Zusammenfassung von Die Stufen des Organischen und der Mensch

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Die Stufen des Organischen und der Mensch Buchzusammenfassung
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Rezension

Ein Geheimtipp der Lebensphilosophie

Die Stufen des Organischen und der Mensch ist nicht nur einer der Gründungstexte der modernen philosophischen Anthropologie, sondern auch der radikale Versuch, die Art und Weise, wie der Westen seit der Antike das Leben denkt, zu erneuern. In diesem umfassenden und schwer zugänglichen Buch unterzieht Helmuth Plessner die philosophische Tradition einer scharfen Kritik und entwirft ein völlig neues Vokabular, um das organische Leben, von der Pflanze bis zum Menschen, zu denken. Dies mag wohl auch dazu beigetragen haben, dass das Werk seit seiner Veröffentlichung 1928 ein Schattendasein geführt hat. Obwohl Plessner bisweilen sogar der Rang eines Aristoteles oder Hegel zugestanden wird, ist er gegenüber seinen Zeitgenossen Heidegger, Scheler und Co. nach wie vor ein Geheimtipp. Zu Unrecht, denn in vielerlei Hinsicht scheint Plessners Hauptwerk viel besser gealtert zu sein als etwa Sein und Zeit. Seine methodische Ausrichtung auf Körperlichkeit und Verhalten und seine Weigerung, menschliche Eigenschaften wie Sprache oder Bewusstsein zum Maß der Dinge zu machen, sind heute aktueller denn je.

Über den Autor

Helmuth Plessner wird am 4. September 1892 als einziges Kind des deutsch-jüdischen Arztes Fedor Plessner und seiner Frau Elisabeth in Wiesbaden geboren. Er studiert Philosophie und Zoologie, unter anderem bei Edmund Husserl und Max Weber. Anfang 1924 macht er sich unter den deutschen Intellektuellen einen Namen durch die Gründung der Zeitschrift Philosophischer Anzeiger. Zeitschrift für die Zusammenarbeit von Philosophie und Einzelwissenschaften. Ab 1920 arbeitet Plessner als Privatdozent an der Universität Köln, wo er im April 1926 zum außerordentlichen Professor aufsteigt und 1928 schließlich einen vollen Lehrauftrag erhält. Im selben Jahr veröffentlicht er sein Hauptwerk Die Stufen des Organischen und der Mensch. Mit seiner philosophischen Anthropologie wird Plessner zum Gegenspieler der Existenzialphilosophie Martin Heideggers. Doch die Machtübernahme der NSDAP erschüttert 1933 nicht nur Plessners akademische Karriere, sondern auch sein Leben: Im April findet man seinen inzwischen zum Christentum übergetretenen Vater bewusstlos in seiner Praxis; vermutlich hat er angesichts der anti-jüdischen Gesetzgebung und der drohenden Auswirkungen auf seinen Sohn Selbstmord begehen wollen, wenig später stirbt er. Plessner selbst wird beurlaubt und im September entlassen. Anfang 1934 emigriert er in die Niederlande und arbeitet an der Universität Groningen. 1943 wird er erneut entlassen und muss bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs untertauchen. Nach Kriegsende lädt ihn die Universität Köln zur Rückkehr ein – Plessner lehnt jedoch ab und bleibt in Groningen, bis er 1950 Ordinarius für Soziologie an der Universität Göttingen wird und nach Deutschland zurückkehrt. Mit der Wiederveröffentlichung von Die verspätete Nation 1959 erlangt er zwar einige Prominenz, seine Karriere hat jedoch durch die erzwungenen Brüche schweren Schaden genommen. 1962 wird Helmuth Plessner emeritiert, veröffentlich allerdings bis weit in die 70er-Jahre hinein weiter kürzere Schriften. Er stirbt am 12. Juni 1985 in Göttingen.

 

Zusammenfassung

Problem und Ziel

Der Erkenntnisfortschritt der Biologie hat den Menschen als Geist- und Kulturwesen wieder an die tierische Natur zurückgebunden. Deshalb muss das Verhältnis zwischen Natur und Geist neu bestimmt werden, und zwar als zusammengehörige, in einem Grundaspekt vereinte Aspekte desselben Phänomens, des Lebens. Gelingt diese Erklärung nicht, stehen wir vor einem völlig zerrissenen, widersprüchlichen Leben: auf der einen Seite der freie, kreativ-schöpferische und moralische Geistmensch, auf der anderen Seite der physiologische, kausal-determinierte Naturmensch. Leider liefert die neuzeitliche Philosophie für diese Aufgabe denkbar schlechte Voraussetzungen: Seit Descartes und Kant und bis in die Gegenwart zerfällt sie in eine entweder idealistisch-spiritistische oder eine materialistisch-empiristische Haltung. Die eine fasst den Menschen bloß als bewusstes Geist-, die andere bloß als körperliches Naturwesen auf. Wenn also eine neue Lebensphilosophie gelingen soll, muss nicht nur der Körper-Geist-Dualismus überwunden werden, sondern auch die philosophische Begrifflichkeit, mit der wir seit der Antike das Sein gedacht haben.