Zusammenfassung von Garp und wie er die Welt sah

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Garp und wie er die Welt sah Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Gesellschaftsroman
  • Gegenwartsliteratur

Worum es geht

Eine Welt voller Außenseiter

T. S. Garp kommt zur Welt, weil seine Mutter ein Kind, aber keinen Mann wollte. Schon das macht Garp zum Außenseiter – und er wird einer bleiben. John Irving inszeniert die Lebensgeschichte des Schriftstellers mit einer Fülle von Figuren und Themen, die in den 1970er-Jahren zumindest exzentrisch gewirkt haben müssen. Heute erscheint der Roman erstaunlich modern. Der neugierige und empathische Blick auf die Außenseiter, die im Dunstkreis der Titelfigur zu einer Familie zusammenwachsen, hat nichts von seiner Wirkkraft verloren. Die Botschaft des Romans ist universell und zeitlos: Empathie und Humor sind nicht nur die wichtigsten Werkzeuge eines Schriftstellers, sondern das höchste Gut in einer verrückten, allzu vergänglichen Welt. Im Vorwort zur Neuauflage des Romans 40 Jahre nach Erscheinen schreibt John Irving, es sei eine Schande, dass Garp noch immer relevant sei und sexuelle Intoleranz weiterhin toleriert werde. Das ist wahr, aber umso wichtiger ist es, dass Literatur wie diese weiter gelesen wird. Zum Glück fällt das leicht, denn John Irvings fesselnder, lebendiger Stil macht Garp und wie er die Welt sah auch abseits aller thematischen Brisanz zu einer lohnenden und unterhaltsamen Lektüre.

Take-aways

  • Mit dem Roman Garp und wie er die Welt sah erlebte der US-Schriftsteller John Irving seinen endgültigen Durchbruch.
  • Inhalt: Jenny Fields will ein Kind, aber keinen Mann. Mit einem tödlich verletzten Kampfpiloten zeugt sie einen Sohn, T. S. Garp. Der wird Schriftsteller und erlebt mit seiner Frau Helen allerlei amouröse Wirren, während Jenny wider Willen zu einer Ikone des Feminismus wird.
  • Im Roman finden sich wie in allen Werken Irvings zahlreiche autobiografische Bezüge.
  • In Garp vermischt Irving drei Ebenen literarischer Wirklichkeit: das Leben Garps, Garps Werke und die eigene Autobiografie.
  • Der Roman ist durch zahlreiche Querverweise mit anderen – früheren wie späteren – Werken Irvings verknüpft.
  • Mit einer ganzen Riege starker Frauenfiguren nimmt der Roman die feministischen Impulse seiner Entstehungszeit auf.
  • Aus einer Überzeichnung der tragischen Erlebnisse seiner Figuren gewinnt der Roman Komik.
  • Garp ist durchzogen von drastischen Gewaltdarstellungen und expliziten Sexszenen.
  • Der Roman wurde 1982 mit Robin Williams in der Hauptrolle verfilmt.
  • Zitat: „Ich nehme die Menschen sehr ernst. Die Menschen sind sogar alles, was ich ernst nehme. Deshalb habe ich nichts als Mitgefühl dafür, wie die Menschen sich verhalten – und nichts als das Lachen, um sie damit zu trösten. Lachen ist meine Religion (…).“ S. 341
 

Zusammenfassung

Kindheit und Jugend in Steering

Jenny Fields stammt aus einer Fabrikantenfamilie und wird gegen den Willen ihrer Eltern Krankenschwester. Sie arbeitet gern und will keinen Mann – wohl aber ein Kind. Dazu ergibt sich Gelegenheit, als der schwer verletzte Garp ins Krankenhaus eingeliefert wird. Infolge einer Kopfverletzung, die er sich im Luftkrieg über Frankreich zugezogen hat, ist der Soldat mit dem Rang eines Technical Sergeant ein sabberndes Wrack, das kaum zu mehr in der Lage ist, als seinen eigenen Namen zu stammeln. Außergewöhnlich vital hingegen ist sein Penis. Das nutzt Jenny aus und setzt sich kurzerhand darauf, um schwanger zu werden. Garp stirbt wenig später und Jenny nennt ihren Sohn nach ihm: T. S. Garp – T. S. für „Technical Sergeant“.

T. S. Garp hatte immer das Gefühl, er werde früh sterben. Ich glaube, schrieb Garp, ich habe wie mein Vater einen Hang zur Kürze. Ich bin ein Ein-Schuss-Mann. (S. 52)

Jenny tritt eine Stelle als Schulkrankenschwester an der Steering School an, einer reinen Jungenschule. Ihr Ziel ist es, dass ihr Sohn dort später zur Schule gehen darf. Sie nimmt selbst an allen Kursen teil, um sie für Garp zu prüfen. Die wichtigste Familie an der Schule sind die Percys: Stewart Percy, genannt „Fat Stew“, hatte die letzte Steering-Erbin geheiratet und arbeitet bei der Schule als Sekretär. Es entbrennt eine Fehde zwischen Jenny und den Percys, als Bonkers, der Hund der Percys, Garp das halbe Ohr abbeißt und Jenny daraufhin vorschlägt, das Tier einschläfern zu lassen.

Garp darf tatsächlich auf die Steering School gehen. Zu den richtigen Kursen kann Jenny ihn nun kompetent beraten – nur nicht zur Sportart, die er wählen soll. Garp mag keinen Mannschaftssport, deswegen schließt sich dem Ringerteam an. Sein Trainer Ernie Holm ist neu an der Schule. Er ist alleinerziehender Vater einer Tochter, Helen, die oft während des Trainings im Ringerraum liest. Garp ist von ihr fasziniert. Helen erklärt ihm, dass sie keinen Ringer, sondern einen Schriftsteller heiraten wird. Garp beschließt, Schriftsteller zu werden. Er beginnt, Kurzgeschichten zu schreiben und schickt sie Helen. Garps Lehrer Tinch bescheinigt ihm Talent und ermutigt ihn, weiterzuschreiben.

Lieber Garp, diese Geschichte ist vielversprechend, obwohl ich glaube, dass Du im Moment noch mehr Ringer als Schriftsteller bist. (aus einem Brief von Helen, S. 136)

Kurz vor seinem Abschluss trifft sich Garp öfter mit Cushie Percy, obwohl er in Helen verliebt ist. Als er zum ersten Mal mit Cushie schlafen will, hat er nicht daran gedacht, Kondome mitzubringen. Später gesteht er Helen alles, doch sie interessiert sich eher dafür, wie er darüber schreibt. Garp erkennt, dass er wenig über das Leben weiß. Helen rät ihm, nach Europa zu gehen, und als Garp seiner Mutter davon erzählt, ist sie von der Idee begeistert. Jenny will Garp nach Europa begleiten. Sie einigen sich auf Wien. Am Abend nach seiner Abschlussfeier will Garp Cushie besuchen, wird aber von Bonkers erwischt, der inzwischen uralt ist. Cushie kann den blinden und tauben Hund nicht beruhigen. Garp kämpft mit Bonkers und beißt ihm ins Ohr. Cushie und Garp fliehen auf die Krankenstation, wo Garp seine Unschuld verliert. Am nächsten Morgen stellt Stewart Percy Garp und Jenny zur Rede: wegen der Verführung seiner Tochter und der Misshandlung seines Hundes.

Jenny und Garp in Wien

Jenny und Garp wohnen in Wien zunächst in verschiedenen Pensionen, um alle Teile der Stadt kennenzulernen, und nehmen sich dann eine gemeinsame Wohnung nahe am Ring. Garp kümmert sich um den Haushalt und findet sich in der Stadt besser zurecht, weil er Deutsch spricht. Jenny bleibt zu Hause, um ein Buch über ihr Leben zu schreiben. Garp kommt mit seinen literarischen Projekten nur schleppend voran.

Er versuchte, eine Geschichte über eine Familie zu schreiben; als er anfing, wusste er nur, dass die Familie ein interessantes Leben führte und dass alle Familienmitglieder einander sehr nahestanden. Das reichte nicht. (S. 172)

Garp versucht, die Stadt in sich aufzunehmen und Erfahrungen zu sammeln, über die er schreiben kann. Er schreibt regelmäßig an Helen. Als Jenny schon 600 Seiten tief in ihrem Manuskript steckt, hat Garp ein zündendes Erlebnis: Er entdeckt das Zimmer des Schriftstellers Franz Grillparzer im Historischen Museum. Zusammen mit seiner Mutter liest er Grillparzers Werke und er findet sie so schlecht, dass er sicher ist, es besser zu können.

Jenny hat derweil in ihrem Werk mit dem Thema Sex zu kämpfen. Als sie eines Abends auf der Straße drei Prostituierte treffen, bietet Jenny einer von ihnen Geld, um von ihr mehr über die Wollust zu erfahren. Garp übersetzt das Gespräch und trifft sich am nächsten Tag wieder mit der Frau, Charlotte. Er wird Stammkunde bei ihr. Auch außerhalb ihrer geschäftlichen Beziehungen verbringen sie Zeit zusammen.

Garp arbeitet an seiner ersten Erzählung, „Die Pension Grillparzer“. Sie handelt von einem Mann, der für das österreichische Fremdenverkehrsamt Hotels und Pensionen bewertet und auf seinen Reisen seine Familie mitnimmt. Die Pension, in der sie gerade übernachten, wird von einer Zirkustruppe bewohnt. Garp fehlt noch ein Ende für die Geschichte und auch die Bedeutung der Szenen selbst ist ihm noch nicht ganz klar. Jenny erlebt derweil einen Durchbruch und findet das zentrale Thema ihres Buches sowie dessen Titel: Eine sexuell Verdächtige, die Autobiografie von Jenny Fields.

In dieser Welt mit ihrer schmutzigen Fantasie, schrieb Jenny, ist man entweder jemandes Frau oder jemandes Hure – oder auf dem besten Weg, das eine oder das andere zu werden. (S. 230)

Charlotte erkrankt schwer und wird in einer Privatklinik behandelt. Garp besucht sie regelmäßig und man hält ihn für ihren Sohn. Kurze Zeit später stirbt Charlotte. Die Stadt Wien wirkt auf Garp nun selbst „reif zum Sterben“. Doch er hat endlich eine Idee, wie seine Geschichte zu Ende gehen könnte. Jenny findet derweil einen Verleger für ihr Buch: John Wolf. Garp vollendet seine Erzählung.

Feministin wider Willen

Jenny und Garp kehren nach Amerika zurück, wo Helen und Garp heiraten und ihren ersten Sohn, Duncan, bekommen. Helen findet nach ihrer Promotion in englischer Literatur eine Stelle als Dozentin an einem Mädchencollege und Garp beginnt mit der Arbeit an seinem ersten Roman. Jennys Buch wird ein Erfolg und heizt die Feminismusdebatte an. Jenny hat sich nie als Feministin gesehen, freut sich aber, dass andere Frauen durch ihr Buch den Mut finden, eigene Entscheidungen zu treffen. Sie zieht zu ihrer Mutter in die große Familienvilla am Meer, die in den folgenden Jahren zum Anziehungspunkt für verzweifelte Frauen und feministische Gruppen wird. Die prominenteste dieser Gruppen sind die Ellen-Jamesianerinnen: Ellen James ist als Kind vergewaltigt worden und die Täter haben ihr die Zunge herausgeschnitten. Die Ellen-Jamesianerinnen schneiden sich aus Protest selbst die Zunge heraus. Garp kann dafür kein Verständnis aufbringen.

Garps erster Roman, Zaudern“, spielt in Wien während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit unter russischer Besatzung. Er handelt von einem jungen Anarchisten, der aus Protest die Tiere aus dem Tiergarten Schönbrunn befreit und von ihnen aufgefressen wird. Der Roman wird von John Wolf verlegt und von der Kritik positiv aufgenommen. Garp ärgert sich, dass in den Rezensionen immer seine Verwandtschaft mit Jenny hervorgehoben wird.

Garp wollte wegen der Männer keine Tochter. Wegen der schlechten Männer, natürlich; aber auch, dachte er, wegen der Männer, die so sind wie ich. (S. 311)

Helen wird wieder schwanger. Als Garp eines Tages im Stadtpark joggen geht, trifft er ein zehnjähriges Mädchen, das gerade vergewaltigt wurde, und hilft, den Täter zu fassen. Dafür wird er als Held gefeiert. Derweil hat er eine Affäre mit einer von Duncans Babysitterinnen.

Ehekrisen und Elternsorgen

Auch das zweite Kind ist ein Junge, Walt. Helen freundet sich mit ihrem Kollegen Harrison Fletcher an, dessen Frau, Alice, ebenfalls Schriftstellerin ist. Helen und Harrison verbringen viel Zeit zusammen, und so fragt Harrison Garp, ob er sich nicht zum Ausgleich mit Alice treffen will. Sie beginnen ein offenes Vierecksverhältnis: Helen schläft mit Harrison und Garp mit Alice. Helen macht aber nach einiger Zeit Schluss. Harrison tritt kurz darauf eine neue Stelle an und die Situation entspannt sich, weil die Paare einander nur noch zweimal im Jahr sehen. Garp vollendet seinen zweiten Roman, „Der Hahnrei fängt sich“, der sexuelle Beziehungen zwischen zwei Ehepaaren behandelt. Die Kritik nennt das Werk eine Farce und eine Leserin beschimpft Garp als Schmutzfink. Das Buch verkauft sich schlechter als das erste und Garp fühlt sich, als wäre er als Schriftsteller gescheitert. Helen wirft ihm vor, er habe in seinem Roman zu viel von ihrem Privatleben verarbeitet.

Ich nehme die Menschen sehr ernst. Die Menschen sind sogar alles, was ich ernst nehme. Deshalb habe ich nichts als Mitgefühl dafür, wie die Menschen sich verhalten – und nichts als das Lachen, um sie damit zu trösten. Lachen ist meine Religion (…). (S. 341)

Jenny freundet sich mit der Transfrau Roberta Muldoon an, die früher als Linksaußen bei den Philadelphia Eagles gespielt hat. Mehr als ein Jahr lang schreibt Garp nichts. Er flüchtet sich in Hausarbeit, kocht und kümmert sich um die Kinder, während Helen arbeitet. Garp befürchtet, dass ihm sein Humor, sein Mitgefühl und seine erzählerische Kraft verloren gehen. Vielleicht liegt es an seinem zu sorglosen Leben? Er überlegt, ob er Eheberater werden soll. Auch macht er sich ständig Sorgen um die Sicherheit seiner Kinder und stellt Autofahrer zur Rede, die in der Siedlung zu schnell fahren.

Wenn Garp einen großen und naiven Wunsch hätte äußern dürfen, dann hätte er sich gewünscht, er könne die Welt sicher machen. Sicher für Kinder und für Erwachsene. Die Welt kam ihm unnötig gefährlich für beide vor. (S. 402)

Garp ist seit elf Jahren mit Helen verheiratet, als er die Mutter von Duncans Freund Ralph kennenlernt, die er Mrs. Ralph nennt. Mrs. Ralph studiert seit vielen Jahren und hat eine Reihe jüngerer Liebhaber. Als Garp eines nachts seinen Sohn abholen will, bittet sie Garp, ihren aktuellen Liebhaber vor die Tür zu setzen. Garp begehrt Mrs. Ralph, gibt dem Impuls aber nicht nach. Helen spürt jedoch, dass etwas nicht stimmt.

Und im Übrigen, dachte Helen, bin ich nicht allein schuld. Garp ist auch schuld. Oder, dachte sie, im Grunde ist niemand schuld. Es gehört zu den Dingen, die einfach passieren. S. 457

Garp erfährt, dass Cushie Percy im Kindbett gestorben ist. Roberta beginnt, nachts bei Garp anzurufen, um sich wegen ihrer gescheiterten Beziehungen bei ihm auszuweinen. Helen wird derweil von einem ihrer Studenten, Michael Milton, umworben. Sie bemerkt, dass sie in ihrer Beziehung zu Garp rastlos geworden ist und dass ihr seine Eigenheiten auf die Nerven gehen. Sie trifft sich mit Michael und weiß dabei, dass sie seinen Avancen irgendwann nachgeben wird.

Ein tragischer Unfall

Garp schreibt eine Geschichte über einen Mann, der sich mit den Rasern in seinem Viertel anlegt. Helen wirft ihm vor, wieder einmal nur über sich selbst zu schreiben. Sie beginnt eine Affäre mit Michael Milton. Obwohl sie versucht, die Sache geheim zu halten, kommt ihnen eine Ex-Freundin von Michael auf die Spur und informiert Garp über das Verhältnis. Rückblickend sieht Garp die Anzeichen. Helen entschuldigt sich und beteuert, dass sie Garp noch immer liebt. Er fordert, sie solle die Beziehung zu Michael sofort beenden. Damit Helen ungestört mit Michael telefonieren kann, geht Garp mit den Kindern ins Kino. Michael will Helen unbedingt noch einmal sehen und fährt zu ihr. Helen geht hinaus und setzt sich zu ihm ins Auto. Sie bleibt bei ihrer Entscheidung, lässt sich aber dazu drängen, ihn noch einmal oral zu befriedigen. Just in diesem Moment kommt Garp mit den Kindern nach Hause. Wie immer biegt er mit zu viel Schwung in die Einfahrt ein und rammt mit seinem Auto das von Michael. Dabei beißt Helen Michael den Penis ab, Duncan verliert ein Auge, Helen und Garp werden schwer verletzt. Walt kommt bei dem Aufprall ums Leben.

Es ist gut, dass Sie ihn getötet haben, flüsterte Bensenhaver Hope Standish zu. Wir hätten ihn nicht halbwegs angemessen bestrafen können, vertraute er ihr an. ‚Nicht, wie er es verdient hätte. Gut für Sie‘, flüsterte er, ‚gut für Sie‘. (S. 631)

Die Familie zieht zu Jenny, um sich von ihr gesund pflegen zu lassen. Garp kann lange Zeit nicht sprechen, weil sein Kiefer gebrochen ist, und muss, wie die anwesenden Ellen-Jamesianerinnen, mit geschriebenen Botschaften kommunizieren. Garp arbeitet nicht an einem neuen Buch, denn der Tod seines Sohnes scheint das einzige Thema zu sein, über das er schreiben könnte, und das will er nicht. Garp und Helen söhnen sich aus. Helen möchte noch ein Kind. Es wird ein Mädchen. Sie nennen es Jenny. Schließlich beginnt Garp doch mit der Arbeit an seinem dritten Roman, „Bensenhaver und wie er die Welt sah“. Er handelt von dem alternden Polizeiinspektor Arden Bensenhaver. Der lernt Hope Standish kennen, nachdem diese vergewaltigt wurde und den Täter in Notwehr getötet hat. Später wird Bensenhaver von Hopes Mann angeheuert, um die Familie zu beschützen.

Jennys Tod und Rückkehr nach Steering

John Wolf – und später auch Garp selbst – hält „Bensenhaver“ für Garps schwächstes Buch. Dennoch wird es sein größter Erfolg. Das liegt vor allem daran, dass Wolf es unter Bezugnahme auf Garps familiäre Tragödie bewirbt. Wolf rät Garp, die Zeit nach der Veröffentlichung auf Reisen zu verbringen. So will der Verleger ihn vor dem Rummel schützen. Garp kündigt an, sich nach seinen nächsten drei Werken das Leben zu nehmen. Er reist mit Helen und den Kindern nach Wien. Eines Tages erhält er einen Anruf von Roberta: Jenny wurde bei einer Kundgebung erschossen.

Ich will dir sagen, wer Schuld hat, sagte Roberta. Es sind die Männer, Garp. Es ist dein schmutziges, mörderisches Geschlecht! Wenn ihr uns nicht so ficken könnt, wie ihr gern möchtet, bringt ihr uns auf hundert verschiedene Arten um! (S. 699)

An Jennys Gedenkfeier dürfen nur Frauen teilnehmen, sodass Garp sich von Roberta als Frau verkleiden lässt, um dennoch dabei sein zu können. Er wird aber erkannt und aus dem Gebäude gejagt. Die Frau, die ihn enttarnt, ist Bainbridge „Pu“ Percy, die jüngere Schwester von Cushie. Sie gibt Garp die Schuld am Tod ihrer Schwester. Auf dem Flug von New York zurück nach Hause lernt Garp Ellen James persönlich kennen, die eine große Verehrerin seiner Mutter ist, aber die Ellen-Jamesianerinnen verabscheut. Ellen will Schriftstellerin werden. Sie zieht bei Garps Familie ein und kümmert sich um die Kinder. Ernie Holm ist ebenfalls gestorben, und kurz darauf stirbt auch Fat Stew Percy. Garp kauft das Haus der Percys und die Familie zieht wieder nach Steering.

Garps Ende

Garp unterstützt Ellen in ihrer Kritik an den Ellen-Jamesianerinnen und legt sich offen mit der Bewegung an. Eine der Frauen versucht, ihn mit dem Auto zu überfahren und kommt dabei selbst ums Leben. „Die Pension Grillparzer“ wird mit Zeichnungen von Duncan veröffentlicht. Garp arbeitet an drei weiteren Projekten. Er übernimmt nach Ernies Tod den Job als Trainer der Ringermannschaft von Steering. An einem Februartag wird Garp im Ringerraum der Steering School von Bainbridge Percy, inzwischen selbst eine Ellen-Jamesianerin, erschossen. Er ist 33 Jahre alt.

Er liebte Epiloge, wie er uns in der Pension Grillparzer gezeigt hat. Ein Epilog, schrieb Garp, ist mehr als eine Opferstatistik. Ein Epilog ist, als Abrechnung mit der Vergangenheit verkleidet, in Wirklichkeit eine Methode, uns vor der Zukunft zu warnen. (S. 819)

Helen führt ein langes Leben. Einer der Lehrer an der Steering School wird Garps Biograf. Ellen James wird Schriftstellerin und folgt Roberta in der Leitung der Fields Foundation nach. Duncan wird Künstler und seine Schwester Jenny Ärztin.

Zum Text

Aufbau und Stil

Auf rund 900 Seiten folgt der Roman Garp und wie er die Welt sah dem Leben des Schriftstellers T. S. Garp von seiner Zeugung bis zu seinem frühen Tod. Die erzählte Zeit umspannt die Jahrzehnte von Jennys Entschluss, ein Kind zu bekommen, bis zum Tod von Garps Tochter. Der Roman besteht aus 19 Kapiteln, die unterbrochen werden von Auszügen aus den Werken Garps. Mitunter werden sie auch vollständig wiedergegeben. Zu den vollständig abgedruckten Werken gehören „Die Pension Grillparzer“ und die Kurzgeschichte „Wachsamkeit“. Von Garps drittem Roman „Bensenhaver und wie er die Welt sah“ ist das erste Kapitel wiedergegeben. Der allwissende Erzähler springt oft vorwärts und nimmt Bezug auf spätere Werke oder Aussagen. Diese Technik und der Aufbau des Romans lassen an eine fiktionale Schriftstellerbiografie denken. Doch dafür bleibt die Erzählung zu nah den handelnden Personen. John Irving ist für seine drastische Sprache bekannt. Auch in Garp werden vor allem Gewaltszenen nicht ausgeklammert, sondern im Detail inszeniert – unter anderem der Autounfall oder die Vergewaltigung von Hope Standish. Irving überzeichnet seine tragischen Szenen dabei so sehr, dass sie fast komisch wirken. Eine Erklärung dieser Technik gibt Garp selbst im Roman, als er einer verärgerten Leserin antwortet, dass Lachen und Komik unmittelbar mit Mitgefühl zusammenhängen.

Interpretationsansätze

  • Garp ist ein Roman über das Bücherschreiben. Er folgt dem Titelhelden von den ersten literarischen Gehversuchen, durch Schreibblockaden bis hin zu seinen großen Erfolgen. Als Negativbeispiel dient Garp der österreichische Schriftsteller Franz Grillparzer (1791–1872).
  • Irving spielt in Garp mit dem Begriff der literarischen Wirklichkeit. Die Frage „Was davon ist wahr?“ zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman. Die Antwort changiert zwischen drei Ebenen: Garps Leben, Garps Werke und Irvings eigenes Leben.
  • Garp ist voller starker weiblicher Figuren – von Jenny Fields über Helen Garp bis zu Roberta Muldoon, die sich ihren Platz in der Welt auf ganz unterschiedliche Art und Weise erkämpfen. Wenn es darum geht, sich politisch für die Sache des Feminismus einspannen zu lassen, sind sie jedoch zurückhaltend.
  • Eng mit dieser Thematik zusammen hängt das Bild des Mannes als Aggressor, das Irving in Garp zeichnet. Insbesondere Garps Gedanken zum Vergewaltiger von Hope Standish und zum Mörder seiner Mutter beleuchten verschiedene Vorstellungen von Männlichkeit und skizzieren das, was wir heute toxische Maskulinität nennen würden.
  • Eines der zentralen Themen in Garp ist die Angst vor dem Tod. Sie figuriert im Roman als „Sog“ – nach den unberechenbaren Strömungen im Meer vor Jennys Haus. Manchmal spüren die Figuren den Sog vor einem tragischen Unglück. Für Garp ist der Sog jedoch immer da und begleitet ihn vor allem als Vater. Seine größte Sorge ist es, dass er die Menschen, die er liebt, letztlich nicht beschützen kann.

Historischer Hintergrund

Die USA zwischen 1945 und 1980

Auf das Ende des Zweiten Weltkrieg folgte in den USA eine Phase stetigen Wirtschaftswachstums. Immer mehr Frauen hatten einen Job – 1970 waren es bereits 43 Prozent. Die Zahl der Collegeabschlüsse stieg und die Landbevölkerung zog es in die Städte. Durch Fortschritte in der Medizin stieg die Lebenserwartung der weißen Bevölkerung stark an. In der Regierungszeit von John F. Kennedy (1961–1963) kam es zu wichtigen politischen und sozialen Umbrüchen. Die Bürgerrechtsbewegung erstarkte, der Vietnamkrieg eskalierte und die Kubakrise führte die Welt an den Rand der thermonuklearen Vernichtung. Mit Blick auf die relativ umfassende ideologische Einigkeit der damaligen Gesellschaft, den sogenannten liberalen Konsens, forderte die Politik mehr Opferbereitschaft von den Bürgern. Die USA, so Kennedy, seien bereit, für die Freiheit jeden Preis zu zahlen. Im Sommer 1964 errang die Bürgerrechtsbewegung einen wichtigen Sieg mit der Verabschiedung des Civil Rights Acts. 1963 wurde John F. Kennedy erschossen. Vizepräsident Lyndon B. Johnson übernahm dessen Amt.

Infolge des unter dem Titel „Great Society“ gefassten Maßnahmenbündels sank die Armut und es wurden Bildungsreformen durchgesetzt. Die Bürgerrechtsbewegung mit ihrem Anführer Martin Luther King setzte weitere Reformen durch. King wurde allerdings 1968 in Memphis erschossen. Außenpolitisch war der Vietnamkrieg das prägende Ereignis der 1960er-Jahre. Trotz einer immer größeren Zahl aktiver Soldaten gelang es den USA nicht, das kommunistische Nordvietnam zu besiegen. Zudem regte sich in der Bevölkerung Widerstand, da es keine klaren Kriegsziele gab und schockierende Bilder aus den Kriegsgebieten die Menschen über die Medien erreichten. Die Strategie der USA erwies sich mit der Tet-Offensive des Vietcong Anfang 1968 endgültig als gescheitert. Außenpolitisch büßten die USA ihre unangefochtene Vormachtstellung ein. Präsident Richard Nixon trat 1974 zurück, um einer Amtsenthebung infolge der Watergate-Affäre zuvorzukommen. Ihm folgten Gerald Ford (1974–1977) und Jimmy Carter (1977–1981) im Präsidentenamt. Das Wachstum verlangsamte sich und das Bruttosozialprodukt sank. Um die Wirtschaft anzukurbeln, wurde eine Angebotspolitik nach Milton Friedman verfolgt. Durch die entfesselten Marktkräfte und die zunehmende Privatisierung gab es zwar neue Jobs, doch immer mehr Menschen lebten in Armut. Der Staat verschuldete sich enorm. Außenpolitisch kam es zu einem neuen Tiefpunkt in den Beziehungen zu Russland.

Entstehung

Garp und wie er die Welt sah ist John Irvings vierter Roman. Dabei griff Irving Handlungsfäden und Motive aus früheren Werken wieder auf – eine Gewohnheit, die er auch in späteren Werken pflegte. So finden sich Bezüge zu Garps erster Erzählung, Pension Grillparzer, in Irvings fünften Roman Das Hotel New Hampshire von 1981.

Wie bei seiner Figur Garp finden sich auch bei Irving selbst immer wieder Überschneidungen zwischen Leben und Werk. Irving hat seinen leiblichen Vater, einen Kampfpiloten, nach dem er benannt war, selbst nie kennengelernt. Seine Mutter, Frances Winslow, weigerte sich, ihm mehr über den Mann zu erzählen. So erfand John Irving selbst Geschichten über ihn. Irving war in der Schule Ringer und hätte es 1976 fast ins olympische Team geschafft. Er studierte zwei Semester lang in Wien, wo er seine erste Erzählung Lasst die Bären los schrieb, deren Protagonist – wie in Garps Roman „Zaudern“ – die Tiere aus dem Wiener Zoo befreit. Zwei weitere Romane folgten: Die wilde Geschichte vom Wassertrinker von 1972 und Eine Mittelgewichts-Ehe von 1974, mit starken Anklängen an Garps „Der Hahnrei fängt sich“. Kritiker werfen John Irving gern vor, immer nur über sein eigenes Leben zu schreiben und sich dabei zu wiederholen. Doch wie seine Figur Garp hält Irving diesen Vorwurf für wenig stichhaltig: „Ich kann nichts gegen diese Fixierung machen, die den literarischen Journalismus irgendwann in den 90ern überkommen zu haben scheint, als ‚wahres Leben‘ oder ‚Autobiografie‘ plötzlich interessanter wurde als fiktionale Literatur. Für mich selber ist Literatur immer noch interessanter“, sagte er in einem Interview 2011.

John Irving war nach seinem dritten Roman mit seinem bisherigen Verleger unzufrieden und wechselte mit Garp zu E. P. Dutton. Er unterhielt enge Freundschaften zu anderen Schriftstellern, darunter Günther Grass und Kurt Vonnegut. Sein Schaffen ist zudem beeinflusst von Salman Rushdie, Gabriel Garcia Márquez und Charles Dickens.

Wirkungsgeschichte

Garp machte Irving weltberühmt und war über mehrere Jahre nach der Veröffentlichung 1978 ein internationaler Bestseller. Irving konnte seine Lehrtätigkeit aufgeben und fortan ausschließlich von der Schriftstellerei leben. Der Roman war unter den Finalisten des National Book Awards for Fiction im Jahr 1979 und gewann den Preis im Jahr darauf mit der Taschenbuchausgabe. 1982 wurde Garp von George Roy Hill verfilmt. Robin Williams spielt die Hauptrolle, John Irving selbst taucht in einer Nebenrolle als Kampfrichter auf.

Über den Autor

John Irving wird am 2. März 1942 in Exeter im US-Bundesstaat New Hampshire geboren. Wie viele seiner Romanfiguren stammt er aus einer Großfamilie. John ist das älteste von vier Kindern. Sein Stiefvater ist Lehrer an Johns Schule. Trotz seiner Legasthenie liest der Junge viel und gern, was seinen Noten eher abträglich ist. Als Teenager beginnt er mit dem Ringen. Sein Coach erkennt bei ihm ganz klar zu wenig Potenzial, um zu den Spitzenringern aufzuschließen, aber John lässt nicht locker und trainiert umso härter. Erst als Irving an der Universität Pittsburgh mit den besten Ringern des Landes trainiert und feststellen muss, dass er wirklich nicht mithalten kann, gibt er seinen Traum auf, Profi zu werden. Er wechselt daraufhin an die Universität New Hampshire, wo er an einem Kurs für kreatives Schreiben teilnimmt und seinen Mentor John Yount kennenlernt, der ihn ermuntert, mit dem Schreiben fortzufahren. Im Rahmen eines Austauschjahres geht Irving nach Wien. Während eines Deutschkurses zur Vorbereitung auf den Austausch lernt er seine erste Frau Shyla Leary kennen. Kurz nach der Hochzeit wird ihr Sohn Colin geboren. Als jung verheirateter Student mit einem Kleinkind entgeht Irving der Einberufung und so dem Vietnamkrieg. 1968 veröffentlicht er seinen ersten Roman Lasst die Bären los! (Setting Free the Bears). Er nimmt eine Stelle als Dozent an einem College in Vermont an und verbringt zwischendurch wieder ein Jahr in Wien, wo auch sein zweiter Sohn Brendan geboren wird. Nachdem sein neuer Verlag 1978 seinen vierten Roman Garp und wie er die Welt sah (The World According to Garp) mit einer großen Kampagne einem Millionenpublikum bekannt gemacht hat, kann Irving von der Schriftstellerei leben – und das von Bestseller zu Bestseller besser. 1985, während er Gottes Werk und Teufels Beitrag (The Cider House Rules) verfasst, trennt er sich von seiner ersten Frau und heiratet später seine Agentin Janet Turnball, mit der er seinen dritten Sohn Everett hat. John Irving lebt mit seiner Familie in Vermont und Toronto.


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