Zusammenfassung von Die Weber

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Die Weber Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Drama
  • Naturalismus

Worum es geht

Ein aus der Not geborener Aufstand

Schlesien im Jahr 1844: Das Textilgewerbe, einst ein wichtiger Wirtschaftszweig, steckt in der Krise. Die Weber stellen noch Stoffe in Heimarbeit am Handwebstuhl her, während in England schon mechanische Webstühle eingesetzt werden, die bessere Ware schneller und billiger produzieren. Um gegen diese Konkurrenz bestehen zu können, versuchen die Fabrikanten die Löhne möglichst niedrig zu halten. Die Weberfamilien arbeiten immer härter und können von dem kargen Verdienst dennoch kaum leben. Anfang Juni 1844 treibt sie die blanke Not schließlich in einen Aufstand, der jedoch von Soldaten der Regierung blutig niedergeschlagen wird. Hauptmanns sozialkritisches Drama Die Weber, das sich sehr stark an den historischen Ereignissen orientiert, wurde nach seiner Veröffentlichung erst einmal von der Zensur verboten. Hauptmann stellt die Not der Weber drastisch dar und wendet sich vehement gegen Unternehmer, die nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten handeln und dabei die Menschen aus dem Auge verlieren. Das Stück ist über 100 Jahre alt, doch überraschend aktuell in Zeiten der Globalisierung, in denen wieder Fragen um Konkurrenzkampf und die soziale Verantwortung von Unternehmern diskutiert werden.

Take-aways

  • Die Weber ist das bekannteste Werk des Schriftstellers Gerhart Hauptmann.
  • Es behandelt den Aufstand der schlesischen Weber im Juni 1844.
  • Die Weber stellen in Heimarbeit Stoffe für den Fabrikanten Dreißiger her.
  • Um konkurrenzfähig zu bleiben, drückt Dreißiger die Löhne immer weiter.
  • Die Folge: Viele der Angestellten leben im Elend und hungern, obwohl sie hart arbeiten.
  • Als sich der junge Weber Bäcker gegen die Ungerechtigkeit wehrt, wird er entlassen.
  • Zusammen mit dem ehemaligen Soldaten Jäger zettelt er einen Aufstand an.
  • Die Not leidenden Weber schließen sich ihnen an und ziehen vor das Haus Dreißigers, um höhere Löhne zu fordern.
  • Beim Anblick der wütenden Menge ergreift Dreißiger die Flucht.
  • Der Weberaufstand wird vom preußischen Militär blutig niedergeschlagen.
  • Das Drama zeichnet sich durch die detailgenaue und realistische Schilderung der historischen Ereignisse aus.
  • Es ist überwiegend im schlesischen Dialekt verfasst.
 

Zusammenfassung

Beim Fabrikanten

Im Haus des Fabrikanten Dreißiger drängen sich die Weber – Männer, Frauen und Kinder. Sie geben den Stoff ab, den sie zu Hause an ihren Webstühlen gefertigt haben, und erhalten dafür ihren Lohn. Pfeifer, ein Mitarbeiter Dreißigers, prüft das Gewebte und legt danach fest, wie viel Geld jeder Weber bekommt. Er ist kritisch und hat an allem etwas auszusetzen, sodass er selten den vollen Lohn auszahlt.

„Das kommt nich druf an. A Weber wart’t an Stunde oder an’n Tag. A Weber is ock ’ne Sache.“ (ein Weber, S. 8)

Die Weber sehen zerlumpt und ausgehungert aus. Verzweifelt bitten sie um Vorschüsse oder versuchen, sich gegen die Willkür Pfeifers zu wehren. Doch dieser lässt sich durch nichts erweichen und bleibt stur. Er verweist die Weber mit ihren Bitten an Dreißiger. Pfeifer ist der Ansicht, die Weber seien selbst schuld, wenn sie von ihrem Lohn nicht leben könnten. Wenn sie gute Arbeit leisteten, hätten sie auch genug Geld. Außerdem bekämen sie einfach zu viele Kinder. Und wenn sie mehr verdienten, würden sie das Geld sowieso nur vergeuden. Er teilt den Angestellten sogar mit, dass sie in Zukunft noch weniger Lohn für ihre Arbeit bekommen sollen als bisher.

„Wer fleißig is und seine Sache versteht und in der Furcht Gottes seine Arbeit verricht’t, der braucht ieberhaupt nie keen’n Vorschuss nich.“ (Pfeifer, S. 10)

Schließlich wird der junge Weber Bäcker zornig und beschwert sich lautstark über die schlechte Bezahlung. Pfeifer holt daraufhin den Fabrikanten Dreißiger persönlich herbei. Dieser fackelt nicht lange und wirft Bäcker auf der Stelle hinaus.

Währenddessen bricht weiter hinten im Raum ein kleiner Junge zusammen. Dreißiger lässt ihn in sein Büro bringen, wo er bleiben soll, bis er sich erholt hat. Die Klage des Kindes, dass es Hunger habe, überhört er geflissentlich. Er beschwert sich über die Unvernunft der Eltern, die ein schwächliches Kind mit den schweren Stoffballen einen so weiten Weg zu ihm schicken. Dreißiger will das verbieten lassen – sonst werde vielleicht einmal die Presse auf einen solchen Fall aufmerksam, und das schade seinem Ruf. Er jammert den Webern vor, wie schwer sein Leben als Fabrikant sei und wie hart er gegen die Konkurrenz kämpfen müsse. Die Weber würden nicht mit ihm tauschen wollen, gibt sich Dreißiger sicher. Er findet es auch ungerecht, dass die Fabrikanten wegen ihres Reichtums in der Kritik stehen, denn das Geld sei sauer genug verdient.

„Dass so’n Mann auch Sorgen hat und schlaflose Nächte, dass er sein großes Risiko läuft, wovon der Arbeiter sich nichts träumen lässt, dass er (...) immerfort sozusagen auf Tod und Leben kämpft und konkurriert, dass kein Tag vergeht ohne Ärger und Verlust: darüber schweigt des Sängers Höflichkeit.“ (Dreißiger über die Fabrikanten, S. 15 f.)

Dem reichen Fabrikanten gegenüber verhalten sich die Weber sehr unterwürfig. Als er von ihnen hören möchte, dass er ein barmherziger Mann sei und man von seinem Lohn ein sicheres Auskommen haben könne, stimmen ihm alle eifrig zu. Einige wenden sich mit ihren Bitten an ihn, werden aber wiederum an Pfeifer verwiesen.

Das Elend der Weber

In einem schäbigen Raum haust die Weberfamilie Baumert. Mutter Baumert und ihre beiden Töchter Bertha und Emma sind mit dem Weben beschäftigt. Vater Baumert ist zu Dreißiger gegangen, um seine Ware abzuliefern. Eigentlich müsste er schon zurück sein. Nun macht sich Mutter Baumert Sorgen, ob ihm vielleicht etwas passiert ist – oder ob er gar im Wirtshaus sitzt und seinen kargen Lohn ausgibt, den die Familie dringend zum Überleben braucht.

„... ich kann natürlich keine Almosen austeilen, dazu bin ich nicht reich genug, aber ich kann bis zu einem gewissen Grade den Arbeitslosen Gelegenheit geben, wenigstens ’ne Kleinigkeit zu verdienen.“ (Dreißiger, S. 16)

Bertha hat einen vierjährigen Sohn, Fritz; der Vater des Kindes ist an Schwindsucht gestorben. Als Fritz Hunger hat und etwas zu essen haben möchte, muss ihn Bertha auf die Rückkehr des Großvaters vertrösten. Sie hat nichts Essbares mehr im Haus, was sie dem Kind geben könnte, aber der alte Baumert wird hoffentlich etwas mitbringen. Die Frauen bitten den Vermieter Ansorge, Licht machen zu dürfen, damit sie weiterarbeiten können, aber Ansorge ist dagegen. Schon seit Monaten haben die Baumerts keine Miete mehr gezahlt, und er hat selbst kein Geld mehr für den Brennstoff. Nun kommt die Nachbarin, Frau Heinrich, und klagt, dass sie nicht mehr wisse, was sie ihren Kindern noch zu essen geben solle. Aber die Baumerts haben nichts, was sie ihr abgeben könnten.

„Neun hungriche Mäuler, die soll eens nu satt machen. Von was d’nn, hä?“ (Frau Heinrich, S. 20)

Als Vater Baumert schließlich eintrifft, hat er ein paar Lebensmittel mitgebracht, sogar Fleisch. Das stammt allerdings von einem kleinen Hund, der den Baumerts vor ein paar Wochen zugelaufen ist. Nun hat der Vater ihn schlachten lassen, damit die Familie nach langer Zeit wieder einmal Fleisch essen kann.

Das Weberlied

Mit Vater Baumert ist auch Moritz Jäger ins Zimmer gekommen. Er stammt ebenfalls aus dem Dorf und hat früher als nichtsnutzig gegolten. Nun hat er einige Jahre beim Militär gedient. Offensichtlich geht es ihm viel besser als den Webern, er ist gesund, gut gekleidet und hat sogar Geld mitgebracht. Die Baumerts bewundern ihn und erzählen, wie kärglich sie leben müssen. Auch Ansorge, der Vermieter, stimmt zu. Ihm geht es nicht besser als den anderen; er ist inzwischen so hoch verschuldet, dass das Haus, das sein Vater gebaut hat, ihm nicht mehr gehört, und seine Mieter können nichts mehr zahlen. Nun versucht er sich als Korbflechter, aber auch das bringt nicht viel ein.

„Kennten m’r nich zum wenigsten zu allen heiligen Zeiten aso a Stickl Gebratnes hab’n, stats dass ma kee Fleisch zu sehn kriecht ieber Jahr und Tag?“ (Baumert, S. 24)

Baumert kann es kaum erwarten, etwas von dem Hundefleisch zu essen. Es ist zwei Jahre her, dass er sich zum letzten Mal Fleisch leisten konnte. Doch seine Freude währt nicht lange: Kaum hat er etwas davon gegessen, muss er sich übergeben, denn sein Magen ist an Fleisch nicht mehr gewöhnt.

Da Jäger etwas mehr von der Welt gesehen hat, fragen ihn die Weber, wie er deren Lage beurteilt: Können sie darauf hoffen, dass bald wieder bessere Zeiten kommen? Jäger ist nicht zuversichtlich. Die Regierung in Berlin wisse sehr wohl, dass die Weber im Elend lebten. Aber sie werde nichts dagegen unternehmen, weil die Fabrikanten großen politischen Einfluss besitzen. Die Weber sind verzweifelt, als sie das hören. Allmählich dämmert ihnen, dass sie ihre Sache selbst in die Hand nehmen müssen, wenn sich etwas ändern soll.

„Mir brauchen o erscht kee Fleesch, fer uns essen’s de Fabrikanten.“ (Jäger, S. 26)

Jäger liest ein Lied vor, das vom Fabrikanten Dreißiger und dem Elend der Weber handelt. Es bringt die hoffnungslose Lage der Weber deutlich zur Sprache. Die anderen sind ergriffen und zornig, weil sie sich darin wiedererkennen. Sie reden sich in Rage und beschließen, das Unrecht nun nicht mehr länger hinzunehmen.

Etwas braut sich zusammen

Im Wirtshaus sitzen einige Handwerker und Weber zusammen und klagen über ihre Armut. Ein fremder Reisender will das alles nicht so recht glauben, denn die Regierung stellt die Lage ganz anders dar. Der Lumpensammler Hornig erklärt ihm, woran das liegt: Die Gesandten der Regierung kämen erst gar nicht dorthin, wo die Not am größten sei. Da betreten Jäger und Bäcker mit anderen Webern das Wirtshaus. Sie singen das Weberlied.

„Mir leiden’s nimehr! Mir leiden’s nimehr, mag kommen, was will.“ (Ansorge, S. 29)

Plötzlich kommt der Polizist Kutsche herein. Mit einem Schlag ist es still in der Wirtsstube. Aber bald fangen die Weber und der Schmied Wittig an, den Polizisten zu provozieren. Kutsche wehrt sich, und Wittig wird böse: Seit er den Polizisten einmal daran gehindert habe, ein Kind zu verprügeln, bekomme er keine Aufträge mehr, und er habe den Verdacht, dass Kutsche die Hauptschuld daran trage. Schließlich stößt er sogar Morddrohungen gegen ihn aus. Dem Polizisten wird es zu ungemütlich, und er verlässt die Wirtsstube. Zuvor teilt er den Webern noch mit, dass es nunmehr verboten sei, das Weberlied zu singen. Wer sich nicht daran halte, werde mit Gefängnis bestraft.

„Euch Webern aber soll ich’s ausrichten: d’r Herr Polizeiverwalter lässt euch verbieten, das Lied zu singen – das Dreißicherlied, oder wie sich’s genennt.“ (Kutsche, S. 42)

Als Kutsche draußen ist, stimmen Jäger und Bäcker erst recht das verbotene Lied an. Mit Gesang ziehen die Weber hinaus. Sie wollen zum Fabrikanten Dreißiger und mehr Lohn verlangen. Auch der alte Baumert schließt sich ihnen an.

Der Aufstand

Die Dreißigers haben Besuch von Pastor Kittelhaus und seiner Frau. Auch Weinhold ist dabei, der Hauslehrer von Dreißigers Söhnen. Sie wollen Karten spielen. Vor dem Haus haben sich Weber und Handwerker versammelt. Die Damen nehmen das nicht weiter ernst, aber Kittelhaus regt sich über die Aufmüpfigkeit der Weber auf. Dreißiger ist unruhig, versucht jedoch, die Situation herunterzuspielen. Einzig Weinhold zeigt Verständnis dafür, dass die Weber ihr Elend nicht mehr länger hinnehmen wollen. Daraufhin rügt ihn Dreißiger scharf und verbittet sich jegliche Einmischung in seine Privatangelegenheiten. Weinhold nimmt dies zum Anlass, seine Stelle zu kündigen.

„Das Ausland hat sich gegen uns durch Zölle verbarrikadiert. Dort sind uns die besten Märkte abgeschnitten, und im Inland müssen wir ebenfalls auf Tod und Leben konkurrieren, denn wir sind preisgegeben, völlig preisgegeben.“ (Dreißiger, S. 51)

Auf Dreißigers Anweisung nehmen seine Färbereiarbeiter Jäger als einen der Anführer gefangen. Dreißiger lässt den Polizeiverwalter und den Polizisten Kutsche kommen, die versuchen, Jäger noch in Dreißigers Wohnung zu verhören. Jäger aber tritt sehr selbstbewusst auf und provoziert die Anwesenden. Pastor Kittelhaus versucht zu vermitteln, aber Jäger lässt sich auf nichts ein. Schließlich wird er abgeführt. Dreißiger macht die Vereine, die zur Unterstützung der Weber gegründet wurden, für die Unruhen verantwortlich; sie hätten bei diesen nur unrealistische Wünsche geweckt.

„Scheene Neuigkeeten, Meester. De Peterschwalder hab’n amal ’n Teiwel riskiert und haben a Fabrikant Dreißicher mitsamst der ganzen Familie zum Loche nausgejagt.“ (Hornig, S. 58)

Da kommt Pfeifer herein, völlig aufgelöst: Die Aufständischen hätten Jäger befreit und die Polizisten verjagt. Nun dämmert den Anwesenden, dass die Weber es ernst meinen und sie selbst wirklich in Gefahr sind. Pastor Kittelhaus bietet sich an, mit den Aufrührern zu reden. Er verlässt das Haus, kommt aber nicht mehr wieder zurück, und draußen wird der Tumult immer größer. Die Dreißigers, Frau Kittelhaus und Pfeifer treten überstürzt die Flucht an.

„Großvaterle, Großvaterle, se haben mit a Flinten geschossen. A paare sind hingefall’n.“ (Mielchen, S. 70)

Die Weber schlagen die Haustür ein und drängen ins Haus. Vorsichtig betreten sie die Zimmer und bewundern die Einrichtung. Dann suchen sie Pfeifer und Dreißiger, treffen die beiden aber nicht mehr an.

Die Staatsgewalt

Der alte Weber Hilse sitzt mit seiner Frau, seinem Sohn Gottlieb und Schwiegertochter Luise in einem ärmlichen Zimmer. Er spricht ein Gebet, bevor alle an ihre Arbeit gehen. Da kommt der Lumpensammler Hornig herein und bringt eine Neuigkeit: Die Weber hätten das Haus von Dreißiger in Peterswaldau gestürmt und in ihrer Wut alles darin zerstört; Dreißiger selbst sei mit seiner Familie geflohen.

Der alte Hilse will nicht glauben, dass die Weber zu so etwas fähig sind. Luise dagegen findet es gut, dass sich die Arbeiter endlich einmal wehren. Da kommt Enkeltochter Mielchen herein und zeigt freudig einen silbernen Löffel, den sie gefunden hat. Hilse weiß, dass der Löffel nur von Dreißiger stammen kann, und wird böse, denn Diebesgut will er als frommer Mann nicht behalten. Mielchen gibt unter Tränen zu, dass sie den Löffel vor Dreißigers Haus gefunden hat. Luise gibt zu bedenken, dass das Stück einiges wert sei und dass sie alle von dem Geld eine Weile gut leben könnten. Aber der alte Hilse lässt sich nicht darauf ein. Er schickt Gottlieb fort, damit er den Löffel zurückbringt.

Der Arzt Schmidt tritt ein, um nach der alten Frau Hilse zu sehen. Er berichtet, unterwegs seien ihm die aufständischen Weber begegnet, die von Peterswaldau herkämen. Da kehrt auch schon Gottlieb zurück und bestätigt das: Die Weber seien bereits im Ort und plünderten die Häuser der reichen Fabrikanten. Für den frommen Hilse ist dieser Aufstand eindeutig ein Werk des Teufels. Deshalb verbietet er seinem Sohn, sich den Webern anzuschließen. Luise jedoch schimpft auf die Feigheit der Männer und läuft hinaus zu den Aufständischen.

Einige der Weber kommen ins Haus, auch der alte Baumert ist dabei. Sie sind zuversichtlich, dass ihre Sache gelingen wird. Hilse dagegen glaubt nicht, dass die Weber eine Chance haben. Inzwischen sind Soldaten eingetroffen. Als Gottlieb hinausgehen will, wird er abermals vom Vater aufgehalten und deswegen von den anderen Webern verspottet. Die Soldaten schießen auf die Aufständischen, dabei werden einige getötet und viele verwundet. Die Weber bewerfen die Soldaten mit Pflastersteinen. Nun lässt sich auch Gottlieb nicht mehr zurückhalten. Hilse dagegen bleibt demonstrativ an seinem Webstuhl beim Fenster sitzen. Den Webern gelingt es tatsächlich, die Soldaten zu vertreiben. Doch als diese ein letztes Mal schießen, wird Hilse durch das Fenster von einer Kugel tödlich getroffen.

Zum Text

Aufbau und Stil

Das Drama Die Weber besteht aus fünf Akten. In der vorliegenden Buchausgabe nimmt es nur etwa 70 Seiten ein, der Rest sind Hintergrundinformationen. Jeder Akt spielt an einem anderen Ort, und in jedem treten neben bekannten auch neue Personen auf. Dabei wird die Welt der armen Weber immer wieder jener des reichen Fabrikanten gegenübergestellt. Mit der Gliederung in fünf Akte orientiert sich Hauptmann rein äußerlich noch am klassischen Drama. Doch anders als in diesem fehlt in Hauptmanns Werk der Held, der im Mittelpunkt steht. Es gibt zwar einige Figuren, die in mehreren Akten auftauchen, etwa Moritz Jäger oder der alte Baumert, aber keiner von ihnen spielt eine zentrale Rolle. Stattdessen stellt Hauptmann mit der Gruppe der Weber eine ganze soziale Schicht in den Mittelpunkt seines Werks.

Die meisten Figuren sprechen Dialekt. Ursprünglich war das ganze Stück in schlesischer Mundart verfasst und trug den Titel De Waber. In der Endversion ist der schlesische Dialekt die Sprache der Weber, in etwas abgeschwächter Form auch die der Angestellten Dreißigers. Die Vertreter der Oberschicht dagegen sprechen hochdeutsch.

Interpretationsansätze

  • Mit den Webern steht eine ganze soziale Schicht im Mittelpunkt, nicht ein Einzelschicksal, wie es im klassischen Drama üblich ist.
  • Eine wichtige Rolle spielen soziale Gegensätze: Auf der einen Seite steht der Fabrikant Dreißiger, der im Reichtum lebt und willkürlich über die Löhne der Weber bestimmt, auf der anderen stehen die Weber, die von ihm abhängig sind und trotz harter Arbeit im Elend leben müssen.
  • Dreißiger sieht die Weber nicht als Menschen an, die ein Auskommen brauchen, sondern legt die Löhne nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten bzw. seinem eigenen Vorteil fest.
  • Die Weber sind im Grunde nicht revolutionär: Hinter ihrem Aufstand stehen keine politischen Motive, sondern die blanke Not. Selbst im Gefängnis werden sie wesentlich besser versorgt als in Freiheit. So bleibt ihnen kein anderer Ausweg als ein Aufstand.
  • Hervorzuheben ist Hauptmanns naturalistische Figurenzeichnung. Je schlichter seine Figuren sind, desto deutlicher lässt er sie in schlesischer Mundart reden und stellt sie dadurch als realistische, authentische Volkstypen dar.
  • Unter den Webern gibt es Gegensätze: Manche schließen sich der Revolution an, andere, wie der alte Hilse, treibt ihre Frömmigkeit und konservative Einstellung dazu, das Leid auszuhalten, statt sich zu wehren. Ausgerechnet Hilse, der sich bewusst vom Aufstand distanziert, ist die einzige Figur, die auf der Bühne ums Leben kommt. Insofern ist er die einzige wahrhaft tragische Figur des Stücks.
  • Das Drama stellt die Frage nach der sozialen Verantwortung von Unternehmern und weist damit einen starken Aktualitätsbezug auf. Im Zeitalter der Globalisierung, in dem es für viele Firmen kostengünstiger ist, die Produktion in Billiglohnländer zu verschieben, besteht die Gefahr, dass die Manager – wie die Großfabrikanten des 19. Jahrhunderts – ausschließlich die Wertschöpfung ihres Unternehmens im Auge haben und dabei den Faktor Mensch außer Acht lassen.

Historischer Hintergrund

Die Industrialisierung und ihre Opfer

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vollzog sich in Englands Wirtschaft eine technische Revolution: Neue Erfindungen bzw. Weiterentwicklungen wie die Dampfmaschine und der mechanische Webstuhl ließen das industrielle Zeitalter anbrechen. Das hatte auch enorme Folgen für die übrigen europäischen Länder. Betroffen war vor allem die Textilindustrie. Mit dem mechanischen Webstuhl konnten Stoffe schneller, billiger und besser produziert werden als von Hand. Somit geriet die Textilwirtschaft auf dem Kontinent unter extremen Konkurrenzdruck. Die meisten Staaten versuchten das Problem zu lösen, indem sie auf Waren aus dem Ausland hohe Zölle erhoben und so die heimische Wirtschaft vor der Konkurrenz schützten. Ein deutscher Staat bildete eine Ausnahme: Preußen, zu dem damals auch Schlesien gehörte. Hier war man der Meinung, dass es besser sei, die Konkurrenz zuzulassen und die Wirtschaft möglichst wenig durch staatliche Eingriffe zu behindern. Das hatte zur Folge, dass die preußische Textilwirtschaft der starken Konkurrenz aus England ungeschützt ausgesetzt war.

In Preußen war jedoch der technische Fortschritt lange nicht so weit wie in England und wurde auch vom Staat nicht gefördert. Textilien wurden zumeist von Webern in Handarbeit zu Hause hergestellt. Die Fabrikanten versuchten, konkurrenzfähig zu bleiben, indem sie die Löhne der Weber möglichst niedrig hielten. Mangels Alternativen blieb den Webern nichts übrig, als für immer weniger Geld zu arbeiten. Auch Frauen und Kinder halfen mit. Doch trotz aller Anstrengung lag das Durchschnittseinkommen einer Weberfamilie in den 1840er Jahren oft unter dem Existenzminimum, sodass viele Familien in bitterer Armut leben mussten. Sozialsysteme, die die Not hätten ausgleichen können, gab es damals noch nicht, und die Regierung bemühte sich lange, das Problem herunterzuspielen, statt es zu lösen. 1843 griff die Presse das Thema auf. Daraufhin gründeten sich so genannte Weberhilfsvereine, die die Not der Weber lindern wollten, aber wenig ausrichten konnten. Schließlich kam es im Juni 1844 zu einem spontanen Aufstand der Weber, der jedoch vom Militär blutig niedergeschlagen wurde.

Entstehung

Gerhart Hauptmann stammte selbst aus einer schlesischen Weberfamilie, noch sein Großvater war ein Weber. Die Erzählungen des Vaters, dem das Drama gewidmet ist, gaben Hauptmann den Anstoß, sich dem Thema anzunehmen. Schon Ende der 1880er Jahre fasste er den Plan, den Aufstand der schlesischen Weber literarisch zu verarbeiten. Etwa 1890 begann er mit ersten Vorarbeiten. 1891 reiste er in das Gebiet, wo der Aufstand stattgefunden hatte, und sprach mit Augenzeugen. Auch mehrere Bücher, die kurz nach dem Ereignis veröffentlicht worden waren, zog er als Quellen heran. Hauptmann bemühte sich, die historischen Gegebenheiten möglichst detailgenau zu schildern. Namen und Aussagen der Weber übernahm er z. T. wörtlich aus seinen Quellen, anderes veränderte er nur geringfügig. So hieß das Vorbild für Dreißiger eigentlich Zwanziger, aus dem Fabrikanten Dierig wurde Dittrich. Ebenso wurde das im Stück eingeflochtene Weberlied während des Aufstands tatsächlich gesungen. Hauptmann zeigt sich im Drama als Vertreter des Naturalismus, dessen Anspruch es war, die Wirklichkeit möglichst exakt wiederzugeben. Eine ganz im schlesischen Dialekt geschriebene Fassung beendete Hauptmann Ende 1891; im März 1892 erschien die dem Hochdeutschen angenäherte Version.

Wirkungsgeschichte

Im Februar 1892 lag De Waber der Zensur zur Beurteilung vor und wurde prompt verboten, da die Behörden fürchteten, das Stück könne zum Aufstand anstacheln. Daraufhin legte Hauptmann eine etwas entschärfte Fassung vor, aber dieser erging es auch nicht besser: Das Stück durfte weiterhin nicht öffentlich aufgeführt werden. Gegen diese Entscheidung klagte Hauptmann vor Gericht. So wurden Die Weber zunächst einmal nicht öffentlich aufgeführt, sondern in einer geschlossenen Veranstaltung des Vereins „Freie Bühne“ am 26. Februar 1893. Im selben Jahr erlaubte das Gericht auch die öffentliche Aufführung, allerdings nur für das Deutsche Theater in Berlin. Dort fand die Premiere am 25. September 1894 statt und wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Die Presse dagegen reagierte gespalten. Einige Kritiker feierten das Werk, andere bemängelten seine sozialkritische Tendenz oder empfanden den Aufbau des Stückes als zu wirr. Kaiser Wilhelm II. kündigte zur Strafe seine Loge im Deutschen Theater, was für das Haus einen erheblichen finanziellen Verlust bedeutete. In zahlreichen Städten wurde das Werk verboten, überall musste die Aufführung erst gerichtlich erstritten werden. Die Prozesse zogen sich hin, der letzte dieser Art fand im Jahr 1901 statt. Doch der Erfolg des Stücks war nicht aufzuhalten. Es machte Gerhart Hauptmann weltberühmt und inspirierte auch zahlreiche andere Künstler, so z. B. Käthe Kollwitz zu ihrem Bilderzyklus Der Weberaufstand.

Über den Autor

Gerhart Hauptmann wird am 15. November 1862 im schlesischen Obersalzbrunn (heute Szczawno Zdrój, Polen) geboren. Nach dem Schulabschluss beginnt er eine landwirtschaftliche Ausbildung, die er jedoch nach anderthalb Jahren aus gesundheitlichen Gründen abbrechen muss. Er bereitet sich auf den Militärdienst vor, wird aber für untauglich erklärt. Daraufhin nimmt Hauptmann im Oktober 1880 ein Studium als Bildhauer in Angriff und wird wenig später wegen schlechten Betragens von der Schule geworfen, aber auf Fürsprache eines Lehrers bald wieder aufgenommen. Doch schon 1882 bricht er das Studium ab. Inzwischen hat er die Kaufmannstochter Marie Thienemann kennengelernt, mit der er sich verlobt und die ihn fortan finanziell unterstützt. So kann er 1882 ein Studium der Geschichte und Literatur aufnehmen. Doch auch das hält er nicht lange durch; bereits ein Jahr später bricht er auch dieses Studium ab und lebt als freier Bildhauer in Rom. Mit bescheidenem Erfolg: Eine Statue, an der er arbeitet, fällt in sich zusammen. Hauptmann kehrt frustriert nach Deutschland zurück und beginnt ein Zeichenstudium in Dresden, das er bereits nach einigen Wochen wieder beendet. 1885 heiratet er Marie Thienemann. In den 1880er-Jahren entstehen seine ersten literarischen Werke, unter anderem die Dramen Vor Sonnenaufgang (1889), Die Weber (1892) und Der Biberpelz (1893). 1893 geht er eine Beziehung zu Margarete Marschalk ein, doch von Marie lässt er sich erst 1904 scheiden. Noch im selben Jahr heiratet er Margarete – um schon 1905 eine Beziehung zu einer Schauspielerin zu beginnen, die jedoch bald beendet ist. Hauptmann werden zahlreiche Ehrungen zuteil, 1912 erhält er den Nobelpreis für Literatur. Im Ausland gilt der Dichter als der Repräsentant der deutschen Literatur. Mit zunehmendem Alter distanziert sich Hauptmann immer mehr von den sozialkritischen Tendenzen seiner früheren Werke. Als die Nationalsozialisten an die Macht kommen, tritt er zwar nicht aktiv für das Regime ein, distanziert sich aber auch nicht. Er stirbt am 6. Juni 1946 im schlesischen Agnetendorf.


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