Zusammenfassung von Betrachtungen eines Unpolitischen

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Betrachtungen eines Unpolitischen Buchzusammenfassung
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Rezension

Thomas Manns essayistisches Schlüsselwerk

Thomas Mann wäre 1914 wohl am liebsten selbst in den Schützengraben gestiegen, hätte man ihn nicht ausgemustert. So leistete er stattdessen Kriegsdienst mit der Feder. Die Arbeit am Zauberberg blieb liegen, und Mann verschrieb sich bis 1918 ganz den Betrachtungen eines Unpolitischen. Wegen einiger kriegseuphorischer Aufsätze gemieden, wagte er sich in der Einsamkeit auf abwegige geistige Pfade. Die Betrachtungen sind aufgrund ihrer Kriegsverklärung und der radikalen Ablehnung der Demokratie bis heute höchst umstritten. Das Werk enthält auch persönlichen Zündstoff. Äußerst streitlustig kritisiert Mann seinen Bruder Heinrich als opportunistischen „Zivilisationsliteraten“. Das führte zum Bruch der Brüder. Die Betrachtungen sind aber mehr als eine konservative Streitschrift. Das Werk wurde Mann, der nach 1918 vom Monarchisten zum Republikaner mutierte, oft als Verirrung vorgeworfen. Wohl sind viele Ansichten, die er im Buch vertritt, überholt. Wenn das politisch Unkorrekte allerdings als literarische Polemik verstanden wird, erhält es selbst heute frappierende Aktualität. Das Vergnügen der Lektüre sollte keineswegs nur Germanisten vorbehalten sein.

Über den Autor

Thomas Mann wird am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren. Er ist der zweite Sohn einer großbürgerlichen Kaufmannsfamilie, sein älterer Bruder Heinrich wird ebenfalls Schriftsteller. Thomas hasst die Schule und verlässt das Gymnasium ohne Abitur. Nach dem Tod des Vaters zieht die Familie 1894 nach München, dort arbeitet Mann kurzfristig als Volontär bei einer Feuerversicherung. Als er mit 21 Jahren volljährig ist und aus dem Erbe des Vaters genug Geld zum Leben erhält, beschließt er, freier Schriftsteller zu werden. Er reist mit Heinrich nach Italien, arbeitet in der Redaktion der Satirezeitschrift Simplicissimus und schreibt an seinem ersten Roman Buddenbrooks, der 1901 erscheint und ihn sofort berühmt macht. Der Literaturnobelpreis, den er 1929 erhält, beruht vor allem auf diesem ersten Buch – Mann, nicht uneitel, erwartet die Auszeichnung allerdings schon 1927. Trotz seiner homoerotischen Neigungen heiratet er 1905 die reiche Jüdin Katia Pringsheim. Sie haben sechs Kinder, darunter Klaus, Erika und Golo Mann, die ebenfalls als Schriftsteller bekannt werden. Weil Thomas den Ersten Weltkrieg zunächst befürwortet, kommt es zwischen ihm und seinem Bruder Heinrich zum Bruch, der mehrere Jahre andauert. 1912 erscheint die Novelle Der Tod in Venedig, 1924 der Roman Der Zauberberg. In den 1930er Jahren gerät er ins Visier der Nationalsozialisten, gegen die er sich in öffentlichen Reden ausspricht; seine Schriften werden verboten. Nach der Machtergreifung Hitlers kehrt er von einer Vortragsreise nicht mehr nach Deutschland zurück. Zunächst leben die Manns in der Schweiz, 1938 emigrieren sie in die USA, 1944 nimmt Mann die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1947 erscheint Doktor Faustus, eine literarische Auseinandersetzung mit der Naziherrschaft. Nach dem Krieg besucht Thomas Mann Deutschland nur noch sporadisch; die von ihm vertretene Kollektivschuldthese verschafft ihm nicht nur Anhänger. Als die Manns 1952 nach Europa zurückkehren, gehen sie wieder in die Schweiz. Thomas Mann stirbt am 12. August 1955 in Zürich.

 

Zusammenfassung

Streitschrift eines Künstlers

Im Ersten Weltkrieg kämpft Thomas Mann am Schreibtisch, er leistet nach eigenem Verständnis patriotischen Wehrdienst, indem er eine „Künstlerschrift“ erstellt. Jedes literarische Kunstwerk wäre durch Betrachtungen dieser Art überladen worden. Eine öffentliche Auseinandersetzung des Künstlers mit der Zeitenwende in Europa ist aber unvermeidlich. Der Weltkrieg der Entente-Mächte Frankreich, England und Russland gegen Deutschland ist auch ein Konflikt der Weltanschauungen. Die Ideale von Demokratie, Fortschritt und Freiheit werden als Deckmantel für eine deutschfeindliche Politik missbraucht. Der Krieg ist eine Verschwörung der Zivilisationsmächte gegen das Deutschtum. Das Pathos der Weltdemokratie entspricht nicht dem konservativen und unliterarischen germanischen Wesen. Die Demokratie kann Deutschland nicht mit Parolen eingetrichtert werden. Zu stark ist hierzulande der Protestantismus, ein ewiger Protest gegen alles Lateinische und gegen den Geist des Westens. Der Krieg von 1914 ist nur ein weiterer Ausbruch des deutschen Trotzes gegen die Übermacht der Aufklärung und ihre geballte Rhetorik der Freiheit.


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