Zusammenfassung von Die Falschmünzer

Paris 1925
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Die Falschmünzer Buchzusammenfassung
Wie stillt man seinen Lebenshunger in einer Welt voller Spießbürger? André Gide erfand mit seinem experimentellen Roman den Typus des „rebel without a cause“.

Rezension

Ein Roman wie das Leben

André Gide erfand den Typus des „rebel without a cause“, lange bevor James Dean durch das Amerika der 1950er Jahre stolperte: Zwar stammen seine jungen Rebellen in Die Falschmünzer aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und tragen adrette Anzüge statt abgewetzter Jeans. Doch sie leiden ähnliche Qualen: Was tun in einer Welt voller intellektueller Rattenfänger, bigotter Christen und scheinheiliger Spießbürger? Wie soll sich ein junger, lebenshungriger Mensch in diesem Mief entfalten? Für Gide führt der Weg zum Ich über die Sinne und einen offenen Umgang mit der Sexualität. Zwar deutet er die homosexuellen Abenteuer so subtil an, dass man zeitweise an ihrer Existenz zweifelt. Und sicherlich könnte man damit heute keine fromme Seele mehr provozieren. Doch 1925 sorgte Gide mit seiner Ehrlichkeit für einen Skandal. Auch stilistisch verunsicherte er seine Zeitgenossen: Er schrieb − wie andere Autoren erst drei Jahrzehnte nach ihm − als neutraler Beobachter, der sich mal in diese, mal in jene Person hineinversetzt und nie schlauer ist als der Leser. Tragödien bleiben unerklärt, Pläne werden nie umgesetzt, und das Ende bleibt offen – wie im wahren Leben.

Zusammenfassung

Ein Bastard büxt aus
Der Gymnasiast Bernard Profitendieu hat durch Schnüffelei herausgefunden, dass der Mann seiner Mutter nicht sein Vater ist. Er schreibt ihm einen bitter-zynischen Abschiedsbrief und läuft von zu Hause fort. Das Familienidyll des Untersuchungsrichters Albéric...
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Über den Autor

André Gide wird am 22. November 1869 in Paris in eine wohlhabende protestantische Familie geboren. Als er elf Jahre alt ist, stirbt sein Vater. Der junge Gide ist kränklich und erleidet mehrere Nervenkrisen. Seiner Mutter gesteht er einmal unter Tränen, dass er einfach anders sei als seine Schulkameraden. Nach seinem Abitur 1890 schließt er sich einem Literatenkreis an, in dem er Stéphane Mallarmé und Oscar Wilde kennen lernt. Er schreibt symbolistische Werke, nimmt die Vertreter der „L’art pour l’art“ allerdings schon früh aufs Korn. 24-jährig reist er nach Nordafrika, wo er seine ersten homosexuellen Erfahrungen macht. Er empfindet die Reise als Befreiung von den puritanischen Werten und erstickenden Moralvorstellungen seiner Kindheit. Im Mai 1895 stirbt seine Mutter; wenige Monate darauf heiratet Gide seine Cousine Madeleine Rondeaux. Die Ehe wird angeblich nie vollzogen. Schreibend verarbeitet Gide seine Schuldgefühle, plädiert aber zugleich für individuelle Freiheit und Selbstverantwortung. Den literarischen Durchbruch erzielt er 1902 mit dem psychologischen Roman L’Immoraliste (Der Immoralist). Er handelt von einem Mann, der seine homosexuellen Neigungen ohne Rücksicht auf seine kranke Frau auslebt. 1909 gründet Gide mit befreundeten Literaten die einflussreiche Literaturzeitschrift La Nouvelle Revue Française. 1911 schreibt er Corydon, eine Rechtfertigung der Homosexualität und Päderastie, die erst 13 Jahre später unter seinem Namen erscheint. Als er 1917 eine langjährige Beziehung mit Marc Allégret beginnt, ist dieser 16 Jahre alt. Das Ehepaar Gide lebt von nun an getrennt, und Madeleine verbrennt all seine Briefe. 1923 wird seine unehelich gezeugte Tochter Catherine geboren, die Gide aber erst nach Madeleines Tod 1938 adoptiert. In den 1930er Jahren sympathisiert er mit den Kommunisten, wird jedoch nach einem desillusionierenden Besuch in der Sowjetunion deren entschiedener Gegner. 1947 erhält André Gide den Literaturnobelpreis. Er stirbt am 19. Februar 1951. Ein Jahr später setzt der Vatikan sein Werk auf den Index.


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