Zusammenfassung von Philoktet

Velber 1965
Diese Ausgabe: Suhrkamp, Mehr

Buch kaufen

Philoktet Buchzusammenfassung
Griechisches Hassdreieck: Heiner Müller zeigt Unlösbares im alten Gewand.

Rezension

Troja trifft auf DDR

In seinem Antikendrama Philoktet, geschrieben um die Zeit des Mauerbaus, zeigt Heiner Müller in drastischer Deutlichkeit drei politische Haltungen, die sich nicht miteinander vereinbaren lassen. Drei Griechen zur Zeit des Trojanischen Krieges repräsentieren den Funktionär, den Moralisten und das gebrochene Individuum. Die Bedürfnisse des Einzelnen stehen den Erfordernissen des Gemeinwohls entgegen. In diesem Krieg der Weltanschauungen gibt es keine Lösung und keinen Guten. Die Tragik des Stücks besteht darin, dass die Verantwortung für die Gemeinschaft nicht ohne Schuld zu haben ist. So wird hier der Moralist zum Mörder, der Systemstratege benutzt selbst Leichen für höhere Zwecke, und das Opfer kann nicht mit der Gemeinschaft, aber auch nicht ohne sie leben. Die lesenswerte Neuauflage eines Klassikers, die inzwischen selbst ein Klassiker geworden ist.

Zusammenfassung

Der Auftrag
Der Darsteller des Philoktet tritt in Clownsmaske vor das Publikum, um es zu warnen: Aus dem folgenden Stück lasse sich nichts lernen. Es führe in eine ferne Vergangenheit, die brutaler und gefährlicher gewesen sei als die Gegenwart. Wer das Theater noch verlassen wolle...
Lesen Sie die Hauptaussagen dieses Buches in weniger als 10 Minuten. Erfahren Sie mehr über unsere Produkte. oder loggen Sie sich ein.

Über den Autor

Heiner Müller wird am 9. Januar 1929 als Sohn eines Verwaltungssekretärs und einer Fabrikarbeiterin in Eppendorf in der Nähe von Chemnitz geboren. Sein Vater wird als Sozialist von den Nationalsozialisten verhaftet und kommt für einige Monate ins Konzentrationslager. Müller selbst wird Ende 1944 zum Volkssturm eingezogen, erlebt aber keine Schlachten mehr. 1948 macht er sein Abitur; noch auf dem Gymnasium unternimmt er erste Schreibversuche. Seine Eltern und sein Bruder fliehen 1951 in den Westen, aber Heiner Müller bleibt in der DDR und geht nach Berlin, um dort an einer Karriere als Dramatiker und Journalist zu feilen. Als Kulturjournalist kann er sich gerade so durchschlagen, als Dramatiker wird er ab 1957 mit seinen Stücken Der Lohndrücker und Die Korrektur erstmals wahrgenommen. Nachdem er zwischen 1951 und 1954 zweimal Rosemarie Fritzsche geheiratet und sich wieder von ihr hat scheiden lassen, ehelicht er 1955 die Schriftstellerin Inge Meyer, die sich 1966 das Leben nehmen wird. Sein Stück Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande (1961) wird von DDR-Funktionären als Angriff auf den Mauerbau gelesen; Heiner Müller wird aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen und darf zwei Jahre lang nicht publizieren. In den 1960er Jahren wendet er sich antiken Stoffen zu. Neben Philoktet (1964) entstehen etwa Ödipus, Tyrann (1966) oder Prometheus (1968), und Müller etabliert sich auch in Westdeutschland und in den USA. Eine Amerikareise 1975 verändert seine Stücke hin zu Textlandschaften, die oft als postmodern beschrieben werden und sich einer direkten Darstellbarkeit auf der Bühne entziehen: In Verkommenes Ufer Medeamaterial Landschaft mit Argonauten (1982) sind Dialoge durch lyrische Monologe ersetzt, Bildbeschreibung (1984) ist ein einziger achtseitiger Satz. 1985 erhält Müller in der BRD den Georg-Büchner-Preis; er gilt nun als wichtigster deutschsprachiger Dramatiker. Nach dem Ende der DDR arbeitet er vor allem als Regisseur, er wird Direktor des Berliner Ensembles – Stücke aber schreibt er nicht mehr. Am 30. Dezember 1995 stirbt Müller, der noch zwei weitere Male geheiratet hat, in Berlin an Speiseröhrenkrebs.


Kommentar abgeben

Mehr zum Thema

Mehr in den Kategorien