Zusammenfassung von Ein Bruderzwist in Habsburg

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Ein Bruderzwist in Habsburg Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Drama
  • Biedermeier

Worum es geht

Untergang eines Kaisers

Franz Grillparzer hat mit seinem vielschichtigen Drama Ein Bruderzwist in Habsburg einer ganzen Dynastie ein Denkmal gesetzt – im Guten wie im Schlechten. Was sich heutzutage an Eindrücken, Ahnungen oder Urteilen über die österreichischen Herrscher aus dem Hause Habsburg im Umlauf befindet, trifft der Leser auch in Grillparzers Drama an. Die Nachwelt hat ihr Bild einer so kunstsinnigen wie hinterhältigen, skrupellosen wie unglücklichen Herrscherfamilie zu einem großen Teil ihm zu verdanken. Der Handlungsverlauf ist eine geniale Komposition historischer Fakten. Meisterhaft versteht es Grillparzer, ganz unterschiedliche Facetten der Geschichte Österreichs zu einem gewaltigen Stück Weltliteratur zusammenzufügen. Die Rolle des Autors war ebenfalls nicht frei von Tragik: Die bürgerliche Revolution von 1848/49, in deren Wirren Grillparzer sein wichtigstes Drama vollendete, war für ihn als Konservativen eine echte Zumutung. So nahm er die aufrührerische Lage zum Anlass, den Zuschauer in seinem Stück über Aufstieg und Niedergang eines Kaisers nicht nur in menschliche, sondern auch in geschichtliche Abgründe blicken zu lassen.

Take-aways

  • Ein Bruderzwist in Habsburg ist ein historisches Drama mit zahlreichen Verweisen auf die österreichische Geschichte.
  • Inhalt: Kaiser Rudolf regiert im Österreich des frühen 17. Jahrhunderts. Von außen durch die Türken, im Innern durch den Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten unter Druck gesetzt, versucht der greise Kaiser vergeblich, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Indem er zaudert, aktiv in die Politik und damit in die göttliche Ordnung einzugreifen, ermöglicht er seinem Bruder, die Macht an sich zu reißen.
  • Hauptthema des Stücks ist die Unversöhnlichkeit der Gegensätze, vor allem des Gegensatzes von Aktionismus und Passivität.
  • In die Schilderung der Aufstände vor dem Dreißigjährigen Krieg hat Grillparzer wohl seine Erinnerungen an die österreichische Revolution von 1848/49 einfließen lassen.
  • Mit seinen detaillierten Charakterstudien beleuchtet Grillparzer auch die psychologischen Zusammenhänge hinter den historischen Ereignissen.
  • Im Bruderzwist kommt Grillparzers pessimistisches und konservatives Menschenbild zum Ausdruck.
  • Das Drama war ein durchschlagender Erfolg. Bis heute gilt Grillparzer deshalb als Nationaldichter Österreichs.
  • Das Stück wurde ein halbes Jahr nach Grillparzers Tod 1872 uraufgeführt.
  • Der Bruderzwist prägte das Bild der Habsburgermonarchie nachhaltig.
  • Zitat: „Doch wenn es wahr, daß Gott die Kronen gibt, / Geziemt es Gott allein nur sie zu nehmen, / Sie abzulegen, selbst, auch ziemt sich nicht.“
 

Über den Autor

Franz Grillparzer wird am 15. Januar 1791 in Wien geboren. Die Kälte und Unzugänglichkeit des Vaters, eines Advokaten, setzen dem jungen Grillparzer zu. Die Mutter dagegen ist von warmherzigem und musischem Naturell. Als der Vater 1809 stirbt, muss Grillparzer für sie und seine drei Brüder sorgen. Neben seinem Jurastudium verdingt er sich als Privatlehrer und später als Praktikant in der Wiener Hofbibliothek, woraus sich eine Anstellung im Finanzministerium ergibt. Außerdem dichtet er, unter anderem angeregt von den Dramen Friedrich Schillers. Sein erstes Stück wird 1810 zurückgewiesen; noch lange danach scheut er, von tiefen Selbstzweifeln geplagt, die literarische Öffentlichkeit, schreibt aber unablässig an weiteren Werken. Vorwiegend sind es Dramen. Erst 1817 gelingt ihm mit dem Drama Die Ahnfrau der Durchbruch. Die Uraufführung im Theater an der Wien macht ihn schlagartig berühmt. Mit Sappho und der Trilogie Das goldene Vlies gelingen ihm weitere Erfolge. Grillparzer wird Hofdichter des Habsburger Kaiserhauses, mag allerdings die Karriere als Beamter nicht aufgeben und bleibt daher zeitlebens zwischen den Anforderungen des Staatsdiensts und denen der Dichtkunst hin- und hergerissen. Auch zwischen den großen historischen Strömungen seiner Zeit, Revolution und Restauration, findet er nie einen eindeutigen Standpunkt. Mithin wird er von seinen freiheitlich gesinnten Zeitgenossen als duckmäuserischer Staatsschriftsteller angefeindet, sieht sich aber zugleich immer wieder selbst von Zensur bedroht. Neben dem Schreiben pflegt Grillparzer im Privaten seine musikalische Ader, spielt Klavier und komponiert. 1856 ernennt ihn Kaiser Franz Joseph für seine dichterischen Verdienste zum Hofrat, 1861 beruft er ihn auf Lebenszeit in den Reichsrat. Grillparzer, der mit Ehren überhäufte Nationaldichter Österreichs, stirbt am 21. Januar 1872.

 

Zusammenfassung

Ein Befreiungsversuch

Die Prager Stadtwache führt den verhafteten Feldmarschall Rußworm ab. Don Cäsar, der Sohn von Kaiser Rudolf II., stellt sich der Gruppe mit seinen Begleitern in den Weg und fordert die Freilassung des Verhafteten. Er wird abgewiesen, es kommt zum Disput. Feldmarschall Rußworm beschwichtigt Don Cäsar und bekennt sich schuldig, einen Mann namens Belgiojoso ermordet zu haben. Angesichts seiner militärischen Verdienste rechnet er sich aber Chancen auf ein mildes Urteil aus. Don Cäsar verspricht ihm seine Solidarität und bekräftigt seinen Abscheu gegen Belgiojoso, der Don Cäsars Rivale um die Gunst der Bürgerstochter Lukrezia war. Rußworm verweigert sich der Befreiungsversuch. Lieber stellt er sich dem Gericht. Eine Menschenmenge bildet sich. Don Cäsar entdeckt darin Lukrezia und ihren Vater Prokop. Er beschimpft Lukrezia als Heuchlerin, worauf Vater und Tochter sich rasch wieder entfernen. Don Cäsar entschuldigt sich bei Rußworm für den Zwischenfall und verspricht, sich beim Kaiser für ihn einzusetzen.

Die Leiden des Kaisers Rudolf

Erzherzog Mathias, der Bruder des Kaisers, ist nach einem Versuch, in den Niederlanden als Rebellenführer den Konflikt zwischen Wien und Madrid anzuheizen, ins kaiserliche Schloss zurückgekehrt. Dort will er Kaiser Rudolf bitten, ihn als Herrscher über Steyr einzusetzen, damit er sich dort zur Ruhe setzen kann. Der Bischof Melchior Klesel aber überredet Mathias, den Kaiser stattdessen um ein militärisches Kommando in Ungarn zu bitten. Don Cäsar betritt das Schloss. Nachdem Mathias und Klesel vom Kaiser des Raumes verwiesen wurden, bittet Don Cäsar seinen Vater um Gnade für den Feldmarschall Rußworm. Ein Streit entbrennt. Der Kaiser wirft Don Cäsar einen lasterhaften Lebensstil vor. Dieser gibt an, von Lukrezia betrogen worden zu sein. Der Kaiser wird immer ungehaltener und fordert von den Wachen die Verhaftung Don Cäsars, doch ein Schwächeanfall des Herrschers verhindert dies.

„Und wenn der Rußworm / In Zornesglut sich allzuweit vergaß, / So denkt: derselbe Zorn, der hier den Gegner schlug, / Gewann Euch auch in Ungarn zwanzig Schlachten.“ (Don Cäsar, S. 13)

Erzherzog Ferdinand, ein Neffe des Kaisers, tritt ein. Kaiser Rudolf klagt ihm sein Leid und erzählt vom Streit mit Don Cäsar. Ferdinand informiert den Kaiser über die Absicht des Erzherzogs Mathias, in Ungarn ein Kommando übernehmen zu wollen. Außerdem berichtet er dem Kaiser, er habe die Bevölkerung von Steyr, Krain und Kärnten gewaltsam zum rechten Glauben bekehrt. Der Kaiser ist von seiner Skrupellosigkeit unangenehm berührt, lädt Ferdinand aber dennoch ein, eine Weile in Prag zu bleiben.

Im Feld

Im kaiserlichen Feldlager trifft ein Trupp Versprengter von der Front ein. Ein Hauptmann empfängt sie misstrauisch. Die Stimmung ist schlecht, man verdächtigt die Protestanten, gemeinsame Sache mit den anrückenden Türken zu machen. Zudem ist Erzherzog Mathias im Schlachtengetümmel verloren gegangen. Musik ertönt, die Soldaten beginnen zu tanzen und zu trinken. Bischof Klesel kommt hinzu und zeigt sich bestürzt über die Verhältnisse. Er unterhält sich mit Oberst Ramee über den Verbleib des Erzherzogs Mathias. Währenddessen tauschen einige Soldaten Gerüchte aus: Angeblich plant Don Cäsar einen Anschlag und sucht dafür Komplizen. Ferdinand und die Erzherzoge Leopold und Maximilian erreichen das Lager. Plötzlich erscheint auch Erzherzog Mathias.

„Die Zeit kann ich nicht bänd’gen, aber ihn, / Ihn will ich bänd’gen, hilft der gnäd’ge Gott.“ (Rudolf über Don Cäsar, S. 17)

Mathias wird von seinen Soldaten begeistert empfangen. Er schildert Details der Schlacht und zeigt sich zuversichtlich, die Türken besiegen zu können. Klesel wendet jedoch ein, dass die anderen Erzherzoge auf einen Friedensschluss aus seien, und versucht, Mathias zu bewegen, ebenfalls einem Frieden zuzustimmen. Er verweist auf den strategischen Vorteil, den beide Seiten aus einem solchen Abkommen ziehen könnten. Aber Mathias zeigt sich unbeirrbar. Er fordert eine konsequente Fortsetzung der Kämpfe. Maximilian betrachtet die Lage als aussichtslos, will allerdings nicht, dass diese Meinung protokolliert wird. Ferdinand wiederum schlägt einen Waffenstillstand vor. Man einigt sich darauf, dem Gesandten der Gegenseite ein entsprechendes Angebot zu unterbreiten. Auch Erzherzog Mathias trägt diesen Entschluss mit, betont aber, sich lediglich der Mehrheit zu beugen. Nachdem ein Bote aufgebrochen ist, entbrennt eine Diskussion über die Zustimmung des Kaisers. Da zieht Klesel eine Blankovollmacht aus dem Mantel. Die Erzherzoge Leopold, Maximilian und Ferdinand bestimmen, dass Mathias als der Älteste von ihnen der kaiserliche Bevollmächtigte sein soll. Klesel trägt dessen Namen im Dokument ein.

Intrige

Ganz in der Nähe des kaiserlichen Lagers begegnen die fortreitenden Erzherzoge Ferdinand und Leopold Lukrezia und ihrem Vater. Diese wollen zum Heerlager, um Don Cäsar zu entgehen. In unmittelbarer Nähe greifen Ramee und seine Begleiter Don Cäsar auf und verhaften ihn im Auftrag des Kaisers. Don Cäsar bittet um seine Freilassung, doch Erzherzog Ferdinand kündigt an, ihn dem Kaiser überstellen zu wollen. Während des Weiterreitens tauschen sich die beiden Erzherzoge über die Lage aus. Leopold deutet an, mit dem von ihm angestrebten Kommando über das Passauer Heer noch ein Ass im Ärmel zu haben.

Glaubenskrise

Herzog Julius von Braunschweig erscheint im kaiserlichen Schloss. Kaiser Rudolf gesteht ihm seine Zweifel am Fortbestand der staatlichen Ordnung. Sie kommen auf den Krieg gegen die Türken zu sprechen. Der Kaiser lehnt Krieg grundsätzlich ab, erkennt im Türkenkrieg jedoch auch eine positiv Seite: Er könnte theoretisch den Konflikt zwischen den verfeindeten Katholiken und Protestanten etwas entschärfen. Kaiser Rudolf weist auf den göttlichen Bezug der staatlichen Ordnung hin. Er sieht die aktuelle Entwicklung als Niedergang und als Abfall vom Glauben. Julius warnt den Kaiser vor dessen Bruder Mathias: Dieser habe eigenmächtig mit den Türken Frieden geschlossen und sich damit über den Kaiser gestellt.

„Glaubst du, es gäb’ ein Sandkorn in der Welt, / Das nicht gebunden an die ew’ge Kette / Von Wirksamkeit, von Einfluß und Erfolg?“ (Rudolf zu Ferdinand, S. 18)

Herzog Julius versichert dem Kaiser, er sei zwar Protestant, aber dennoch der Monarchie gegenüber loyal. Er erwähnt ein Versprechen der Türken, Mathias die ungarische Krone anzutragen. Zudem warnt er den Kaiser vor den unzuverlässigen Böhmen. Doch Kaiser Rudolf wiegelt ab und klagt, er sei all der Mahnungen und Warnungen überdrüssig. Der Herzog äußert dennoch seine Befürchtung, es könne zu einem Aufstand kommen. Schließlich erwähnt er, Don Cäsar sei verhaftet worden und warte im Vorraum.

„Ein Krieger ficht wohl, weiß er gegen wen, / Doch wo nicht Ordnung, Kundschaft und Befehl, / Wehrt er sich seiner Haut und weiter nichts.“ (ein Fahnenträger, S. 23)

Dann tritt Prokop ein. Kaiser Rudolf begrüßt ihn und sichert ihm und seiner Tochter Schutz vor Don Cäsar zu. Prokop bezeugt, dass Mathias von den Ungarn zum König ernannt worden sei. Die protestantische Bevölkerung habe sich daraufhin ihm zugewendet. Kaiser Rudolf erkundigt sich bei Prokop nach Bischof Klesel und erfährt, dass dieser Mathias nahestehe. Kurz darauf erreicht den Kaiser die Nachricht, die Prager Bevölkerung bereite den Aufstand vor. Zeitgleich haben sich im Schloss die Vertreter der böhmischen Stände eingefunden, um mit Rudolf zu sprechen. Der Kaiser wird unruhig, er betet zu Gott, klagt über die schwere Bürde, die ihm diese Zeit auferlege, bekräftigt aber auch seinen Willen, als Kaiser den göttlichen Geboten Ausdruck zu verleihen.

Konfrontation

Kaiser Rudolf lässt die Stände vorsprechen. Ihr Wortführer Graf Schlick zeigt sich besorgt über die Unruhe im Land und spricht den Wunsch des Volkes nach Meinungs- und Glaubensfreiheit an. Der Kaiser reagiert gereizt, ist aber zu einem Kompromiss bereit: Nach einer Befriedung der Zustände will er dem Volk großzügigere Rechte einräumen. Die Stände aber fürchten den Einfluss von Rom und Madrid. Kaiser Rudolf wird ungehalten, geht in die Offensive und stimmt zu, ein von den Ständen ausgefertigtes Dokument, das dem Volk Glaubensfreiheit zusichert, wenigstens durchzulesen. Schließlich beteuern die Stände, auf dem Boden der Heiligen Schrift zu stehen. Daraufhin unterzeichnet Kaiser Rudolf das Dokument.

„Der König ist dahin. / Ich geb ihn auf. Allein das Königtum / Möcht’ ich der Welt erhalten, der’s vonnöten.“ (Rudolf, S. 82)

Kurz darauf ertönt Kanonendonner. Mathias’ Truppen marschieren auf die Stadt. Die Standesvertreter ziehen die Schwerter und schwören dem Kaiser Treue. Kaiser Rudolf wünscht den Männern göttlichen Beistand. Bald haben alle bis auf Herzog Julius den Saal verlassen. Ihm offenbart Kaiser Rudolf schließlich, dass er sich an den Verrätern rächen will. Erzherzog Leopold taucht auf und möchte dem Kaiser seine Hilfe anbieten. Dieser flieht zuerst vor ihm in ein Nebenzimmer, lässt ihn dann aber vor und willigt in Leopolds Plan ein, das Heer in Passau zur kaiserlichen Verteidigung zu aktivieren. Leopold verlässt die Stadt. Herzog Julius versucht vergeblich, den Kaiser umzustimmen.

Heimsuchung

Die Passauer Armee marschiert in Prag ein. Prokop lässt Lukrezia zurück und schließt sich den Verteidigern der Stadt an. Don Cäsar wird aus der Haft befreit und nähert sich Prokops Haus, wo er auf Lukrezia trifft. Er beteuert seine Friedfertigkeit und verlangt eine Erklärung. Seine Liebe sei zwar erloschen, aber die Frage nach Lukrezias Verhältnis zu Belgiojoso beschäftigt ihn noch immer. Lukrezia beteuert, kein Verhältnis mit Belgiojoso gehabt zu haben. Er sei vielmehr ein Freund ihres Vaters gewesen. Don Cäsar berichtet, Rußworm sei ungerechterweise enthauptet worden, obwohl er Belgiojoso nicht auf Don Cäsars Geheiß, sondern im Duell getötet habe. Lukrezia beteuert erneut, sie habe Belgiojoso nicht geliebt. Doch Don Cäsar entdeckt ein Bild von ihm an der Wand und stellt sie zur Rede. Lukrezia versucht ihn zu beschwichtigen und sagt, dass ihr Vater das Bild aufgehängt habe. Don Cäsar fährt fort, sie zu beschuldigen. Als sie flüchten will, zieht Don Cäsar seine Pistole und schießt Lukrezia nieder. Nun betritt Prokop mit Soldaten das Haus. Don Cäsar wird erneut verhaftet. Er fragt nach einem Richter, worauf ein Hauptmann erklärt, die Stadt sei gerettet und damit seien auch Recht und Ordnung wiederhergestellt. Prokop hofft inzwischen, dass Lukrezia noch gerettet werden kann.

Zwischenfall und Abdankung

Don Cäsar wird in den Schlosskerker gesperrt. Im Garten des Schlosses begegnen sich Kaiser Rudolf und Herzog Julius. Während sie sich unterhalten, tritt ein Diener hinzu und teilt ihnen mit, Don Cäsars Gesundheitszustand sei überaus kritisch: Wegen seiner Wutanfälle wurde er zur Ader gelassen und er hat sich, als er allein war, die Verbände von den Armen gerissen. Nun droht er zu verbluten. Der Kaiser erfährt erst jetzt von Don Cäsars Inhaftierung. Herzog Julius zieht den Schlüssel zum Kerker hervor, den er zuvor von Graf Schlick erhalten hat. Der Kaiser nimmt den Schlüssel an sich und wirft ihn in einen Brunnen.

„Was sprechen sie von Krieg und dreißig Jahren? / Ich werd es nicht erleben. Glück genug.“ (Mathias, S. 99)

Zurück in den Gemächern sinniert Kaiser Rudolf über sein Leben. Er ist enttäuscht von seinem Bruder, der nach der Krone trachtet; noch mehr aber von den Ständen, die die Seiten gewechselt und ihn in der Burg eingeschlossen haben. Die Erzherzoge Maximilian und Ferdinand erscheinen. Kaiser Rudolf erklärt, dass er auf die Krone verzichtet. Allerdings möchte er die Monarchie erhalten. Dann bricht er zusammen. Der Kämmerer alarmiert die Ärzte. Herzog Julius resümiert das Schicksal des Kaisers.

Tod und Kriegsbeginn

In Wien streiten Bischof Klesel und Erzherzog Ferdinand. Ferdinand glaubt inzwischen, dass Rudolf besser fürs Volk gewesen wäre als Mathias, und bereut, dass er sich von Klesel hat beeinflussen lassen. Er fürchtet, dass sich die Spaltung zwischen Katholiken und Protestanten unter Mathias weiter verschärfen könnte und untermauert nun seinen Anspruch, böhmischer König zu werden. Er bereitet sich auf das Ende des Kaisers vor und plant die Übernahme der Macht. Unter einem Vorwand schickt er Klesel nach Kufstein, um ungestört mit Rudolf sprechen zu können. Nun erscheint Oberst Wallenstein. Er kommt vom kaiserlichen Schloss in Prag und berichtet über den sich ausbreitenden Aufstand. Wallenstein hat bereits Gegenmaßnahmen ergriffen und auch Ferdinand zeigt sich kampfesmutig.

„Mea culpa, mea culpa / Mea maxima culpa“ (Mathias, S. 100)

Erzherzog Mathias tritt auf, bemerkt die anrückenden Soldaten und stellt Ferdinand zur Rede. Dieser erklärt sein Vorhaben, Truppen gegen die Aufständischen zusammenziehen zu wollen. Dann erreicht Herzog Julius das Wiener Schloss und verkündet den Tod des Kaisers. Er legt die Insignien auf einen Tisch und geht wieder. Ferdinand schwört Rache und prophezeit, der Feldzug werde nicht lange dauern. Wallenstein mutmaßt aber, daraus werde ein dreißigjähriger Krieg. Mathias zeigt sich als neuer Kaiser auf dem Balkon dem Volk. Während er von der Menge bejubelt wird, macht er sich Vorwürfe und gesteht sich seine Schuld ein. Kaum Kaiser geworden, erkennt er, dass er genauso machtlos ist, wie es Rudolf war.

Zum Text

Aufbau und Stil

Franz Grillparzers Drama Ein Bruderzwist in Habsburg ist ein sprachlich sehr dichtes Werk. Es lebt von detaillierten Charakterstudien der Vertreter der Habsburgermonarchie, Kaiser Rudolfs und seiner Brüder und Neffen. Damit legt Grillparzer den Schwerpunkt auf die psychologischen Aspekte hinter den historischen Ereignissen. Er verzichtet auf einen wesentlichen Punkt der Gattung Drama: Eine wirkliche Steigerung im Verlauf des Stücks fehlt. Gleichzeitig ist das Drama traditionell konstruiert: Der Text ist in fünf Aufzüge gegliedert, die Redesituationen sind übersichtlich aufgebaut, der fünffüßige Jambus bildet die metrische Grundlage. Zudem ist eine Orientierung am antiken Vorbild des Familiendramas erkennbar. Abweichend von der klassischen Tradition spart Grillparzer mit pathetischen Ausschmückungen und stellt stattdessen ausführlich die inneren Zustände der Figuren dar. Die Vielzahl historischer Andeutungen verlangt dem Leser einiges ab, ist aber gerade für geschichtlich Interessierte interessant.

Interpretationsansätze

  • In der Figur Kaisers Rudolfs zeigt sich das Paradox des handelnden Nichthandelns: Als Mensch will Rudolf jedes Handeln vermeiden, um sich nicht des Eingriffs in die göttliche Ordnung der Monarchie schuldig zu machen. Als Kaiser allerdings gefährdet er gerade dadurch den deren Fortbestand: Indem er nicht handelt, führt er das Reich in die Katastrophe.
  • Besonders deutlich wird dieses Dilemma im Konflikt zwischen den Herzögen und dem Kaiser: Die Herzöge begreifen sich als Handelnde. Sie verkörpern das autonome Subjekt, das den Lauf der Geschichte mitgestalten kann. Der Kaiser hingegen begreift sich und sein Amt als Repräsentation von etwas immer Gültigen, das von jeder Kritik grundsätzlich befreit ist.
  • Don Cäsar ist ein typischer Vertreter der Moderne. Mit seinem ichbezogenen Handeln – er folgt bedingungslos seinen Leidenschaften – stellt er das Selbstbewusstsein des Individuums der sozialen Konvention entgegen. Grillparzer selbst misstraute einer solchen Haltung. Indem er Rudolfs moralische Prinzipien mit der Nebenhandlung um den lasterhaften Don Cäsar kontrastierte, unterstrich er die Sittlichkeit des Kaisers.
  • Das Drama endet am Vorabend des Dreißigjährigen Kriegs und damit im Pessimismus: Weder die bewusst handelnden Herzöge noch der zwar ahnende, aber abwartende Kaiser können das drohende Unheil abwenden. Beide Verhaltensmuster führen ins Verderben.
  • Mit dem Auftritt Wallensteins am Ende des Stücks deutet Grillparzer an, wie sich die Handlung weiterentwickeln wird. Zugleich kann sein Stück auf diese Weise als Vorläufer zu Friedrich Schillers Wallenstein-Trilogie verstanden werden.
  • In Grillparzers Darstellung der Ereignisse zeigt sich seine konservative Haltung: Die Unruhen im Stück erinnern an die österreichische Revolution von 1848/49, die Grillparzer miterlebt hatte. Sie werden nicht nur als Gefahr für die Monarchie erkannt, sondern stehen auch für eine Zersetzung des friedlichen Zusammenlebens. Die Revolution kann im Stück als Auslöser des Dreißigjährigen Kriegs verstanden werden, womit Grillparzer indirekt die sozialen und nationalen Bewegungen des Revolutionsjahres dämonisiert.

Historischer Hintergrund

Das Kaisertum Österreich um 1848

Im Jahr 1804 gründete der Erzherzog Franz von Österreich das Kaisertum Österreich, ein Staatsgebilde, welches rund 60 Jahre Bestand hatte und einen Abschnitt in der Geschichte der Habsburgermonarchie darstellt. Nachdem Napoleon zurückgedrängt worden und Mitteleuropa durch den Wiener Kongress neu geordnet worden war, wurde das Kaisertum Österreich 1815 Bestandteil des Deutschen Bundes.

Es folgten die Jahre der Restauration, in denen insbesondere Staatskanzler Metternich eine rigide Ordnungspolitik betrieb. Sie zielte auf den unbedingten Erhalt der monarchischen Regentschaft ab und bediente sich dazu eines repressiven Staatsapparats. Die Zensur war allgegenwärtig und erschwerte nicht zuletzt Künstlern die Ausübung ihres Berufs. Mit dem Biedermeier brachte die Phase der Restauration eine eigene, auf das Private und die Idylle ausgerichtete Kunstform hervor. Zusammen mit Russland und Preußen bildete das Kaisertum in jenen Jahren die sogenannte Heilige Allianz.

Mit der Revolution von 1848/49 änderten sich die Verhältnisse schlagartig: Metternich wurde vertrieben und der greise Kaiser Ferdinand I. durch den erst 18-jährigen Franz Joseph abgelöst. Überall in Österreich kam es zu Aufständen. In den Wirren der Jahre 1848/49 fanden kurzzeitig wesentliche politische Veränderungen statt. So hob der vor der Absetzung stehende Kaiser die Zensur auf und gewährte eine weitreichende Pressefreiheit – was aber mit der Niederschlagung der Revolution noch im gleichen Jahr wieder rückgängig gemacht wurde. Das Kaisertum Österreich existierte noch bis 1867. Nachdem das österreichische Heer ein Jahr zuvor dem Rivalen Preußen unterlegen war, büßte das Land seine Vormachtstellung innerhalb des Deutschen Bundes ein und willigte – politisch stark geschwächt – in eine Doppelmonarchie mit Ungarn ein.

Entstehung

Franz Grillparzer schrieb den Bruderzwist zu großen Teilen 1848 nieder. Dieser Arbeit waren intensive Studien historischer Stoffe vorangegangen: Bereits in den Jahren 1825/26 schloss er erste umfangreiche Vorarbeiten ab, denen er einen Gesamtplan folgen ließ. Grillparzer führte fortan akribisch Buch über die zahlreichen Sekundärtexte, die er bis zum Abschluss des Dramas verwertete. Die Fertigstellung des Dramas 1848 war lediglich eine vorläufige: In den beiden folgenden Jahrzehnten nahm Grillparzer immer wieder Änderungen am Manuskript vor.

Grillparzer schrieb den Bruderzwist in einer politisch und kulturell schwierigen Zeit. Die maßgebliche Forderung der Politik an die Kunst war, Kritik und Konflikte zu vermeiden. Wie die Herrscher sollten auch die Bürger nur mit äußerster Vorsicht handeln und dabei verstärkt auf die Traditionen Rücksicht nehmen. Hinzu kam bei Grillparzer eine grundsätzliche Skepsis gegenüber Auftritten in der Öffentlichkeit. Nachdem sein Lustspiel Wehe dem, der lügt! 1838 beim Wiener Theaterpublikum durchgefallen war, zog er sich ins Privatleben zurück.

Die Uraufführung des Bruderzwists fand am 24. September 1872 am Wiener Stadttheater statt. Vier Tage später kam es zu einer als direkte Konkurrenzveranstaltung geplanten und durchgeführten Aufführung am Wiener Burgtheater. Franz Grillparzer erlebte die Inszenierungen nicht mehr mit, da er am 21. Januar verstorben war.

Wirkungsgeschichte

Mit Grillparzers Abkehr vom Theaterrummel stieg seine Popularität. Nicht zuletzt dank der erfolgreichen Uraufführung des Bruderzwists setzte in der Folgezeit eine anhaltende Verehrung seiner Person ein. Er galt fortan als Nationaldichter Österreichs. Neben der Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Wien erhielt er zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter auch viele Ehrendoktorwürden ausländischer Universitäten.

Die Nachwelt würdigte den Bruderzwist für seinen hohen Gehalt an historischen Fakten. Berühmt wurde die Einschätzung Hugo von Hofmannsthals, dass es sich bei dem Drama um die „bedeutendste historisch-politische Tragödie der Deutschen“ handle.

Verfechter einer konstitutionellen Monarchie im 19. Jahrhundert schätzten das Werk als zwar kritisches, aber in letzter Instanz die Monarchie bejahendes Kunstwerk von hohem Rang. Zudem diente das Stück zahlreichen Lesern und Theatergängern zur ästhetischen Verklärung der Habsburgerdynastie, unter Vernachlässigung der tatsächlichen historischen Umstände. Die moderne Literaturwissenschaft wiederum kritisierte den Bruderzwist mitunter für seine konservativen Wertvorstellungen.


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