Zusammenfassung von Ein weites Feld

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Ein weites Feld Buchzusammenfassung

Rezension

Wanderungen eines Wiedergängers

Günter Grass’ Mammutwerk Ein weites Feld ist sowohl ein zeitgeschichtlicher wie auch ein historischer Roman. Er dreht sich um die deutsche Einheit von 1871 und um die von 1989/90 – und findet erstaunlich viele Parallelen. Verklammert sind die beiden Ebenen durch zwei Figuren, deren Gedächtnis je zwei Leben birgt: Fonty alias Theo Wuttke ist in Aussehen und Biografie der Wiedergänger Fontanes und zugleich dessen größter Fan; stets an seiner Seite ist Hoftaller, die Fortschreibung des „ewigen Spitzels“ aus Hans Joachim Schädlichs Roman Tallhover, dessen Titelfigur inzwischen schon rund 200 Jahre auf dem Buckel hat. Fonty und Hoftaller, der Bürger und sein Obrigkeitsschatten, spazieren in geschichtsträchtiger Zeit durch Berlin, die Mark Brandenburg und die Lausitz. Sie fachsimpeln über das Werk des Unsterblichen, streiten über die Zeitläufte, die einmal mehr nichts Gutes verheißen, oder über diese und jene familiäre Misslichkeit, die genau so schon dem Dichteroriginal passiert ist. Weiter geschieht nicht viel. Der abschweifungsreiche Plauderton ist in Anlehnung an Fontane durchaus beabsichtigt. Dennoch fanden viele Leser und Kritiker die knapp 800 Seiten doch arg lang. Unbestreitbar ist: Seit der Blechtrommel wurde kein Roman von Grass so kontrovers diskutiert wie der, den Marcel Reich-Ranicki auf einem Spiegel-Cover von 1995 zerreißt.

Über den Autor

Günter Grass wird am 16. Oktober 1927 als Sohn eines Lebensmittelhändlers in Danzig geboren. Er besucht das Gymnasium und wird Mitglied der Hitlerjugend. Ende des Zweiten Weltkriegs meldet sich der 15-Jährige freiwillig zur Wehrmacht, um der familiären Enge zu entkommen. Nach einer Verwundung gerät er in Bayern in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wird. Grass zieht ins Ruhrgebiet, arbeitet dort im Bergbau und später im Rheinland als Landarbeiter. Er macht eine Steinmetzlehre und studiert von 1948 bis 1956 Bildhauerei in Düsseldorf und Berlin. Nach einem dreijährigen Aufenthalt in Paris gibt Grass die bildhauerische Arbeit auf. Mit dem Erscheinen seines ersten Romans Die Blechtrommel 1959 wird er schlagartig berühmt. In den 60er Jahren engagiert er sich politisch für die SPD und unterstützt den Wahlkämpfer Willy Brandt. Immer wieder mischt er sich in politische Debatten ein. Aus Protest gegen die restriktive Asylpolitik der SPD tritt er Anfang der 90er Jahre aus der Partei aus. Nach dem Fall der Berliner Mauer kritisiert Grass vehement die deutsche Wiedervereinigung als verfrüht. Er begrüßt zwar die neue Freiheit der Ostdeutschen, für deren Schutz bedürfe es jedoch der politischen Einheit Deutschlands nicht. Die Novellen Katz und Maus (1961) und Hundejahre (1963) bilden zusammen mit der Blechtrommel die Danziger Trilogie. Weitere wichtige Werke sind Örtlich betäubt (1969), Aus dem Tagebuch einer Schnecke (1972), Das Treffen in Telgte (1978) und Im Krebsgang (2002). 1999 wird Grass der Literaturnobelpreis für sein Lebenswerk verliehen. Im Sommer 2006 bekennt er mit dem Erscheinen seines autobiografischen Werks Beim Häuten der Zwiebel, dass er als 17-Jähriger Mitglied der Waffen-SS war. Diese späte Enthüllung löst eine heftige Debatte über Grass als moralische Instanz aus. Im Alter von 87 Jahren stirbt Günter Grass am 13. April 2015 in Lübeck.  

 

Zusammenfassung

Ein Wiedergänger und sein Schatten

Die beiden DDR-Bürger Theo Wuttke, genannt Fonty, und Ludwig Hoftaller sind Ende 1989 auf einem Spaziergang in Berlin unterwegs. Beide sind um die 70 und doch zugleich viel älter: Fonty ist bis in die Äußerlichkeiten der Wiedergänger Theodor Fontanes; er ist auf den Tag genau 100 Jahre nach diesem geboren, zudem ebenfalls in Neuruppin, und kennt sich mit dem Werk des Schriftstellers bestens aus. Das hat er nicht nur auf Vorträgen für den Kulturbund unter Beweis gestellt – er zitiert Fontane auch unaufhörlich in spontaner Rede. Hoftallers Vorleben als Tallhover reicht ähnlich weit zurück: Ab 1840 war er ein Spitzel der verschiedenen regierenden Mächte in Deutschland. Entgegen seinem westlichen Biografen brachte er sich jedoch nach etwa 100 Dienstjahren nicht um, sondern machte Mitte der 1950er Jahre als Hoftaller weiter, zuerst, nach einem Seitenwechsel, im Dienst der BRD, dann ab 1961 wieder für die DDR. Er beschattet Fontane bzw. Fonty schon sehr lange und weicht ihm als sein „Tagundnachtschatten“ kaum von der Seite. Hoftaller wurde auf Wuttke durch dessen Abituraufsatz aufmerksam. Bereits im Zweiten Weltkrieg hatte er Fonty einen frontfernen Posten als Kriegsberichterstatter verschafft; dafür sollte der sich unter den Offizieren ein wenig umhören. Bis 1976 war Wuttke Vortragsreisender für den Kulturbund, und Hoftaller zensierte seine Vorträge; als Wuttke diese Tätigkeit hinwarf, besorgte ihm Hoftaller einen Job als Aktenträger im Haus der Ministerien. Diese Arbeit übt er noch immer halbtags aus. Als Gegenleistung hilft er Hoftaller, Akten verschwinden zu lassen. Auf ihren Spaziergängen setzen sie die deutsche Einheit 1989/90 mit der ersten deutschen Einheit, der Reichsgründung 1871, in Beziehung. Man erinnert sich an Fontanes leises Engagement um 1848 für Freiheit und Demokratie. Hoftaller weist ihm aber auch Unrühmliches nach: widersprüchliche Aussagen über Juden, zwei uneheliche Kinder, seine Spitzeltätigkeit in London. Letztlich sei er angepasst gewesen und habe höchstens in Briefen gemeckert.

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