Zusammenfassung von Der Tod des Vergil

New York 1945
Diese Ausgabe: Suhrkamp, Mehr

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Der Tod des Vergil Buchzusammenfassung
Am Ende ein Zweifler: Hermann Broch malt sich Vergils letzte Stunden aus.

Rezension

Der Tod und das Dichten

Der Tod des Vergil ist sicherlich einer der anspruchsvollsten Prosaversuche des 20. Jahrhunderts. Broch nähert sich einer Erfahrung an, die uns allen bevorsteht: dem Sterben. Indem er dies an dem bekannten antiken Dichter durchexerziert, macht er Vergil zur überzeitlichen Figur. Zugleich werden mit der Schilderung des Reichs unter Kaiser Augustus Parallelen zum Nationalsozialismus gezogen: Beide Epochen sind dem Untergang geweiht, obwohl die Staatenlenker weiter vor Selbstbewusstsein zu strotzen scheinen. Welche Rolle kommt in solchen Zeiten dem Dichten zu? Keine, scheint Broch zu glauben: Sein Vergil will in den letzten Stunden sein Hauptwerk, die Äneis, verbrennen. Die Zeiten verlangen nach Taten, nicht nach schönen Versen, so die desillusionierende Erkenntnis. Broch verfolgte in seinem belletristischen Schaffen die Absicht, Schönheit mit Analyse zu verbinden. Das geht sprachlich nicht immer auf: Das Lyrische kippt zuweilen ins Pathetische, die gedankliche Klarheit driftet ab ins Abstrakte, und überlange, litaneihafte Sätze machen das Lesen vor allem im Mittelteil anstrengend. Dennoch ist die eindringliche Darstellung des Übergangs vom Leben zum Tod die anspruchsvolle Lektüre wert.

Zusammenfassung

Ankunft in Brundisium
Die Flotte des Kaisers Augustus läuft zwei Tage vor dessen 43. Geburtstag im Hafen von Brundisium ein. Auf einem der Schiffe befindet sich der todkranke 51-jährige Dichter Vergil. Er hadert damit, auf Augustus’ Zureden eine Athenreise abgebrochen zu...
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Über den Autor

Hermann Broch wird am 1. November 1886 in Wien als Sohn einer jüdischen Textilindustriellenfamilie geboren. Den Weisungen des Vaters folgend, macht er eine Ausbildung zum Textilingenieur. Um 1908 beginnt er, erste schriftstellerische Arbeiten zu veröffentlichen; dabei verfasst er von vornherein sowohl philosophisch-wissenschaftliche als auch dichterische Texte. 1909 wird er Direktor in den Fabriken seines Vaters; im gleichen Jahr heiratet er die Industriellentochter Franziska von Rothermann, deren Familie zuliebe er zum Katholizismus übertritt. 1910 wird sein einziger Sohn geboren. Während des Ersten Weltkriegs leitet Broch ein Garnisonskrankenhaus. Obwohl er nach dem Krieg seine Fabriken zu modernisieren versucht, gerät er in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Auch seine Ehe scheitert. 1923 lässt er sich scheiden, vier Jahre später verkauft er die Firma und beginnt ein neues Leben als freier Schriftsteller. Nebenbei studiert er Mathematik, Philosophie und Psychologie. Sein erstes Hauptwerk, die Romantrilogie Die Schlafwandler, erscheint 1930/31 und schildert an drei Hauptfiguren und drei Zeitabschnitten exemplarisch das Ende der Wilhelminischen Epoche. Nach der Besetzung Österreichs durch die Nationalsozialisten kommt Broch im März 1938 wegen seiner Schriften für drei Wochen in Haft. Danach flieht er erst nach England, um im Oktober 1938 in die USA zu emigrieren; Thomas Mann besorgt ihm ein Visum. In ständigen Geldsorgen und auf Stipendien angewiesen, verbringt er seinen letzten Lebensabschnitt überwiegend in New Haven, Connecticut. Seine Hauptprojekte in den USA sind Der Tod des Vergil (1945) sowie diverse Studien zur Massenpsychologie. Der Roman Die Schuldlosen (1950) handelt vom Mitläufertum im Faschismus und fasst elf Erzählungen aus früheren Jahren zusammen. Hermann Broch stirbt am 30. Mai 1951 in New Haven.


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