Zusammenfassung von Der Untergeher

Frankfurt am Main 1983
Diese Ausgabe: Suhrkamp, Mehr

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Der Untergeher Buchzusammenfassung
Eine kunstvolle Variation über Genie und Scheitern in der Musik.

Rezension

Brillante Etüde über das Los des Virtuosen

Die Existenz des Künstlers ist hochriskant und lebensgefährlich, in der Musik wie in der Literatur. Wenige bringen es zur absoluten Meisterschaft, unter ihnen der kanadische Pianist Glenn Gould. Diese historische Figur spielt, leicht verfremdet, im Untergeher eine fatale Rolle. Denn bei der Begegnung mit Gould merken der anonyme Erzähler und sein Studienfreund Wertheimer, dass sie in der Kunst das Höchste nicht erreichen können. Sie scheitern an Goulds Genialität und geben beide das Klavierspiel auf. Wertheimer kommt nicht darüber hinweg und bringt sich um. Der Erzähler indes flüchtet sich in die Philosophie und droht auch da zu scheitern. Doch als er nach Wertheimers Beerdigung dessen Nachlass aufspüren will, reflektiert er die Beziehung der drei Künstlertypen und erhält die lebensrettende Erkenntnis. Der Untergeher ist ein berauschender innerer Monolog, atemlos und praktisch ohne Absätze – typisch Thomas Bernhard. Dieser variiert darin kunstvoll Bachs Goldberg-Variationen: eine virtuose Fingerübung eines großen Meisters.

Zusammenfassung

Ein fataler Meisterkurs
Der Erzähler betritt ein Gasthaus in Oberösterreich und denkt dabei an seine Jugendfreundschaft mit Wertheimer und Glenn Gould, dem berühmtesten Klaviervirtuosen des 20. Jahrhunderts. Die drei haben vor 28 Jahren gemeinsam als junge Klavierstudenten...
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Über den Autor

Thomas Bernhard wird am 9. Februar 1931 in den Niederlanden als unehelicher Sohn österreichischer Eltern geboren. Den Vater lernt er nie kennen. Die Mutter, eine mittellose Haushaltshilfe, gibt den Sohn zunächst in Pflege. Das Verlassensein prägt Bernhard und sein späteres Werk tief. 1932 kehrt die Mutter nach Österreich zurück, sie lebt mit dem Kind bei ihren Eltern. Bernhards Großvater Johannes Freumbichler ist ein verarmter Heimatschriftsteller, der dem Enkel bald als Vaterersatz gilt. Die Schulzeit empfindet Bernhard als Qual. 1945 misslingt ein Selbstmordversuch. Armut und schlechte Noten veranlassen ihn 1947 zur Aufgabe der Schule und zum Beginn einer Lehre. 1949 kommt er aufgrund einer Rippenfellentzündung ins Krankenhaus und entgeht nur knapp dem Tod. Dann wird Tuberkulose diagnostiziert. Bernhard verbringt knapp zwei Jahre in Krankenhäusern und Sanatorien; dort beginnt er zu schreiben und lernt auch seinen „Lebensmenschen“, die 35 Jahre ältere Hedwig Stavianicek kennen. Im Anschluss arbeitet er als Journalist, später studiert er Schauspiel. 1957 veröffentlicht er seinen ersten Gedichtband Auf der Erde und in der Hölle. Doch erst der Roman Frost (1963) bringt den Durchbruch. Bernhard gilt bald als einer der wichtigsten Autoren deutscher Sprache. Auch sein zweiter Roman Verstörung (1967) wird gefeiert. 1970 inszeniert Claus Peymann Bernhards erstes langes Theaterstück Ein Fest für Boris. Damit beginnt eine fruchtbare Zusammenarbeit, denn Peymann wird etliche von Bernhards abendfüllenden Stücken auf die Bühne bringen. Bernhard setzt sich unter Schreibdruck, sei es wegen seiner Immobilienkäufe oder seiner sich verschlechternden Gesundheit. Er veröffentlicht oft mehrere Werke pro Jahr, bis ihn Mitte der 80er Jahre Atemnot und Herzschwäche langsam in die Knie zwingen. 1984 rüttelt der Roman Holzfällen die Wiener Künstlerszene auf, 1986 erscheint sein Prosa-Meisterwerk Auslöschung, und Ende 1988 erlebt Bernhard mit Heldenplatz eine letzte Skandalpremiere. Am 12. Februar 1989 stirbt Thomas Bernhard in Gmunden an Herzversagen.


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    Guest vor 2 Jahren
    Wie in den Interpretationsansätzen zu lesen ist, werden Bachs ­«Goldverg-Variationen» 32 mal erwähnt: zwei mal für die Aria und 30 mal die Variationen. Die 30. und letzte Variation, ein sogenanntes Quodlibet, nehme dabei bezug auf den Holzfäller und die Wirtin. Der durchtriebene Leser könnte sich darunter auch etwas anderes vorstellen: den Romanhelden Wertheimer zusammen mit der Wirtin auf dem Zimmer – eine Szene, wie sie sich der Ich-Erzähler mehrmals durch den Kopf gehen lässt, unten im Eingang stehend.

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