben und dadurch verführbarer sind als andere. Frauen sind allgemein anfälliger für dämonische Einflüsse als Männer. Das liegt daran, dass sie, aus der krummen Rippe Adams geformt, unvollkommen sind: sündhaft und unersättlich, unstet und leicht zu beeinflussen, eitel und rachsüchtig.

Verschiedene Wirkungsweisen des Zaubers

Niemand ist vor Hexenzauber sicher. Einen gewissen Schutz bieten Weihwasser und das Zeichen des Kreuzes, Salze sowie bestimmte Kräuter. Nur Menschen, die unter der besonderen Obhut guter Engel stehen, sowie Inquisitoren, die gegen Hexen vorgehen, sind vor dem Zauber geschützt. Wenn es darum geht, eine Seele zu verführen, gehen die Hexen sehr schlau vor. Sie versprechen Hilfe bei alltäglichen Problemen in Haus und Hof und verlangen als Gegenleistung, dass man dem Teufel huldigt, im Gottesdienst böse Worte ausspricht, freitags Fleisch isst oder bei der Beichte etwas verschweigt. Sie können auf vielfältige Weise Schaden anrichten: Hagel und zerstörerische Gewitter zaubern, Kinder vor den Augen ihrer Eltern im Wasser tödlich verunglücken lassen, Pferde scheu machen, extreme Gefühle von Liebe über Neid bis Hass hervorrufen, Menschen körperlich und seelisch erkranken lassen oder Fehlgeburten verursachen. Großen Schaden richten verhexte Hebammen an, die ungetaufte Neugeborene entweder töten oder sie dem Teufel opfern. Eines aber ist allen Hexen gemein: Sie treiben Unzucht mit dem Dämon.

„(...) die Autorität der Heiligen Schrift besagt, dass die Dämonen Macht über die körperlichen Dinge und über die Einbildungskraft der Menschen haben, wenn es von Gott zugelassen wird, wie aus vielen Stellen der Heiligen Schrift ersichtlich ist.“ (S. 141)

Hexen nutzen die unterschiedlichsten Dinge, um Schadenzauber zu bewirken. Mal vergraben sie Hostien zusammen mit Kröten in einem Topf, mal legen sie tote Schlangen unter Türschwellen und sorgen so dafür, dass Menschen und Tiere in diesem Haus unfruchtbar sind. Allein durch Berührungen können sie bei Schwangeren Fehlgeburten auslösen. Es gibt auch viele Beispiele dafür, dass Hexen Männern ihr Glied wegzauberten. Es wurde nicht etwa abgerissen oder abgeschnitten, sondern durch Sinnestäuschung so versteckt, dass sie es weder sehen noch berühren können. Diese Art Schadenzauber löst Wahrnehmungsstörungen aus, wie man sie etwa von Geisteskranken, Betrunkenen oder Melancholikern kennt – sowohl bei den vom Geschlechtsverlust betroffenen Männern wie auch bei denjenigen, die es bezeugen. Auch die Verwandlung von Menschen in Tiere, von der immer wieder berichtet wird, beruht auf Illusionen und Visionen einer verzauberten Vorstellungskraft. Dämonen können unter Gottes Zulassung in den menschlichen Körper – wenn auch nicht in die Seele – schlüpfen, sie können ihren Verstand vernebeln und Wahnvorstellungen auslösen.

Daher kann der Teufel eine stärkere Anfechtung in einem Menschen bewirken, der hierzu disponiert ist oder dazu, wozu der Teufel ihn zu verführen beabsichtigt, als in einem Menschen von entgegengesetzter Disposition.“ (S. 221 f.)

Hexen können alle körperlichen Krankheiten hervorrufen, im schlimmsten Fall Aussatz und Epilepsie. Das zeigt das Beispiel – nur eines von vielen – des Arbeiters, der wütende Worte gegen eine zänkische Frau richtete. Ihre Drohung, sie werde sich rächen, nahm er nicht ernst, doch als er kurz darauf an Aussatz erkrankte, erinnerte er sich daran und teilte seinen Verdacht den Ratsherren mit. Die Frau wurde festgenommen und gestand unter der Folter das Verbrechen. Der böse Geist habe sie in ihren Rachegelüsten unterstützt und dem Mann eine schlimme Krankheit verpasst. Die Frau wurde verbrannt. Eine verbreitete Strategie unter Hexen ist diese: Wenn sie von ihren Geliebten verlassen, von ihren Mitmenschen gekränkt oder in alltägliche Streitereien mit Nachbarn verwickelt werden, sagen sie ein Unglück, Krankheiten oder den Tod vorher – was dann auch eintritt.

„Schlecht also ist die Frau von Natur aus, da sie schneller am Glauben zweifelt, auch schneller den Glauben ableugnet. Das ist die Grundlage für die Hexen.“ (S. 231)

Hexen richten auch großen Schaden bei Tieren an. Sie hemmen den Milchfluss von Kühen oder klauen mithilfe des Teufels die Milch, sie verhexen durch Berührungen oder Blicke Tiere, sodass diese auf dem Feld hochspringen und verenden. Hexen können sich durch die Luft bewegen und gelangen so zu ihren satanischen Treffen. Sie sind in der Lage, Hagel, Stürme und Blitze zu erzeugen – zum Schaden von Mensch, Tier und Pflanze. Als einmal in der Diözese Konstanz ein schlimmes Unwetter die Getreide und Reben zerstörte, glaubte das Volk, das könne nur durch Zauber passiert sein, und rief die Inquisition herbei. Zwei Frauen, die in schlimmem Ruf standen, wurden verhaftet. Eine leugnete zunächst unter der Folter alles – ein Zeichen dafür, dass sie unter dem Zauber stand, der Hexen auch noch in Qualen schweigen lässt–, aber schließlich war sie doch geständig und gab zu, sich viele Jahre dem Teufel hingegeben und ihren Glauben verleugnet zu haben. Er habe sie aufgefordert, auf das Feld zu gehen, Wasser in eine Grube zu schütten und es mit dem Finger umzurühren, woraufhin er es hoch in die Luft führte und es hagelte. Beide Frauen wurden verbrannt, die eine zeigte sich darüber dankbar: Sie sagte, sie sterbe gern, um der Macht des Dämons zu entkommen.

Wirksame Gegenmittel

Um der Hexerei wirksam zu begegnen, gilt es erst einmal, den Zauber zu erkennen, was nicht immer einfach ist. Bei ehelicher Impotenz beispielsweise muss man sich stets fragen, ob sie vorübergehend oder dauerhaft ist, ob dem Mann die Frau verhasst ist oder nicht, ob er mit anderen Frauen verkehren kann, mit der eigenen aber nicht, und Ähnliches. Liebeswahn durch dämonischen Zauber erkennt man leicht daran, dass ein Mann seine eigene schöne Frau nicht begehrt und einer hässlichen anderen verfällt. Die Heilungsmittel hängen immer von der spezifischen Situation ab. Fest steht jedoch: Einen Schadenzauber mithilfe anderer zauberischer oder abergläubischer Riten aufzuheben, ist nicht zulässig. Damit geht man nämlich selbst stillschweigend einen Pakt mit einem Dämon ein. Statt nur an Äußerem herumzudoktern, gilt es der Ursache auf die Spur zu kommen – und die ist fast immer ein Abfall vom Glauben. Besessene werden vor allem durch fromme Gebete und wahre Buße geheilt.

„Es gibt noch eine andere, schreckliche Zulassung Gottes gegenüber dem Menschen, indem bisweilen den Frauen die eigenen Kinder geraubt und von den Dämonen fremde untergeschoben werden.“ (S. 593)

Ein weiteres Mittel, Behexte und Erkrankte von ihrem Leiden zu befreien, sind Exorzismen, die nach genau festgelegten Regeln durchgeführt werden müssen, sowie eine gründliche Durchsuchung des Hauses nach verstecken Dingen, die Schadenzauber verursachen. Wenn aber alles nichts nützt, sollten Behexte zum geduldigen Ertragen angehalten werden. Was uns als Übel erscheint, hat Gott uns zu unserem eigenen Nutzen und zu unserer Läuterung geschickt. Alles hat seinen Sinn. Wenn etwa Dämonen Frauen ihre Neugeborenen rauben und ihnen fremde unterschieben – die man daran erkennt, dass sie mager und zugleich schwer, zudem unersättlich sind –, lässt Gott das zu, um übertriebene Liebe der Eltern zu ihren Kindern, Ehebruch oder Verführung durch den Dämon zu bestrafen. Oft aber ist Heilung nur möglich, indem Hexen von ihren Richtern beseitigt oder zumindest als abschreckendes Beispiel öffentlich bestraft werden.

Rechtliche Maßnahmen gegen die Ketzerei

Hurerei, Ehebruch und andere Schandtaten sind nicht unbedingt mit Ketzerei gleichzusetzen. Um Ketzer zu sein, muss ein Christ bei klarem Verstand sein und hartnäckig an einem Irrtum im religiösen Glauben festhalten. Auch Dämonen anzubeten und christliche Symbole oder Riten zu missbrauchen, ist zwar eine schwere Sünde, aber an sich noch keine Ketzerei. Erst die bewusste und verstandesmäßige Abkehr vom Glauben macht aus dem einfachen Sünder einen Ketzer. Für diesen – und nur für ihn – ist die Inquisition zuständig. Allerdings können angesichts der Überlastung der Inquisitoren auch Bischöfe die Befragung, Folter und Verurteilung von Ketzern übernehmen. Im speziellen Fall von Hexen dürfen und sollen – um die kirchliche Rechtsprechung zu entlasten – auch weltliche Richter urteilen, denn die Verbrechen von Hexen sind meist weltlicher Natur.

„Denn Fragen und Folterungen werden nur verhängt beim Versagen anderer Beweise.“ (S. 717)

Um jemanden der Hexerei anzuklagen, reichen Indizien und wenige Zeugen, deren Namen nicht preisgegeben werden. Wenn die Angeklagte danach fragt, bekommt sie einen Anwalt, der vom Richter ausgesucht wird. Um in schweren Verdacht zu geraten, reicht es, dass eine Person eine Drohung ausgesprochen hat, etwa, sie werde die Scheune abbrennen, und dass kurz darauf das Ereignis eintritt. Steht die bei der Ketzerei Ertappte ohnehin in schlechtem Ruf, erhärtet sich der Verdacht. Gesteht sie ihre Schuld, wird sie zum Tod verurteilt. Leugnet sie trotz Zeugenaussagen und Indizien, wird sie eingekerkert. Falls sie trotz gutem Zureden erfahrener Männer nicht einsichtig ist, wird sie im äußersten Fall und nach sorgfältiger Abwägung einem peinlichen Verhör unterzogen, um ein Geständnis zu erzwingen. Denn niemand kann ohne ein Geständnis zum Tod verurteilt werden.

„Lob sei Gott, Verderben der Ketzerei, Friede den Lebenden, ewige Ruhe den Toten. Amen.“ (S. 796)

Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass Hexen unter der Folter oft so verhärtet und unempfindlich gegen Schmerzen sind, dass sie sich eher in Stücke reißen lassen, als ihre Schuld einzugestehen. Manche haben auch Zaubermittel in die Kleidung genäht oder am Körper versteckt, etwa im Haar. Deshalb empfiehlt sich eine Rasur. Daran, dass sie auf ihrer Unschuld beharrt und bei der Folter nicht weint, erkennt der Richter sicher die Hexe. Es ist sogar schon vorgekommen, dass eine Hexe dank eines Zaubermittels das Feuer überlebte und anschließend noch ertränkt werden musste. Aus diesem Grund sollte man auch von einem bei anderen Verbrechen durchaus üblichen Beweis göttlicher Gnade, bei dem die Beschuldigten glühendes Eisen berühren oder kochendes Wasser trinken sollen, absehen. Eine Hexe bat einmal selbst um das glühende Eisen, konnte es dank Zauberkraft sogar länger in der Hand halten als vorgeschrieben und wurde freigesprochen. Sie lebt heute noch – zum Schaden der Christenheit.

Die Ausrottung der Hexen zum Wohle der Menschheit

Je nach Schwere des Verdachts, Anzahl der Zeugen, öffentlichem Ruf der bei der Ketzerei ertappten Person und ihrer Bereitschaft zur Reue und Bußfertigkeit fällt die Strafe unterschiedlich aus. Dem weltlichen Richter steht eine große Bandbreite an Strafen zur Verfügung. Leichter Verdächtige sollen öffentlich dem Aberglauben abschwören, bei schweren Fällen, in denen kein Geständnis vorliegt, lautet das Urteil auf lebenslange Gefängnishaft bei Wasser und Brot. Bestätigt sich der Verdacht der Ketzerei, so steht dafür die Todesstrafe durch Feuer. Hexen müssen rücksichtslos verfolgt und ausgerottet werden. Bleiben ihre Taten ungestraft, werden sie die ganze Christenheit verheeren.

Zum Text

Aufbau und Stil

Der Hexenhammer, ursprünglich auf Lateinisch verfasst, teilt sich in drei große Abschnitte, die ihrerseits in kürzere, logisch und thematisch nicht immer schlüssige Kapitel untergliedert sind. Der chaotische Aufbau lässt vermuten, dass Heinrich Kramer sein Werk in großer Eile und ohne rechten Überblick hingeworfen hat. Oftmals wiederholt er sich in seinen Ausführungen, lenkt vom eigentlichen Thema ab oder hält sich lange mit Nebensächlichkeiten auf. Zu Beginn jedes Abschnitts stellt er zunächst eine Frage, zu der er ältere theologische Lehrmeinungen und Zitate aneinanderreiht. Aus den verschiedenen Ansichten bastelt er sich anschließend eine Antwort zusammen, die schlüssig wirken soll, oftmals aber neue Fragen aufwirft. Wenn er sich in theologischen und juristischen Details verliert, ist sein Stil trocken und langatmig. Immer wieder flicht Kramer zum Beweis seiner Behauptungen alltägliche, auf den heutigen Leser jedoch skurril wirkende Geschichten über das Wirken dämonischer Kräfte ein, die er selbst erlebt haben will oder die ihm zugetragen wurden. In solchen Momenten bekommt sein Ton mitunter fast etwas Märchenhaftes, das in merkwürdigem Kontrast zu der Strenge des übrigen Textes steht.

Interpretationsansätze

  • Der Hexenhammer ist geprägt vom Chiliasmus, dem Glauben an den nahen Weltuntergang: In der Einleitung zeichnet Heinrich Kramer mit Hinweis auf die Apokalypse im Johannesevangelium eine düstere Vision einer zum Untergang verdammten Menschheit. Wie viele Zeitgenossen war Kramer von der Vorstellung beherrscht, das Weltende stehe unmittelbar bevor.
  • Bereits die im Titel verwendete weibliche Form „maleficarum“ („der Schadenzauberinnen“) deutet auf die frauenfeindliche Stoßrichtung des Werks hin, die es von all seinen Vorgängern unterscheidet. Tatsächlich beziehen sich die meisten Beispiele, die Kramer anführt, auf weiblichen Schadenzauber. Die auffällige Abneigung des zölibatären Ordensbruders gegen Frauen, die schon zeitgenössischen Gegnern als pathologisch galt, wurde später psychologisch als sexuelle Obsession interpretiert.
  • So sehr Kramer das magische Denken als unvereinbar mit dem Gottesglauben verurteilte, so sehr war er ihm selbst verhaftet. Viele der Maßnahmen und Praktiken, die er zur Abwehr von Schadenzauber empfiehlt – etwa der Einsatz von Kräutern und Amuletten – waren heidnischen Ursprungs und stießen bei Kirchenrechtlern auf Ablehnung.
  • In seiner typisch scholastischen Argumentationsweise stützt sich der Autor auf Augustinus’ und Thomas von Aquins Zeichentheorie, wonach die Handlungen der Menschen sowie die Naturerscheinungen nicht das sind, was sie zu sein scheinen, sondern vielmehr göttliche oder dämonische Botschaften, die es zu entschlüsseln gilt.
  • Augustinus und Thomas von Aquin legten zwar die Grundlage für die spätmittelalterliche Theorie vom Dämonenpakt, im Denken und Werk der beiden spielte diese aber eher eine untergeordnete Rolle. Kramer wiederum wandte sich genau gegen die nach Augustinus vorherrschende theologische Auffassung, dass Magie unwirksam sei. Nach Augustinus waren die Anhänger magischer Praktiken lediglich für ihren Abfall vom richtigen Glauben, nicht aber für reale Verbrechen zu bestrafen. Kramers Werk spiegelt dagegen den in der Bevölkerung verbreiteten Glauben an die reale Existenz dämonischer Kräfte und des Schadenzaubers wider.

Historischer Hintergrund

Spätmittelalterlicher Hexenglaube

Im spätmittelalterlichen Europa glaubten viele Menschen, man könne mithilfe von Zauberei den Gang der Welt lenken, Mensch und Tier schädigen oder das Wetter beeinflussen. Dieser Glaube wurzelte in germanischen, keltischen und slawischen Traditionen, die Jahrhunderte überdauert hatten. Trotz der Ausbreitung des Christentums blieben von der offiziellen Kirche als heidnisch abgelehnte Glaubensinhalte und Praktiken in vielen Regionen überaus lebendig. Hatten die weltlichen Obrigkeiten schon früher vereinzelte Prozesse gegen angebliche Zauberer geführt, so wurde Zauberei in der Alpenregion und dem Dreiländereck rund um den Genfer See ab dem späten 14. Jahrhundert als eine Form der Ketzerei – die bedrohlichste von allen – betrachtet. Damit fielen Verbrechen durch sogenannten Schadenzauber in den Kompetenzbereich der geistlichen Gerichtsbarkeit, speziell der Inquisition.

Im Zuge dieser Entwicklung wurden die als Zauberer oder Hexen verfemten Personen nicht mehr als Einzeltäter, sondern als Mitglieder satanischer Gruppen und Sekten gesehen, was ihre Verbrechen in ein anderes Licht rückte. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts und infolge des Basler Konzils (1431 bis 1449), auf dem das Thema Hexerei kontrovers diskutiert wurde, entwickelte sich ein neuer Hexenbegriff. Ihm zufolge schlossen Hexen und Zauberer einen Pakt mit dem Teufel, buhlten um seine Unterstützung und flogen durch die Lüfte zu sogenannten Hexensabbats, auf denen sie Unzucht mit dem Teufel trieben und Schadenzauber bewirkten. Um diese Grundelemente herum rankten sich zahlreiche ältere mythische Vorstellungen von Werwölfen, Tierverwandlungen und Wechselbälgern, also gegen Neugeborene ausgetauschten Monsterkindern. Um 1450 entstand die Literaturgattung der Hexentraktate, in denen vor allem Inquisitoren und Angehörige von Priesterorden sich bemühten, den neuen Hexenbegriff festzulegen und Zweifel an der Existenz von Hexensekten auszuräumen.

Ende der 1470er-Jahre sorgte eine später auch als „Kleine Eiszeit“ bezeichnete Klimaverschlechterung in Mitteleuropa für eine Reihe von Missernten. Besonders im oberdeutschen Raum führte die Verteuerung von Getreide und Wein in jenen Jahren zu Mangelernährung und Hungersnöten. Hinzu kam eine Pestepidemie, die zwischen 1482 und 1484 in der Region grassierte und rund ein Viertel der Bevölkerung dahinraffte. Der angebliche Einfluss von Hexen bot den Menschen eine einfache Erklärung für Ernteschäden und Hunger, Krankheiten und Massensterben.

Entstehung

Nachdem Heinrich Kramer als Inquisitor in der Diözese Brixen mit einem Hexenprozess, der mit dem Freispruch der Angeklagten endete, wegen seines rabiaten und rechtswidrigen Vorgehens den Unmut des dortigen Bischofs geweckt hatte und sogar zum Verlassen der Diözese aufgefordert worden war, zog er sich im Februar 1486 zurück, um sein Buch zu schreiben. Damit beabsichtigte er offensichtlich, sein Scheitern wettzumachen und seine Tätigkeit als Inquisitor so bald wie möglich wieder aufzunehmen. Um dem Hexenhammer eine größeres Gewicht zu geben, suggerierte er, der angesehene Dominikaner und Kölner Prior Jakob Sprenger sei Mitverfasser des Werks. Dieser jedoch versicherte später glaubwürdig, er habe keine Zeile dazu beigetragen, ja nicht einmal davon gewusst. Auch die dem Text nachträglich beigefügte päpstliche Bulle und ein gefälschtes Gutachten der renommierten theologischen Fakultät der Universität Köln sollten dem Buch ein höheres Ansehen verleihen. In der Hoffnung, damit den gerade gewählten jungen König Maximilian I. für sich zu gewinnen, schrieb Kramer in wenigen Monaten sein Traktat nieder, in das er lange Passagen aus seinen Predigten und Predigtentwürfen wie auch Zitate aus alten Schriften und Inquisitionshandbüchern einfügte. Seine Rechnung ging auf: Im November 1486 erhielt er von Maximilian I. das königliche Privileg zur Förderung der Hexeninquisition.

Wirkungsgeschichte

Die Mitte des 15. Jahrhunderts erfundene Druckerpresse beflügelte den Erfolg des Hexenhammers. Allein bis 1523 kam es zu 13 Auflagen, das entspricht rund 10 000 Stück; bis 1669 erschienen rund 30 Auflagen. Dabei löste das Buch durchaus zwiespältige Reaktionen aus: Einige theologische Gelehrte und Juristen bestritten generell die Möglichkeit von Hexenflug und Zauberei. Erasmus von Rotterdam verspottete in seinem Lob der Torheit die Hexeninquisition und spielte damit auch auf Kramer an. Der Humanist Heinrich Cornelius Agrippa bezeichnete den Autor des Hexenhammers als „grausamen Heuchler“ und „blutgierigen Mönch“. Trotz der hohen Verbreitung lässt sich ein unmittelbarer Einfluss des Buchs, das in protestantischen Gegenden als papistisches Machwerk verpönt war, auf die Hexenverfolgung kaum nachweisen. Nach einer Welle der Hexenhinrichtungen in den 1490er-Jahren ging ihre Zahl ab 1500 stetig zurück, um im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts erneut anzusteigen – parallel dazu erschienen zahlreiche Neudrucke des Werks. In neuerer Zeit beschäftigte sich Sigmund Freud intensiv mit dem Hexenhammer und verglich das Verhältnis zwischen Hexe und Inquisitor mit demjenigen zwischen Klientin und Analytiker.


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