Zusammenfassung von Discorsi

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Discorsi Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker


Worum es geht

Lob der Republik

Machiavelli ist für viele Menschen der Prototyp des korrupten, verschlagenen und kompromisslos machtbewussten Politikers. Dass die Diktatoren des 20. Jahrhunderts – unter ihnen Hitler und Mussolini – sich seiner Politikempfehlungen bedienten, trug nicht gerade positiv zu seinem Ruf bei. Umso überraschender mutet die Lektüre der Discorsi an, des umfassendsten politischen Werks des Renaissanceautors. Anders als in Der Fürst zeigt sich Machiavelli hier als Anhänger der Republik, die er als langfristig gesehen beste Staatsform präsentiert. Ganz der Tradition der Renaissance entsprechend sucht er Lösungen für aktuelle Probleme in der Antike, insbesondere in der römischen Republik, die er seinen Lesern als nachahmenswertes Modell vorstellt. Nach seiner Verbannung aus allen politischen Ämtern wollte Machiavelli sich rehabilitieren und sich mit den Discorsi als politischer Berater der lokalen Regierung anbieten. So ist das Werk trotz des Blicks zurück in die Antike kein theoretisches Wolkengebilde, sondern es strotzt geradezu von pragmatischen, griffigen Empfehlungen. Nicht alle davon sind moralisch einwandfrei, aber lesenswert ist das Buch allemal – besonders vor seinem historischen Hintergrund.

Take-aways

  • Die Discorsi zählen zu den bedeutendsten Schriften Machiavellis.
  • Inhalt: Machiavelli empfiehlt die Republik als beste Staatsform: Das permanente Ringen um die Macht führt dazu, dass keine Partei zu mächtig wird. Der Autor orientiert sich am Vorbild der römischen Republik und leitet daraus Strategien für den Machterhalt und für ein funktionierendes politisches System ab. Zu seinen Themen gehören Innen- und Außenpolitik, Verfassung, Volkswirtschaft, Kriegsführung und Verwaltung.
  • Mit dem Begriff „Machiavellismus“ wird skrupellose Machtpolitik bezeichnet.
  • Das bis heute negative Bild des Autors geht auf das gleichzeitig mit den Discorsi entstandene Werk Der Fürst zurück.
  • In den Discorsi kommt Machiavellis andere Seite zum Vorschein: Er erweist sich als Verfechter der Republik.
  • Von den Medici verbannt, wünschte sich Machiavelli nichts sehnlicher, als wieder in der Politik mitzumischen.
  • Mit den Discorsi empfahl er sich den regionalen Machthabern als politischer Berater.
  • Machiavellis Geschichtsbild ist zyklisch: Ein Gemeinwesen kann demnach nur für kurze Zeit stabil sein, dann zerfällt es wieder und muss neu aufgebaut werden.
  • Die Discorsi wurden vier Jahre nach Machiavellis Tod gedruckt und rund 30 Jahre später auf den päpstlichen Index gesetzt.
  • Zitat: „Das Volk ist weiser und beständiger als ein Alleinherrscher.“
 

Zusammenfassung

Rom, das antike Vorbild

Menschen sind missgünstig und wankelmütig. Darum ist es immer mühsam, eine neue gesellschaftliche Ordnung durchzusetzen. Dass dieses Unterfangen dennoch gelingen kann, zeigt die Republik Rom. Ihre Einrichtungen und Gesetze sind unbedingt nachahmenswert. Rom war zunächst eine Monarchie, wandelte sich dann zur Adels- und schließlich zur Volksherrschaft. Als die Tarquinier, ein etruskisches Geschlecht, Rom regierten, war das Volk zufrieden mit der Führung durch König und Senat, und der Adel war fügsam. Doch nachdem die Tarquinier vertrieben worden waren, wurde der Adel zügellos und missachtete das Volk. Nur aus Angst, dieses könnte sich bei schlechter Behandlung mit den Königen verbünden, hatte sich der Adel zuvor moderat verhalten. Das Beispiel zeigt deutlich, dass sich die Menschen nur unter Druck anständig benehmen. Können sie aber ihrem freien Willen folgen, nehmen sie sofort alle möglichen Laster an. Ohne Regeln und Gesetze sind der Anarchie Tür und Tor geöffnet. In Rom zog man daraus eine Lehre und setzte nach zahlreichen blutigen Auseinandersetzungen Volkstribune ein, die die Rechte des Volkes schützten. Sie vermittelten zwischen Volk und Senat und hielten zudem den Adel im Zaum. Die Tribune wachten über die Freiheiten der Bürger und schlichteten Streit zwischen den Machthabern.

Fruchtbare Konflikte

Die Volksaufstände in Rom könnten so gedeutet werden, dass die Römer besonders streitsüchtig waren und dort ein politisches Chaos herrschte. Man darf aber nicht übersehen, dass gerade diese Kämpfe zwischen Volk und Adel die Ursache dafür waren, dass Rom die Freiheit aufrechterhalten konnte. Volk und Adel verfolgten unterschiedliche Interessen, und nur durch ihren heftigen Streit konnten Gesetze entstehen, die jeder Gruppe die Freiheit garantierten. In der Regel schaden die Bestrebungen des Volkes der Republik nicht – immerhin entspringt diese ja dem Wunsch nach Freiheit und der Angst vor Unterdrückung. Begehrt das Volk zu Unrecht auf, so muss es in einer Vollversammlung von einem glaubwürdigen Mann belehrt werden. Das Volk ist zwar unwissend, aber es hat ein gutes Gespür für die Wahrheit und wird sie erkennen, wenn sie ihm glaubhaft dargelegt wird.

Geregelte Freiheit

Wenn man einem Staatswesen eine Verfassung geben will, muss man Gesetze schaffen, die die Freiheit aller Volksschichten gewährleisten. Doch welche Gruppe soll man mit dem Schutz der Freiheit betrauen? In Venedig oblag diese Aufgabe dem Adel, in Rom vertraute man sie dem Volk an. Klar ist: Das Volk hat den starken Wunsch nach Freiheit und wird immer bemüht sein, diese Freiheit nicht zu missbrauchen, sondern sie für alle zu erhalten. Es spricht aber auch einiges dafür, den Adel als Beschützer der Freiheit einzusetzen: Gesteht man ihm diese Kompetenz zu, kann er seinen Ehrgeiz befriedigen und wird sich ansonsten ruhig verhalten. Außerdem wird er übertriebene Forderungen des Volks eindämmen. Die Frage, ob Volk oder Adel in einer Republik mehr Einfluss haben sollten, lässt sich nicht abschließend beantworten; sie muss für jeden Staat neu gestellt werden. Strebt ein Staat – wie Rom – die Gründung eines Imperiums an? Oder möchte er an der bestehenden Ordnung festhalten und seine Grenzen so lassen, wie sie sind? Tendenziell ist ein mächtiger Adel schädlicher für die Republik als ein starkes Volk, weil ihn seine Machtgier dazu treibt, mehr Einfluss und Mittel zu erlangen. Ein Volk ist weiser als Einzelpersonen.

Ein neuer Herrscher fängt bei null an

Eine Verfassung sollte dem Staat erlauben, sowohl seinen gegenwärtigen Zustand zu sichern als auch sich über seine Grenzen hinaus auszudehnen. Wenn er neu gegründet oder durch Eroberungen umgestaltet wird, muss diese Verfassung von einem einzelnen mächtigen Mann durchgesetzt werden, damit der Staat funktioniert. Soll die Verfassung für alle Bürger von Nutzen sein und nicht nur für bestimmte Gruppen oder die Nachkommen des Staatsgründers, dann muss sie die Funktion aller staatlichen Einrichtungen genau festschreiben. Es ist nicht schlimm, wenn ein Staatsgründer mit Gewalt vorgeht. Niemand wird ihm im Nachhinein vorwerfen, sich ungewöhnlicher Mittel bedient zu haben – immerhin hat er damit ja einen Staat begründet. Für die Durchsetzung der neuen Verfassung ist es wichtig, die Einwohner in dem Glauben zu lassen, alles bleibe beim Alten. In Wirklichkeit wird der kluge Eroberer jedoch alles umkrempeln. Die Regierung, ebenso die Titel im Staat sowie die Ämter und ihre Kompetenzen müssen neu sein. Jedes Amt und jeder Rang muss neu gestaltet werden, damit allen klar ist, dass der jeweilige Inhaber seinen Status dem neuen Herrscher verdankt.

Machtverteilung und Religion

Will man eine Republik errichten, muss man die Macht nach der Staatsgründung geschickt verteilen und darf sie nicht einem einzelnen Stellvertreter oder Nachfolger überlassen, denn der könnte sie möglicherweise missbrauchen. Romulus hat die ganze Macht an sich gerissen und seinen Bruder Remus getötet. Darüber kann man aber hinwegsehen, da er dies nicht aus persönlichem Ehrgeiz tat, sondern zum Wohl des Volkes. Dafür spricht auch, dass er unverzüglich einen Senat einrichtete und die erworbene Macht auf viele Schultern verteilte. Um die Ordnung aufrechtzuerhalten, lohnt es sich, die Religion zu wahren und darauf zu achten, dass diese ausgeübt wird. Nur dann bleiben die Menschen anständig und der Staat ist vor dem Verfall gefeit. Im alten Rom wurde die Religion funktionalisiert, um bestimmte Dinge durchzusetzen: Man befragte z. B. Auguren und holte die Auspizien ein, bevor man das Heer in den Krieg schickte. Deuteten die Auguren die Zeichen so, dass ein Sieg Roms zu erwarten war, so hatte der Herrscher das Volk hinter sich und vermied damit innenpolitische Spannungen.

Ein schlechter Herrscher verdirbt das Volk

Ist ein Staat verdorben, kann die Freiheit des Volkes nur unter größten Mühen wiederhergestellt werden. Selbst wenn ein niederträchtiger Herrscher vertrieben wird, bleiben die Einwohner des Staates meist lasterhaft; sie sind von schlechten Gewohnheiten durchdrungen, und der Verfall der Sitten ist nicht mehr aufzuhalten. Für Rom war es ein großes Glück, dass die lasterhaften Könige abgesetzt wurden, noch ehe das Land in seinen moralischen Grundfesten erschüttert worden war. Da die Menschen Roms gut waren, schadeten sie dem Staat nicht, sondern führten ihn zu einer freien Republik. Wären hingegen die Sitten verroht gewesen, hätte allenfalls ein sehr mächtiger und weiser Eroberer mit einem strengen Regiment das Land retten können. Niemals wäre es den Bürgern selbst gelungen, den Staat wieder zu stabilisieren. Die beste Verfassung ist nichts ohne jemanden, der es versteht, sie durchzusetzen. Das monarchische Rom lief immer Gefahr, unter einem schwachen König zu zerfallen.

Belohnung und Strafe

Ein Staat muss stets darauf bedacht sein, gute Taten der Bürger zu belohnen und schlechte zu ahnden. Auch Männer, die sich hohe Verdienste erworben haben, müssen für Verstöße gegen das Gesetz zur Verantwortung gezogen werden. Das bedeutet, dass sich auch der Herrscher an die eigenen Gesetze zu halten hat. Wenn die Bürger ständig um ihre Freiheit fürchten müssen, kommt es schnell zu Unruhen. Ein Alleinherrscher muss vorausschauend denken und sich überlegen, welche Männer ihm in Kriegszeiten von besonderem Nutzen sein werden. Diese muss er bereits zu Friedenszeiten auf seine Seite ziehen und auf den Ernstfall vorbereiten. Es ist weise, zwingend notwendige Maßnahmen als Wohltätigkeiten zu tarnen. So führte beispielsweise der römische Senat einen Sold für seine Krieger ein. Man hatte erkannt, dass die Kriegführung und die Belagerung fremder Städte nicht möglich waren, wenn sich jeder Soldat nebenbei aus eigener Tasche versorgen musste. Diese Notwendigkeit der Besoldung wurde dem Volk jedoch als große Gnade verkauft. Die Reaktion war entsprechend positiv: Das Volk sah nicht auf die Steuern, die für den Sold erhoben wurden, sondern nur auf das vermeintliche Geschenk. Generell sollte der Staat seinen Bürgern regelmäßig neue Wohltaten erweisen, auch wenn das Geld knapp ist.

Die römischen Diktatoren

Die so genannten Diktatoren, die auf Beschluss der Konsuln und des Senats eingesetzt wurden, änderten nichts an der Freiheit der römischen Bürger. Rom hätte nur dann Schaden genommen, wenn sie sich selbst zur Macht aufgeschwungen hätten. Da die Einsetzung aber durch eine demokratische Einrichtung geschah, war es zum Wohle Roms. Voraussetzung dafür war natürlich, dass der Diktator für eine ganz bestimmte Aufgabe gewählt wurde und seine Amtszeit auf ein halbes Jahr begrenzt war. So standen ihm zwar alle Mittel zur Verfügung, um in Krisenzeiten Probleme zu lösen, er konnte aber den Staat nicht umstürzen.

Drei Möglichkeiten der Außenpolitik

Eine Republik hat drei Möglichkeiten, sich zu vergrößern. Die erste besteht im Zusammenschluss mehrerer kleiner, gleichberechtigter Republiken. Diese erobern dann gemeinsam weiteres Territorium und verleiben sich die neu gewonnenen Staaten ein. So gingen die Etrusker vor. Rom dagegen setzte auf die zweite Möglichkeit und schaffte sich Bundesgenossen in ganz Italien. Sie hatten die gleichen Gesetze wie das Imperium und wurden, als dieses immer mehr Macht erlangte, fast unmerklich zu Teilen Roms. Die Spartaner und Athener wiederum bedienten sich der dritten Möglichkeit: Sie unterwarfen die umliegenden Staaten und machten sie zu Untertanen. Die zweite Methode ist die beste; sie machte Rom außerordentlich groß und erfolgreich. Die Methode der Bündnisse führt aber nicht zwingend zu einer noch weiter gehenden Territorialerweiterung. Zum einen sind die einzelnen Staaten gar nicht erpicht auf Landgewinn, da sie als Teile eines Ganzen keinen Vorteil darin sehen. Zum anderen sind durch die Dezentralisierung der Regierung häufige Beratungen zur Vorbereitung eines Krieges schwierig. Daher geben sich solche Bündnisstaaten oft mit ihrem vorhandenen Gebiet zufrieden und kümmern sich mehr um die Bewahrung und Verteidigung des Bestehenden.

Über den Krieg

Republiken ebenso wie Alleinherrscher führen Kriege, um ihr Territorium zu erweitern. Dies galt für die Römer wie auch für Alexander den Großen. Kaum hatten sie die Völker der eroberten Gebiete unterjocht und gefügig gemacht, sahen sie ihren Ehrgeiz befriedigt. Damit wurden nur die jeweils Regierenden, nicht aber das Volk vernichtet. Auch aus Not werden viele Kriege geführt. Dann ziehen ganze Völker wegen Hungers oder Unterdrückung in neue Gebiete, um dort ein Auskommen zu finden. Die eingeborene Bevölkerung wird hingemetzelt oder vertrieben. Dies widerfuhr den Römern beim Einfall der Goten und Vandalen. Sie waren es letztlich, die das römische Imperium zu Fall brachten. Häufig ergeben sich Kriege auch zufällig. So war es z. B. niemals die Absicht der Römer, gegen die Samniten, mit denen sie verbündet waren, Krieg zu führen. Als die Samniten aber die Campaner angriffen, die daraufhin bei den Römern Schutz suchten, sahen diese es als ihre Pflicht an, die Genossen zu verteidigen. Der Krieg rechtfertigt auch Mittel, die ansonsten unrühmlich sind, etwa Betrug und List. Es kann notwendig sein, den Feind zu hintergehen. Falsch ist dagegen ein Mittelweg, mit dem man sich weder Freunde macht noch Feinde besiegt.

Empfehlungen für die Herrscher von heute

Eine erfolgreiche Bevölkerungspolitik, geschickte Bündnisse und Eroberungen von Kolonien, die Unterwerfung der Feinde durch Schlachten statt durch Belagerungen, ständige militärische Übung und die kontinuierliche Mehrung staatlichen Reichtums sind es, die einen Staat groß und mächtig machen. Moderne Herrscher müssen gute Gesetze und Sitten einführen und sich intensiv um die Landesverteidigung bemühen. Dazu müssen sie ihre Waffen für die Verteidigung in Schuss und ihre Soldaten in Form halten. So tun es z. B. die deutschen Städte, die schon lange frei sind. Sie leben in Frieden miteinander, da sie wissen, dass Zwietracht bald einen mächtigen Feind auf den Plan rufen würde. Eroberungen sind nur dann sinnvoll, wenn der Staat die Mittel dazu besitzt und danach die Macht auch halten kann. Florenz und Venedig waren nach den Eroberungen der Lombardei und der Toskana viel schwächer und ärmer als vor der Ausweitung ihrer Territorien. Ein stehendes Heer ist unerlässlich. In der gegenwärtigen Praxis werden keine treuen Gefolgsleute, sondern Söldner und Hilfstruppen im Kampf eingesetzt. Diese entziehen sich jedoch der Macht des Staates, der sie anfordert. Sie gehorchen nur dem, der sie bezahlt, und wechseln manchmal mitten im Kampf die Seiten.

Zum Text

Aufbau und Stil

Der volle Titel des Werks, Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio (etwa: „Abhandlung über die ersten zehn Bücher des Titus Livius“), legt nahe, dass Machiavelli bei seinen Ausführungen den Vorgaben des römischen Geschichtsschreibers Titus Livius folgt. Die römische Geschichte galt zu Machiavellis Zeit als Lehrmeisterin der Politik. Darum war die Bezugnahme auf Livius fast unvermeidlich, hatte sich dieser doch mit der Staatsgründung Roms beschäftigt. Machiavelli kommentiert jedoch nicht einfach Livius’ erste zehn Bücher, sondern nimmt diese zum Anlass, die Epoche der römischen Republik mit der zeitgenössischen Staatsführung Italiens zu vergleichen. Die Discorsi scheinen nicht nach einem bestimmten Schema gegliedert zu sein, der Aufbau mutet mitunter unsystematisch an. Machiavelli schreibt nüchtern und sachlich. Nur ab und zu tauchen die zeittypischen umständlichen Floskeln und Wiederholungen auf. Die Lektüre setzt vertiefte Kenntnisse der römischen Geschichte voraus und ist deshalb für heutige Leser nicht einfach.

Interpretationsansätze

  • In den Discorsi zeigt sich Machiavelli als Verfechter der Republik. Er stimmt mit Titus Livius überein, der die Machtübernahme Cäsars und die anschließende Herrschaft des Augustus mit dem Verfall und der Zerstörung Roms gleichsetzte.
  • Machiavellis Misstrauen gegen die Elite ist offenkundig. Dem Volk traut er zu, ohne Partikulärinteressen zu handeln und einen Staat begründen zu können. Die besitzenden Klassen hingegen werden laut Machiavelli meist vom Egoismus getrieben.
  • Ein Schlüsselbegriff in den Discorsi ist die Tugend. Machiavelli bezeichnet damit Tapferkeit und Talent, Tüchtigkeit, Mut, Charisma und Kraft. Er verwendet den Begriff also als Gegenteil sowohl von Laster als auch von Schwäche. Tugend entsteht im Staat durch das kluge Handeln von Herrschern, Parteien und Bürgern.
  • Dieses Handeln kann für Machiavelli durchaus auch unmoralische Methoden beinhalten. Taktiken wie Lüge, Betrug oder Erpressung seien unter bestimmten Umständen unvermeidbar und mit dem Ziel (Machterhaltung, Stabilität des Staates) zu rechtfertigen.
  • Machiavelli misst dem Konflikt zwischen Adel und Bürgertum eine große Bedeutung zu. Man könnte darin ein Plädoyer für eine partizipative Parteiendemokratie sehen. Allerdings geht es Machiavelli nicht darum, dass unterschiedliche soziale Positionen repräsentiert werden, sondern um einen ständigen Reformdruck, der den Staat jung und funktionsfähig hält.
  • Machiavelli hat ein zyklisches Geschichtsbild: Aus dem Zustand der Anarchie schält sich der Staat durch das Eingreifen eines Herrschers heraus, der die einzelnen staatlichen Institutionen festlegt. Dieser Staat reift idealerweise zur Republik, in der sich alle Bürger mit dem Gemeinwesen identifizieren. Irgendwann aber destabilisiert er sich wieder, und der Verfall der Sitten führt erneut zu Verwirrung und Anarchie.
  • Der Begriff der Staatsräson geht direkt auf Machiavellis politische Philosophie zurück: Damit ist gemeint, dass das Staatsinteresse (auch als Gemeinwohl bezeichnet) stets Vorrecht vor individuellen Interessen hat.

Historischer Hintergrund

Florenz in der Hand der Medici

Das Italien des 15. Jahrhunderts war kein einheitlicher Nationalstaat, sondern ein sehr zerbrechlicher Verbund von Stadtstaaten. Florenz wurde im 15. und 16. Jahrhundert faktisch von einer Familie beherrscht, die durch schlaue Ämtervergabe ihre Macht immer weiter ausbauen konnte: die Medici. Cosimo de’ Medici, der auch „Cosimo der Alte“ genannt wurde, übernahm 1434 die Herrschaft in Florenz. Unter seinem Enkel Lorenzo entwickelte sich die Stadt zur politisch und kulturell führenden Macht in Italien. Die Medici erregten den Neid der ebenfalls sehr reichen Adelsfamilie Pazzi, die eine Verschwörung anzettelten und ein Attentat verübten, um die beiden regierenden Brüder Lorenzo I. und Giuliano I. zu beseitigen. Giuliano starb, aber Lorenzo überlebte. Lorenzos Sohn Piero II., „der Unglückliche“, suchte ab 1492 ein Bündnis mit dem Königreich Neapel und vernachlässigte die guten Beziehungen zu Mailand. Mailand rief Frankreich zu Hilfe, weil es eine politische Isolation fürchtete. Den Franzosen war das ganz recht, schließlich waren sie schon lange darauf aus, sich Neapel einzuverleiben. Der französische König Karl VIII. marschierte in Italien ein und eroberte Neapel. Das wiederum erzürnte Österreich und Spanien, sodass Italien zum Zankapfel wurde. Nach dem Einmarsch der Franzosen wurden die Medici aus Florenz verbannt und unter dem Prediger Girolamo Savonarola wurde ein „Gottesstaat“ etabliert. Mithilfe eines spanischen Heeres eroberten die Medici im Jahr 1512 die Macht zurück, nur um 1527 abermals vertrieben zu werden. Doch die Familie errang 1531 ein letztes Mal erneut die Herrschaft über die Stadt. Erst 1737 verlor sich die Linie der Medici endgültig.

Entstehung

Die Discorsi entstanden in den Jahren 1513–1517. Machiavelli befand sich zu dieser Zeit in einer Art Verbannung. Den Medici, die mithilfe spanischer Truppen die Republik in Florenz gestürzt hatten und auf diesem Weg erneut an die Macht gekommen waren, war der bisherige Staatssekretär verdächtig, weil er in der zuvor bestehenden Republik die Oberaufsicht über das Heer gehabt hatte. Er soll sogar an der Verschwörung gegen die Medici beteiligt gewesen sein. Machiavelli wurde gefoltert, seiner Ämter beraubt und aus Florenz verwiesen. Enttäuscht zog er sich auf sein Gut San Casciano in der Nähe der Stadt zurück. Zu politischer Untätigkeit verdammt, verbrachte er die Zeit im Wirtshaus, um Neuigkeiten aus der Stadt zu hören oder um mit Dorfbewohnern ein Würfelspiel zu spielen. Erst am Abend, so schrieb er seinem Freund Francesco Vettori, legte er jeweils das Bauerngewand ab, schlüpfte in seine Hoftracht und begab sich in die Säulenhalle seines Hauses. Dort hielt er „Zwiesprache“ mit den antiken Denkern und begann damit, seine politischen Schriften zu verfertigen. Die ersten Kapitel der Discorsi verfasste Machiavelli direkt nach seiner Verbannung. Dann unterbrach er die Arbeit, um den Fürst dazwischenzuschieben, bevor er sie 1514 wieder aufnahm.

Wirkungsgeschichte

Machiavelli erlebte das Erscheinen des Werks nicht mehr. Papst Clemens VII., ein illegitimer Sohn von Giuliano de’ Medici, erlaubte den Druck in der päpstlichen Druckwerkstätte vier Jahre nach dem Tod des Autors. Die Discorsi verbreiteten sich sehr schnell und wurden zusammen mit dem gleichzeitig erschienenen Buch Der Fürst breit rezipiert. Schon bald wurde Kritik an Machiavellis Politikauffassung laut. Vermutlich waren es die Jesuiten, die im Zuge der Gegenreformation die Stellung der Kirche gefährdet sahen, sollten Machiavellis Vorschläge umgesetzt werden. Sie rieten dem Papst, sämtliche Schriften des Florentiners auf den Index zu setzen, was Paul IV. 1559 tat; das Konzil zu Trient bestätigte fünf Jahre später die Verfemung. Machiavelli wurde etwas Dämonisches angedichtet, wohl aufgrund seiner spitzen Formulierungen gegen das Christentum.

Doch wie bei allen verbotenen Büchern förderte die Ächtung die Verbreitung des Werks. Zugleich wurde der Autor immer wieder zum Ziel wüster Beschimpfungen. Einen Höhepunkt erreichte der Antimachiavellismus mit dem Buch Antimachiavell, das der preußische Kronprinz Friedrich II. (Friedrich der Große) 1739 verfasst hatte und zur Edition an Voltaire weiterleitete. Und dies, obwohl Friedrich einige von Machiavellis politischen Ratschlägen selbst anwandte. Im angelsächsischen Raum beurteilte man Machiavelli positiver: Hier wurden seine Schriften in ihrer Gesamtheit gesehen, und neben der sonst überbetonten politischen Skrupellosigkeit nahm man auch Machiavellis Bemühen um die Republik zur Kenntnis. Trotzdem galt Machiavelli bis ins 19. Jahrhundert in politischen Kreisen als Aufrührer und Revolutionär. Im italienischen Faschismus unter Benito Mussolini wurde ihm eine regelrechte Heldenverehrung zuteil. Natürlich stieg die Bereitschaft, sich objektiv mit seinem Werk zu befassen, damit nicht gerade. Erst seit dem Zweiten Weltkrieg versucht man, es in seinem historischen Kontext zu sehen.

Über den Autor

Niccolò Machiavelli wird 1469 in Florenz geboren. Seine Familie hat einen guten Namen, ist jedoch nicht sehr einflussreich. Die Machiavelli gehören zu einem alteingesessenen Patriziergeschlecht. Niccolòs Vater ist ein angesehener Jurist. Mit knapp 30 Jahren beginnt Machiavelli seine politische Karriere im Dienst der Regierung. 1498 wird er zum Zweiten Staatssekretär der Republik Florenz berufen. Sein Arbeitsgebiet sind diplomatische Beziehungen und – im Kriegsfall – die Oberaufsicht über militärische Operationen. Er besucht die italienischen Höfe, den Heiligen Stuhl, aber auch den deutschen Kaiser und den französischen König. Dabei studiert Machiavelli die Handlungsweisen der Herrscher sehr genau. Er setzt sich für die Einrichtung einer Bürgermiliz in Florenz ein und erhält 1503 den Auftrag, ein Heer aufzustellen, das allerdings 1512 von der spanischen Armee überrannt wird. Im gleichen Jahr kommt in Florenz die mächtige Familie Medici zum wiederholten Mal an die Macht, nachdem sie mehrere Jahre im Exil leben musste. Die Republik wird gestürzt. Da Machiavelli die Miliz geleitet hat, zieht er sich das Misstrauen der neuen Herren zu: Von einem Tag auf den anderen wird er entlassen und sogar gefoltert, weil er einer Verschwörung verdächtigt wird. Nach seiner Entlassung zieht er sich auf sein Gut in der Nähe von Florenz zurück. Hier beginnt seine Schaffensperiode als Autor mit den politischen Schriften Der Fürst, Discorsi und Die Kunst des Krieges sowie einer Geschichte von Florenz. Außerdem entstehen ein historischer Roman über einen italienischen Politiker, Gedichte und Dramen. Machiavelli gelingt es nicht, die Gunst der Familie Medici erneut zu gewinnen. Zeitlebens kann er seine alte Stellung nicht wieder zurückerlangen, sondern wird nur mit niederen Aufgaben betraut. Er stirbt verarmt am 21. Juni 1527 in Florenz.


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