Rezension von Ein anderer Kapitalismus ist machbar

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Ein anderer Kapitalismus ist machbar Buchzusammenfassung
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Bewertung

9

Qualitäten

  • Praktische Beispiele
  • Insiderwissen
  • Inspirierend

Rezension

Der Kapitalismus scheint den grundlegenden Problemen der Gegenwart – vom Klimawandel bis zur wachsenden Ungleichheit – immer weniger gewachsen zu sein. Mit dieser Diagnose steht Muhammad Yunus, Gründer der Grameen Bank und Erfinder des Mikrokredits, nicht allein da. Fraglich ist allerdings, ob die Rezepte des Nobelpreisträgers tatsächlich das Allheilmittel sind. Yunus erzählt in seinem Buch zahlreiche Erfolgsgeschichten aus der Welt des Social Business und legt überzeugend dar, wie ein anderer Kapitalismus aussehen könnte.

Über den Autor

Muhammad Yunus studierte an der Dhaka University in Bangladesch und promovierte an der Vanderbilt University (USA). Er ist Gründer der Grameen Bank. Yunus und die Grameen Bank wurden 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

 

Der real existierende Kapitalismus ist gescheitert.

2010 besaßen die 388 reichsten Menschen der Erde mehr als die ärmere Hälfte der Menschheit, also mehr als ungefähr 3,3 Milliarden Menschen. Wenige Jahre später waren es nur noch acht Personen. In den USA besitzen die 0,1 Prozent der reichsten US-Bürger so viel wie die untersten 90 Prozent der amerikanischen Bevölkerung. Der Wirtschaftswissenschaftler und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus führt diese Zahlen an, um zu belegen, dass der Kapitalismus – das angeblich alternativlose, weltweit dominierende Wirtschaftssystem – versagt hat. Sein wesentliches Versprechen, dass nämlich die berühmte „unsichtbare Hand“ des freien Marktes dafür sorgt, dass alle am Wohlstand teilhaben, werde nicht eingehalten. Stattdessen werden die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher. Der Reichtum konzentriert sich zudem in einer nie da gewesenen Weise in den Händen von immer weniger Menschen – und das nicht nur innerhalb der Länder selbst, sondern auch in der Welt. Eine Handvoll reicher Industrienationen des globalen Nordens steht einer Vielzahl von Habenichtsen im globalen Süden gegenüber.

Das Versagen des Kapitalismus basiert auf einem falschen Menschenbild.

Yunus sieht den Grund für diese Entwicklung nicht im moralischen Versagen der Reichen: „Ich glaube nicht, dass reiche Menschen reich geworden sind, weil sie schlechte Menschen sind“. Dagegen sprechen für ihn die großen Summen, die reiche Menschen für wohltätige Zwecke spenden, und die steuerlich finanzierten Sozialausgaben. Der Autor sieht die Tendenz, der Konzentration von Reichtum massiv Vorschub zu leisten, als Systemfehler des Kapitalismus. Die Lösung ist für ihn deshalb nicht, was Thomas Piketty in seinem Bestseller Das Kapital im 21. Jahrhundert vorgeschlagen hat, nämlich die progressive Besteuerung des Reichtums. Yunus meint, dass nur ein Systemwechsel, eine neue Form des Wirtschaftens, die Probleme wirklich lösen kann. Alte Strategien, wie die steuerliche Umverteilung oder das Spenden für wohltätige Zwecke, sind für ihn nicht effektiv.


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