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Der Zweite Weltkrieg

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Der Zweite Weltkrieg

Fischer Tb,

15 Minuten Lesezeit
10 Take-aways
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Was ist drin?

Die faszinierenden Erinnerungen Churchills an den Zweiten Weltkrieg.


Literatur­klassiker

  • Dokumentarliteratur
  • Moderne

Worum es geht

Churchills Beitrag zur Weltgeschichte

Es ist eine bemerkenswerte Seltenheit, wenn ein persönlicher Lebenslauf mit der Weltgeschichte derart eng zusammenfällt wie die politische Karriere Winston S. Churchills mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Umso wertvoller ist es, dass Churchill, als einer der wenigen Weltpolitiker jener Zeit, eine umfassende Autobiografie vorgelegt hat. Den Ersten Weltkrieg erlebte und prägte er als Kriegsminister und schrieb darüber in Die Weltkrise. Mit Der Zweite Weltkrieg lieferte er das Nachfolgewerk, eine sechsbändige und zwei Millionen Wörter starke Darstellung von Ursprung und Entwicklung des Zweiten Weltkriegs. Als britischer Premierminister war Churchill in der ausgezeichneten Lage, durch Rückgriff auf persönliche Erlebnisse und regierungsinterne Geheimdokumente einen Blick hinter die Kulissen und in die Schaltzentralen der Weltpolitik zu gewähren. Dass es sich bei dem Ergebnis nicht um streng objektive Geschichtsschreibung handelt, ist klar. Über Die Weltkrise sagte Churchill, seine Memoiren seien keine Geschichte, sondern ein eigenständiger Beitrag zur Geschichte. Das gilt auch für dieses packende und informative Werk.

Take-aways

  • Der Zweite Weltkrieg ist ein Klassiker der modernen Geschichtsschreibung.
  • Inhalt: Nach dem Ersten Weltkrieg bleibt Deutschland verbittert zurück. Hitler verkörpert diese Kränkung, seine aggressive Expansionspolitik will die Kriegsschmach tilgen. Mit dem Überfall auf Polen löst er den Zweiten Weltkrieg aus. Churchill, der früh vor Hitler gewarnt hat, wird britischer Premier und Hitlers größter Gegenspieler. Mit der Hilfe Roosevelts und Stalins besiegt er ihn im Mai 1945.
  • Churchill begann mit der Arbeit an dem Werk direkt nach seiner Abwahl 1945. Die Arbeit dauerte bis 1953.
  • Ein großes Team von Sekretären und Autoren unterstützte Churchill während des Schreibprozesses.
  • Dabei hatten sie exklusiven Zugriff auf Geheimdokumente der Regierung.
  • Der Zweite Weltkrieg erschien in sechs Bänden. Später erstellte Churchill eine gekürzte einbändige Version.
  • Der große Erfolg von Der Zweite Weltkrieg sicherte Churchills Familie finanziell ab.
  • Für sein literarisches Werk erhielt er 1953 den Literaturnobelpreis.
  • Churchill gilt als bedeutendster britischer Politiker des 20. Jahrhunderts und als derjenige, der den Sieg Hitlers verhindert hat.
  • Zitat: „Adolf Hitler war endlich am Ziel, aber er war nicht allein gekommen. Aus den höllischen Tiefen des Abgrunds hatte er die dunkeln und wilden Furien heraufgerufen, die in der zahlreichsten, dienstfertigsten, unbarmherzigsten, widerspruchsvollsten und unglücklichsten Rasse Europas schlummern.“

Zusammenfassung

Der Weg in die Katastrophe

Das deutsche Volk, der große Verlierer des Ersten Weltkriegs, erlebte seine Niederlage als Schande. Mit Reichspräsident Paul von Hindenburg begann Deutschland wieder selbstbewusster aufzutreten, was Frankreich als bedrohlich, England allerdings als positives Zeichen dafür empfand, dass die deutsche Kriegsverbitterung bald weichen würde. Durch den Vertrag von Locarno, die kräftige Wirtschaftshilfe und Deutschlands Eingliederung in den Völkerbund schien Ende der 1920er-Jahre ein stabiler Frieden möglich. Doch im Oktober 1929 fand die beginnende Euphorie wegen der Weltwirtschaftskrise ein rasches Ende.

„Adolf Hitler war endlich am Ziel, aber er war nicht allein gekommen. Aus den höllischen Tiefen des Abgrunds hatte er die dunkeln und wilden Furien heraufgerufen, die in der zahlreichsten, dienstfertigsten, unbarmherzigsten, widerspruchsvollsten und unglücklichsten Rasse Europas schlummern.“ (S. 51)

Wie so viele andere deutsche Soldaten erlebte auch Adolf Hitler den Kriegsausgang 1918 als persönliche Kränkung. Die Niederlage Deutschlands erschien ihm als das Ergebnis einer Weltverschwörung, angeleitet, wie er dachte, durch die Juden. Ab 1920, als er in die Deutsche Arbeiterpartei eintrat, legte er einen kometenhaften politischen Aufstieg in der Weimarer Republik hin, setzte sich gegen alle Widerstände, nicht zuletzt gegen Hindenburg, durch und wurde am 30. Januar 1933 deutscher Kanzler. Während Deutschland in die Aufrüstung investierte, setzten die englischen Premierminister Stanley Baldwin und Ramsay MacDonald die durch die Wirtschaftskrise nahegelegte Sparpolitik im Militär starrsinnig fort, auch als Hitler aus dem Völkerbund und den Abrüstungskonferenzen austrat. Damals weilte Churchill zufällig in München. Ein gewisser Putzi Hanfstaengl, offenbar ein Günstling Hitlers, versuchte, ein Treffen mit dem Führer zu arrangieren, wogegen Churchill zu diesem Zeitpunkt nichts gehabt hätte. Doch als er eine Bemerkung über Hitlers Judenhass machte, riss der Kontakt mit Hanfstaengl abrupt ab. Dies sollte die einzige Gelegenheit für Hitler bleiben, Churchill kennenzulernen. Als sie sich später auf der großen Weltbühne wiederbegegneten, schlug Churchill jedes Angebot zu einem Treffen aus.

„Endlich verfügte ich über die Autorität, in jeder Richtung maßgebende Weisungen zu erteilen. Mir war zumute, als ob das Schicksal selber mir den Weg wiese, als wäre mein ganzes bisheriges Leben nur eine Vorbereitung auf diesen Augenblick gewesen und auf diese Prüfung.“ (S. 261)

Deutschlands Innen- wie Außenpolitik wurde zunehmend aggressiver. Nach dem Überfall auf Österreich 1936 reagierte Russland alarmiert und wollte mit Frankreich und England eine Große Allianz bilden, doch der vom Schatzkanzler zum Premier aufgestiegene Neville Chamberlain lehnte diese, auch von Churchill befürwortete, Idee ab.

Churchills Aufstieg zum Premierminister

Chamberlain glaubte fest daran, durch persönlichen Kontakt mit Hitler und Benito Mussolini den drohenden Krieg verhindern zu können. Doch als am 1. September 1939 Deutschland in Polen einmarschierte, platzte diese Illusion. Schon länger hatten Teile der Öffentlichkeit und des Parlaments die Rückkehr Churchills in die Regierung gefordert. Nun wurde er Kriegsminister der Admiralität. Dänemark, Norwegen, Holland, Belgien fielen nacheinander, überrascht von der Wucht des deutschen Blitzkriegs. Am 10. Mai 1940 zitierte Chamberlain Churchill zu sich. Es sollte das bedeutendste Gespräch in Churchills gesamter politischer Karriere werden: Chamberlain erklärte seinen Rücktritt und betraute Churchill mit der Regierungsbildung. Noch am Abend ernannte er drei neue Minister: Anthony Eden wurde Kriegsminister, Harold Alexander übernahm die Admiralität und Archibald Sinclair die Luftwaffe. Churchill selbst nahm eine, bewusst kaum eingeschränkte, Funktion als Verteidigungsminister ein. Er war zufrieden: Jahrelang waren seine Warnungen vor Deutschland wirkungslos verhallt, doch er war immer überzeugt gewesen, dass er den Ernst der Lage richtig einschätzte. Nun konnte er endlich – mit allen Machtbefugnissen – handeln.

England allein

Währenddessen fegte der deutsche Blitzkrieg über Holland, Belgien und Frankreich hinweg. Es gab kaum nennenswerten Widerstand. Am 15. Mai meldete Frankreichs Ministerpräsident Paul Reynaud, dass Frankreich besiegt sei. Die Deutschen hatten die Maginotlinie bei Sedan durchbrochen und machten täglich ungeheure Bodengewinne. Churchill musste einerseits erkennen, dass die französische Abwehr um einiges schlechter organisiert war, als er angenommen hatte, und dass er andererseits einen beträchtlichen technischen Fortschritt verschlafen hatte: Er bezog sein Wissen über Kriegsführung immer noch aus seinen eigenen Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg und war völlig überrascht von der Schlagkraft der deutschen Panzerdivisionen. England stand der Verteidigung Frankreichs mit einem Großteil seiner Armee bei, drohte aber selbst einer möglichen deutschen Invasion hilflos gegenüberzustehen. Allen war klar: Angesichts der militärischen Überlegenheit Deutschlands ruhte die Hoffnung Englands einzig und allein auf der Moral und Entschlossenheit seiner Truppen und der Zivilbevölkerung.

„Was war der Zweck der Maginotlinie? Sie hätte den Franzosen (…) ermöglichen sollen, starke Kräfte in Reserve zu halten. (…) Doch jetzt war keine Reserve vorhanden. Ich gestehe, dass dies eine der größten Überraschungen meines Lebens war.“ (S. 288 f.)

Die bewies sich schon bald darauf, während der Befreiung von fast 400 000 französischen und britischen Soldaten aus Dünkirchen, an der sich viele Bürger mit Privatbooten und -schiffen beteiligten. Als am 4. Juni die Evakuierung erfolgreich abgeschlossen war, trat das bis dahin abwartende Italien in den Krieg ein – auf der Seite Deutschlands. Auch die Sowjetunion begann, beeindruckt von der Expansionspolitik Hitlers und befördert durch das gute Verhältnis zwischen Berlin und Moskau, mit der militärischen Erweiterung ihres Territoriums und überfiel das Baltikum und Rumänien. Nun war England ganz allein. Frankreich war besiegt und zur Hälfte besetzt. Die andere, von General Pétain regierte Zone konnte jederzeit angreifen, ebenso Spanien. Einzig die USA standen, wenn auch noch zurückhaltend, England zur Seite und lieferten Waffen. Während der Sommermonate 1940 trat eine gewisse Verschnaufpause ein. England nutzte sie dankbar aus: Die Rüstungsproduktion sowie die Organisation der Truppen lief voll an. Hoch konzentriert verfolgte man die Vorbereitungen der deutschen Operation Seelöwe, den Angriff auf Großbritannien, und entwickelte entsprechende Verteidigungsszenarien.

„Vor allem aber bleiben Ausdauer und Tapferkeit unserer Jagdflieger unüberwindlich und unerreichbar. So wurde England gerettet. Im Unterhaus durfte ich mit Recht sagen: ‚Niemals in der Geschichte menschlicher Kämpfe sind so viele so wenigen so sehr verpflichtet gewesen.‘“ (S. 410)

Während England wieder zuversichtlicher wurde, überschätzte sich die militärische Führung Deutschlands zunehmend und rechnete mit einem schnellen Erfolg. Die Schlacht um England begann im Hochsommer 1940 und wurde schnell zu einer Luftschlacht, die am 15. September in einer ersten kriegsentscheidenden Schlacht gipfelte, in der die britische Luftwaffe unter Aufbietung aller Kräfte den deutschen Angriff abwehren und in den folgenden Tagen zu entscheidenden Gegenangriffen übergehen konnte. Die Operation Seelöwe wurde abgebrochen. Bis in den Mai 1941 dauerten die Luftangriffe auf England an, danach verlagerte Hitler den Krieg auf U-Boot-Angriffe gegen Englands Versorgungsrouten im Atlantik sowie auf die Invasion der Sowjetunion und des Balkans. England versuchte, den wenigen verbliebenen Verbündeten wie Griechenland, Jugoslawien und der Türkei so gut wie möglich zu helfen, doch eine gemeinsame Front gegen Deutschland kam nicht zustande – vor allem, weil sich Sowjetrussland absolut in Sicherheit wähnte und nicht eingriff. Doch als im Sommer 1941 der Widerstand auf dem Balkan gebrochen war, startete unverzüglich das Unternehmen Barbarossa, Hitlers Angriff auf Moskau, der die naiven Russen, trotz aller Warnungen Churchills, völlig unvorbereitet traf. England sagte dennoch seine bedingungslose Hilfe zu.

Die große Allianz

Russland war ein schwieriger Verbündeter. Hatte sich Josef Stalin, solange er sich in Sicherheit wähnte, aus allen Konflikten herausgehalten und alle Hilfeanfragen abgelehnt, so forderte er nun alle erdenklichen Anstrengungen von England, um die Invasion der Deutschen aufzuhalten. Die wenigen Waffenlieferungen, die England aus den USA erhielt, gingen nun direkt nach Russland, dessen Militär von den deutschen Truppen regelrecht überrannt wurde. Dass Hitler bis Ende des Jahres 1941 Moskau eingenommen haben würde, erschien durchaus möglich. Dennoch war Churchill froh, mit Sowjetrussland endlich einen Verbündeten an seiner Seite zu haben. Und als im Dezember 1941 Japan einen Überraschungsangriff auf die US-Marine in Pearl Harbour flog und die Vormachtstellung der USA im Pazifik zerstörte, gewann Churchill mit den USA noch einen dritten entschlossenen und tatkräftigen Alliierten. Nun war er sich sicher, dass England den Krieg überstehen und gewinnen würde – es war nur mehr eine Frage der Zeit.

„Krieg ist hauptsächlich eine Kette von Fehlern; doch darf man füglich bezweifeln, ob jemals in der Weltgeschichte ein Fehler gemacht wurde wie der, dessen sich Stalin und die Kommunistenführer schuldig machten, als sie (...) mit verschränkten Armen auf den bevorstehenden, ungeheuerlichen Ansturm gegen Russland warteten (…)“ (S. 514)

Ab dem Kriegseintritt der USA forderte Stalin ständig die möglichst rasche Errichtung einer zweiten Front. England und die USA mussten ihn immer wieder vertrösten, da diese Mission eines ungeheuren Planungs- und Vorbereitungsaufwands bedurfte. Die benötigten gepanzerten Landeschiffe mussten überhaupt erst gebaut und ausgerüstet werden. Frühestens im Sommer 1943 war eine Landung möglich, doch die Vorbereitungen dafür liefen unter strenger Geheimhaltung ab Winter 1941 auf Hochtouren. US-Präsident Franklin D. Roosevelt und Churchill waren sich freundschaftlich verbunden, und im April 1942 entschlossen sich die USA dazu, der Landung in Westeuropa oberste Priorität einzuräumen. Am 12. August flog Churchill nach Moskau, um einem skeptischen Stalin Operation Torch, die geplante anglo-amerikanische Landung an der französischen Westküste und, vom Mittelmeer aus, in Nordafrika, zu präsentieren. Vier Stunden lang dauerte die Unterredung, und obwohl Stalin noch immer den späten Beginn der Operation kritisierte, schien er letztlich von den Plänen Roosevelts und Churchills überzeugt zu sein. Erst am Abend vor Churchills Abflug löste sich die frostige und misstrauische Stimmung bei einem ausgedehnten Abendessen.

„Die Formulierung ‚bedingungslose Kapitulation‘ bedeutet nicht, dass das deutsche Volk vernichtet oder versklavt wird. Sie bedeutet vielmehr, dass kein Vertrag und keine Verpflichtung die Alliierten im Moment der Kapitulation binden werden ...“ (S. 741)

Im November landeten britische und amerikanische Truppen in Nordafrika und besiegten die deutschen Streitkräfte. Im Gegenzug rückte Deutschland in die bisher unbesetzte Zone Frankreichs vor. Im Januar 1943 beschlossen Churchill und Roosevelt bei der Konferenz in Casablanca, zunächst den Krieg in Nordafrika zu entscheiden, um danach die Landung in Italien vorbereiten zu können. Sie legten die bedingungslose Kapitulation Deutschlands als Kriegsziel fest. Unterdessen war die deutsche Invasion des Kaukasus im Spätsommer 1943 schwer ins Stocken geraten. Der entscheidende Schlag folgte mit der Einkesselung und Niederlage der deutschen Truppen in Stalingrad. Das Frühjahr 1943 brachte für den Krieg im Osten den Wendepunkt: Von nun an war Deutschland in der Defensive.

Triumph und Tragödie

Der Endsieg wurde in der Konferenz von Teheran im November 1943 geplant, und die Operation Overlord, eine Landung in der Normandie, wurde als Hauptziel der Alliierten festgelegt. Der D-Day, eine Landungsaktion von bisher ungekanntem Ausmaß, mit der 176 000 Soldaten und 20 000 Fahrzeuge über den Ärmelkanal gelangen sollten, erforderte exakte und ausgefeilte Planung. Zusätzlich mussten beträchtliche Mühen aufgebracht werden, um bei den Deutschen den Eindruck zu erwecken, die Invasion werde über den Ärmelkanal stattfinden. Die schlechten Wetterverhältnisse zögerten den Beginn der Operation Overlord hinaus. Schließlich entschied sich der Oberbefehlshaber General Dwight D. Eisenhower für die Morgenstunden des 6. Juni. Die Operation war ein voller Erfolg und traf die Deutschen aus heiterem Himmel. Auch wenn der Vormarsch Richtung Paris auf erbitterten Widerstand traf: Die Versorgungslinie der Alliierten hielt, und mithilfe der Truppen von General Charles de Gaulle war bis Ende August Paris eingenommen.

„Ich selber bin schon immer der Meinung gewesen, dass man einer Gesamtweltorganisation regional gegliederte Gruppen zugrunde legen sollte. Die Mehrzahl der Hauptgruppen ergibt sich von selbst: die Vereinigten Staaten, ein vereinigtes Europa, das britische Commonwealth und Reich, die Sowjetunion, Südamerika.“ (S. 1022)

Am 22. Juni 1944 hatte auch die Sowjetoffensive gegen Deutschland begonnen. Besonders auf dem Balkan war dieser Vorstoß sehr erfolgreich. Der anglo-amerikanische Angriff auf die Siegfried-Linie, die westliche Verteidigungsfront Deutschlands, erwies sich aufgrund des schlechten Wetters und des erbitterten Widerstands als kräftezehrend. Im Dezember brachen die Deutschen über den Schwachpunkt der alliierten Front, die Ardennen, durch. Eisenhower reagierte rasch und letztlich kostete dieser Ausbruchsversuch die Deutschen zu viele Verluste, um den Kampf noch lange aufrechterhalten zu können. Im Februar 1945 erreichten die russischen Truppen Norddeutschland, im März befreiten sie Wien. Im Rahmen der Jalta-Konferenz Anfang Februar besprachen die Alliierten die Aufteilung Deutschlands und die langfristige Friedenssicherung durch eine neue politische Weltorganisation, für die sie ein Vetorecht für die USA, Russland, Großbritannien und China festlegten. Churchill sprach sich dafür aus, die Nationen nicht einzeln, sondern in größere Verbände zusammengefasst vertreten zu lassen, konnte sich damit allerdings nicht durchsetzen. Ende April nahmen die Russen Berlin ein, Hitler beging Selbstmord und am 8. Mai 1945 erfolgte die bedingungslose Kapitulation Deutschlands.

Epilog: Der kalte Friede und unsere Zukunft

Die Politik steckt voller Überraschungen: Auch die Haltung der USA bei der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 war für Churchill überraschend. Die USA schienen zu akzeptieren, dass Russland große Teile Europas besetzte. Berlin, Prag, Wien und der gesamte Balkan waren bereits in russischer Hand. Im Sommer 1945, noch während die Konferenz lief, wurde der siegreiche Kriegspremier Churchill vom Volk abgewählt. Churchill blieb unverständlich, warum sich die amerikanischen Truppen so schnell aus Europa zurückzogen und damit das Aufziehen des „Eisernen Vorhangs“, wie ihn Churchill im März 1946 erstmals nannte, erst ermöglichten. Dass der Kommunismus im kriegsversehrten Europa keine Früchte trug, verdankte sich hauptsächlich dem generösen Marshall-Plan. Das Hauptziel der freien Welt musste es nun sein, einen stabilen Frieden zu ermöglichen, um sich gegen die Ideen des Kommunismus durchsetzen zu können.

Zum Text

Aufbau und Stil

Churchills Der Zweite Weltkrieg ist eine politische Autobiografie. Churchill umreißt die allgemeine weltpolitische Entwicklung ab den 1920er-Jahren sowie den Verlauf des Zweiten Weltkriegs. Den Krieg schildert Churchill aus seiner Perspektive als ranghöchster britischer Kriegsstratege, er gibt Details von Planungen, Lagebesprechungen und internen Debatten wieder, die der Öffentlichkeit zuvor nicht zugänglich waren. Besonders interessant sind seine persönlichen Eindrücke von Weltpolitikern wie Franklin D. Roosevelt oder Josef Stalin sowie die seltenen Einblicke in sein eigenes Gefühlsleben oder in sein Privatleben. Obwohl Churchill auch die objektiven Entwicklungen anhand historischer Dokumente nachzuzeichnen bemüht ist, beschreibt und bewertet er doch die Geschehnisse sehr eindeutig aus seiner persönlichen Perspektive. Daraus macht er aber auch gar keinen Hehl. In dem sehr knappen Vorwort, geschrieben im März 1948, erklärt er, mit seiner Darstellung des Zweiten Weltkriegs vor allem ein persönliches Zeugnis ablegen zu wollen. Gegliedert ist das Werk in vier Bücher, die der Chronologie des Kriegs folgen: „Der Weg in die Katastrophe“ (1919 bis 1940), „Allein“ (1940/1941), „Die große Allianz“ (1941 bis 1943) sowie „Triumph und Tragödie“ (1943 bis 1945). Jedes Buch besteht aus 20 bis 30 Unterkapiteln, die sich je einem spezifischen Aspekt des Krieges widmen, etwa Kriegsschauplätzen (zum Beispiel Normandie, Burma oder Ägypten), Schlüsselereignissen wie der Luftschlacht um England oder der Jalta-Konferenz sowie der Bewertung von Verbündeten und Gegnern. Begleitet wird der Text von vereinzelten Landkarten, die Grenzveränderungen, Frontverläufe und Truppenbewegungen darstellen.  

Interpretationsansätze

  • Ein wesentliches Element von Der Zweite Weltkrieg ist Churchills vorteilhafte Selbstdarstellung als Führer und Retter der freien Welt. Nach der Veröffentlichung wurde er denn auch dafür kritisiert, dass das Buch ihn selbst als scheinbar einzigen Gegner Hitlers erscheinen lässt.
  • Angesichts der frustrierenden Wahlniederlage von 1945 unternimmt Churchill in diesem Buch auch eine nachträgliche Rechtfertigung seiner Politik. Immer wieder pocht er darauf, dass er Einschätzungen und Entscheidungen getroffen habe, die von den Zeitgenossen zwar kritisiert wurden, sich im Nachhinein aber als die einzig richtigen erwiesen hätten.   
  • Da das Buch vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs entstand, ist bereits die Darstellung des Zweiten Weltkriegs von einem stark ausgeprägten Antikommunismus geprägt. Churchill betont wiederholt die Naivität und Fragwürdigkeit der russischen Politik und der Person Stalins.
  • Der Fokus der Darstellung des Krieges liegt auf der Kriegspolitik Großbritanniens. Sozioökonomische oder kulturtheoretische Aspekte dieser komplexen Entwicklung bleiben in Der Zweite Weltkrieg weitgehend unberücksichtigt. Churchill zeigt sich durchgehend als der historischen Großmachtpolitik Großbritanniens verhaftet.
  • Vorbilder für Churchills Geschichtswerk sind Klassiker der modernen britischen Geschichtsschreibung wie Edward Gibbons Verfall und Untergang des römischen Imperiums oder Thomas Macaulays mehrbändige Geschichte Englands aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. 

Historischer Hintergrund

Die ideologischen Bruchlinien um den Zweiten Weltkrieg

Nachdem Adolf Hitler 1933 deutscher Reichskanzler geworden war und das Dritte Reich ausgerufen hatte, begann er, die deutsche Außenpolitik zunehmend aggressiver zu gestalten, um die als Schmach empfundene Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg zu rächen. Die großen Nationen Europas sowie die Sowjetunion und USA reagierten sehr verhalten auf die Expansionspolitik Hitlers, der 1938 Österreich und die Tschechoslowakei zum Opfer fielen. Diese Appeasement-Politik endete erst, als Deutschland 1939 Polen überfiel und der Zweite Weltkrieg ausbrach. Die militärische Innovation der deutschen Wehrmacht, der Blitzkrieg, war so wirkungsvoll, dass im Sommer 1940 so gut wie ganz Europa besetzt war oder von den Verbündeten Hitlers, Francisco Franco und Benito Mussolini, regiert wurde. Als im Sommer 1941 der von Hitler ausgerufene Vernichtungskrieg gegen Russland losbrach, schloss sich die kommunistisch geführte Sowjetunion unter Josef Stalin den westlichen Demokratien Großbritannien und USA an, um den Faschismus zu besiegen.

Nachdem Ende April 1945 italienische Rebellen Mussolini ermordet hatten, Hitler sich in Berlin das Leben genommen hatte und Deutschland sowie Italien bedingungslos kapituliert hatten, wurden aus den einstigen Kriegsalliierten bald Feinde, die in der Nachkriegszeit, getrennt durch den „Eisernen Vorhang“, als Supermächte einander gegenüberstanden und im Kalten Krieg einen erbitterten Kampf um die globale Vormachtstellung ausfochten.

Entstehung

Nach seiner überraschenden Niederlage bei der Unterhauswahl 1945 begann Churchill, nun nicht mehr Premierminister, das umfangreiche Nachfolgeprojekt zu seiner Darstellung des Ersten Weltkriegs, Die Weltkrise. Ab 1946 diktierte er die Handlung der auf sechs Bände angelegten Darstellung des Zweiten Weltkriegs. Unterstützt wurde er von einem großen Team von Autoren und Sekretären. Sie recherchierten einen Großteil der historischen und militärischen Hintergrundinformationen und fügten diese in die zuvor von Churchill diktierten Texte ein. Dabei hatten sie weitgehend freien Zugang zu offiziellen Regierungsdokumenten, also zu Quellen, die den Berufshistorikern und der Öffentlichkeit noch für Jahrzehnte verschlossen blieben. Diesen Zugang erlangten sie einerseits über Churchills Notizen über hochoffizielle Staatsdokumente, Korrespondenzen und Memoranden, die er während seiner Regierungszeit wöchentlich anfertigen ließ, und andererseits durch ein Spezialabkommen zwischen Churchill und dem ersten Premierminister der Nachkriegszeit, Clement Attlee.

Attlee erlaubte dem damaligen Oppositionspolitiker ausnahmsweise Zugriff auf Regierungsdokumente, unter der Voraussetzung, dass Churchill keine Staatsgeheimnisse veröffentlichte und die Dokumente nicht für Parteipolitik verwendete. Dennoch sahen viele Regierungsmitglieder diese Sonderregelung für Churchill kritisch: Was, wenn auch andere ehemals hochrangige Politiker ihre Memoiren schreiben und dabei offizielle Dokumente einsehen wollten? Attlee verteidigte seine Haltung damit, dass durch die Wiedergabe von Regierungsdokumenten dem Eindruck entgegengewirkt werde, Churchill hätte den Weltkrieg allein gewonnen.

Wirkungsgeschichte

Der Zweite Weltkrieg erschien zwischen 1948 und 1954 in sechs Bänden. Sowohl in Großbritannien als auch den USA wurde das Buch zu einem kommerziellen Erfolg und verkaufte sich millionenfach. Churchills Absicht, seine Familie durch seine Memoiren finanziell abzusichern, ging auf. Für Verwirrung sorgte die Vielzahl an Fassungen, in denen Der Zweite Weltkrieg veröffentlicht wurde. Neben einer vierbändigen, gekürzten Fassung erschien auch eine von Churchill selbst überarbeitete, einbändige Version. Diese unterschiedlichen Ausgaben setzten unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte und auch die Kapitel- bzw. Bandtitel stimmten nicht überein. Bereits ab 1948 wurde die sechsbändige Originalfassung in deutscher Übersetzung veröffentlicht, der Abschlussband erschien 1954.  

Churchill wurde immer wieder dafür kritisiert, sich selbst in Der Zweite Weltkrieg als unfehlbaren Staatsmann und die welthistorischen Ereignisse im für ihn positivsten Licht dargestellt zu haben. Der Historiker David Reynolds verglich in seinem Buch In Command of History minutiös Churchills Aussagen und Entscheidungen während des Krieges mit ihrer nachträglichen Darstellung. Dennoch bleibt Churchills Autobiografie zum Zweiten Weltkrieg ein Klassiker der modernen Geschichtsschreibung: Sie sollte die einzige Darstellung von einem der involvierten Staatsmänner bleiben und ist dank der benutzten Regierungsdaten auch heute noch eine hochinformative Geschichtsquelle.

Über den Autor

Winston S. Churchill gilt als bedeutendster britischer Politiker des 20. Jahrhunderts und als derjenige, der den Sieg Hitlers verhindert hat. Churchill wird am 30. November 1874 im Schloss Blenheim Palace in Oxfordshire geboren. Er schlägt eine militärische Karriere ein und nimmt als Soldat oder Berichterstatter an mehreren britischen Kolonialkriegen teil. Danach bemüht Churchill sich um eine politische Karriere und zieht 1901 als Konservativer ins Unterhaus ein. 1904 wechselt er zu den Liberalen. 1908 heiratet er Clementine Ogilvy Hozier, mit der er fünf Kinder haben wird. Von 1911 bis 1915 ist er Erster Lord der Admiralität (Marineminister). Er muss zwar nach der Niederlage bei Gallipoli zurücktreten, kehrt aber bereits im Sommer 1917 als Munitionsminister in die Regierung zurück. Von 1924 bis 1929 ist Churchill, nun wieder zu den Konservativen gewechselt, Finanzminister der Regierung unter Stanley Baldwin. Nach dessen Abwahl widmet er sich vermehrt der Literatur und Malerei, es entstehen eine Biografie Marlboroughs und die Anfänge einer Geschichte der englischsprachigen Völker (A History of the English-Speaking Peoples), die aber erst in den 1950er-Jahren vollendet und veröffentlicht wird. Die britische Appeasement-Politik gegenüber Hitler kritisiert Churchill scharf; er gilt darum manchen als Kriegstreiber. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 wird Churchill erneut Marineminister und im Mai 1940 Premierminister einer Allparteienregierung. Nachdem er entscheidend zum Sieg der Alliierten über Nazideutschland beigetragen hat, wird Churchills Regierung 1945 überraschend abgewählt. Der von den nervenaufreibenden Kriegsjahren ausgelaugte Churchill ist von dieser Abwahl seelisch schwer getroffen. In den folgenden Jahren befürwortet er die Idee der Vereinigten Staaten von Europa. 1951 wird er erneut Premierminister, doch ein schwerer Schlaganfall im Sommer 1953 fesselt ihn ans Bett, das Sprechen fällt ihm schwer. Im selben Jahr erhält er für seine zwölf Bände umfassende Autobiografie, bestehend aus den Büchern Die Weltkrise (The World Crisis, 1923 bis 1929) und Der Zweite Weltkrieg (The Second World War, 1948 bis 1954), den Literaturnobelpreis. Wegen der starken gesundheitlichen Einschränkungen tritt Churchill auf Drängen seiner Mitstreiter 1955 zurück. Er stirbt am 24. Januar 1965 in London.

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