Zusammenfassung von Die Frösche

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Die Frösche Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

Qualitäten


Worum es geht

Wenn Dichter streiten

Was passiert, wenn man zwei berühmte Literaten offen gegeneinander antreten lässt und ihnen die Chance bietet, die Werke des anderen auseinanderzunehmen? Was in der Literatur oft in Form von Briefen geschah, holt Aristophanes auf die Bühne. In seinem Stück Die Frösche lässt er zwei der drei großen Tragödiendichter, Aischylos und Euripides, gegeneinander antreten: Wer benutzt zu viele Füllwörter? Wer macht sich mit undurchschaubaren Metaphern wichtig? Jeder der beiden Dichter hat einiges am Werk des anderen auszusetzen. Sie offenbaren sich als kleinliche, nach Anerkennung lechzende Kontrahenten – aber eben auch als Menschen. Helden als Menschen mit Makeln und Schwächen darzustellen, das war und ist bis heute die große Kunst der Komödie. Indem wir herzhaft über die hanebüchenen Abenteuer der komischen Helden lachen, lernen wir etwas über uns selbst. Und ganz nebenbei auch etwas über die großen Tragödiendichter und ihre Zeit: Denn Aristophanes’ Stücke sind eine wichtige, wenn auch unzuverlässige Quelle zum Leben in der Antike.

Take-aways

  • Die Frösche zählt zu den berühmtesten antiken Komödien.
  • Inhalt: Der Theatergott Dionysos reist in die Unterwelt, um den verstorbenen Tragödiendichter Euripides zurückzuholen. Nach einem Dichterwettstreit zwischen Aischylos und Euripides kehrt Dionysos mit Aischylos nach Athen zurück.
  • Als Aristophanes das Stück schrieb, befand sich Athen im Krieg mit Sparta und war im Begriff zu verlieren.
  • Aristophanes gewann mit Die Frösche den ersten Preis beim Fest der Lenäen 405 v. Chr.
  • Euripides war ein Jahr zuvor gestorben, Aischylos war schon 50 Jahre tot. Neben Sophokles waren sie die berühmtesten Dichter der griechischen Antike.
  • Aristophanes schrieb wahrscheinlich über 40 Stücke. Die Frösche fällt in die Spätphase seines Schaffens.
  • Schon Aristoteles hielt Aristophanes für den wichtigsten Komödiendichter.
  • Im Stück trifft derber Humor auf feinsinnige Literaturparodie, wobei vor allem der zweite Teil einiges Vorwissen verlangt.
  • Stephen Sondheim verarbeitete den Stoff zu einem Musical, das auch am Broadway aufgeführt wurde.
  • Zitat: „Und du sprich nicht im Zorn, Aischylos, sondern argumentiere sanft und lass sanft mit dir argumentieren. Es gehört sich nicht für Männer, die Dichter sind, einander zu beschimpfen wie die Brotverkäuferinnen.“ (Dionysos, S. 45)
 

Zusammenfassung

Prolog

Der Gott Dionysos und sein Sklave Xanthias sind auf dem Weg zu Herakles. Xanthias trägt das Gepäck und reitet auf einem Esel. Er bietet an, etwas Witziges zu erzählen, doch Dionysos ist mit keinem seiner Vorschläge einverstanden. Xanthias beschwert sich über das Gewicht auf seinen Schultern. Dionysos will davon nichts hören, schließlich darf der Sklave auf dem Esel reiten, der ihm das Gewicht abnimmt. Sie klopfen an Herakles’ Tür. Der öffnet und macht sich über Dionysos’ Aufzug lustig: Dionysos trägt ein gelbes Gewand, ein Löwenfell, Damenstiefel und eine Keule.

Bei Herakles

Dionysos erklärt, er sei im Krieg gewesen und habe bei seiner Rückkehr auf einmal ein heftiges Verlangen nach den Stücken des Euripides verspürt. Weder nach Frauen noch nach Männern noch nach Erbsenbrei habe es ihn je so verlangt. Daher will er nun in die Unterwelt reisen und den verstorbenen Euripides zurückholen. Da Herakles schon in der Unterwelt gewesen ist, bittet Dionysos ihn, ihm den Weg zu erklären. Dionysos hat sich als Herakles verkleidet, da er sich davon Vorteile erhofft. Herakles versucht, ihn von seinem Plan abzubringen, schließlich gebe es Tausende andere Dichter, die auch Tragödien verfassen. Dionysos widerspricht: Sie alle können dem großen Euripides nicht das Wasser reichen.

„Soll ich etwas von dem üblichen Zeug sagen, Herr, worüber die Zuschauer immer lachen?“ (Xanthias, S. 7)

Der schnellste Weg in die Unterwelt ist der Tod. Herakles aber kennt noch einen anderen: Nach einer langen Reise werde Dionysos an einen See kommen. Ein alter Schiffer werde ihn für zwei Obolen hinüberrudern. Danach komme er in eine Gegend voller Ungeheuer, wo all diejenigen landen, die im Leben Unrecht getan haben. Schließlich werde er zu den „Eingeweihten“ gelangen und zu guter Letzt zu Pluton. Dionysos verabschiedet sich von Herakles, und Xanthias, der unter dem Gepäck ächzt, bittet ihn, er möge sich einen anderen Träger suchen. Ein Toter, der gerade vorbeigetragen wird, könnte helfen, doch auf Nachfrage Dionysos’ fordert er einen unverschämt hohen Preis. So muss weiter Xanthias das Gepäck tragen.

Die Reise in die Unterwelt

Der Fährmann Charon setzt Dionysos in die Totenwelt über. Xanthias muss den See zu Fuß umrunden, da Charon keine Sklaven ins Boot nimmt. Er trifft auf der anderen Seite wieder auf seinen Herrn. Doch auch der hat keine angenehme Reise: Er muss mitrudern, obwohl er darin keine Erfahrung hat, und auf der Fahrt den Gesängen der Frösche lauschen. Das Rudern ist anstrengend und Dionysos flucht auf die Frösche, deren Gesang ihm bald auf die Nerven geht. Am anderen Ufer zahlt er das Fährgeld und setzt die Reise mit Xanthias fort. Sie hören die Ungeheuer, von denen Herakles gesprochen hat, und Dionysos verfällt in Panik. Xanthias hingegen bleibt besonnen.

„Einen zeugungskräftigen Dichter aber wirst du wohl nicht mehr finden, wenn du ihn suchst, einen, der eine edle Formulierung ertönen lassen kann.“ (Dionysos zu Herakles, S. 11)

Die beiden Abenteurer finden die Gefilde der Eingeweihten und werden von einem Chor begrüßt, der eine Hymne auf den Gott Iakchos und die Göttin Demeter singt und vom seligen Leben der Eingeweihten berichtet. Diese dürfen hier verweilen und Gesang, Tanz und gutes Essen genießen, weil sie im Leben rein gewesen sind. Wer sich im Leben etwas zu Schulden hat kommen lassen, darf sich hier nicht aufhalten. Der Chor macht sich über die Staatsmänner lustig, die hier keinen Platz gefunden haben, darunter Kleisthenes und Kallias.

„Die Sonne scheint allein für uns / und ihre heil’ge Flamme, / die wir die Geweihten sind / und rechtschaffen waren stets / im Umgang mit fremdem Volk / und einfachen Leuten.“ (Chor, S. 27)

Dionysos bittet, er möge zu Pluton vorgelassen werden. Er steht bereits vor der Tür des Gottes. Als man ihn empfängt, gibt sich Dionysos als Herakles aus – ein Fehler, denn der ist hier nicht gern gesehen, seit er den Hund Kerberos entführt hat. Dionysos fällt ob der Anschuldigungen vor Angst in Ohnmacht und verliert die Kontrolle über seinen Darm. Xanthias hilft ihm, sich zu reinigen, und erklärt sich auf Dionysos’ Bitten bereit, dessen Kleidung anzulegen. So, glaubt Dionysos, werden alle weiteren Anfeindungen auf Xanthias gelenkt. Dionysos nimmt stattdessen das Gepäck und gibt sich als Sklave aus.

Verwirrspiel

Die beiden Männer tauschen ihre Kleidung. Nun erscheint eine Dienerin, die sich überaus zu freuen scheint, dass Herakles zurück ist: Die Göttin Persephone habe von seiner Ankunft erfahren und wolle ihn bewirten. Auch mehrere Tänzerinnen sollen zu seiner Unterhaltung herbeigerufen werden. Dass Xanthias in den Genuss dieser Freuden kommen soll, ist Dionysos natürlich auch nicht recht. Er werde gewiss nicht einfach zuschauen, während sich sein Sklave mit den Tänzerinnen vergnügt! Xanthias wehrt sich zunächst, doch lenkt dann ein. Sie wechseln wieder die Kleidung. Als Nächstes erwartet die beiden eine wütende Wirtin, die Herakles beschuldigt, er habe sie bestohlen. Sie lässt nach einem Anwalt rufen, damit der vermeintliche Herakles zur Rechenschaft gezogen werde. Dionysos fleht Xanthias an, noch einmal die Rolle des Herakles zu übernehmen, und kann den Gefährten schließlich überzeugen. Als der Anwalt eintrifft, trägt wieder Xanthias das Löwenfell, die Damenstiefel und die Keule.

Die Verhandlung

Xanthias stellt sich mutig den Anklägern, doch erst, nachdem Dionysos geschworen hat, ihm das Kostüm nicht wieder wegzunehmen. Xanthias weiß, dass er Dionysos nicht trauen kann, ist aber dennoch bereit, die Strafe für Dionysos zu erleiden. Dionysos geht sogar noch einen Schritt weiter: Er stellt sich auf die Seite der Ankläger und verurteilt das Handeln des vermeintlichen Herakles. Xanthias bietet daraufhin Aiakos, der die Strafe ausführen soll, an, dass der statt seiner seinen Sklaven verprügeln darf. Dionysos setzt das Gepäck ab und gibt sich als Unsterblicher zu erkennen, weist auf Xanthias und behauptet, dieser sei sein Sklave, doch man glaubt ihm nicht.

„Geben wird’s helmfunkelnden Streit hochtrabender Worte, / Splitter des Splints im Rad und auch von Kunstwerken Späne, / wenn des Gedankenerbauers rosstrabende Rede / dieser Mann parieren wird.“ (Chor, S. 43)

Dionysos will seine Unsterblichkeit beweisen: Aiakos soll ihn und Xanthias gleich stark schlagen. Wer von ihnen beiden zuerst weint oder um Gnade bittet, ist kein Gott. Aiakos schlägt sie abwechselnd und beide wimmern vor Schmerzen, verstehen es aber, die Laute zu überspielen oder anders zu erklären. Aiakos kann nicht entscheiden, wer von beiden der Unsterbliche ist, und lässt sie beide zu Pluton vor.

„Ich werde auf keinen Fall auf den Stuhl verzichten. Red nicht auf mich ein! Ich bin besser in der Kunst als der da, sage ich.“ (Euripides, S. 44)

Der Chor bleibt allein zurück und bekräftigt, dass alle Bürger gleiche Rechte haben sollten: Wer als Soldat für den Staat kämpft und ehrenwert lebt, soll würdiger sein als ungerechte Schurken. So wie neues, aber wertloses Kupfergeld höher geschätzt wird als alte und bewährte Münzen, hat sich Athen von seinen alten Werten abgewandt. Die Polis täte gut daran, sich wieder auf die alten Tugenden zu besinnen.

„Und du sprich nicht im Zorn, Aischylos, sondern argumentiere sanft und lass sanft mit dir argumentieren. Es gehört sich nicht für Männer, die Dichter sind, einander zu beschimpfen wie die Brotverkäuferinnen.“ (Dionysos, S. 45)

Xanthias kommt mit einem von Plutons Sklaven ins Gespräch. Sie tauschen Geschichten aus: Die höchste Freude der Sklaven ist es, die Herren zu belauschen, zu murren, wenn ihnen etwas aufgetragen wird, und Geheimnisse auszuplaudern. Im Haus herrscht gerade große Aufregung, weil Euripides und Aischylos miteinander streiten. In Plutons Haus gilt, dass der würdigste Dichter an der Tafel neben ihm sitzen darf. Bisher hatte Aischylos diesen Platz inne, doch Euripides ist überzeugt, er selbst sei der bessere Dichter, und erhebt Anspruch auf die Ehre. Aischylos hatte den Stuhl von Sophokles übernommen, der ihm gern Platz machte. Aischylos will aber auf keinen Fall seinen Stuhl für Euripides räumen, weil er sich für den deutlich besseren Dichter hält. Deswegen sollen sie in einem Dichterwettstreit gegeneinander antreten.

Der Wettstreit der Dichter

Die beiden Dichter feinden einander offen an. Dionysos bittet sie, sich zu beruhigen. Er selbst will über den Wettstreit wachen und urteilen, wem von beiden der Stuhl gebührt. Er bittet den Chor, die Musen anzurufen, und auch die Kontrahenten sollen beten. Dann beginnt der Wettstreit. Euripides wirft Aischylos Angeberei vor und dass er in seinen Stücken das Publikum zu lange auf den Auftritt seiner Hauptfiguren warten lasse. Seine Begriffe und Gleichnisse seien unverständlich und verkünstelt. Er, Euripides, habe Aischylos’ aufgeblähte Kunst übernommen und sie von unnötigem Ballast befreit. Er habe gleich zu Beginn des Dramas verständlich in die Geschichte eingeführt, manchmal auch, indem er einfache Figuren sprechen ließ. Er habe – ganz demokratisch – Alltägliches auf die Bühne gebracht und das Publikum so gelehrt, selbst mitzudenken.

„Wahrhaftig, dahin, solches zu denken, führte ich diese Leute, indem ich Ratio und kritischen Geist in meine Kunst einbrachte, sodass sie jetzt alles wahrnehmen und darüber Bescheid wissen (…).“ (Euripides, S. 50)

Nach dieser Anklage darf Aischylos sich verteidigen: Dichter hätten die Aufgabe, die Menschen besser zu machen, meint er. Und im Gegensatz zu Euripides habe er, Aischylos, das getan. Mit Sieben gegen Theben habe er die Athener inspiriert, sich tapfer dem Feind zu stellen. Euripides hingegen habe Laster auf die Bühne gebracht und damit die Menschen schlechter gemacht. Er habe dazu beigetragen, dass die Männer der Polis schwatzhaft und betrügerisch geworden sind. Der Chor kommentiert: Die Kontrahenten schlügen sich tapfer und ihre Anschuldigungen hätten Gewicht. Aischlyos und Euripides sollten ruhig noch mehr in die Tiefe gehen – sie würden das Publikum nicht überfordern, denn das könne den Argumenten in puncto Dichtkunst problemlos folgen.

Prologe und Lieder auf dem Prüfstand

Euripides will nun auf Aischylos’ Prologe eingehen. Er wirft Aischylos vor, dass er sich hierin wiederhole, doch Aischylos kann nachweisen, dass jedes Wort seine Berechtigung hat. Aischylos untersucht daraufhin Euripides’ Prologe, in denen dieser angeblich alles unter das jambische Versmaß zwinge. Das will er beweisen, indem er an verschiedenen Stellen den Vers mit den Worten „ward sein Salbölfläschchen los“ beendet. Euripides widerspricht heftig, doch die Phrase lässt sich tatsächlich in allen angeführten Fällen einbauen. Euripides greift daraufhin Aischylos’ Lieder an und setzt sie zu einem einzigen zusammen.

„Aber der Dichter muss das Ruchlose verhüllen und darf es nicht auf die Bühne bringen oder es lehren. Denn die kleinen Kinder haben einen Lehrer (…) und die Erwachsenen haben Dichter. Es ist also unbedingt notwendig, dass wir ihnen Dinge sagen, die gut sind.“ (Aischylos, S. 53)

Aischylos beweist nun, dass Euripides’ Werke aus Hurenliedern, Trinkliedern und Tänzen zusammengeklaubt sind. Zum Beweis trägt er ein Lied vor und lässt es von klappernden Topfscherben statt von einer Lyra begleiten, weil er meint, dass diese Geräusche viel besser zu Euripides’ Liedern passen. Dionysos hat nun genug. Er fordert die Dichter zu einem letzten Vergleich auf: Sie sollen ihre gewichtigsten Worte vortragen, die dann in einer Waagschale gemessen werden. In der ersten Runde unterliegt Euripides Aischylos mit einem Vers über ein fliegendes Schiff, der sich als leichter erweist als Aischylos’ Vers über einen Fluss. In der zweiten Runde verliert Euripides mit einem Vers über eine Überredung, der Aischylos einen Vers über den Tod entgegensetzt. Auch die dritte Runde geht an Aischylos: Euripides besingt einen Eisenstab, Aischylos zwei Wagen, auf denen Leichen liegen. Die Waage entscheidet wieder zu Aischylos’ Gunsten.

Guter Rat für die Polis

Dionysos fällt die Entscheidung schwer, denn während er Aischylos’ Weisheit schätzt, fühlt er sich von Euripides besser unterhalten. Pluton erklärt, Dionysos müsse eine Entscheidung treffen. Nur dann könne er einen der beiden Dichter mit zurücknehmen. Dionysos will denjenigen mitnehmen, der der Polis mit seinem Rat am meisten nützt. Er befragt die beiden Dichter zu ihrer Meinung über Alkibiades. Euripides warnt vor Bürgern, die nur den eigenen Vorteil im Blick hätten. Aischylos meint, die Polis habe Alkibiades stark gemacht und sei ihm nun ausgeliefert.

„Du redest Unsinn. Ich schreibe gute Prologe.“ (Euripides, S. 59)

Dionysos findet diese Ratschläge wenig hilfreich: Er bittet beide Dichter um Rat, wie die Polis gerettet werden könne. Euripides verliert sich in schwer verständlichen Äußerungen und schlägt vor, es solle das Gegenteil von dem getan werden, was jetzt getan werde. Aischylos rät, man solle die Flotte gut ausstatten. Aischylos gelingt es, Dionysos zu überzeugen: Obwohl Dionysos geschworen hatte, Euripides aus der Unterwelt zu holen, wird er nun mit Aischylos zurückkehren. Euripides ist außer sich vor Wut – er hat nicht nur das Anrecht auf den Stuhl verloren, sondern auch die Chance vertan, in die Welt der Lebenden zurückzukehren. Nach einem Festmahl machen sich Dionysos und Aischylos auf den Weg, begleitet von den guten Wünschen des Chores. Gemeinsam sollen sie die Polis retten. Bis zu Aischylos ’ Rückkehr soll Sophokles auf dem Stuhl Platz nehmen. 

Zum Text

Aufbau und Stil

Die Frösche erzählt von der Reise des Theatergottes Dionysos in die Unterwelt: Dieser will, um Athen zu retten, den Tragödiendichter Euripides zurück ins Reich der Lebenden holen. Aufgebaut ist das Stück aus den klassischen Elementen der griechischen Komödie, die jedoch in neuer Form arrangiert wurden. Es lässt sich grob in zwei größere Segmente einteilen: Im ersten folgen wir Dionysos in die Unterwelt, im zweiten steht der Wettbewerb zwischen den Dichtern im Mittelpunkt. Die beiden Teile sind durch die sogenannte Parabase voneinander getrennt: ein Chorstück, das inhaltlich nicht mit der Handlung zusammenhängt und in dem das Publikum direkt angesprochen wird. Vor allem der erste Teil der Handlung ist durchsetzt von slapstickhaften Szenen, die den Helden mehrfach in wenig würdevollen Situationen zeigen. Später verlagert sich der Humor auf die gegenseitigen Parodien der streitenden Dichter. Dieser Teil der Komödie ist kaum ohne Kenntnis der genannten Stücke und der historischen Hintergründe der Entstehungszeit –  etwa über die Rolle des umstrittenen Staatsmanns Alkibiades im Peleponnesischen Krieg – zu verstehen. Dem Unterhaltungswert der Frösche tut das jedoch keinen Abbruch. Die derben, oft obszönen Witze, die vielschichtigen Anspielungen und die amüsante Abenteuergeschichte sind wohl die wichtigsten Gründe für den Erfolg des Stücks.

Interpretationsansätze

  • Während die griechische Tragödie den Helden zum überlebensgroßen Menschen machte, zeigt die Komödie scheinbar große Helden als Menschen mit Fehlern und Schwächen. „Die Komödie sucht schlechtere, die Tragödie bessere Menschen nachzuahmen, als sie in Wirklichkeit vorkommen,“ schreibt Aristoteles in seiner Poetik.
  • Der Held ist in Die Frösche niemand Geringeres als ein Gott: Dionysos, der in alberner Verkleidung in die Unterwelt reist und sich beim kleinsten Anflug von Gefahr in die Hosen macht. Die Verulkung einer Gottheit könnte aus späterer Sicht wie Blasphemie wirken, zeigt aber nur, dass die Athener ein überaus entspanntes Verhältnis zu ihren Göttern hatten.
  • Die Frösche wirkt mit seinen zahlreichen intertextuellen und metatextuellen Bezügen nahezu postmodern. Zu Beginn des Stückes debattieren Xanthias und Dionysos darüber, welche Witze sie machen sollen, mehrfach wenden sich Charaktere direkt ans Publikum und durchbrechen damit die Illusion des Stückes, und der gesamte zweite Teil bezieht seine Komik aus den Anspielungen auf die Stücke von Euripides und Aischylos.
  • Indem die beiden Dichter gegenseitig ihre Stücke auseinandernehmen, werden auch sie als literarische Helden der Lächerlichkeit preisgegeben – einerseits, weil das Publikum erkennt, dass auch die Stücke der großen Dichter nicht perfekt sind; andererseits, weil die beiden als stolze und ehrsüchtige Männer dargestellt werden, die sich um einen Stuhl an Plutons Tafel zanken.
  • Bei allem Fäkalhumor und allen schlüpfrigen Andeutungen hat Die Frösche eine politische Aussage, die an mehreren Stellen im Stück, vor allem aber in der letzten der fünf Wettkampfrunden zwischen den Dichtern zum Vorschein kommt. Leider ist dies auch die Passage, die sich heute am schwersten deuten lässt. Es liegt jedoch nahe, die überraschende Wahl des Dionysos, Aischylos mit zurückzunehmen, als Aufruf zu lesen, dass sich Athen auf seine Tradition besinnen soll.

Historischer Hintergrund

Athen im fünften Jahrhundert vor Christus

Das fünfte Jahrhundert vor Christus war die Blütezeit Athens: Mit dem Ende der Perserkriege und der Etablierung eines demokratischen Staatssystems begann der Handel zu florieren. Auch Literatur, Kunst und Philosophie florierten. Die Dichter Euripides, Aischylos und Sophokles verfassten ihre berühmten Tragödien, der Philosoph Sokrates lehrte auf den Straßen der Stadt und der Bildhauer Phidias schuf seine Skulpturen. Diese Angehörigen der Elite verdankten ihren Reichtum und ihre Muße allerdings Sklaven und rechtlosen Fremden. 40 000 Menschen in Athen standen 300 000 Einwohnern im Umland gegenüber. Unter Perikles wurde die Akropolis gebaut und die Attische Demokratie kam zu ihrer vollen Entfaltung.

Mit dem Zerbrechen des attischen Seebundes begann der Abstieg Athens, Differenzen mit Korinth und Sparta führten zum Peleponnesischen Krieg. Zwischen 430 und 426 v. Chr. starben rund 30 Prozent der Athener an einer Epidemie, bei der es sich wahrscheinlich um Typhus handelte. Auch Perikles war unter den Opfern. Der sogenannte Nikiasfrieden von 421 hielt nicht lange. Auf Anraten des Alkibiades versuchten die Athener 415 bis 413 mit der Sizilienexpedition, das Blatt noch einmal zu wenden, doch ohne Erfolg. Nachdem das Perserreich aufseiten Spartas in den Krieg eingetreten war, folgte 405 die Niederlage Athens in der Schlacht von Aigospotamoi. 404 endete der Krieg und der attische Seebund löste sich auf. Nach einer Zeit der Oligarchenherrschaft kehrte Athen zur Demokratie zurück. Das vierte Jahrhundert wurde – mit Platon und Aristoteles – das Jahrhundert der griechischen Philosophie.

Entstehung

Der griechische Dichter Aristophanes hat wohl über 40 Komödien geschrieben, elf davon sind erhalten. Wie andere seiner Stücke auch ist Die Frösche stark von der damaligen politischen Situation geprägt: Athen befand sich im Krieg mit Sparta und sah zu diesem Zeitpunkt der Möglichkeit einer Niederlage entgegen. In dieser angespannten Lage war guter Rat teuer – im Stück wissen selbst die weisen Tragödiendichter Aischylos und Euripides nicht weiter.

Aischylos war bereits 456 v. Chr. gestorben, Euripides erst kurz vor Entstehung des Stückes, 406 v. Chr. Die Erinnerung an den großen Dichter war also bei den Zuschauern noch frisch. Aristophanes mag ihn sogar persönlich gekannt haben. Auch in anderen Stücken – etwa in den Thesmophoriazusen – verspottete Aristophanes den Tragödiendichter. Die Frösche zählt zu Aristophanes’ Spätwerk, seine ersten Stücke – soweit sie erhalten sind – entstanden um 427 v. Chr.

Wirkungsgeschichte

Die Frösche wurde zum Fest der Lenäen im Jahr 405 v. Chr. uraufgeführt, einem jeweils im Winter stattfindenden großen Dramenwettbewerb zu Ehren des Gottes Dionysos. Aristophanes erhielt für sein Stück den ersten Preis. Nur etwas mehr als ein Jahr später kapitulierten die Athener im Krieg gegen die Spartaner, nachdem sie in der Schlacht bei Aigospotamoi vernichtend geschlagen worden waren. Die Ratschläge, die die Tragödiendichter im Stück geben, konnten die Polis nicht retten. Dennoch wurde dem Stück die seltene Ehre zuteil, dass es erneut aufgeführt wurde.

Seine Zeitgenossen und später auch Aristoteles in seiner Poetik sahen Aristophanes als herausragenden Vertreter der Gattung. Er beeinflusste zahllose spätere Dichter. Aristophanes’ Stück wirkte wie eine Blaupause für viele spätere Abenteuergeschichten: Auch in Dantes Göttlicher Komödie und in Vergils Aeneis reisen die Protagonisten in die Unterwelt. In Miguel de Cervantes’ Don Quixote zog ebenfalls ein komischer Held mit seinem Diener auf Abenteuer aus. Die in Die Frösche aufgeworfene Frage nach der Aufgabe des Dichters ist im Grunde noch heute aktuell und ihre jeweilig verschiedene Beantwortung charakterisiert ganze Epochen. Vor allem im Bereich der Satire ist der Einfluss von Aristophanes immens. Seine Stücke waren in Rom und Alexandria beliebt, sein Werk beeinflusste maßgeblich die Entwicklung der europäischen Politsatire. Der Autor prägte zahlreiche Redewendungen, und das Wort aristophanisch steht bis heute für beißenden, geistvollen Witz.

Der Komponist Walter Leigh komponierte 1936 seine berühmte Bühnenmusik für Die Frösche. Stephen Sondheim adaptierte den Stoff in den 1970er-Jahren für sein Musical The Frogs und brachte es im Swimmingpool der Yale University zur Aufführung – besetzt unter anderem mit Meryl Streep und Sigourney Weaver. Ab 2004 war das Musical auch am Broadway zu sehen.

Über den Autor

Aristophanes wird um 450 v. Chr. geboren – ob in Athen oder auf der vorgelagerten Insel Ägina, auf der seine Familie über Grundbesitz verfügte, ist umstritten. Als freier Bürger des Athener Bezirks Kydathen schreibt Aristophanes angeblich mehr als 40 Komödien. Die meisten dieser Stücke sind, wie seine erste Komödie Die Schmausbrüder (Thetalis, 427 v. Chr.), nur als Fragment oder aber gar nicht überliefert. Hauptthema der erhaltenen elf Texte ist der geistige und moralische Umbruch der Gesellschaft in Athen während der Zeit des Peloponnesischen Krieges. Als Zeitgenosse von Sokrates und den Sophisten richtet Aristophanes seinen literarischen Spott vor allem auf Schwätzer, Gottesleugner und die unfähigen Politiker, die nach dem Tod des Perikles Athen regieren. Besonders Kleon, einer der ersten einflussreichen Politiker, die nicht aus einer angesehenen Familie stammen, wird Zielscheibe von Aristophanes’ Satiren. Bei den Dionysien, dem alljährlichen Komödien- und Tragödienwettbewerb in Athen, sorgt Aristophanes 426 v. Chr. mit seinem Siegerstück Die Babylonier (Babylonioi), in dem er Kleon und andere Politiker verhöhnt, für einen Skandal. In Die Ritter (Hippeis, 424 v. Chr.) spielt Aristophanes selbst den Kleon und handelt sich eine Klage ein, die aber ohne Folgen bleibt. Aufgrund seiner herausragenden sprachlichen und poetischen Fähigkeiten ist Aristophanes bereits zu Lebzeiten einer der berühmtesten und erfolgreichsten Komödiendichter Athens. Er verarbeitet und verspottet Werke seiner Kollegen und begleitet als Dichter kritisch die sozialen und politischen Umbrüche in seiner Zeit. Aristophanes stirbt, nachdem er rund 20 Jahre lang auch politischer Vertreter seines Stadtbezirks war, um 380 v. Chr. in Athen.


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    W. A. vor 2 Jahren
    Ich will keinen Kommentar schreiben, habe die Zusammenfassung noch gar nicht gelesen, stecke aber in dieser Seite fest und komme nicht zurück.