Zusammenfassung von Ein weites Feld

Göttingen 1995
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Ein weites Feld Buchzusammenfassung
Der Roman, den Marcel Reich-Ranicki auf dem berühmt gewordenen Spiegel-Cover zerreißt: Ein wiederaufgelegter Fontane plaudert über die deutsche Einheit.

Rezension

Wanderungen eines Wiedergängers

Günter Grass’ Mammutwerk Ein weites Feld ist sowohl ein zeitgeschichtlicher wie auch ein historischer Roman. Er dreht sich um die deutsche Einheit von 1871 und um die von 1989/90 – und findet erstaunlich viele Parallelen. Verklammert sind die beiden Ebenen durch zwei Figuren, deren Gedächtnis je zwei Leben birgt: Fonty alias Theo Wuttke ist in Aussehen und Biografie der Wiedergänger Fontanes und zugleich dessen größter Fan; stets an seiner Seite ist Hoftaller, die Fortschreibung des „ewigen Spitzels“ aus Hans Joachim Schädlichs Roman Tallhover, dessen Titelfigur inzwischen schon rund 200 Jahre auf dem Buckel hat. Fonty und Hoftaller, der Bürger und sein Obrigkeitsschatten, spazieren in geschichtsträchtiger Zeit durch Berlin, die Mark Brandenburg und die Lausitz. Sie fachsimpeln über das Werk des Unsterblichen, streiten über die Zeitläufte, die einmal mehr nichts Gutes verheißen, oder über diese und jene familiäre Misslichkeit, die genau so schon dem Dichteroriginal passiert ist. Weiter geschieht nicht viel. Der abschweifungsreiche Plauderton ist in Anlehnung an Fontane durchaus beabsichtigt. Dennoch fanden viele Leser und Kritiker die knapp 800 Seiten doch arg lang. Unbestreitbar ist: Seit der Blechtrommel wurde kein Roman von Grass so kontrovers diskutiert wie der, den Marcel Reich-Ranicki auf einem Spiegel-Cover von 1995 zerreißt.

Zusammenfassung

Ein Wiedergänger und sein Schatten
Die beiden DDR-Bürger Theo Wuttke, genannt Fonty, und Ludwig Hoftaller sind Ende 1989 auf einem Spaziergang in Berlin unterwegs. Beide sind um die 70 und doch zugleich viel älter: Fonty ist bis in die Äußerlichkeiten der Wiedergänger ...
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Über den Autor

Günter Grass wird am 16. Oktober 1927 als Sohn eines Lebensmittelhändlers in Danzig geboren. Er besucht das Gymnasium und wird Mitglied der Hitlerjugend. Ende des Zweiten Weltkriegs meldet sich der 15-Jährige freiwillig zur Wehrmacht, um der familiären Enge zu entkommen. Nach einer Verwundung gerät er in Bayern in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wird. Grass zieht ins Ruhrgebiet, arbeitet dort im Bergbau und später im Rheinland als Landarbeiter. Er macht eine Steinmetzlehre und studiert von 1948 bis 1956 Bildhauerei in Düsseldorf und Berlin. Nach einem dreijährigen Aufenthalt in Paris gibt Grass die bildhauerische Arbeit auf. Mit dem Erscheinen seines ersten Romans Die Blechtrommel 1959 wird er schlagartig berühmt. In den 60er Jahren engagiert er sich politisch für die SPD und unterstützt den Wahlkämpfer Willy Brandt. Immer wieder mischt er sich in politische Debatten ein. Aus Protest gegen die restriktive Asylpolitik der SPD tritt er Anfang der 90er Jahre aus der Partei aus. Nach dem Fall der Berliner Mauer kritisiert Grass vehement die deutsche Wiedervereinigung als verfrüht. Er begrüßt zwar die neue Freiheit der Ostdeutschen, für deren Schutz bedürfe es jedoch der politischen Einheit Deutschlands nicht. Die Novellen Katz und Maus (1961) und Hundejahre (1963) bilden zusammen mit der Blechtrommel die Danziger Trilogie. Weitere wichtige Werke sind Örtlich betäubt (1969), Aus dem Tagebuch einer Schnecke (1972), Das Treffen in Telgte (1978) und Im Krebsgang (2002). 1999 wird Grass der Literaturnobelpreis für sein Lebenswerk verliehen. Im Sommer 2006 bekennt er mit dem Erscheinen seines autobiografischen Werks Beim Häuten der Zwiebel, dass er als 17-Jähriger Mitglied der Waffen-SS war. Diese späte Enthüllung löst eine heftige Debatte über Grass als moralische Instanz aus.


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