Zusammenfassung von Gottes Werk und Teufels Beitrag

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Gottes Werk und Teufels Beitrag Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Bildungsroman
  • Postmoderne

Worum es geht

Moralisch, parteiisch, politisch – ein Buch mit Wucht

Irvings Bestseller Gottes Werk und Teufels Beitrag ist ein politisches Statement, verpackt in einen Mix aus Hoch- und Unterhaltungsliteratur, wie er für den US-Buchmarkt typisch ist. Anhand einer in der Vergangenheit angesiedelten Geschichte wird ein brandaktuelles Thema verhandelt: die ethische Auseinandersetzung über die Abtreibung. Als das Buch 1985 erschien, platzte es in die aufgeheizte Atmosphäre zwischen der konservativen Wende unter Reagan und dem liberalen Feminismus. Der Streit zwischen fundamental-konservativem und sozialliberalem Lager schwelt bis heute. Irvings Buch bleibt also aktuell. Die Qualität des Romans liegt daher nicht bloß in seinem literarischen oder sprachlichen Wert, sondern auch in seiner kompromisslosen Parteinahme für die Selbstbestimmung der Frau – und zwar interessanterweise aus durchweg männlicher Figurenperspektive. Pro-Life-Aktivisten bekämpfen die zentralen Thesen des Romans, Literaturkritiker bemängeln seine schlichte Konstruktion, doch offen eingestellte Leser finden einen plastisch geschilderten, emotionalen Zugang zum Thema und einen Aufruf, den eigenen moralischen Kompass neu zu justieren – ohne erhobenen Zeigefinger.

Take-aways

  • John Irvings Roman Gottes Werk und Teufels Beitrag ist ein wichtiges Buch für die Debatte zur Selbstbestimmung der Frau in den USA.
  • Inhalt: Homer Wells wächst im Waisenhaus auf. Sein väterlicher Mentor Dr. Larch nimmt dort illegale Abtreibungen vor. Homer will dabei nicht mitmachen, er geht in die Welt, lernt das Leben kennen und kehrt zurück, um Dr. Larchs Erbe im Dienst der unterdrückten Frauen anzutreten.
  • Der Roman zeigt die Überlegenheit ethischer Entscheidungen über feste Regeln.
  • Verschiedene Beziehungskonstellationen (homosexuell, asexuell, Dreiecksbeziehung) werden gleichberechtigt nebeneinandergestellt.
  • Der Roman ist ein politisches Statement im konservativer werdenden Amerika unter Ronald Reagan in den 1980er-Jahren.
  • Der Text orientiert sich in Stil und Erzählperspektive an Charles Dickens, der auch mehrfach zitiert wird.
  • Irving griff beim Schreiben auf Erzählungen seines Großvaters zurück.
  • Der Roman schaffte es auf Anhieb auf Platz eins der Bestsellerliste.
  • Irving verfasste selbst das Drehbuch für den gleichnamigen Film von 1999. Er erhielt dafür einen Oscar.
  • Zitat: „Gott (oder wer immer) verzeihe mir. Ich habe eine Waise geschaffen; ihr Name ist Homer Wells, und er wird immer nach St. Cloud’s gehören.“
 

Über den Autor

John Irving wird am 2. März 1942 in Exeter im US-Bundesstaat New Hampshire geboren. Wie viele seiner Romanfiguren stammt er aus einer Großfamilie. John ist das älteste von vier Kindern. Sein Stiefvater ist Lehrer an Johns Schule. Trotz seiner Legasthenie liest der Junge viel und gern, was seinen Noten eher abträglich ist. Als Teenager beginnt er mit dem Ringen. Sein Coach erkennt bei ihm ganz klar zu wenig Potenzial, um zu den Spitzenringern aufzuschließen, aber John lässt nicht locker und trainiert umso härter. Erst als Irving an der Universität Pittsburgh mit den besten Ringern des Landes trainiert und feststellen muss, dass er wirklich nicht mithalten kann, gibt er seinen Traum auf, Profi zu werden. Er wechselt daraufhin an die Universität New Hampshire, wo er an einem Kurs für kreatives Schreiben teilnimmt und seinen Mentor John Yount kennenlernt, der ihn ermuntert, mit dem Schreiben fortzufahren. Im Rahmen eines Austauschjahres geht Irving nach Wien. Während eines Deutschkurses zur Vorbereitung auf den Austausch lernt er seine erste Frau Shyla Leary kennen. Kurz nach der Hochzeit wird ihr Sohn Colin geboren. Als jung verheirateter Student mit einem Kleinkind entgeht Irving der Einberufung und so dem Vietnamkrieg. 1968 veröffentlicht er seinen ersten Roman Lasst die Bären los! (Setting Free the Bears). Er nimmt eine Stelle als Dozent an einem College in Vermont an und verbringt zwischendurch wieder ein Jahr in Wien, wo auch sein zweiter Sohn Brendan geboren wird. Nachdem sein neuer Verlag 1978 seinen vierten Roman Garp und wie er die Welt sah (The World According to Garp) mit einer großen Kampagne einem Millionenpublikum bekannt gemacht hat, kann Irving von der Schriftstellerei leben – und das von Bestseller zu Bestseller besser. 1985, während er Gottes Werk und Teufels Beitrag (The Cider House Rules) verfasst, trennt er sich von seiner ersten Frau und heiratet später seine Agentin Janet Turnball, mit der er seinen dritten Sohn Everett hat. John Irving lebt mit seiner Familie in Vermont und Toronto.

 

Zusammenfassung

Das Haus der ungewollten Kinder

In St. Cloud’s in Maine betreibt Dr. Wilbur Larch in den 1920er-Jahren mit Unterstützung der Kinderkrankenschwestern Edna und Angela ein Waisenhaus. Larch schreibt auch als Chronist eine Kleine Geschichte von St. Cloud’s. Die Schwestern geben den Waisen vorläufige Namen, bis sie von Adoptiveltern neue bekommen. Nur der Junge Homer Wells findet keine Adoptiveltern. Nach vier gescheiterten Versuchen steht für Dr. Larch fest, dass Homer nach St. Cloud’s gehört. Homers erste Adoption scheitert an seiner ungewöhnlichen Wortkargheit. Die zweite Familie nimmt Homer zwar mit, schlägt ihn aber, bis Larch den misshandelten Jungen zurückholt. In der dritten Familie wird Homer beschuldigt, sexuell übergriffig geworden zu sein. Die vierten Pflegeeltern sterben im Wildwasser vor Homers Augen. Als er zum Waisenhaus zurückkehrt, beschließt Dr. Larch, ihn dort zu behalten, wenn er sich „nützlich mache“.

Die Geschichte von Dr. Larch

Dr. Larchs Vater war Trinker, seine Mutter Putzfrau beim Bürgermeister von Portland, der in Maine die Prohibition eingeführt hat. Larch begann sein Studium an der Medizinischen Hochschule. Sein stolzer Vater spendierte ihm eine Nacht mit Mrs. Eames, einer Hure, die ihn mit Gonorrhö ansteckte. Am Morgen danach lernte er auch deren Tochter– ebenfalls eine Prostituierte – kennen. Larch entwickelte infolge seiner Infektion ein Interesse an Bakterien, entdeckte seine Vorliebe für den Ätherrausch und entsagte auf Lebenszeit dem Sex. Er wurde Arzt in Boston und lernte die schlimmen Umstände kennen, unter denen die Armen ihre Kinder zur Welt bringen. Eines Nachts wurde Mrs. Eames in die Klinik eingeliefert. Larch konnte nur noch ihr totes Kind entbinden. Drei Tage darauf starb die Mutter an den Folgen ihrer selbst versuchten Abtreibung.

„Gott (oder wer immer) verzeihe mir. Ich habe eine Waise geschaffen; ihr Name ist Homer Wells, und er wird immer nach St. Cloud’s gehören.“ (Dr. Larch, S. 39)

Als auch Mrs. Eames’ Tochter mit einem Abtreibungswunsch zu Larch kam, lehnte dieser aus Angst vor den rechtlichen Folgen ab. Nach einer anderswo versuchten Abtreibung starb die Frau. Larch suchte die verantwortliche Kurpfuscherin auf, die ihn schwer beschuldigte: Sie handle, während er dem Elend nur tatenlos zusehe. Larch nahm eine 13-Jährige von dort mit in die Klinik, fälschte ihre Krankengeschichte und nahm seine erste Abtreibung vor – offiziell aus medizinischen Gründen, tatsächlich aus ethischen. Kein Kollege widersprach, doch merkte Larch, dass er zum Außenseiter wurde. Ab jetzt kamen die ungewollt Schwangeren zu ihm und verlangten seine Hilfe. Larch floh nach Portland und folgte schließlich einem Angebot aus St. Cloud’s, wo er ein Waisenhaus mit Entbindungs- und Abtreibungsstation gründete.

„Er war Gynäkologe; er holte Babys auf die Welt. Seine Kollegen nannten das ,Gottes Werk‘. Und er war ein Abtreiber, er half auch Müttern zurück in die Welt. Seine Kollegen nannten das ,Teufels Beitrag‘, aber für Wilbur Larch war beides ,Gottes Werk‘.“ (S. 101)

Larchs ehemalige Kollegen nannten den Vorgang der Geburt „Gottes Werk“ und den der Abtreibung „Teufels Beitrag“, doch Dr. Larch ist überzeugt, dass in St. Cloud’s nur Gottes Werk vollbracht wird. Eines Tages, im Alter von 13 Jahren, findet Homer Wells einen Fötus. Larch beschließt, Homer einzuweihen und ihn zu seinem Gehilfen zu machen.

Der nützliche Homer

Homer beginnt, den Jungen im Waisenhaus abends David Copperfield von Charles Dickens vorzulesen, etwas später auch den Mädchen. Alle Mädchen lauschen ruhig – bis auf Melony, die etwas älter als Homer ist. Sie ist ein übergewichtiger Teenager, sitzt aufreizend knapp bekleidet auf dem Bett und provoziert Homer. Melony wurde einst ausgesetzt. Niemand kennt ihr genaues Alter. Alle Adoptionsversuche sind gescheitert – erst wegen ihrer unbändigen Wut, später wegen sexueller Kontakte zu Pflegevätern. Larch bittet Homer um Unterstützung. Homer trifft sich mit Melony in einer verlassenen Hütte von St. Cloud’s. Melony gibt Homer ein altes Foto, auf dem eine Frau beim Oralsex mit einem Pony zu sehen ist. Homer ist verstört und fasziniert. Melony bietet Homer einen Deal an: Er soll für sie die Akte mit den Daten ihrer leiblichen Eltern aus dem Archiv stehlen – im Tausch gegen Sex.

„,Gute Nacht!‘ pflegte er zu rufen. ,Gute Nacht – ihr Prinzen von Maine, ihr Könige Neuenglands!‘“ (über Dr. Larch, S. 107)

Dr. Larch bewahrt die Daten der leiblichen Eltern bewusst nicht auf. Als Homer ihr das erzählt, wird Melony so wütend, dass sie die Hütte halb zerstört. Nachdem Homer ihr versprochen hat, St. Cloud’s nicht früher als sie zu verlassen, bedankt sie sich bei ihm mit Oralsex – doch seine anfängliche Erregung lässt allzu schnell nach. Gedemütigt und wütend zerstört Melony den Rest des Hauses. Das Pornofoto landet schließlich bei Larch, der in der Frau auf dem Bild sofort Mrs. Eames’ Tochter, der er damals nicht helfen wollte, erkennt. Larch beschließt, Homer zum Chirurgen auszubilden. Nachdem der Waisenjunge Fuzzy Stone gestorben ist, macht Larch dessen Tod zu Homers Aufgabe: Wie bringt man es den anderen bei? Homer behauptet, Fuzzy sei ebenfalls adoptiert worden. Eines Tages rettet Homer eine Patientin und ihr Baby im Alleingang. Larch küsst den vermeintlich schlafenden Homer väterlich. Für die Akten fingiert Larch einen Herzfehler, den Homer angeblich seit seiner Geburt hat, um ihn vor dem Militärdienst bei einem eventuellen Krieg zu schützen.

Gebrochene Versprechen und erfundene Geschichten

In den Orten Heart’s Haven und Heart’s Rock verlieben sich Wally Worthington, Sohn eines Apfelbauern, und Candy Kendall, Tochter eines Hummerfischers, ineinander. Candy wird ungewollt schwanger, die perfekte Lebensplanung der beiden droht zu scheitern. Über eine Arbeiterin auf der Apfelfarm erfährt Wally von St. Cloud’s. Als er und Candy dort ankommen, hat Homer Dr. Larch mitgeteilt, dass er nie Abtreibungen vornehmen werde. Larch möchte, dass Homer trotzdem die Praktiken kennenlernt, er will ihn aber nicht zur Durchführung zwingen. Bei Candy, in die Homer sich auf den ersten Blick verliebt, will er nicht einmal dabei sein. Die Abtreibung gelingt, und Homer, Wally und Candy finden Gefallen aneinander. Homer bricht sein Versprechen gegenüber Melony und geht mit den beiden fort. Larch weiß, dass er nicht nur für kurze Zeit geht. Melony beschließt, Homer zu folgen, stiehlt Geld und macht sich auf den Weg zur Küste.

„,Ich sage nicht, dass es richtig ist, verstehst du? Ich sage, dass es ihre Entscheidung ist – es ist die Entscheidung der Frau. Sie hat ein Recht darauf, sich so zu entscheiden, verstehst du?‘ fragte Dr. Larch. – ,Richtig‘, sagte Homer Wells.“ (S. 160 f.)

Homer genießt sein Leben auf der Apfelfarm. Er macht sich nützlich und wird von allen geschont, denn Larch hat ohne Homers Wissen von dessen angeblichem Herzfehler berichtet. Homer lernt mit Candys Hilfe schwimmen und wächst in die Familie hinein. Derweil denkt der Waisenhausausschuss über die Ablösung des 70-jährigen Larch nach. Larch hat aber in der Zwischenzeit schon seinen eigenen Nachfolger erfunden: Fuzzy Stone, der verstorbene Junge, wird in Larchs Unterlagen zum Arzt. Larch fälscht eine Korrespondenz mit „Dr. Stone“ und legt so den Grundstein für die Zukunft von St. Cloud’s.

„Wenn die Zeit verstreicht, möchte man die Menschen, die einen einst kannten, gern wiedersehen; mit ihnen kann man richtig sprechen. Wenn genug Zeit verstrichen ist – was macht es dann schon, was sie einem angetan haben?“ (S. 634)

Melony gerät bei ihrer Suche nach Homer auf eine andere Apfelfarm. Zwei Arbeiter versuchen, sie zu vergewaltigen. Das Mädchen schlägt sie krankenhausreif. Während sie einen Job annimmt, bereitet Homer mit Wally das Ciderhaus auf die Ankunft der schwarzen Erntehelfer vor. Dazu gehört, die Regeln aufzuhängen, die dort gelten. Wallys Vater stirbt noch vor der Ernte und Wallys Mutter bietet Homer ein Zuhause an, zumal Wally fortgeht, um das College zu besuchen. Homer geht zur Highschool und hilft bei der Apfelernte. Er lernt den Chefpflücker, Mr. Rose, kennen, der überaus geschickt mit dem Messer umgehen kann.

Liebe und ihre Früchte

Melony zieht weiter nach Bath, beginnt dort in einer Fabrik zu arbeiten und freundet sich mit Lorna an, einer Kollegin. Eines Abends gehen die beiden ins Kino, um sich einen Film anzusehen. Genau das haben auch Homer und Candy vor. Doch bevor sie das Kino betreten, passiert Homer ein Missgeschick. Aus seiner Geldbörse fällt ein Büschel von Candys Schamhaar, das er bei ihrer Abtreibung heimlich eingesteckt hat. Homer gesteht Candy, dass er sie liebt. Candy erwidert seine Gefühle. Aber sie bittet Homer um Geduld – er akzeptiert. Als sich die Nachricht vom japanischen Angriff auf Pearl Harbour verbreitet, beschließt Wally, Pilot zu werden und in den Krieg zu ziehen – gegen den Willen von Candy.

„,Irgendwie dachte ich, du würdest am Ende etwas Besseres machen als die Frau eines armen Krüppels bumsen und dein eigenes Kind verleugnen‘, sagte Melony zu Homer Wells.“ (S. 698)

Die nächste Apfelernte steht bevor. Mr. Rose rückt mit neuen Männern und einer Frau an. Die anderen Pflücker sind alle im Krieg. Homer beginnt eine Tätigkeit im nahe gelegenen Spital. Die Ärzte – und Schwester Caroline, eine zupackende junge Sozialistin – bemerken bald, dass Homer über medizinische Kenntnisse verfügt. Wally wird im Anschluss an eine Pilotenausbildung nach Indien geschickt. Wenig später kommt die Nachricht, dass er über Birma abgeschossen wurde. Während sich Dr. Larch immer häufiger an Äther berauscht und während Melony und Lorna ein Liebespaar werden, kommen sich Homer und Candy immer näher. Schließlich verbringen die beiden im Ciderhaus ihre erste Nacht miteinander. Drei Monate später ist klar: Candy ist schwanger. Sie und Homer beschließen, nach St. Cloud’s zu gehen – offiziell, um dort zu helfen, in Wahrheit aber, um dort heimlich ihr Kind zur Welt zu bringen. Homer und Candy verbringen glückliche Monate in St. Cloud’s. Nachdem ihr Sohn geboren ist – Homer nennt ihn Angel –, erhalten sie ein Telegramm: Wally ist lebend gefunden worden. Er ist in Birma Opfer einer Infektion geworden und von der Hüfte abwärts gelähmt. Candy und Homer tischen bei ihrer Rückkehr zur Apfelfarm eine Lügengeschichte auf: Homer habe Angel adoptiert.

Neue Zeiten, alte Zeiten

15 Jahre sind vergangen. Melony erfährt, dass Lorna sie betrogen hat und nun schwanger ist. Sie schickt Lorna nach St. Cloud’s, damit sie das Kind dort abtreibt. Als sie einen Artikel über Wallys Rettung liest, erinnert sie sich, dass sie ihn damals in St. Cloud’s kennengelernt hat. Sie beschließt, nach Heart’s Rock aufzubrechen und ihre Suche nach Homer wieder aufzunehmen. Candy hat in der Zwischenzeit den im Rollstuhl sitzenden Wally geheiratet und lebt mit ihm, Homer und Angel wie eine Familie unter einem Dach. Die drei übernehmen die Verantwortung für die Apfelfarm. Von Zeit zu Zeit treffen sich Homer und Candy heimlich, doch Angel bleibt offiziell der Adoptivsohn von Homer. Unterdessen ist der Ausschuss bei der Ablösung von Dr. Larch erfolglos geblieben: Kein anderer Arzt will nach St. Cloud’s. Nur Schwester Caroline unterstützt jetzt auf Empfehlung von Homer das Team im Waisenhaus.

„,Ich weiß nicht, ob Du ein Kunstwerk in Dir trägst‘, schloß Larch seinen Brief an Homer Wells, ,aber ich weiß, was Deine Aufgabe ist, und das weißt Du genauso. Du bist der Arzt.‘“ (S. 727)

Melony taucht auf der Apfelfarm auf. Als sie Homer, Angel und Candy sieht, begreift sie augenblicklich, dass sie es mit Vater, Mutter und Sohn zu tun hat. Als sie auch Wally kennenlernt, konfrontiert sie Homer mit seiner Armseligkeit: Ein mittelständischer Heuchler sei er geworden, der einen Freund betrügt und sein eigenes Kind belügt. Als der gedemütigte Homer sieht, dass Melony ein Exemplar des Fragebogens an sich genommen hat, den der Ausschuss verschickt hat, um Dr. Larch zu diskreditieren, ruft er im Waisenhaus an und warnt, dass der Ausschuss mit Melonys zweifellos schlechten Kommentaren über St. Cloud’s neues Material gegen Dr. Larch in die Hände bekomme. Homer bekommt von Dr. Larch eine Arzttasche mit den Initialen F. S. zugesandt. Er beginnt zu verstehen, dass Larch ihn für die fingierte Rolle des Dr. Fuzzy Stone in St. Cloud’s vorbereitet. Larch, mittlerweile in seinen 90ern, weiht nun sein Team in den Plan ein, Homer unter falschem Namen als seinen Nachfolger einzusetzen. Auch Homer erhält einen Brief von Larch mit allen Details des Plans. Er ahnt, dass er nach St. Cloud’s zurückkehren wird.

Die Regeln brechen

Während Melony und Lorna wieder zusammenkommen, steht die nächste Erntesaison an. Nach der Ernte will Homer Wally alles beichten: dass Angel sein und Candys Sohn ist und dass er und Candy über Jahre ein Verhältnis hatten. Mr. Rose bringt diesmal seine Tochter und deren Baby mit. Rose Rose, die Tochter, ist etwa in Angels Alter. Angel verliebt sich in sie. Es stellt sich heraus, dass Mr. Rose seine Tochter mit dem Messer verletzt hat und dass sie schwanger ist. Angel erträumt eine gemeinsame Zukunft, doch Rose, die sich weigert, den Vater des ungeborenen Kindes zu nennen, weiß, dass das nicht geht. Sie will eine Abtreibung. Angel fragt Homer und dieser ruft in St. Cloud’s an. Erschüttert erfährt er, dass Dr. Larch gestorben ist – ein Unfall mit Äther hat ihn getötet. Homer hadert mit sich. Er sorgt sich um St. Cloud’s und meint erstmals, doch Abtreibungen vornehmen zu können. Candy holt Rose aus dem Ciderhaus und stellt mit Abscheu fest, wer der Vater des ungeborenen Kindes ist: Mr. Rose, Roses Vater. Sie bringt Rose zu Homer, teilt ihm mit, was sie erfahren hat, und nach kurzem Zögern führt er die Abtreibung durch. Jetzt ist ihm klar, dass er auch anderen Frauen helfen muss. Rose bringt ihrem Vater eine tödliche Messerwunde bei und flieht. Der verblutende Mr. Rose tarnt sein Sterben als Selbstmord.

„,Es ist die alte Geschichte‘, sagte Wally zu Angel. ,Du kannst Homer aus Saint Cloud’s herausholen, aber du kannst nicht Saint Cloud’s aus Homer herausholen.‘“ (S. 796)

Nach diesen Ereignissen machen Candy und Homer reinen Tisch. Homer weiht Angel ein, Candy beichtet Wally alles. Homer geht zurück nach St. Cloud’s, wo er schließlich als Dr. Stone die Zustimmung des Ausschusses erhält, das Waisenhaus zu leiten. Er lebt mit Schwester Caroline, studiert Dr. Larchs Chronik (aus der er erfährt, dass er gar keinen Herzfehler hat) und empfängt Wally, Candy und Angel jeweils zu Weihnachten. Eines Tages wird die Leiche von Melony in St. Cloud’s angeliefert. Lorna hat sie auf Melonys Wunsch zu Studienzwecken an Dr. Stone in St. Cloud’s gesandt. Homer, gerührt durch diese späte Geste der Versöhnung, lässt sie neben dem Waisenhaus begraben.

Zum Text

Aufbau und Stil

Die Handlung von Gottes Werk und Teufels Beitrag erstreckt sich von den 1920er- bis in die 1950er-Jahre. In elf Kapiteln werden die Lebenswege der Hauptcharaktere weitgehend chronologisch erzählt. Der Text ist figurennah in der dritten Person geschrieben und versammelt eine große Zahl Nebenfiguren, deren Lebensgeschichten in die Haupthandlung eingebettet werden. In die Erzählung sind oft Passagen aus Dr. Larchs Chronik eingeflochten, deren Einträge meist mit „Hier in St. Cloud’s“ oder mit „In anderen Teilen der Welt“ beginnen. Irving nutzt weitgehend einfache Prosa, an einigen Stellen streut er medizinisches Fachvokabular ein. Plastische Schilderungen, etwa von Abtreibungen, Krankheiten und sozialen Zuständen sowie detaillierte Beschreibungen von Räumen erzeugen oft eine dichte Atmosphäre, die eine filmische Umsetzung nahelegt. Historische Details vermitteln zudem Authentizität – in den Anmerkungen werden vom Autor konkrete Recherchequellen genannt. An einigen Stellen finden sich Andeutungen über künftige Schicksale der Figuren. Das Erzähltempo variiert: Im neunten Kapitel werden zum Beispiel Szenen motivisch so miteinander verwoben, dass man an das filmische Mittel des „Split Screen“, der geteilten Leinwand, erinnert wird.

Interpretationsansätze

  • Der Roman liefert Anschauungsmaterial für eine moralische Urteilsbildung zum Thema Abtreibung. Dr. Larch ist geprägt von seinen Erlebnissen in den Armenvierteln von Boston. Homers Entscheidung, nicht bei Abtreibungen mitwirken zu wollen, basiert dagegen auf Unkenntnis der Welt. Erst als er außerhalb von St. Cloud’s das Leid verschiedener Frauen persönlich kennenlernt, ist er bereit, seine Entscheidung zu überdenken.
  • Am Schluss des Romans ist die Rede von den Herzen von Homer und Dr. Larch, an denen es „nichts auszusetzen“ gebe. Damit wird betont, dass nicht Regeln, sondern das menschliche Mitgefühl und individuelle, ethisch fundierte Überlegungen darüber entscheiden, was richtig und was falsch ist.
  • Regeln sind nicht in Stein gemeißelt, sie müssen permanent überprüft werden. So wie die Ciderhaus-Regeln jedes Jahr neu verfasst und ausgehängt werden, müssen auch die Regeln, von denen ein Mensch sein Handeln leiten lässt, mit zunehmender Erfahrung neu angepasst werden.
  • Der Roman zeigt lesbische, asexuelle, rassen- und klassenübergreifende sowie Dreiecksbeziehungen als gleichberechtigte Lebensformen und ist insofern ein Plädoyer für Toleranz und Diversität.
  • Bücher bereiten auf das Leben vor: Larch hält Homer für gut vorbereitet auf das Leben, weil dieser Dickens gelesen hat. Mit dieser Aussage über die Wirkung von Literatur formuliert der Text auch einen Anspruch an sich selbst.
  • Nächstenliebe und Mitleid sind zentrale Motive: Der areligiöse Dr. Larch zeigt mit seiner Hilfe für Not leidende Frauen mehr Anteilnahme als die christlich-konservativen Regeln, die vom Rest der Gesellschaft befolgt werden.
  • Man kann den Apfel als Symbol verstehen: Apfelfarm und Ciderhaus stehen für den Baum der Erkenntnis, der Homer letztlich zurück nach St. Cloud’s führt.

Historischer Hintergrund

Die Abtreibungsdebatte in den USA

Die ersten gesetzlichen Verbote von Schwangerschaftsunterbrechungen in den USA kamen in den 1820er-Jahren auf. Schon damals waren Mediziner besorgt, dass die Verbote Frauen reihenweise in illegale Kliniken treiben könnten. Doch das änderte nichts daran, dass immer mehr Bundesstaaten Abtreibungsverbote gesetzlich festschrieben. 1873 verbot das Comstock-Gesetz landesweit den postalischen Versand von Verhütungsmitteln und von Informationsmaterial zur Verhütung. 1965 verfügten sämtliche 50 US-Bundesstaaten über eigene Gesetze zum Abtreibungsverbot.

Doch dann kam im Januar 1973 mit dem Roe-v.-Wade-Urteil das Ende der strikten Verbote. Der Supreme Court entschied mit sieben zu zwei Stimmen, dass allen Frauen generell das Recht zustehe, über einen Schwangerschaftsabbruch selbst zu entscheiden. Lediglich die letzten drei Monate der Schwangerschaft konnten danach durch Bundesgesetze noch reglementiert werden. Im Gegenzug feierte die Antiabtreibungslobby mit dem Hyde Amendment 1976 ihren ersten Erfolg nach der Legalisierung: Die staatliche finanzielle Abtreibungshilfe für bedürftige Frauen wurde landesweit gestrichen, sofern der Abbruch nicht medizinisch notwendig war. Bis dahin wurde rund ein Drittel aller Abtreibungen über die staatliche Zuwendung Medicaid bezahlt.

In der Ära Reagan ab 1981 formierten sich als Reaktion auf das Roe-v.-Wade-Urteil zahlreiche Gruppen, die mit Blockaden von Kliniken auf sich aufmerksam machten. Bombendrohungen und Anschläge gegen Abtreibungskliniken waren bald an der Tagesordnung. In den 1980er-Jahren gaben 80 Prozent aller Beschäftigten von Kliniken und Praxen, die Abtreibungen anboten, an, sie seien von Abtreibungsgegnern belästigt und in ihrer Arbeit behindert worden. In vielen Fällen wurden Ärzte sogar bis nach Hause verfolgt und mit dem Tod bedroht. 1994 und 1995 wurden fünf Klinikangehörige tatsächlich ermordet. Der öffentliche Druck sorgte dafür, dass immer weniger Ärzte das Stigma „Abtreiber“ auf sich nehmen wollten. Von 1983 bis 1995 sank die Zahl der Fachärzte, die bereit waren, eine Abtreibung durchzuführen, von 42 auf 33 Prozent. Abtreibung war an den Universitäten kaum ein Thema. Übrig blieben so zumeist ältere Ärzte.

Entstehung

Nach den Bestsellern Garp und wie er die Welt sah und Das Hotel New Hampshire war John Irving einer der meistgelesenen Autoren der USA. Dass auch sein nächstes Buch ein Erfolg werden würde, war relativ sicher. Mit Gottes Werk und Teufels Beitrag ließ Irving seiner Begeisterung für Charles Dickens (der vielfach im Roman zitiert wird) freien Lauf. Von Dickens übernahm er die auktoriale Erzählperspektive, die weitgehend chronologische Abfolge der Handlungsstränge und die moralische Stellungnahme einer Geschichte über soziale Missstände. Irving recherchierte intensiv den historischen Hintergrund und die medizinischen Grundlagen seines Plots. Seine Hauptquelle war neben Fachliteratur wie Henry Grays Anatomie von 1858 vor allem sein eigener Großvater Frederick C. Irving, der in der Zeit, in der der Roman spielt, praktizierender Gynäkologe unter anderem in Boston war. Irvings Großvater verfasste zudem das Expectant Mother’s Handbook, das ebenfalls eine Quelle für das medizinische Vokabular des Romans war. Auch Teile von Irvings persönlicher Biografie schlugen sich im Entstehungsprozess nieder. Sein leiblicher Vater, den er nie kennenlernte, stürzte im Zweiten Weltkrieg über Birma ab.

Wirkungsgeschichte

Die Kritik ging mit Irvings Roman zum Teil hart ins Gericht. In einer Rezension wurde Gottes Werk und Teufels Beitrag als „Ziegelstein von einem Buch“ bezeichnet, das „verdiene, durch John Irvings Fenster zurückgeworfen zu werden“. Gleichzeitig lobten verschiedene Rezensionen den Unterhaltungswert und die detailliert ausgearbeiteten Charaktere. Auch im Ausland gab es ein geteiltes Echo. Matthias Horx bescheinigte dem Roman 1988 in der Zeit „enorme Konstruktionsschwächen, der Roman langweilt nach 200 Seiten, verliert sich in Details und öden Dialogen, dramaturgisch kommt er bis zum Schluss nicht wieder auf die Beine“ – und dennoch kommt er zu einem positiven Resümee. Das Thema Abtreibung und Irvings klare Position sorgten in liberalen Kreisen für große Zustimmung, bei der Pro-Life-Bewegung dagegen für Proteste. Ein Großteil der Kritiker führte die Auseinandersetzung auf der politischen Bühne, nicht auf der literarischen. Irving hatte im konservativer werdenden Amerika der Reagan-Ära einen Nerv getroffen. Im Erscheinungsjahr 1985 verkaufte sich der Roman rund 300 000 Mal und landete prompt auf Platz 1 der Bestsellerliste. Schon 1986 begann Irving mit einer Drehbuchfassung. Der vierte Anlauf für eine Verfilmung wurde 1999 von Regisseur Lasse Hallström umgesetzt. Tobey Maguire spielte Homer und Michael Caine Dr. Larch. Caine (bester Nebendarsteller) und Irving (bestes adaptiertes Drehbuch) erhielten jeweils einen Oscar. Das Buch wurde im Jahr nach dem Filmdebut erneut zum Bestseller.


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