Rezension von Politisches Framing

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Politisches Framing Buchzusammenfassung
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Bewertung

8

Qualitäten

  • Analytisch
  • Wissenschaftsbasiert
  • Brisant

Rezension

Was tun Sie, wenn Sie von einer Mücke gestochen oder von einer Wanze gebissen werden? Und was denken Sie, wenn von Zuwanderern als „Parasiten“ die Rede ist? Für Elisabeth Wehling sind das zwei Seiten einer Medaille: Wie wir uns ausdrücken, bestimmt, wie wir wahrnehmen und handeln. Wehling hält eine ideologiefreie Sprache in der Politik für unmöglich. Um nicht auf die von anderen erstellten Frames hereinzufallen, sollten wir deshalb unsere eigenen Deutungsrahmen aufstellen. Für sprachkritische und an Politik interessierte Leser ist dieses Buch sehr zu empfehlen.

Über die Autorin

Elisabeth Wehling ist Linguistin. Sie forscht und lehrt mit dem Schwerpunkt kognitive Linguistik an der University of California, Berkeley. Zudem ist sie als Beraterin für Politik und Wirtschaft tätig.

 

Frames bestimmen unsere Wahrnehmung und steuern unser Handeln.

Sprache bestimmt unsere Wahrnehmung und unser Handeln. Das ist Elisabeth Wehlings Prämisse, die sich als roter Faden durch ihr Buch zieht. Hinter Worten oder Sätzen steht demnach nicht ein bestimmtes Konzept, sondern ein ganzer Deutungsrahmen – in der Kognitionswissenschaft Frame genannt –, der weit über die Ursprungsbedeutung hinausgeht und unsere Weltsicht beeinflusst. Die Autorin zitiert beispielsweise eine Studie, in der man Versuchspersonen Texte zu lesen gab, in denen entweder das Wort „Schildkröte“ oder das Wort „Gepard“ vorkam. Die Probanden aus der ersten Gruppe schätzten anschließend das Schritttempo eines abgebildeten Mannes deutlich langsamer ein als jene aus der zweiten Gruppe. Nicht das Wort an sich, sondern die damit assoziierten Merkmale bestimmen also unsere Wahrnehmung, schlussfolgert Wehling. Grundsätzlich helfen Frames uns bei der raschen Einordnung passender Informationen. Umgekehrt erschweren sie allerdings das Verständnis von Tatsachen, die nicht in die vorhandenen Frames passen. Zu Ende gedacht heißt das: Objektiv erfassbare Fakten sind eine Illusion. Es gibt nur solche, die besser oder schlechter in die vorhandenen Frames passen.

Wir treffen wichtige Entscheidungen anhand von Frames, nicht anhand von Fakten.

Die Autorin berichtet, dass sie immer wieder gefragt wird, ob man nicht ohne ideologische Frames „ehrlicher“ kommunizieren könne. Ihre Antwort lautet klar: Nein. Wir können uns ohne Frames nicht einmal verständlich machen. Allerdings sollte uns bewusst sein, dass Frames immer selektiv sind, also bestimmte Dinge hervorheben und andere ausblenden. Zudem ist es zwecklos, einen Frame zu verneinen. Denn damit aktivieren wir diesen erneut, ohne ihm unsere eigene Weltsicht entgegenzusetzen. In politischen Debatten führt das dazu, dass sich Kontrahenten irgendwann hoffnungslos ineinander verhaken.


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