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„Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“

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„Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“

Der Dschihad und die Wurzeln des Terrors

Siedler,

15 Minuten Lesezeit
10 Take-aways
Audio & Text

Was ist drin?

Individueller Todeskult statt Strategie.


Bewertung der Redaktion

8

Qualitäten

  • Analytisch
  • Meinungsstark
  • Hintergrund

Rezension

Der Titel dieses Buches geht auf ein Zitat von Osama bin Laden zurück, mit dem dieser die Entschlossenheit und Todesverachtung islamistischer Kämpfer demonstrieren und Angst verbreiten wollte. Der Autor wählte diesen Titel, weil er in der Todessehnsucht dschihadistischer Attentäter ein zentrales Motiv für deren Radikalisierung sieht. Der eigene Tod ist nicht mehr ein notwendiges Opfer, um ein Ziel zu erreichen. Er ist zum Selbstzweck geworden. Für Roy ist der dschihadistische Terror eine Jugendbewegung mit deutlichen Parallelen zum linksextremen Terror vergangener Jahrzehnte. Im Gegensatz zu anderen Forschern seines Fachgebiets bewertet Roy die Rolle der Religion im Radikalisierungsprozess eher zurückhaltend. Zwar seien die Attentäter gläubige Muslime, doch religiöser Fundamentalismus führe nicht zwingend in terroristische Gewalt. Das Buch birgt für den fachfremden Leser leider hier und da Stolpersteine, wo Roy auf Argumente seiner Kritiker eingeht, diese aber nicht näher ausführt. Das nimmt dem Leser die Möglichkeit, die Schlüssigkeit von Roys Ausführungen ohne Rekurs auf Sekundärquellen selbst einzuschätzen. getAbstract empfiehlt das Buch dennoch als tief greifende und originelle Analyse des Phänomens Dschihad.

Zusammenfassung

Todeswunsch als Terrormotiv

Terrorismus über Ländergrenzen hinweg ist kein neues Phänomen. Den Anfang machten gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Anarchisten. In den 1970er-Jahren markierten die wohlkoordinierten Aktionen der deutschen RAF und palästinensischer Gruppen einen Höhepunkt. Der Dschihad, der Kampf im Namen Allahs, bildet eine weitere Ausprägung. Schon im Koran wird das Konzept erwähnt. Später beriefen sich etwa die algerische Befreiungsbewegung FLN oder die afghanischen Mudschaheddin darauf. Doch erst in jüngerer Zeit wurde der Todeswunsch Teil der Motivation dschihadistischer Attentäter. Das Handlungsmuster zieht sich von Khaled Kelkal 1995 bis zum Anschlag im Bataclan 2015: Die Täter suchen gezielt den Tod, sprengen sich selbst in die Luft oder leisten bewaffneten Widerstand und sterben im Kugelhagel der Polizei. Der Attentäter von Toulouse 2012, Mohammed Merah, beschrieb seine Motivation mit dem auf Osama bin Laden zurückgehenden Satz: „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.“ Ebenso typisch ist der Todeswunsch für Dschihadisten, die aufseiten des Islamischen Staats kämpfen. Das ist ein neues Phänomen. Terroristen früherer Jahrzehnte planten oft akribisch...

Über den Autor

Der Politologe Olivier Roy ist Forschungsdirektor am Centre National de la Recherche Scientifique und lehrt unter anderem am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz.


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