Zusammenfassung von Die Umsiedler

Frankfurt am Main 1953
Diese Ausgabe: Suhrkamp, Mehr

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Die Umsiedler Buchzusammenfassung
Ein Fotoalbum der Flucht: Arno Schmidts assoziative Auseinandersetzung mit seiner Umsiedlung im Jahr 1950.

Rezension

Momentaufnahmen der Vertreibung

Arno Schmidt hatte angedroht, sich zu seiner Umsiedlung im Jahr 1950 literarisch zu äußern. In seiner drei Jahre später erschienenen Prosastudie erinnert er sich an die damit verbundenen Schwierigkeiten, an die bornierten Leute und die störrischen Behörden. Obwohl er den Erzähler anonym bleiben lässt und eine Liebesgeschichte dazudichtet, erzählt er zumindest teilweise seine eigenen Erlebnisse. Das tut er nicht in klassischer Tagebuchform, sondern indem er ein „Fotoalbum“ mit vielen skurrilen, eigenwilligen Bildern aufschlägt. Jedes von ihnen ist ein Stück Erinnerung, das sich nach und nach mit weiteren Details der Reise vermischt, die den Erzähler und seine Bekanntschaft Katrin zu ihrem neuen Bestimmungsort führt. Ironisch und bisweilen zynisch kommentiert Schmidt seine Gegenspieler und spart nicht mit bissigen Kommentaren zu Kirche und Religion. Genau das hat ihm für das folgende Buch (Seelandschaft mit Pocahontas) eine Klage und viele miese Kritiken eingebracht. Hier jedoch passt es in die Gefühlswelt des Vertriebenen, der Gott und die Welt anklagt. Ein frühes Werk, das mithalf, den Avantgarde-Autor und „deutschen James Joyce“ zu etablieren.

Zusammenfassung

Reisevorbereitungen
Ein namenloser Erzähler ist durch den Krieg nach Niedersachsen in die Nähe von Benefeld bei Walsrode gekommen. Er teilt sich eine Stube mit zwei Kriegsflüchtlingen. Sein Leben findet er trostlos, und Leute, die Wiederaufrüstung fordern, sind für ihn unsägliche...
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Über den Autor

Arno Schmidt wird am 18. Januar 1914 in Hamburg geboren. Kaum kann er lesen, macht er sich über jedes gedruckte Stück Papier her. Er ist, nach eigener Aussage, zum „Bibliophagen und zur Isolation prädestiniert“. Nachdem sein Vater, ein Polizeibeamter, stirbt, siedelt die Familie 1928 nach Lauban in Schlesien über. 1934 beginnt Schmidt mit einer kaufmännischen Lehre, die er drei Jahre später abschließt. Er arbeitet als Lagerbuchhalter in einer schlesischen Textilfabrik. 1937 heiratet er seine Kollegin Alice Murawski. Im Zweiten Weltkrieg kommt Schmidt zur Artillerie, er kämpft im Elsass sowie in Norwegen. Nach einem Einsatz in Niedersachsen gerät er in britische Kriegsgefangenschaft. Als der Krieg vorbei ist, arbeitet Schmidt an der Hilfspolizeischule Benefeld als Dolmetscher für Englisch. Noch bis 1955 müssen er und seine Frau in Notunterkünften leben, zunächst in Niedersachsen und dann, nach seiner Umsiedlung nach Rheinland-Pfalz, in Gau-Bickelheim. 1949 erscheint mit Leviathan die erste Erzählung des Autors. 1955 wird Seelandschaft mit Pocahontas veröffentlicht, ein Werk, das ihm eine Anzeige wegen „Gotteslästerung und Pornografie“ einbringt. Wieder muss Schmidt sich „umsiedeln“ lassen, diesmal vom katholischen Kastel an der Saar ins protestantische Darmstadt. Seinen Ruhepunkt findet er in Bargfeld, wo er sich mit finanzieller Unterstützung des Malers Wilhelm Michels ein Holzhaus kauft. Hier führt er fortan als freier Schriftsteller ein relativ abgeschiedenes Leben. Seine literarische Arbeit kulminiert 1970 im Hauptwerk Zettel’s Traum. Damit wird er endgültig zu einem Außenseiter der deutschen Literatur: Seine avantgardistische Prosa passt in kein Schema und kann keiner literarischen Strömung zugeordnet werden. Drei Jahre später verleiht ihm die Stadt Frankfurt am Main den Goethepreis. Neben seinem eigenen Werk tritt er als Übersetzer von James Fenimore Cooper, William Faulkner und Edgar Allan Poe hervor. Sein Interesse an Karl May führt zu Sitara und der Weg dorthin, einer Studie über den Abenteuerschriftsteller (1963). Arno Schmidt stirbt am 3. Juni 1979 an den Folgen eines Gehirnschlages in Celle.


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