Zusammenfassung von Die Räuber

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Die Räuber Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Tragödie
  • Sturm und Drang

Worum es geht

Schillers genialer Erstling

Friedrich Schiller war 23 Jahre alt, als sein erstes Drama 1782 in Mannheim uraufgeführt wurde. Die Räuber raubten dem Publikum den Atem. Augenzeugen berichteten von tumultartigen Zuständen im Theaterraum, so hingerissen, verängstigt, geschockt und begeistert zeigte sich das zeitgenössische Publikum. Schiller geizte in seinem Jugenddrama nicht mit Brutalität und "Action": Da zieht eine wilde Räuberbande durch die böhmischen Wälder, Nonnenkloster werden überfallen, Städte niedergebrannt und Kleinkinder misshandelt. Der Räuberhauptmann Karl Moor wütet gegen die ganze Welt - weil sein Vater ihn scheinbar verstoßen und enterbt hat. Doch der Vater wird von seinem jüngeren Sohn Franz wie an Marionettenfäden geführt. "Franz heißt die Kanaille", wird im Stück gesagt, und das stimmt genau. Denn um Herr im Moor'schen Schloss zu werden, ist dem intriganten Franz jedes Mittel recht, um Vater und Bruder den Garaus zu machen. Am Ende sind fast alle tot, die Tragödie ist komplett. Schiller wurde mit den Räubern über Nacht berühmt. Das gewaltsame Aufbegehren gegen die Regeln und die bestehende Ordnung passte so richtig in die letzte, heiße Phase des Sturm und Drang, jener Literaturepoche zwischen Aufklärung und Klassik. Die Räuber sind bis heute in Schullehrplänen und auf Theaterbühnen zu Hause.

Take-aways

  • Die Räuber, Schillers erstes Drama, gilt als der Höhepunkt der Epoche des Sturm und Drang (ca. 1765-1785).
  • Der Erfolg war sensationell: Das Publikum geriet angesichts der kraftvollen Sprache und der furiosen Handlung in helle Begeisterung.
  • Die Räuber erzählt die Geschichte zweier feindlicher Brüder, Franz und Karl Moor.
  • Franz intrigiert bei seinem Vater gegen dessen Lieblingssohn Karl. Mit gefälschten Dokumenten gaukelt er dem Vater vor, Karl sei ein landesweit gesuchter Verbrecher.
  • Der alte Moor glaubt Franz und verstößt den in der Ferne weilenden Karl. Dieser ist darüber verzweifelt.
  • In seiner Wut über die Ungerechtigkeit der Welt gründet Karl eine Räuberbande und zieht mit ihr durch die böhmischen Wälder.
  • Unterdessen sperrt Franz den Vater in den Hungerturm des Schlosses und macht sich selbst zum neuen Herrn.
  • Karl bereut schon bald sein Räuberleben, zumal seine Kumpane Karls hohe Ideale nicht teilen und sich an ihren Grausamkeiten geradezu weiden.
  • Unerkannt kehrt Karl in das heimatliche Schloss zurück und erfährt die wahren Vorgänge. Der Vater stirbt und Franz begeht Selbstmord.
  • Karl wird noch einmal schuldig, indem er seine Braut Amalia tötet. Er stellt sich einem Gericht, um für seine Taten zu büßen.
  • Das Stück gehört bis heute zu den immer wieder gespielten Bühnenklassikern und ist vielfach Pflichtlektüre in den Schulen.
 

Zusammenfassung

Feindliche Brüder

Mit einer Mischung aus Freundlichkeit und Verschlagenheit erkundigt sich Franz Moor nach dem Befinden seines alten, kränklichen Vaters Maximilian Moor. Franz hat, wie er sagt, einen Brief aus Leipzig erhalten, in dem von seinem Bruder Karl Moor die Rede ist. Karl hat angeblich die ehrbare Tochter eines Bankiers entjungfert, deren Verehrer in einem Duell getötet, mehrere tausend Dukaten Schulden gemacht und schließlich eine Art Räuberbande gegründet. Er werde steckbrieflich gesucht, auf seinen Kopf sei ein Preisgeld ausgesetzt. Als der alte Moor davon erfährt, windet er sich in seinem Stuhl: Ausgerechnet sein Lieblingssohn Karl hat den Namen Moor mit Dreck besudelt! Franz ist über diese Entwicklung alles andere als unglücklich. Sein Vorschlag an den Vater lautet, er solle einen Brief schreiben, in dem er sich von dem lasterhaften Sohn lossagt und die Rückkehr ins elterliche Haus verbietet. Der alte Moor willigt nach langem Hadern in den Vorschlag ein und überlässt Franz die Formulierung des Briefes.

„Und auch du mein Franz auch du? O meine Kinder! Wie sie nach meinem Herzen zielen!“ (Der alte Moor, S. 21)

Darauf hat der zweitgeborene Sohn nur gewartet. Während sich der alte Moor enttäuscht zurückzieht, sinnt Franz über seinen großen Racheplan an seinem Bruder nach, gegenüber dem er sich benachteiligt fühlt - sowohl von der Natur, weil sie ihn hässlich und den Bruder schön gestaltet hat, als auch vom Vater, der den Karl stets dem Franz vorgezogen hat. Der Brief aus Leipzig war eine Fälschung von Franz. Zwar hat sich der Student Karl tatsächlich in Schulden verstrickt, er bedauert aber in einem Brief, den Franz unterschlagen hat, seine Verfehlungen: Er wolle zum Vater zurückkehren und endlich mit seiner geliebten Amalia einen Neuanfang wagen.

Die Räuber

In einer Schänke an der Grenze von Sachsen brütet Karl Moor, umgeben von einigen Studentenfreunden, über seinen Büchern. Er beklagt das jämmerliche Zeitalter, in dem er leben muss, während er in den Geschichtsbüchern von den großen Taten früherer Epochen liest. Gesetze und Konventionen seien nichts weiter als Hemmnisse für den Menschen. Sein Kumpan Spiegelberg teilt diese Sichtweise und er rühmt die Späße und Streiche, die Karl bereits angezettelt hat. Doch diese erscheinen Karl nun wie Narrenpossen. Er will zurück zu seinem Vater und zu seiner Braut. Als ihm sein Freund Schwarz den Brief seines Vaters bringt, hofft er auf dessen Vergebung und auf die Erlaubnis heimzukehren. Doch nichts dergleichen findet er. Stattdessen: Verstoßung und Enterbung. Karl fühlt sich von Vater und Bruder persönlich beleidigt und will sich nun an der ganzen Menschheit für diese Demütigung rächen. Als Mörder und Räuber in den böhmischen Wäldern will er, so wie es Spiegelberg vorgeschlagen hat, seinen Tatendrang ausleben. Überschwänglich wählen seine Freunde ihn zum Hauptmann - alle bis auf Spiegelberg, der selbst gern der Anführer geworden wäre.

Die Intrige geht weiter

In der Zwischenzeit macht sich Franz an Amalia heran. Doch seine Schmeicheleien fallen bei ihr nicht auf fruchtbaren Boden, und seine Versuche, Karl in ein schlechtes Licht zu stellen, beantwortet sie mit stolzer Unnachgiebigkeit. Er erkennt, dass er Amalia im Guten nicht erreichen kann. Franz brütet über einem finsteren Plan: Weil sein Vater sich offenbar viel Zeit lässt mit dem Sterben, will er diesen Prozess beschleunigen, um möglichst schnell selbst Herr im Haus zu werden. Freilich kann er nicht persönlich Hand anlegen, daher will er den "Körper vom Geist aus verderben": Mit Hilfe von Schrecken, Jammer, Reue, Selbstverklagung und Verzweiflung will er seinen Vater zugrunde richten. Sein williger Helfer ist Herrmann, ein verarmter Adliger, dem Vater Moor und Karl einst übel mitgespielt haben. Franz staffiert ihn mit allerhand Briefen und einer Verkleidung aus, um die Katastrophe herbeizuführen.

„Frisch also! Mutig ans Werk! - Ich will alles um mich her ausrotten, was mich einschränkt daß ich nicht Herr bin.“ (Franz, S. 31)

Der alte Moor träumt unruhig von seinem Sohn Karl. Als er aufwacht, steht Amalia vor ihm. Gemeinsam gedenken sie des verlorenen Sohnes und Geliebten. Der alte Moor hadert mit sich selbst, dass er so streng mit seinem geliebten Karl gewesen ist, und er erschauert vor der Aussicht, dass er ihm nicht die Hand halten wird, wenn der Tod naht. In diese traurige Stimmung platzt der Diener Daniel herein, der einen zerlumpten Boten ankündigt. Dabei handelt es sich um den verkleideten Herrmann. Dieser berichtet dem entsetzten Vater, er sei zusammen mit Karl im Krieg gewesen und Karl sei gefallen. Sein letztes Wort sei "Amalia" gewesen. Als Abschiedsgeschenk bringt der verkleidete Herrmann Karls Schwert vor den Vater, auf dem in blutigen Lettern zu lesen steht: "Franz, verlass meine Amalia nicht". Franz tut so, als sei er über diese Zueignung mehr als überrascht. Das eindeutige Ansinnen dieser Botschaft macht Amalia aber misstrauisch. Auch der alte Moor gerät in Wut: Er erkennt, dass Franz ihn zu seinem bösen Brief an Karl genötigt hat, wodurch das ganze Unglück ausgelöst worden ist. Als Amalia dem alten Moor die biblische Geschichte von Joseph und seinen Brüdern vorliest, sinkt dieser in sich zusammen. Amalia glaubt, dass er tot ist. Darüber ist Franz hocherfreut. Schon wähnt er sich als neuer Herr und plant seine Schreckensherrschaft.

Im Wald, da sind die Räuber

Die Räuberbande um Karl Moor hat unterdessen schon einige Abenteuer bestanden. Spiegelberg erzählt den verdutzten Räuberkollegen von seinem jüngsten Coup: Gemeinsam mit seinem Trupp hat er mitten in der Nacht ein Kloster überfallen. Auch Freund Razmann hat derbe Geschichten zu erzählen, als plötzlich Schwarz das Lager betritt: Ihr Kumpan Roller sei gefangen genommen worden und werde wohl in diesem Augenblick gehängt. Doch schon einige Momente später erscheint der Galgenvogel zusammen mit der restlichen Bande und erfreut sich bester Gesundheit. Karl Moor hat ihn vom Galgen befreit und dabei den Pulverturm in die Luft gesprengt. Schufterle, ein anderer aus der Bande, erzählt, wie er im Vorbeigehen ein Baby in einem brennenden Haus gefunden und es in die Flammen geworfen habe. Diese Form von Prahlerei kann Moor nicht ausstehen. Er verflucht den Kindsmörder und schließt Schufterle augenblicklich aus der Räuberbande aus. Moor schickt seine Kumpane fort und bedauert die Gräueltaten: Wie kann er Großes leisten, ohne dass er dabei auch Schuld auf sich lädt? Kann er ein Feuer entfachen, das die Ungerechten verbrennt und dabei nicht auch einigen Gerechten zum Verderben wird?

„Ich erinnere mich einen armen Schelm gesprochen zu haben als ich herüberkam, der im Taglohn arbeitet und eilf lebendige Kinder hat - Man hat tausend Louisdore geboten, wer den grossen Räuber lebendig liefert - dem Mann kann geholfen werden.“ (Karl, S. 244)

Plötzlich kehren seine Räuber zurück: Die Bande ist von Dragonern umstellt, die einen Pater als Unterhändler zu den Räubern geschickt haben. Dieser beschreibt salbungsvoll, dass die Obrigkeit Karl Moor - sofern er sich freiwillig stelle - "nur" rädern werde und von einer schlimmeren Strafe absehe. Karl Moor kann über so viel Siegesgewissheit und Arroganz nur lachen. Er hält dem Pater die Sünden der Kirche und der Mächtigen vor, die sich keinen Deut um die Belange der Armen und Entrechteten kümmerten. Als der Pater merkt, dass er beim Hauptmann nicht weiterkommt, richtet er sich an die Räuber und verspricht ihnen Amnestie, sofern sie Moor ausliefern. Doch die Räuber stellen sich geschlossen hinter ihren Hauptmann, schicken den Pater zurück und blasen zum Angriff.

Ein neuer Herr im Haus

Im Moor'schen Anwesen ist Franz zum Herrn aufgestiegen. Und das lässt er auch Amalia wissen, die sich immer noch weigert, mit ihm einen Bund einzugehen. Weil alles Betteln nichts hilft, will Franz ihr nun befehlen. Aber die stolze Amalia soll sich gar nicht erst einbilden, dass Franz sie zum Altar führen wird: Seine billige Mätresse soll sie sein! Als aber Amalia vom reumütigen Herrmann erfährt, dass sowohl Karl als auch der alte Moor noch leben, erwacht ihre Kampfeslust aufs Neue.

Das Ungeheuer

Karls Mannen haben die Schlacht gewonnen. Müde und erschöpft lagern sie auf einer Anhöhe an der Donau. Hier verfällt der Räuberhauptmann in eine melancholische Stimmung. Er bewundert die Schönheit der Natur, der Felder und des Sonnenuntergangs. Sich selbst empfindet er als Ungeheuer inmitten dieser schönen Welt. Er wünscht sich die Harmonie seiner Jugendzeit zurück. Da erscheint ein Fremder mit Namen Kosinsky, der Mitglied der Bande werden will. Obwohl der Neuankömmling den anderen Bandenmitgliedern sehr gefällt, versucht Moor ihn davon zu überzeugen, dass es nichts bringt, zum Mörder zu werden und sich der Verfolgung auszusetzen, nur weil man einen Hass auf die Welt hat. Da erzählt Kosinsky seine Geschichte, die der von Karl nicht unähnlich ist: Er wurde infam um sein Gut, sein Vermögen und seine Geliebte gebracht (die zu allem Überfluss ebenfalls Amalia hieß) und will sich nun rächen. Daraufhin nimmt Karl Kosinsky in die Bande auf. Er selbst ist innerlich aufgewühlt, er will in die Heimat zurück und seine Amalia wiedersehen.

Zurück in der Heimat

Nach einer mehrtägigen Reise betritt Karl das Schloss und gerät sofort in Verzückung: Wie hat er seine Heimat vermisst! Er reist inkognito unter dem Namen Graf von Brand. In einer Verkleidung lässt er sich von Amalia durch die Ahnengalerie führen. Dabei bemerkt er, wie sehr sie immer noch an ihrem Karl hängt und dass sie ihm nach wie vor die Treue gehalten hat. Anders als Amalia erkennt Franz seinen Bruder in der Verkleidung. Die Aussicht, dass seine Machenschaften durchkreuzt werden könnten, macht ihn rasend. Er befiehlt dem Diener Daniel, Karl zu töten - sonst drohen dem alten Gehilfen Folter und Tod. Doch Daniel bringt den Mord nicht übers Herz. Stattdessen erzählt er Karl, wie sein Bruder die Macht an sich gerissen hat. Karl ist entsetzt, will aber alles hinter sich lassen und noch am selben Tag fortgehen, um nicht auch noch zum Mörder seines Bruders zu werden. Bei seinem Abschiedsbesuch gibt er sich Amalia nicht zu erkennen. Doch als sie zur Laute greift, um ein Lied zu spielen, das sie früher gemeinsam gesungen haben, stimmt Karl in die zweite Strophe ein - und flieht.

Wiedersehen mit dem Vater

Im nahe gelegenen Wald lagert die Räuberbande und sorgt sich um ihren Hauptmann, der zum vereinbarten Zeitpunkt nicht zurückgekehrt ist. Das nutzt Spiegelberg, um mit Razmann ein Mordkomplott gegen Karl zu schmieden. Die beiden werden jedoch von Schweizer belauscht, der Spiegelberg sogleich mit einem Messer ersticht. Als Karl wenig später erfährt, was vorgefallen ist, erscheint ihm dies wie ein böses Omen. Nach anfänglichem Zaudern und Selbstmordgedanken will er dennoch sein Räuberleben weiterführen. Da kommt Herrmann des Wegs. Er bringt dem alten Moor, der - immer noch lebendig - im Turm eingesperrt ist, eine Nachtmahlzeit. Karl beobachtet dies. Er bricht die Gitter auf und muss mit ansehen, wie sein Vater, kaum mehr als ein Knochengerippe, dem finsteren Turm entsteigt und ihm sein Schicksal erzählt: Bei der Nachricht von Karls Tod ist er ohnmächtig geworden - und im Sarg wieder aufgewacht. Franz hat ihn daraufhin in den Turm werfen lassen, auf dass er verhungere. Karl ist über so viel Bosheit vom blanken Hass auf den Bruder ergriffen. Er schickt Schweizer und einige andere Räuber ins Schloss. Sie sollen Franz herbeischaffen - und zwar lebendig, sodass Karl schreckliche Rache nehmen kann.

Teurer Preis der Freiheit

Franz leidet inzwischen an Alpträumen: Er sieht sich als Verurteilten vor dem Jüngsten Gericht. Der herbeigerufene Pastor Moser ist erstaunt über den nächtlichen Hilferuf des ansonsten eher gotteslästerlichen Franz. Dieser will sich, wie er sagt, nur im Wettstreit mit dem Pastor üben und ihm beweisen, dass es keinen Gott, keine unsterbliche Seele und deshalb auch kein Gericht nach dem Tode gibt. Doch Franz verstrickt sich zusehends in Widersprüche. Als ihm der Pastor auch noch die beiden größten Sünden offenbart - Vatermord und Brudermord - ist es vollends um Franz geschehen: Er verfällt dem Wahnsinn. Als er die Räuber im Schlosshof vernimmt, greift er zum Strick und erhängt sich. Schweizer, der sein Versprechen, Franz lebend zu Karl zu bringen, nicht mehr einlösen kann, erschießt sich. Die verbleibenden Räuber erstatten Karl Bericht. Sie bringen auch Amalia mit, die sogleich in Karls Arme flieht. Als der alte Moor von Karls Vergangenheit in der Räuberbande erfährt, stirbt er. Karl ist hin- und hergerissen zwischen einem Neuanfang mit Amalia und seinem Schwur gegenüber der Bande. Die Räuber fordern seine Loyalität. Unter diesen Umständen will Amalia jedoch nicht weiterleben. Sie bittet Karl, sie zu töten - und er gehorcht. Durch dieses Opfer kauft er sich von jeder Verpflichtung in der Räuberbande frei. Karl erkennt, dass "seine" Gerechtigkeit Unrecht bedeutet. Er will sich selbst der Justiz ausliefern. Ein armer Tagelöhner soll sich das Lösegeld verdienen, das auf Karls Kopf ausgesetzt ist.

Zum Text

Aufbau und Stil

Schillers Räuberdrama ist ein klassischer Fünfakter. Es richtet sich also nach der auf Aristoteles zurückgehenden Poetik, wonach jeder Akt eine ganz bestimmte Funktion hat: Exposition (Einführung, Akt I), steigende Handlung (Akt II), Klimax und Peripetie (Höhepunkt und Umschwung der Handlung, Akt III), fallende Handlung und Retardation (Verzögerung, Akt IV) und schließlich Katastrophe (Akt V). Schiller hält sich weitgehend an diesen Grundaufbau, weicht aber von der zu seiner Zeit ebenfalls vorherrschenden Einheit von Handlung, Raum und Zeit ab: Es gibt eigentlich zwei Haupthandlungen (Franz' Intrige und Karls Räuberleben), die parallel und kontrastierend aufgebaut sind. Darüber hinaus gibt es mehrere Nebenhandlungen (Amalia, Spiegelbergs Intrige, Kosinsky). Gegen die Einheit des Raumes wird fortwährend verstoßen: Vom Moor'schen Schloss schweift der Blick in eine Schenke, zurück in den Schlossgarten, dann wieder in die böhmischen Wälder usw. Zeitlich überbrückt die Handlung etwa eineinhalb Jahre. Schiller richtet sich - ganz im Sinn des Sturm und Drang - gegen die Konventionen und liefert mit dem Aufbau des Dramas auch formell die Regellosigkeit, mit der im Inhalt des Stückes Räuber Karl und Intrigant Franz zu Werke gehen. Schillers Sprache ist sehr kraftvoll, lebendig und mit Interjektionen (Ausrufen) durchsetzt. Der moderne Leser wird aber ein Glossar mit Wort- und Sacherläuterungen brauchen, um die Anspielungen und das z. T. veraltete Vokabular zu verstehen.

Interpretationsansätze

  • Schiller greift in seinem Drama das Thema der feindlichen Brüder auf. Während Karl hohe Ideale hat, verursacht er dennoch ebensolches Unrecht wie der infame Franz.
  • Franz kann als Verkörperung der Aufklärung gesehen werden, als jemand, der mit kalt berechnendem Verstand das "perfekte Verbrechen" plant, während der Stürmer und Dränger Karl gegen die bürgerlichen Moralvorstellungen und überkommenen Traditionen aufbegehrt.
  • Schiller variiert mit der Geschichte der ungleichen Brüder auch das biblische Gleichnis vom verlorenen Sohn.
  • Mit dem Pater und dem Pastor Moser führt Schiller zwei höchst unterschiedliche Gottesmänner vor. Der erste ist ein heuchlerischer Diener der weltlichen Obrigkeit und der zweite ein unerschrockener und geistreicher Kirchenmann, der Franz Moor in die Schranken weist.
  • Die Räuber erscheinen mit ihrer kraftvollen Zügellosigkeit wie eine Gesamtschau der Dramen Shakespeares, des erklärten Vorbilds Schillers. Manche Interpreten sehen in Franz das Abbild Jagos (Othello) und Macbeths, in Karl eine Mischung aus Hamlet und Othello und im alten Moor einen ebenso blinden wie handlungsunfähigen König Lear.
  • Das Drama enthält auch einen autobiographischen Aspekt. Schiller befand sich seit 1773 zwangsweise in der Karlsschule, dem militärischen Eliteinternat seines württembergischen Landesherrn Karl Eugen, der Schiller später sogar ausdrücklich untersagte, überhaupt noch schriftstellerisch tätig zu werden. Schillers Idealisierung von Freiheit und Menschenwürde sind klare Nachwirkungen dieser Zeit.

Historischer Hintergrund

Der Sturm und Drang

Schillers Räuber erschienen 1781 als "Spätwerk" einer Literaturperiode, die als Sturm und Drang oder Geniezeit bekannt ist (ca. 1765-1785). Der Künstler, das Genie und der Kraft- und Tatmensch galten zu dieser Zeit als Ideale. Um das Genie entwickelte sich ein regelrechter Kult. In den Jahren zuvor hatte die Aufklärung den Menschen "aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit" (Kant) befreien wollen. Doch für die Dichtung bedeutete die fortschreitende Rationalität vor allem eines: starre Konventionen. Ein Regelwerk von Vorschriften drohte die Literatur zu erdrücken, denn diese sollte im Sinn der Aufklärung stets zweckgerichtet sein und den menschlichen Verstand bilden. Der Sprachwissenschaftler Johann Gottfried Herder widersprach dieser Auffassung von Poesie: Dichtkunst sei nicht erlernbar, sie erfordere vielmehr ein "Originalgenie". Johann Wolfgang Goethe, der mit Herder in Strassburg zusammentraf, übernahm dessen Thesen und verarbeitete sie u. a. in Götz von Berlichingen, Prometheus und in den Leiden des jungen Werther.

Ebenso machte Schiller mit Karl Moor einen "Kraftkerl" zur zentralen Figur seines Räuberdramas, das auch formal gegen die Regelpoetik seiner Zeit anstürmte und bei den Zuschauern der ersten Aufführung das Blut zum Kochen brachte. Der Sturm und Drang glich einem Frontalangriff auf die Aufklärung. Die jungen Wilden der Literatur, zu denen auch Gottfried August Bürger, Friedrich Maximilian Klinger (von dessen Drama Sturm und Drang die Bewegung ihren Namen bekam) und Heinrich Leopold Wagner gehörten, lehnten jedes Regelwerk ab und gehorchten nur ihrer eigenen poetischen Eingebung und Schaffenskraft. Der neue Held in der Literatur empfand schrankenlose Liebe, tiefe Sehnsucht und rasende Verzweiflung. Er durfte alles - nur nicht lauwarm sein.

Entstehung

"Wir wollen ein Buch machen, das aber durch den Schinder absolut verbrannt werden muss", schrieb Schiller über den Entwurf seines ersten Dramas. Er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den Vorsatz gefasst, ein Werk zu verfassen, das öffentliches Aufsehen erregen würde. Die Quellen für Die Räuber waren vielfältig: Autoren wie Cervantes, Klopstock und vor allem Shakespeare lieferten literarische Vorbilder. Der Prozess und die Hinrichtung eines schwäbischen Räuberhauptmanns dienten Schiller als lebendiges Anschauungsmaterial. Friedrich Daniel Schubarts Erzählung Zur Geschichte des menschlichen Herzens strotzte nur so vor freiheitlichen Idealen, die Schiller ebenfalls begierig aufnahm und verarbeitete - hatte doch Schubart genau wie Schiller unter der Selbstherrlichkeit des Herzogs Karl Eugen zu leiden. Noch in der Karlsschule begann Schiller mit der Niederschrift des Dramas. Man könnte auch sagen: Er schrieb sich zwei Jahre lang den Frust von der Seele. Den Erstdruck des Werkes besorgte Schiller selbst - anonym und unter Angabe fingierter Druckorte. Als es dann 1781 erschien, bot der Intendant des Mannheimer Theaters Schiller eine Bühnenaufführung an. Hierfür mussten umfangreiche Änderungen durchgeführt werden, um die politische Brisanz des Stückes abzumildern: Die Handlung wurde um 100 Jahre zurück in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg versetzt und es wurden einige Handlungsfäden verändert.

Wirkungsgeschichte

Der Erfolg der Mannheimer Aufführung vom 13. Januar 1782 mit dem Schauspielstar August Wilhelm Iffland war bahnbrechend. Eine berühmt gewordene Rezension der Premiere gibt die Stimmung im Publikum sehr gut wieder: "Das Theater glich einem Irrenhause, rollende Augen, geballte Fäuste, stampfende Füße, heisere Aufschreie im Zuschauerraum! Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme, Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe, zur Türe. Es war eine allgemeine Auflösung wie im Chaos, aus dessen Nebeln eine neue Schöpfung hervorbricht!" Schiller schrieb in seinem Resümee der Uraufführung: "Ich glaube, wenn Deutschland einst einen dramatischen Dichter in mir findet, so muss ich die Epoche von der vorigen Woche zählen." 1785 wurde das Stück ins Französische und 1792 ins Englische übersetzt und drang bis nach Amerika vor, wo es Schiller als "Dichter des Idealismus und der Freiheit" bekannt machte.

Nach der Uraufführung begann für Die Räuber der Reigen der Neuinterpretationen: als Ideen-, Revolutions- oder Erziehungsdrama. In den 200 Jahren nach Schiller behauptete sich das Stück auf den Spielplänen deutscher Bühnen. Vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts versuchten sich alle namhaften deutschen Regisseure an Schillers Jugendstück: Erwin Piscator (1926), Gustav Gründgens (1944), Peter Zadek (1966), Egon Monk (1968), Klaus Peymann (1975) und Alfred Kirchner (1984), um nur einige zu nennen. Musikalische Nachdichtungen gab es zuhauf: Die bekannteste ist die Oper I Masnadieri (1847) von Giuseppe Verdi. Der Romantiker E.T.A. Hoffmann lieferte eine Adaption des Stückes, bei der er die Verhältnisse umkehrte (Karl ist der Schuft), und Bertolt Brecht verwendete das Sujet für sein Schauspiel Im Dickicht der Städte (1927). Schillers Räuber gehören auch heute noch zu den beliebtesten Dramen. Das Stück hat sich ebenfalls zu einem fest etablierten Schulbuchklassiker entwickelt.

Über den Autor

Friedrich Schiller wird am 10. November 1759 in Marbach am Neckar als Sohn eines Offiziers geboren. Auf Befehl des württembergischen Landesherrn Karl Eugen wird er in dessen Eliteschule in Stuttgart aufgenommen. Schiller behagt der militärische Drill in diesem Internat überhaupt nicht, wenngleich die Lehrkräfte und die Ausbildung hervorragend sind. Er studiert zunächst Jura und dann Medizin. Viel stärker lockt den jungen Mann aber die Schriftstellerei. Mehr oder weniger heimlich schreibt er sein erstes Drama Die Räuber, das 1782 in Mannheim uraufgeführt wird. Als er gegen den Willen Karl Eugens die Landesgrenzen überschreitet, wird er mit Haft und Schreibverbot bestraft. Schiller entzieht sich dem Zwang durch neuerliche Flucht und setzt seine schriftstellerische Arbeit fort. Die frühen Dramen erscheinen: Die Verschwörung des Fiesko zu Genua (1783) und Kabale und Liebe (1784). Unter ständiger Geldnot leidend, zieht er 1785 zu seinem Freund und Gönner Christian Gottfried Körner nach Sachsen, wo er u. a. die durch Beethovens Vertonung bekannt gewordene Ode An die Freude sowie den Dom Karlos (1787) schreibt. Aufgrund seiner viel beachteten Studie Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande schlägt Goethe ihn 1788 für den Lehrstuhl für Geschichte in Jena vor. Hier verfasst Schiller seine ästhetischen und historischen Schriften und heiratet 1790 Charlotte von Lengefeld. Nach seinem Umzug nach Weimar im Jahr 1799 schließt Schiller Freundschaft mit Goethe. Daraus ergibt sich eine der fruchtbarsten Dichterbekanntschaften aller Zeiten: In der Nähe Goethes beendet Schiller sein erstes klassisches Geschichtsdrama, die Wallenstein-Trilogie. Es folgen Maria Stuart und Die Jungfrau von Orleans (beide 1801), Die Braut von Messina (1803) und Wilhelm Tell (1804), aber auch ein umfangreiches lyrisches Werk. 1802 erhält er den Adelstitel. Seine schlechte körperliche Konstitution zwingt ihn immer wieder aufs Krankenlager. Am 9. Mai 1805 stirbt Schiller in Weimar.


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