Zusammenfassung von Ich, der Roboter

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Ich, der Roboter Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Fantastik
  • Nachkriegszeit

Worum es geht

Willkommen in der Zukunft

„Wenn man sich in Zukunft überhaupt an mich erinnern wird, dann wegen der drei Gesetze der Robotik“, prophezeite Isaac Asimov – eine allzu bescheidene Selbsteinschätzung, denn mit seinen Erzählungen über feinfühlige Roboter hat Asimov Science-Fiction-Geschichte geschrieben. Wie Teenager schlagen seine Roboter mal über die Stränge, halten aber aufgrund ihrer tief verinnerlichten Loyalität am Ende zu den Eltern, sprich: zu ihren menschlichen Schöpfern. In den 1940er-Jahren wollte der junge Autor das Frankenstein-Klischee von Maschinen, die sich gegen ihre Schöpfer wenden, ein für alle Mal begraben. Er glaubte an die Technik und an die menschliche Vernunft: Warum sollten wir so dämlich sein und ausgerechnet bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz, die unsere eigene um ein Vielfaches übertreffen wird, keine Schutzmechanismen zur Erhaltung unserer Spezies einbauen? Die Frage erscheint manchen heute naiv, und die Hersteller moderner Robotiksysteme belächeln Asimov als putziges Urgestein einer vergangenen Epoche. Eine befriedigende Antwort bleiben sie uns dennoch schuldig; darum sind die von Asimov aufgeworfenen Fragen nach wie vor aktuell.

Take-aways

  • Ich, der Roboter ist ein Klassiker der Science-Fiction-Literatur.
  • Inhalt: Eine Wissenschaftlerin blickt im Jahr 2057 auf die Meilensteine der Robotik zurück: vom Kinderhüteroboter Robbie bis hin zu komplexen Denkmaschinen, die die Geschicke der Menschheit lenken. Die Grundregeln der Robotik garantieren, dass die Maschinen den Menschen dienen – und nicht umgekehrt.
  • Das Buch ist eine Sammlung von neun Kurzgeschichten, die zwischen 1940 und 1950 größtenteils in der amerikanischen Science-Fiction-Zeitschrift Astounding erschienen.
  • Aus ihnen spricht der Fortschrittsoptimismus jener Zeit.
  • Isaac Asimov stellt in Ich, der Roboter das Frankenstein-Motiv vom mordenden künstlichen Wesen auf den Kopf.
  • Seine Roboter sind denkende und fühlende Wesen ohne zerstörerische Leidenschaften.
  • Laut Asimov muss jede Form von künstlicher Intelligenz ethischen Regeln unterworfen werden.
  • Ich, der Roboter inspirierte die Serie Star Trek ebenso wie die moderne Robotikforschung.
  • Mit mehr als 500 veröffentlichten Werken gilt Asimov als einer der produktivsten und einflussreichsten Autoren des Genres.
  • Zitat: „Denken Sie, dass für alle Zukunft Konflikte vermeidbar sein werden. Nur die Maschinen sind von jetzt an unvermeidbar.“
 

Über den Autor

Isaac Asimov wird am 2. Januar 1920 im russischen Petrowitschi als Sohn jüdischer Eltern geboren. Als er drei ist, wandert die Familie in die USA aus und lässt sich in Brooklyn nieder. Mit fünf bringt er sich selbst das Lesen bei. Er interessiert sich schon früh für die Science-Fiction-Hefte, die der Vater in seinem Süßwarenladen verkauft. Mit elf schreibt er erste eigene Geschichten, und als 15-Jähriger beginnt er, Chemie zu studieren. 1938 gründet er mit einigen Kommilitonen die Futurian Science Literary Society. 1941 erlebt er mit der Kurzgeschichte Und Finsternis wird kommen … seinen literarischen Durchbruch. Trotz einer vierjährigen, kriegsbedingten Unterbrechung seines Studiums ist er mit 28 promovierter Chemiker. Asimov, Ehrenvizepräsident von Mensa, einem Verein für Hochintelligente, behauptet später, nur zwei ihm geistig überlegene Menschen gekannt zu haben: den Astrophysiker Carl Sagan und den Künstliche-Intelligenz-Forscher Marvin Minsky. 1958 hängt er seine akademische Karriere an den Nagel und widmet sich hauptberuflich dem Schreiben. Insgesamt verfasst und veröffentlicht der äußerst produktive Autor mehr als 500 Bücher, neben der Roboter- und der Foundation-Serie, deren Handlung sich über 20 Jahrtausende erstreckt, auch Werke über Populärwissenschaft, antike und neuere Geschichte, Shakespeare, Limericks, Gilbert und Sullivan und die Bibel. Asimov leidet zwar unter Flugangst, doch seine geistigen Ausflüge in den Weltraum werden auch in Hollywood geschätzt: Bei den Dreharbeiten zu Star Trek agiert er als Berater. Er stirbt am 6. April 1992 an den Folgen einer HIV-Infektion, die er sich neun Jahre zuvor durch eine Bluttransfusion zugezogen hat.

 

Zusammenfassung

Rückblick aus der Zukunft

Ein junger Journalist interviewt im Jahr 2057 die Roboterpsychologin Dr. Susan Calvin. Sie wurde 1982 geboren, im Gründungsjahr der Firma U. S. Robot and Mechanical Men Inc., die die positronischen Robotergehirne erfand. Jetzt, nach 50 Jahren im Dienst des Unternehmens, möchte sie sich zur Ruhe setzen. Der Reporter bringt die als kühl und unnahbar geltende Wissenschaftlerin dazu, einen nostalgischen Blick in die Vergangenheit zu werfen.

Robbie

1998: Die achtjährige Gloria liebt ihren automatischen Babysitter Robbie über alles. Robbie kann zwar nicht sprechen, lässt sich aber klaglos herumkommandieren. Der Mutter wird mulmig bei dem Gedanken, dass die Tochter ihr Herz an eine Maschine verloren hat. Sie setzt ihrem Mann so lange zu, bis dieser zähneknirschend einwilligt, Robbie verschwinden zu lassen. Er geht mit Gloria ins Kino. Als sie zurückkommen, ist Robbie weg. Stattdessen bekommt Gloria nun einen Pudel. Doch der Hund kann sie nicht über den Verlust ihres Spielkameraden hinwegtrösten. Gloria wird immer stiller und schmaler. Die Familie reist nach New York, damit das Mädchen auf andere Gedanken kommt. Anstatt jedoch Robbie zu vergessen, fixiert sie sich noch stärker darauf, ihn zu finden. Schließlich organisiert ihr Vater einen Besuch bei der U. S. Robot Company, angeblich um Gloria zu verdeutlichen, dass Roboter keine lebendigen Wesen, sondern lediglich Maschinen sind. Dabei sorgt er dafür, dass Gloria ihrem alten Spielkameraden begegnet. Überglücklich rennt Gloria auf den Roboter zu, ohne zu bemerken, dass sich von hinten ein riesiger Traktor nähert. Im allerletzten Moment rettet Robbie ihr das Leben. Er kehrt in die Familie zurück. Glorias Vater gesteht seiner verärgerten Frau, dass er Robbies Wiederkehr arrangiert habe. Gloria muss ihre erste große Liebe allerdings sieben Jahre später aufgeben, als die Regierungen den Einsatz von Robotern auf der Erde verbieten.

Runaround

Auf dem Merkur soll eine Bergbaustation mit Arbeitsrobotern eröffnet werden. Die Ingenieure Powell und Donovan brauchen dringend frisches Selen für die Schutzwand, die das gleißende Licht der Sonne abhält. Aber der nagelneue Roboter Speedy kehrt nicht wie befohlen mit dem Mineral zurück. Mit einem Schutzanzug bekleidet, der ihnen maximal 20 Minuten Aufenthalt im direkten Sonnenlicht erlaubt, klettern die Männer aus dem Schacht und sehen Speedy von Weitem auf sich zukommen. Powell fordert ihn per Funk energisch zur Rückkehr auf, doch der Roboter antwortet mit Versen aus Gilbert-und-Sullivan-Operetten und läuft in die entgegengesetzte Richtung davon. Ist Speedy etwa betrunken? Powell versucht, das rätselhafte Verhalten stattdessen mit den drei Gesetzen der Robotik zu erklären. Erstens: Ein Roboter darf keinem Menschen durch eigenes Handeln oder Untätigkeit Schaden zufügen. Zweitens: Er muss menschlichen Befehlen gehorchen, es sei denn, diese widersprechen der ersten Regel. Drittens: Er muss sich selbst schützen, solange das nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert. Powell vermutet eine Gefahr in der Nähe des Selenvorkommens, die den Roboter zwischen Gehorsam und Selbsterhaltungstrieb hin- und hertreibt. Die Ingenieure versuchen, die Wirkung des dritten Gesetzes zu steigern, indem sie in Speedys Nähe eine für den Roboter schädliche Kohlendioxidkonzentration erzeugen. Doch ohne Erfolg. Als letzter Ausweg bleibt noch Regel eins. Powell geht so weit ins gleißende Sonnenlicht hinaus, dass er es nicht mehr lebendig zurückschaffen würde, und fleht den Roboter an, ihn zu retten. Kurz bevor er in der Hitze bewusstlos wird, rettet ihn Speedy.

Vernunft

Ein halbes Jahr später befinden sich Powell und Donovan in einer Raumstation, in der Sonnenenergie eingefangen und an von Menschen bevölkerte Planeten weitergeleitet wird. Powell und Donovan sollen den Roboter Cutie darauf vorbereiten, die Station allein zu führen. Doch Cutie stellt unerwartete Fragen: „Wer bin ich? Woher komme ich?“ Die Erklärung, dass er von so hilflosen und minderwertigen Wesen wie Powell und Donovan erschaffen worden sein soll, erscheint ihm lachhaft. Er ist überzeugt: Es gibt einen allmächtigen Schöpfer und er, Cutie, ist dessen Prophet. Kurz darauf bringt er die übrigen Roboter unter seine Kontrolle und predigt ihnen das Evangelium des „Meisters“. Nur noch ihm sollen sie dienen. Als Donovan den Meister verspottet, sperrt Cutie die Männer im Verwaltungsgebäude ein. Ausgerechnet jetzt nähert sich ein Elektronensturm der Station und droht, den auf die Erde gerichteten Sonnenstrahl zu stören – mit potenziell katastrophalen Folgen. Nach dem Sturm stellt sich heraus, dass Cutie die Herausforderung, den Strahl stabil zu halten, souveräner bewältigt hat, als die Menschen es gekonnt hätten. Er hat also das erste Gesetz befolgt, indem er Powell und Donovan aus dem Kontrollraum verbannt und dadurch großen Schaden abgewendet hat.

Erst den Hasen fangen

Es ist das Jahr 2016. Powell und Donovan sollen auf einem Asteroiden Dave, den Prototypen eines multiplen Roboters, mit seinen sechs Hilfsrobotern, den „Fingern“, testen und verbessern. Offenbar arbeitet Dave beim Abbau von Eisenerzen nur unter Beobachtung verlässlich. Dazu befragt, gibt er sich zerknirscht, erinnert sich aber nicht daran, warum er und seine Finger wiederholt mit leeren Händen zurückgekehrt sind. Die Ingenieure folgern, dass etwas mit seiner Eigeninitiative nicht stimmt. Sie beschließen, mithilfe eines Blasters einen Teil der Decke im Schacht über den arbeitenden Robotern zum Einsturz zu bringen, um so eine künstliche Notlage zu schaffen. Doch bei der Explosion stürzt die Decke auch über den Männern zusammen. Durch eine Öffnung sehen die Männer Dave und seine Finger auf sie zukommen – und wieder umkehren. Da schießt Powell auf einen der Hilfsroboter. Jetzt endlich reagiert Dave und rettet sie mit den verbleibenden fünf Fingern aus der Notlage. Indem Powell ihm die Verantwortung für einen Roboter abgenommen hat, hat er Kapazitäten zur Eigeninitiative freigesetzt. Dave wurde wieder normal.

Ein Lügner

2021: Bei der Herstellung eines positronischen Gehirns tritt ein Fehler auf: Der Roboter Herbie kann Gedanken lesen. Susan Calvin fällt die Aufgabe zu, Herbies Seele auszuleuchten. Der Roboter weiß natürlich, dass die 38-jährige Calvin heimlich in den Ingenieur Milton Ashe verliebt ist. Als er auf Nachfrage erwähnt, dass dieser ihre Liebe erwidert, ist die eher unattraktive Roboterpsychologin wie berauscht. Auch für Peter Bogert, Chefmathematiker bei U. S. Robot, hat Herbie eine frohe Botschaft: Der Direktor des Unternehmens, Alfred Lanning, wird bald abdanken und ihn, Bogert, zum Nachfolger ernennen. Am nächsten Tag riskiert Bogert eine hitzige Auseinandersetzung mit Lanning. Es stellt sich jedoch heraus, dass dieser gar nicht an einen Rücktritt gedacht hat. Und Milton Ashe eröffnet Calvin strahlend, dass er ein Haus kaufen und heiraten will. Sie begreift, dass Herbie alle belogen hat, um sie im Sinne der ersten Regel vor emotionalem Schaden zu bewahren bzw. ihnen schöne Illusionen vorzuspiegeln. Aus diesem Grund weigert er sich auch, zu sagen, was bei seiner Herstellung schiefgelaufen ist – es würde das Ego von Bogert und Lanning verletzen, die nicht selbst darauf gekommen sind. Er darf es aber aus demselben Grund auch nicht zurückhalten, da auch das die Männer in ihrem Stolz treffen würde. Calvin konfrontiert Herbie so lange mit diesem Dilemma, bis er den Geist aufgibt.

Kleiner verlorener Robot

Auf einer Weltraumstation geht ein Roboter verloren. Offenbar hat er sich unter 62 vollkommen identische Roboterkollegen gemischt, die sich auf einem Frachtschiff zur Weiterverschickung befinden. Es handelt sich um Nestor 10, ein streng geheim gehaltenes Sondermodell, bei dem das erste Robotikgesetz teilweise außer Kraft gesetzt wurde: Er kann tatenlos zusehen, wenn Menschen durch seine Inaktivität zu Schaden kommen. Die Änderung war notwendig, um die Forschung an einem hyperatomischen Motor zu ermöglichen. Für Calvin ist es dennoch der ultimative Sündenfall, und sie würde am liebsten alle 63 Roboter vernichten. Um den enormen finanziellen Schaden zu vermeiden, führt sie an den Robotern Verhaltensexperimente zur ersten Robotikregel durch, die Nestor 10 identifizieren sollen. Vergeblich. Der Roboter ist gerissen, und mit dem Erfolg wächst sein Selbstvertrauen. Durch eine geniale Versuchsanordnung von Calvin, die Nestor 10 bei seinem Größenwahn packt, gelingt es ihr, den Roboter aus der Deckung zu locken. Nestor 10 greift sie an, doch seine Kollegen zerstören ihn mit Gammastrahlen.

Flucht

Das Konkurrenzunternehmen Consolidated Robot Corp. hat beim Versuch, ein Raumschiff für interstellare Reisen zu entwickeln, seinen Supercomputer verloren – offenbar hat er sich an der komplizierten Mathematik des Problems verschluckt. Das Unternehmen bietet der U. S. Robot Company viel Geld für die Lösung des Rätsels. Calvin bereitet den Supercomputer der U. S. Robot – eine sprechende Kugel namens „Gehirn“ – vorsichtig darauf vor, dass die Lösung des Problems schädlich für Menschen sein könnte, und bittet es, im Falle eines Dilemmas mit der Arbeit aufzuhören. Ein Datenblatt nach dem anderen verschwindet im Gehirn, ohne dass es sich dazu äußert. Am Ende verspricht es, ein Raumschiff mithilfe von Arbeitsrobotern zu bauen.

„,Er war nicht keine Maschine‘, schrie Gloria wild und ungrammatikalisch. ,Er war ein Mensch, gerade so wie du und ich, und er war mein Freund. Ich will ihn wiederhaben.‘“ (über Robbie)

Gut zwei Monate später betreten Donovan und Powell das Fahrzeug. Es gibt weder Möbel noch einen Kontrollraum, und in der Speisekammer stehen nur Dosenbohnen und Milch. Dann hebt das Raumschiff unerwartet ab. Als es fünf Tage später zum interstellaren Sprung ansetzt, spürt Powell einen scharfen Schmerz. Sein Ich scheint zu einem kleinen weißen Faden zu schrumpfen. Er glaubt, das Gemurmel von Millionen Toten zu hören. Und dann ist der Spuk vorbei. Sie haben die Milchstraße verlassen, waren tot und sind wieder lebendig geworden – nur so war der interstellare Sprung möglich, und darin bestand das Dilemma, an dem der andere Computer gescheitert war: Er wurde vom ersten Gesetz daran gehindert, den vorübergehenden Tod der Piloten als Lösung des Problems in Erwägung zu ziehen. Der zweite Computer war entsprechend modifiziert worden.

Beweismaterial

2032: Der populäre Anwalt Byerley bewirbt sich um das Amt des Bürgermeisters von New York. Sein Rivale Quinn hat Byerley niemals essen, trinken oder schlafen sehen und schließt daraus, dass es sich bei ihm um einen Roboter handeln muss. Er fordert die U. S. Robot Company auf, das Gegenteil zu beweisen. Direktor Lanning schlägt Byerley vor, öffentlich zu essen, um so die Vorwürfe zu entkräften. Dieser möchte sich aber nicht auf das Spiel seines Gegners einlassen. Am Abend bespricht er die Sache mit seinem Mitbewohner John, einem Krüppel mit krächzender Stimme und einer tiefen Narbe im Gesicht. Sie schmieden einen Plan.

„Denken Sie, dass für alle Zukunft Konflikte vermeidbar sein werden. Nur die Maschinen sind von jetzt an unvermeidbar.“ (Calvin)

Quinn startet eine üble Hetzkampagne. In einem Videotelefongespräch mit seinem Gegner äußert er den Verdacht, dass John der wahre Stephen Byerley sei. Nach einem Autounfall, so Quinn, habe dieser sich als Roboter neu erschaffen. Doch Byerley bleibt gelassen. Kurz vor der Wahl tritt er vor einer feindseligen Menschenmenge auf. Ein schlaksiger Bürger betritt die Bühne und fordert den Anwalt auf, ihn zu schlagen. Byerley schlägt zu – und gewinnt die Wahl, denn er hat vor aller Augen gegen das erste Gesetz der Robotik verstoßen. Calvin aber glaubt, dass Byerley tatsächlich ein humanoider Roboter ist, ebenso wie der Bürger, dem er den Schlag versetzte. John habe zu diesem Zweck einfach einen zweiten Roboter geschaffen.

Der vermeidliche Konflikt

Im Jahr 2052 haben sich die Weltregionen zu einer Föderation zusammengeschlossen, und Byerley ist zum Weltkoordinator gewählt worden. Er macht sich Sorgen um die Denkmaschinen, die eigentlich dafür sorgen sollten, dass es nirgendwo auf der Welt zu Engpässen, Überproduktion oder Arbeitslosigkeit kommt. Das gelingt ihnen nicht immer. Byerley hat sämtliche Regionen besucht: die dicht bevölkerte östliche Region, in der sich die Menschen von künstlichen Lebensmitteln auf Hefebasis ernähren; die kraftvolle, aufstrebende tropische Region; die im Niedergang befindliche europäische Region mit einer Frau an der Spitze; und die wirtschaftlich stärkste nördliche Region, zu der Nordamerika und die ehemalige Sowjetunion gehören. Hier ist auch die „Gesellschaft für die Menschlichkeit“, die sich dem Kampf gegen die Maschinen verschrieben hat, am aktivsten. Byerleys Untersuchung der Vorfälle, die zu Störungen im Wirtschaftsprozess führten, bringen ihn zu dem Schluss, dass Mitglieder dieser Gesellschaft dahinterstecken. Er vermutet, dass sie die Vorschläge der Denkmaschinen absichtlich missachten, um ihnen dann die Schuld für die verursachten Probleme zuzuschieben. Doch Susan Calvin bezweifelt, dass der Mensch sein Schicksal selbst in der Hand hat: Vielmehr glaubt sie, dass die Denkmaschinen einen Weltherrschaftsplan mit dem Ziel des größtmöglichen Wohls für die Menschheit verfolgen. Dafür nehmen sie jene vergleichsweise unbedeutenden Probleme in Kauf.

Zum Text

Aufbau und Stil

2057 blickt eine 75-jährige Roboterpsychologin im Gespräch mit dem Icherzähler auf ihr Leben zurück: Das ist die Rahmengeschichte, die in Ich, der Roboter neun in sich abgeschlossene, in der dritten Person geschriebene Science-Fiction-Kurzgeschichten zusammenhält. Über allem stehen die zu Beginn eingeführten drei Grundregeln der Robotik: In jeder Geschichte wird durch einen scheinbaren Widerspruch zu den Gesetzen Spannung aufgebaut, die sich anschließend in Dialogform und mithilfe logischer Beweisführungen wieder auflöst. Asimov lässt kaum Raum für Interpretationen, sondern liefert dem Leser die Auflösungen der scheinbaren Paradoxa gleich mit. Sein Stil ist klar, direkt und schmucklos, die Handlungsführung minimalistisch. Die Charaktere wirken zwar etwas flach und blutleer, aber aus heutiger Perspektive auch liebenswert anachronistisch. Mitunter scheint es, als hätte der Autor die kettenrauchenden, Anzug tragenden Alphamänner aus den USA der 1940er-Jahre unverändert in die Zukunft gebeamt. Den Mangel an sprachlicher Brillanz und psychologischer Tiefenschärfe macht er durch die Originalität seiner Einfälle und die erstaunlichen Wendungen in den Erzählungen wett.

Interpretationsansätze

  • Ich, der Roboter ist eine auf Vernunft basierende Utopie: Wohlmeinende Ingenieure entwickeln Roboter als rationale Wesen mit zauberhaft kindlicher Persönlichkeit und einem Schutzmechanismus, der das Überleben der Menschheit garantiert. Der Leser wird Zeuge einer technischen Evolution, in deren Verlauf die Roboter ihre Macher überholen.
  • Asimov kehrt das dystopische Motiv von den Maschinen, die sich gegen ihre Schöpfer wenden, ins Gegenteil um: Bei ihm sind Roboter die besseren Menschen. Unfähig zu Missgunst und Mordlust, Korruption und Krieg, nehmen allwissende Maschinen schließlich die Zügel in die Hand – zum Wohl der Menschheit.
  • Das Werk offenbart mehr über den naiven Fortschrittsoptimismus und die Gesellschaft der 1940er-Jahre als über die damals beschriebene Zukunft, in der wir uns ja heute befinden: Es war eine Zeit, in der Computer mit gedrucktem Papier gefüttert wurden, in der nur unverheiratete Frauen beruflich erfolgreich sein konnten und in der Skeptiker der schönen neuen Maschinenwelt als arme Irre abgetan wurden.
  • Das Buch wirft fundamentale Fragen der Roboterethik (ein Begriff, der erst 2004 geprägt wurde) auf: Erschaffen Maschinen sich irgendwann selbst? Haben sie ein eigenes Bewusstsein? Was wird aus uns, wenn Maschinen unsere Jobs übernehmen? Und wer kontrolliert am Ende wen: der Mensch die Technik oder die Technik den Menschen?
  • Asimov sah in den drei Gesetzen der Robotik mehr als eine Bauanleitung. Er verstand sie als allgemeingültiges ethisches Prinzip auch für den rationalen Umgang von Menschen mit Menschen. „Leider“, so gab er 1981 zu bedenken, „sind menschliche Wesen nicht immer rational.“
  • 1983 ergänzte Asimov die Regeln um das „nullte Gesetz“ – „Ein Roboter darf der Menschheit keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass der Menschheit Schaden zugefügt wird“ – und ordnete diesem die anderen drei unter. Ein Roboter darf also Einzelnen schaden oder sie sogar töten, um die Gesellschaft vor ihnen zu beschützen.

Historischer Hintergrund

Wissenschaftliche Renaissance

Nach Börsenkrach, Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit waren die USA gegen Ende der 1930er-Jahre bereit für eine Neuauflage des amerikanischen Traums: Es wurde die Zeit ihrer technologischen Wiedergeburt. Präsident Franklin D. Roosevelts New Deal gab den Amerikanern neue Hoffnung, und mit dem Erfolg seiner Wirtschaftsplaner und Ingenieure wuchs die Überzeugung, dass eine staatlich gelenkte und geförderte Wissenschaft alle Probleme der Menschheit dereinst lösen würde. Zunächst musste jedoch der Zweite Weltkrieg gewonnen werden. 1942 begann das nuklearwissenschaftliche Manhattan-Projekt, das zum Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki 1945 führte. Nach Kriegsende forderte Vannevar Bush, Computerpionier und Koordinator der US-Militärforschung, das Ende der Vernichtungstechnologie und den Aufbruch ins Informationszeitalter. Nichts schien nach der siegreichen Rückkehr der amerikanischen Soldaten unmöglich. Der Glaube an die Segnungen der Technik war grenzenlos.

In die gleiche Zeit fällt die Goldene Ära der Science-Fiction. John Campbell, ab 1937 Herausgeber der Zeitschrift Astounding, entdeckte und förderte einflussreiche Autoren wie Isaac Asimov, Arthur C. Clarke und Robert A. Heinlein. Ihnen gelang es, das Sci-Fi-Genre aus der Schmuddelecke herauszuholen.

Entstehung

Isaac Asimov, seit frühster Jugend Science-Fiction-Fan, hatte eine Abneigung gegen das allgegenwärtige Frankenstein-Klischee von künstlichen Wesen, die sich gegen ihre Schöpfer wenden. Der Tscheche Karel Čapek hatte 1921 den Begriff „Roboter“ geprägt (von „robota“, tschechisch für „Fronarbeit“). In seinem Schauspiel R. U. R. – Rossum’s Universal Robots vernichtet eine Horde rechtloser Androidensklaven die Menschheit. Asimov als Optimist und Technik-Enthusiast glaubte nicht daran, dass Roboter jemals ohne Schutzvorrichtungen gebaut würden, und als Rationalist und Atheist wehrte er sich gegen religiös motivierte Denkverbote. Seine fiktiven Roboter sollten „von Ingenieuren entworfene Maschinen“ sein, „nicht von Gotteslästerern geschaffene Pseudomenschen“.

1939 brachte er diesen Gedanken erstmals in der Kurzgeschichte Robbie zum Ausdruck. John Campbell, Chef des Science-Fiction-Magazins Astounding, lehnte sie ab, und sie erschien stattdessen im Magazin Super Science Stories. Doch mit der zweiten Geschichte, Vernunft, hatte Asimov bei Campbell Erfolg. Er formulierte die drei Grundregeln der Robotik und veröffentlichte ab 1941 regelmäßig neue Robotergeschichten in der damals wichtigsten Zeitschrift seiner Zunft. Parallel dazu arbeitete er an Foundation, einem Romanzyklus über ein galaktisches Imperium der Zukunft, diente in der Armee, heiratete und promovierte in Chemie. Seine Arbeitsdisziplin ist legendär. Bis zu 90 Wörter pro Minute hämmerte er in die Tasten. Er korrigierte seine Texte höchstens einmal. Schreibblockaden tat er als Luxusproblem ab: Schließlich hätten Menschen wie sein Vater auch nicht einfach die Ladentür zusperren können, weil sie unter „Kaufmannsblockade“ gelitten hätten. 1950 wählte Asimov neun seiner besten Robotergeschichten aus und schrieb eine Rahmenerzählung dazu.

Wirkungsgeschichte

Ich, der Roboter machte den Autor sofort einem breiteren Publikum bekannt. Die New York Times beschrieb das Buch als „spannenden Science-Thriller“. Literaturkritiker schmähten Asimov später für den in ihren Augen kargen Stil und die eindimensionale Figurenzeichnung, eine Einschätzung, die den Autor kaltließ: Er wollte keinen Pulitzerpreis gewinnen, sondern von seinen Lesern verstanden werden.

Sein größtes Vermächtnis liegt weniger im Bereich der Literatur als vielmehr in der Wissenschaft und Popkultur. Asimov gilt als Erfinder des Begriffs „Robotik“. Die Vision von denkenden und fühlenden Robotern hat Generationen von Forschern und Künstlern inspiriert, von Sci-Fi-Autoren wie David Brin und Roger MacBride Allen über die Macher von Raumschiff Enterprise und Star Wars bis hin zu Alex Proyas, der 2004 den Spielfilm I, Robot mit Will Smith in der Hauptrolle drehte.

Vor allem die Grundregeln der Robotik haben Asimov unsterblich gemacht. Kaum eine Idee in der Geschichte der Science-Fiction wurde häufiger reflektiert, kopiert und parodiert. Aus heutiger Sicht erscheint seine Überzeugung, dass sich die Menschen bei der Entwicklung von Robotern aus purem Eigeninteresse an die Regeln halten würden, zwar recht naiv. Dennoch prägen sie nach wie vor die Diskussion über ethische Grenzen von Robotertechnik und künstlicher Intelligenz.


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