Zusammenfassung von Lehrjahre des Herzens

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Lehrjahre des Herzens Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Gesellschaftsroman
  • Realismus

Worum es geht

Roman der Desillusionierung

Lehrjahre des Herzens erzählt die Geschichte des jungen Frédéric Moreau, der in den 1840er-Jahren mit hochfliegenden Träumen aus der Provinz nach Paris kommt. Hier widmet er sich halbherzig dem Studium und taucht in das brodelnde Stadtleben ein. Frédérics Verhängnis ist die Begegnung mit der verheirateten Madame Arnoux: Er verschreibt sich ganz dieser reinen, aber unmöglichen Liebe und verliert in der Verwirrung seiner Gefühle alle seine Visionen. Diverse Ersatzliebschaften erfüllen ihn nicht: weder die feurige Kurtisane Rosanette noch die reiche Madame Dambreuse und schon gar nicht die naive Nachbarstochter Louise. Schließlich hat Frédéric, wie er am Schluss in einem melancholischen Rückblick feststellt, durch seine schwärmerische Obsession sein ganzes Leben verpfuscht. Gustave Flaubert perfektionierte in diesem Buch, seinem persönlichen Lieblingswerk, den realistischen Erzählstil. Der Roman sorgte zwar für weniger Furore als die berühmte Madame Bovary, sein Einfluss auf die Entwicklung der europäischen Literatur war aber beträchtlich. Mit nüchterner Ironie wird das Scheitern einer ganzen Generation beschrieben. Und unter der deprimierenden Oberfläche der Handlung gibt es in Flauberts antiromantischem Meisterwerk einige sprachliche Kostbarkeiten zu entdecken.

Take-aways

  • In Lehrjahre des Herzens perfektionierte Gustave Flaubert jene realistische Erzählkunst, die ihn mit Madame Bovary berühmt gemacht hatte.
  • Der Roman schildert 30 Jahre aus dem Leben des einst viel versprechenden Jünglings Frédéric Moreau, in denen er all seine Hoffnungen verpfuscht.
  • Zum Verhängnis wird ihm, dass er sich unsterblich in die verheiratete Madame Arnoux verliebt, die den naiven Verehrer zappeln lässt.
  • Frédéric wird in den Wirren seiner Gefühle zum Spielball seiner Umgebung.
  • Er erlebt die Ereignisse der Pariser Februarrevolution von 1848 und unterhält Liebschaften mit mehreren Frauen.
  • Viele Jahre später trifft er Madame Arnoux noch einmal wieder, doch sie finden nicht zueinander. Was bleibt, ist Desillusion.
  • In der Schilderung des Schicksals von Frédérics Freunden zeigt der Roman auch das Scheitern einer ganzen Generation.
  • Flaubert zerstört in Lehrjahre des Herzens gleich reihenweise Ideale; romantische Idyllen werden mit Ironie erbarmungslos entstellt.
  • Die Reaktion des Publikums auf den Roman war kühl, die der zeitgenössischen Kritik sogar eisig.
  • Lehrjahre des Herzens hat jedoch andere Autoren wie Franz Kafka oder Walter Benjamin entscheidend beeinflusst.
  • Der Roman enthält auch einige autobiographische Spuren, etwa Flauberts Liebesmühen mit älteren Frauen.
  • Der Autor überwand mit diesem Roman die Romantik in Frankreich; das Buch ist ein Hauptwerk des französischen Realismus.
 

Zusammenfassung

Das Verhängnis eines talentierten Jünglings

Der 18-jährige Frédéric Moreau reist nach einem viel versprechenden Abitur von Paris in seine Heimat nach Nogent-sur-Seine zurück. Unterwegs begegnet er auf dem Schiff einer dunkelhaarigen Schönheit, die ihn nicht mehr in Ruhe lässt. Frédéric spricht mit dieser Dame namens Madame Arnoux zwar kein Wort, in seiner Phantasie erfüllt sie aber alle seine Wunschträume. Er setzt sich in den Kopf, ihr Geliebter zu werden. Zu Hause wird Frédéric aber vorerst von seiner ehrgeizigen Mutter erwartet. Er trifft sich auch mit seinem Freund Charles Deslauriers. Die beiden bauen gemeinsam Luftschlösser. Deslauriers übt sich in revolutionären Brandreden, während Frédéric sich eine Laufbahn als Poet ausmalt. Zwei Monate später ist Frédéric zurück in Paris, wo er halbherzig ein Rechtsstudium aufnimmt. Zufällig begegnet er Herrn Arnoux, der in der Rue Montmartre einen Kunstladen führt. Frédéric geht dort immer wieder vorbei und freut sich ungemein, wenn er auch nur einen Blick auf den Schatten von Madame erhascht. Er beginnt, einen Heldenroman um sie zu schreiben und mietet sich zum Komponieren von Walzern ein Klavier. Unter Frédérics ersten Pariser Bekanntschaften sind Martinon, ein unbeschwerter Lebemann vom Land, de Cisy, ein naiver Aristokrat, sowie der kluge und radikale Republikaner Sénécal. Das erste Examen besteht Frédéric mit Müh und Not.

Unfruchtbare Annäherungen

Am Rande einer Demonstration stößt Frédéric auf den vorwitzigen Aktivisten Hussonet. Gemeinsam versuchen die beiden, den Revolutionär Dussardier aus der Polizeihaft zu befreien. Hussonet nimmt Frédéric in Arnoux’ Kunstsalon mit. Dort gehen beim umtriebigen Hausherrn allerlei illustre Gestalten ein und aus. Zum Beispiel der Künstler Pellerin, der die Genialität seiner Theorien bis jetzt nie ganz auf die Leinwand gebracht hat. Oder Fräulein Vatnaz, die Arnoux verdächtig nahe steht. Frédéric geht nun fast täglich im "Kunstgewerbe" vorbei und wird Zeuge von Arnoux’ zwielichtigem Geschäftsgebaren und seinen Liebschaften. Als er vom Hausherrn zu einem Abendessen eingeladen wird, kleidet Frédéric sich komplett neu ein. Beim Diner hat er nur Augen für Madame Arnoux, kippt nach einer kleinen Plauderei mit ihr vor Aufregung fast um und ist verzückt von ihrem Handschlag zum Abschied. Für Frédéric ist die kleinste Gebärde von Madame ein großes Zeichen. Ihretwegen will er Maler werden.

„Er fand, das Glück, das er seiner überragenden Eigenschaften wegen verdient hätte, lasse allzu lange auf sich warten.“ (über Frédéric, S. 8)

Frédéric wird nun regelmäßig von Arnoux zum Diner eingeladen. Dort verschlingt er stets den ganzen Abend lang Madame Arnoux mit den Augen. Weil er nur noch an sie denkt, fällt Frédéric beim zweiten Examen durch. Als er einmal die Gelegenheit erhält, sie am Arm durch die Stadt zu begleiten, verpasst er es in seinem Gefühlstaumel, ihr seine Liebe zu gestehen. Sein Freund Charles Deslauriers hat derweil eine Stelle als Hilfskanzlist angenommen, und die beiden Freunde empfangen in ihrer gemeinsamen Wohnung eine Männerrunde, die über Politik, Frauen und Kunst debattiert. Nach dem Herrenabend bleibt Frédéric als Einziger der Gruppe ohne Frau zurück. Betrübt wandert er allein durch die Stadt und will sich von einer Brücke stürzen. Eine Einladung zu einem Abend auf Arnoux’ Landhaus lässt ihn aber wieder aufleben. Immer mutiger streicht er um Madame herum und macht ihr Komplimente, was sie zu genießen scheint. Frédéric träumt seinen Liebestraum weiter. Er besteht das Doktorexamen. Bei einem Besuch zu Hause gesteht ihm seine Mutter, dass das große Vermögen, das Frédéric zu erben hoffte, keineswegs existiert. Am Boden zerstört stellt er sich auf eine karge Existenz in der Provinz ein. Oft spielt er mit der kleinen Louise, der Tochter des Nachbarn. Madame Arnoux hat er fast vergessen, als er aus heiterem Himmel doch noch erbt: Ein Onkel hat ihm sein Vermögen hinterlassen. Sofort fasst Frédéric wieder ehrgeizige Pläne und zieht zurück nach Paris. Beim Abschied fällt ihm Louise um den Hals.

Trostlose Ersatzgenüsse

Im Rausch der höchsten Erwartungen trifft Frédéric in Paris ein. Doch mit Bestürzung stellt er fest, dass das "Kunstgewerbe" geschlossen ist und dass die Familie Arnoux die Stadt verlassen hat. Frédéric macht sie ausfindig. Arnoux versucht sich nun als Fabrikant von Billiggeschirr. Er freut sich über das Auftauchen von Frédéric und schleppt ihn zu einem Maskenball mit, wo er ihn seiner Geliebten Rosanette vorstellt. Diese flirtet mit dem verklemmten Frédéric, der auf dem Ball auch Hussonet und Fräulein Vatnaz wieder trifft. Mehr und mehr gerät Frédéric in den Bann der extravaganten Pariser Gesellschaft und es dürstet ihn nach Frauen.

„Da traf es ihn wie eine jähe Erscheinung. Sie saß in der Mitte der Bank, ganz allein; vielleicht konnte er auch, vom Glanz, den ihre Augen ausstrahlten, geblendet, sonst niemanden erkennen.“ (über Madame Arnoux, S. 11)

Frédéric investiert einen erheblichen Teil seines Vermögens in die Möblierung eines Einfamilienhauses. Er wird bei der Bankiersfamilie Dambreuse eingeladen. Trotz aller Faszination für diese besseren Kreise langweilt ihn der Besuch, und er geht auf dem Heimweg im Etablissement der Rosanette vorbei, in die er sich verliebt. Gleichzeitig flammt aber auch die unerfüllte Liebe zu Madame Arnoux wieder auf. Er besucht sie, und obwohl sie seine Annäherungsversuche abblockt, schöpft er neue, unbändige Lebensfreude. Um mit seinem Reichtum zu prahlen, lädt Frédéric seine alten Freunde ein. Sénécal ist noch radikaler und misstrauischer geworden, Dussardier freut sich ehrlich über Frédérics Glück und der Künstler Pellerin schimpft ärger denn je. Nach einem Abend mit lauten Debatten fühlt Frédéric, wie sich zwischen ihm und seinen alten Freunden ein Graben öffnet. Es zieht ihn immer stärker zu Rosanette hin. Frédéric stört es nicht, dass bei der strahlenden Schönheit viele Liebhaber ein und aus gehen. Um sie zu erobern, schlägt Frédéric ihr vor, sich von Pellerin malen zu lassen.

„Sie wissen doch, Madame, ohne Sie kann ich nicht leben!“ (Frédéric zu Madame Arnoux, S. 109)

Frédéric verschafft dem mittellosen Sénécal eine Stelle in Arnoux’ Fabrik. Hussonet besitzt unterdessen eine eigene Zeitung, während Deslauriers als Anwalt mäßig erfolgreich ist. Frédéric spielt mit dem Gedanken, die reiche Madame Dambreuse als Geliebte zu haben. Eines Nachts überrascht er das Ehepaar Arnoux bei einem Streit. Als Arnoux im Zorn das Haus verlässt, kommt Frédéric Madame so nahe wie nie zuvor: Er will sie gerade in die Arme nehmen, als Arnoux zurückkommt und ihn seinerseits als Freund des Hauses herzlich umarmt. Arnoux’ liederlicher Lebenswandel ekelt Frédéric immer mehr. Trotzdem gibt er ihm eine große Summe, die er eigentlich seinem Freund Deslauriers versprochen hat. Das Geld kann Arnoux aber nicht aus seinen Finanznöten retten. Madame Arnoux sucht Frédéric in dessen Haus auf, um ihn um Hilfe zu bitten. Als Frédéric bei dem Bankier Herrn Dambreuse vorspricht, ist das Ehepaar Arnoux aber schon aufs Land geflüchtet. Hals über Kopf reist Frédéric den beiden nach. Er überrascht Madame Arnoux beim Umkleiden und unternimmt mit ihr eine Fabrikführung, die er durchaus romantisch findet. Endlich ringt er sich auch zu einem Liebesgeständnis durch, erhält aber eine Abfuhr.

„Der regelmäßige Umgang mit den beiden Frauen war in seinem Leben wie zweierlei Musik: tändelnd-verspielt die eine, beschwingt und unterhaltsam; die andere ernst, feierlich und beinah fromm und gläubig.“ (über Rosanette und Madame Arnoux, S. 193)

Frédéric sucht wieder Trost bei Rosanette. Er genießt es, in ihrer Begleitung zum Pferderennen zu gehen, wo zufällig auch Madame Arnoux auftaucht. Rosanette umgarnt Frédéric mit ihren Reizen, verhöhnt aber Madame Arnoux, was ihn betrübt. Er verkauft einen weiteren Teil seines Erbes, um zu Bargeld zu kommen, das er rasch ausgibt. Frédéric wird doppelt verspottet: Einerseits von Hussonnet durch einen Zeitungsbericht über ein missglücktes Duell. Andererseits durch den Maler Pellerin, der sein schockierendes Bildnis der Rosanette ausstellt und dazu schreibt: "Im Besitz von Herrn Frédéric Moreau". Ein Verlust an der Börse nötigt Frédéric erneut zur Flucht aufs Land. In Nogent trifft er auf die inzwischen erwachsen gewordene Louise, die ihn unbedingt heiraten will. Unterdessen versucht Deslauriers in Paris, sich bei Madame Arnoux einzuschmeicheln. Als er bei ihr abblitzt, teilt er ihr mit, Frédéric werde heiraten. Diese Nachricht lässt Madame Arnoux erkennen, dass sie für Frédéric mehr empfindet. Dieser fühlt sich zu Hause derweil zum ersten Mal richtig geliebt - von Louise. Ihr ungebremstes Anhimmeln wird ihm dann aber doch zu viel, und er kehrt wieder nach Paris zurück.

Vier Frauen, ein Kind und die Revolution

In Paris sucht Frédéric Rosanette auf, die inzwischen im Schloss eines russischen Fürsten lebt. Als sie ihn dort verführen will, nimmt Frédéric Reißaus und begegnet in der Stadt zufällig Madame Arnoux, mit der er sich kurz unterhält. Diese Begegnung möchte er nicht für das schönste Abenteuer eintauschen. Frédéric besucht sie nun immer häufiger in ihrem Landhaus, wo die beiden glücklich in melancholischen Gesprächen schwelgen. Doch Frédéric will mehr von ihr, und er organisiert ein Rendezvous in einem Zimmer in der Stadt, zu dem sie einwilligt. Als der Tag kommt, ignoriert Frédéric einen Aufruf seiner Kameraden, die sich zum Aufstand versammeln. Zum Zeitpunkt des Treffens mit Madame Arnoux ist bereits ein ordentlicher Krawall im Gang, und die Dame versetzt Frédéric. Während sich die Straßenkämpfe in Paris ausbreiten, flieht Frédéric zu Rosanette. Sie lässt sich von ihm verführen. Nachdem er sie als Ersatz für Madame Arnoux in das Liebesnest gebracht hat, bricht Frédéric in fassungsloses Schluchzen aus.

„Als sie wieder nach Hause kamen, nahm Madame Arnoux ihren Hut ab. Die Lampe, die auf einer Konsole stand, beleuchtete ihr weißes Haar. Es traf ihn wie ein Schlag vor die Brust.“ (über Frédéric, S. 545)

Er wird durch den Revolutionslärm geweckt. Ungläubig schaut er den Straßenschlachten zu. Später trifft er auf Hussonet, mit dem er den geplünderten Königspalast betritt. Deslauriers wird vom Umsturz auf den Posten eines Kommissars in der Provinz gespült. Frédéric bummelt nach der Abschaffung der Monarchie mit Rosanette durch die Straßen von Paris, wo die Bittsteller bereits bei der neuen Regierung Schlange stehen. Während die Arbeiter mehr und mehr in eine Notlage geraten, entführt Fréderic Rosanette nach Fontainebleau, wo die beiden fern von den Wirren der Revolution einen romantischen Schlossurlaub machen. Entrückt wandern sie durch den Wald und genießen eine Art Flitterwochen, während in Paris die Schlacht tobt. Rosanette gesteht ihm ihre Liebe. Erst die Nachricht, dass Dussardier im Kampf verletzt worden ist, lässt Fréderic nach Paris zurückkehren. Die Stadt ist schwer von den Unruhen gezeichnet. Unmengen von Häftlingen werden von Nationalgardisten misshandelt. Die Gesellschaft im Haus Dambreuse fordert eine starke Hand, die für Ordnung sorgt. Bei einer Party treffen auch Madame Arnoux und Louise aufeinander. Fréderic gesteht beiden seine Liebe, obwohl er nicht im Geringsten an eine Heirat mit Louise denkt. Als ihr seine Untreue bewusst wird, bricht ihr das Herz.

„Ich hätte Sie so gerne glücklich gemacht!“ (Madame Arnoux, S. 547)

Frédéric lebt nun bei Rosanette. Weil Madame Arnoux ihm aber keine Ruhe lässt, besucht er sie wieder in ihrem Haus. Sie kommen einander sogar zärtlich näher. Doch beim Kuss platzt Rosanette in den Raum und nimmt Frédéric mit nach Hause: Sie erwartet ein Kind von ihm! Frédéric wird seiner Geliebten aber mehr und mehr überdrüssig. Fortan sucht er Zuflucht im Haus Dambreuse, wo er der Dame des Hauses nachstellt. Er ist überrascht, wie leicht sie sich erobern lässt, und quillt über vor Stolz. Der Bankier Dambreuse stirbt, und seine Frau will Frédéric umgehend heiraten, was ihn angesichts des erhofften Erbes verlockt. Nach der Beerdigung zeigt sich jedoch, dass Dambreuse alles seiner Tochter vermacht hat. Einmal mehr zerplatzt Frédérics Traum vom Wohlstand. Rosanette bringt einen Jungen zur Welt. Frédéric führt ein Doppelleben: Tagsüber ist er bei Madame Dambreuse, nachts bei Rosanette. Je mehr er die beiden wechselweise hintergeht, desto mehr scheinen sie ihn zu lieben. Sowohl Rosanette als auch die Familie Arnoux geraten immer stärker in finanzielle Schwierigkeiten. Arnoux hat an Lebensenergie eingebüsst und ist plötzlich religiös geworden. Frédérics Freund Deslauriers reist nach Nogent, um Louise beizubringen, dass Frédéric Heiratspläne hat. Das Kind von Frédéric und Rosanette stirbt jämmerlich.

Ein verpfuschtes Leben

Als Frédéric erfährt, dass der in Geldnöten steckende Arnoux fliehen will, organisiert er in letzter Minute 12 000 Franken, um Madame Arnoux nicht zu verlieren. Frau Dambreuse leiht ihm das Geld, doch er kommt zu spät: Alte Schuldscheine tauchen auf und geben der wirtschaftlichen Existenz der Familie Arnoux den Rest. Frédéric ist mit den Nerven am Ende und bricht endgültig mit Rosanette. Madame Dambreuse drängt ihn an die öffentliche Versteigerung von Arnoux’ Hab und Gut, wo ihm wegen der Erinnerung an die Besitzerin fast das Herz bricht. Als Madame Dambreuse gar ein Schmuckkästchen ersteigert, macht Frédéric auch mit ihr Schluss. Vom Trümmerhaufen seiner Pariser Träume glaubt er, sich wieder ins Idyll nach Nogent zurückziehen zu können. Doch als er dort eintrifft, verheiratet sich Louise soeben mit seinem Freund Deslauriers. Frédéric schwankt geknickt zurück nach Paris, wo er zu allem Übel noch Zeuge wird, wie Dussardier vom Polizisten Sénécal erstochen wird.

„Und dann hielten sie prüfende Rückschau auf ihr Leben. Beide hatten es verpfuscht, der eine mit seinem Traum von wahrer Liebe so gut wie der andere mit seinen Machtträumen.“ (über Frédéric und Deslauriers, S. 550)

Frédéric lebt in der Pariser Gesellschaft träge vor sich hin. 20 Jahre später wird er in seinem Arbeitszimmer von Madame Arnoux überrascht. Beide schwelgen noch einmal in Nostalgie, doch es trifft ihn wie der Schlag, als er ihr weißes Haar sieht. Sie küsst ihn zum Abschied wie eine Mutter auf die Stirn, lässt ihm eine Locke da und verschwindet. Im Winter söhnen sich Frédéric und Deslauriers aus und halten eine schonungslose Rückschau. Beide betrachten ihr Leben als verpfuscht, der eine aus Liebes-, der andere aus Machtträumen. Sie einigen sich darauf, dass das schönste Ereignis ihres Lebens ein Bordellbesuch war, den sie einmal in den Schulferien unternommen haben.

Zum Text

Aufbau und Stil

Der mehr als 500 Seiten starke Roman ist in drei Teile gegliedert, von denen jeder wieder in mehrere Kapitel unterteilt ist. Die Geschichte beginnt am 15. September 1840, als der 18-jährige Frédéric gerade sein Abitur gemacht hat, und umspannt in der Folge knapp 30 Jahre seines Lebens. Das Buch endet im Winter 1867, als Frédéric alle die Illusionen seiner Jugend endgültig verloren hat.

Interpretationsansätze

  • Lehrjahre des Herzens ist ein antiromantischer Roman: Ein wichtiges Motiv ist die systematische Zerstörung romantischer Ideale. So zerbrechen die Träume und Wünsche des Helden gleich reihenweise.
  • Mit der Hauptfigur Frédéric Moreau steht kein strahlender Held, der die Liebe seines Lebens erringt, sondern ein labiler Langeweiler im Zentrum der Geschichte, der vom hoffnungsvollen Jüngling immer mehr ins Mittelmaß versinkt und komplett versagt.
  • Der Autor führt das Scheitern einer ganzen Generation vor, die er über die Zeitspanne von fast 30 Jahren verfolgt. Frédéric ist eine Symbolfigur der politisch frustrierten 1848er-Generation, zu der auch Flaubert gehörte.
  • Das Buch ist ein Musterbeispiel für den französischen Realismus. Flaubert hat darin seine Ästhetik der "objektivierten Poesie" perfektioniert. Mit der detaillierten Beschreibung und der psychologischen Durchleuchtung verschiedener Milieus stellt der Roman ein Sittengemälde seiner Epoche dar. Neben der Beschreibung des Innenlebens der Protagonisten steht die genaue Wiedergabe der geschichtlichen Ereignisse um die Pariser Februarrevolution von 1848, welche auch ironisch kommentiert werden.
  • Der Roman steckt voll üppiger Symbolik, welche schier grenzenlose Interpretationsmöglichkeiten eröffnet. So ist z. B. in Flauberts wiederholter Beschreibung von weiblichen Füßen und Haaren ein ausgeprägter Fetischismus erkannt worden.

Historischer Hintergrund

Die gescheiterte Revolution von 1848

Bis die Errungenschaften der großen Revolution von 1789 in Frankreich gefestigt waren, erlebte das Land mehrere reaktionäre Phasen, und es bedurfte einer Reihe von weiteren Revolutionen, um der Demokratie zum Durchbruch zu verhelfen. Seit der Julirevolution von 1830 wurde Frankreich von König Louis-Philippe von Orleans regiert. Die Herrschaft dieses ursprünglich eher liberalen "Bürgerkönigs" wurde zunehmend von Korruption und Skandalen geprägt, was das Bürgertum enttäuschte und gegen den König aufbrachte. Nachdem Louis-Philippe ein geplantes Bankett für eine Wahlrechtsreform abgesagt hatte, kam es am 21. Februar 1848 zu Unruhen in Paris. Die Proteste weiteten sich schnell aus; Arbeiter, Handwerker und Studenten errichteten Barrikaden in der Stadt und besiegten die königlichen Truppen im Straßenkampf. König Louis-Philippe dankte ab und floh ins Exil, worauf das Bürgertum die zweite Republik ausrief. Trotz einiger Reformen blieb die Lage jedoch angespannt, und bei den Wahlen im Mai siegten die Konservativen und gemäßigten Liberalen. Gegen diese gewählte Versammlung regte sich rasch Kritik, insbesondere in den demokratischen Clubs von Paris. Am 24. Juni kam es zu einem neuen heftigen Arbeiteraufstand in der Hauptstadt, nachdem die französischen Nationalwerkstätten geschlossen worden waren. Der Juniaufstand wurde von Armee und Nationalgarde blutig niedergeschlagen, Tausende von Arbeitern wurden getötet oder in Straflager verbannt. Es folgte eine reaktionäre Konterrevolution, die letztlich Louis Napoléon an die Macht verhalf. Der Neffe von Napoléon Bonaparte wurde am 10. Dezember 1848 zum Staatspräsidenten gewählt. In den folgenden Jahren baute er seine Macht stetig aus, bis er sich Ende 1852 zum Kaiser von Frankreich ausrufen ließ.

Entstehung

Als 22-jähriger Student begann Gustave Flaubert 1843 eine erste Fassung des Romans unter dem Titel L’éducation sentimentale. Diese erste Version, die erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde, hat zwei Helden, die beiden schriftstellernden Jünglinge Henry und Jules, der eine sehr ehrgeizig, der andere völlig antriebslos. Im Gegensatz zur zweiten Version war dieses Werk noch ausgeprägt autobiographisch und im Stil romantisch. Flaubert zeigte das Jugendwerk zwar Freunden, er verwarf es aber 1845, weil es seinen Ansprüchen nicht mehr genügte. 1864, sieben Jahre nach dem Erscheinen der Buchausgabe von Madame Bovary - Flaubert war nun ein bekannter Schriftsteller - fasste er den Plan, die Lehrjahre des Herzens komplett umzuarbeiten. Er kam regelmäßig nach Paris, wo er gründlich recherchierte, um die historischen Abschnitte im Buch möglichst wahrheitsgetreu wiederzugeben. Gleichzeitig pflegte er einen intensiven Briefwechsel mit der 17 Jahre älteren Schriftstellerin George Sand, der er auch mehrmals aus dem Manuskript vorlas. 1869 lebte Flaubert für ein Jahr ganz in Paris und stellte den Roman fertig; er erschien im November. In fünf Jahren Arbeit war aus den persönlichen Jugenderinnerungen ein antiromantisches, sprachlich ausgefeiltes Kunstwerk geworden, das das Scheitern einer ganzen Generation spiegelte. Der Autor hielt das Buch für sein bestes Werk, weil es seine Ästhetik der unparteilichen Objektivität perfektionierte. Einige autobiographische Elemente haben die Überarbeitung aber überlebt. So erinnert die Figur der Madame Arnoux an eine unerfüllte Jugendliebe des Autors.

Wirkungsgeschichte

Lehrjahre des Herzens wurde vom Publikum kühl aufgenommen und von der Kritik regelrecht verrissen. Bemängelt wurden jene Eigenschaften des Romans, die für spätere Kritiker gerade die außerordentliche Qualität des Buches ausmachten: etwa dass im Zentrum nicht ein romantischer Held, sondern ein absolut durchschnittlicher Typ steht, der darüber hinaus wenig Erbauliches erlebt. Deprimierend, trostlos und banal sei die Geschichte, schimpften die Kritiker. Der Verriss war dermaßen niederschmetternd, dass Flaubert seine Mentorin George Sand in einem Brief um eine wohlwollende Rezension bat.

Das ketzerische Projekt des Autors, ein "Buch über nichts" zu schreiben, wurde erst ab dem 20. Jahrhundert von namhaften Autoren gewürdigt. So schätzten etwa Marcel Proust, Franz Kafka, Walter Benjamin und George Lukàcs die revolutionäre Struktur und die präzise Sprache des Romans. Flaubert wagte es als Erster, das Scheitern ins Zentrum einer Geschichte zu stellen. Der Roman war insofern wegweisend für die europäische Literaturgeschichte, seine Technik wurde unzählige Male nachgeahmt. So ist Lehrjahre des Herzens heute ein Standardwerk für Literaturwissenschaftler, dessen ausgefeilte Form und Fülle an Symbolik der Analyse keine Grenzen setzt. Als Markenzeichen Flauberts gelten die gezielt lückenhafte und ironische Erzähltechnik sowie die extreme Unpersönlichkeit der Darstellung. Der Roman wurde 1904 zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt. Gelegentlich wurde der Originaltitel L’éducation sentimentale auch als Lehrjahre des Gefühls oder Die Erziehung des Herzens wiedergegeben. Die Geschichte des Frédéric Moreau wurde 1973 in einer fünfteiligen melodramatischen TV-Serie verfilmt.

Über den Autor

Gustave Flaubert wird am 12. Dezember 1821 als zweiter Sohn eines Chirurgen in Rouen in der Normandie geboren. Er teilt das Schicksal vieler ungeliebter, weil ungewollter Kinder: Seine Kindheit verläuft eintönig und ist von wenig Zuneigung geprägt. Der Wohnort der Familie, ein Seitenflügel des Krankenhauses, tut ein Übriges, um Flauberts Kindheit düster zu überschatten. Nach der Schule und einem lustlos unternommenen Rechtsstudium in Paris zieht Flaubert sich immer mehr vom öffentlichen Leben zurück. Der Grund für seine Abschottung ist ein rätselhaftes Nervenleiden, das ihn auch zum Abbruch des Studiums zwingt. Auf seinem Landgut in Rouen widmet er sich der Schriftstellerei, die er fast schon asketisch zelebriert. 1846 lernt er Louise Colet kennen, die lange seine Geliebte und zur Zeit ihres Zusammentreffens bereits eine bekannte Schriftstellerin ist. Zwischen 1849 und 1851 unternimmt er mit seinem Freund Maxime Du Camp eine mehrmonatige Reise nach Griechenland, Ägypten und in den Nahen Osten. 1857 gelingt Flaubert mit Madame Bovary der große literarische Durchbruch. Ende der 50er-Jahre treibt es ihn nach Tunesien, wo er sich zu seinem Roman Salammbô (1863) inspirieren lässt. Die Romane L’Education sentimentale (Lehrjahre des Herzens, 1870) und La Tentation de Saint Antoine (Die Versuchung des heiligen Antonius, 1874) fallen beim Publikum durch. Einzig die 1877 erschienenen Meistererzählungen Trois Contes finden starke Beachtung. Die Korrespondenz mit der französischen Schriftstellerin George Sand, dem russischen Schriftsteller Iwan Turgenjew, dem Romancier Théophile Gautier und seinem literarischen Zögling Guy de Maupassant erscheinen postum unter dem Titel Correspondance. Flauberts letzter Roman Bouvard et Pécuchet (Bouvard und Pécuchet) bleibt unvollendet und wird erst im Jahr 1881 veröffentlicht. Am 8. Mai 1880 stirbt Gustave Flaubert in Croisset.


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