Zusammenfassung von Summe der Theologie

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Summe der Theologie Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Philosophie
  • Mittelalter

Worum es geht

Das katholische Manifest

Thomas von Aquins Summe der Theologie wird ihrem Namen mehr als gerecht: Mit über 600 Einzeluntersuchungen, Tausenden Fragen, Zehntausenden Argumenten und Gegenargumenten summiert sich in diesem Monumentalwerk der Hochscholastik so gut wie alles, was der katholischen Theologie in Fragen des göttlichen Seins und der menschlichen Ethik als reine Lehre gilt. Thomas’ Ansatz, den menschlichen Verstand und die Wissenschaften innerhalb eines streng gefassten Glaubensdogmas zum Einsatz zu bringen, findet heute vor allem unter den Kritikern des moralischen Relativismus Anklang. Sicherlich haben Thomas’ Thesen über die logisch nachweisbare Existenz Gottes und die Macht des Guten für den gläubigen Christen ihren Glanz und ihre Überzeugungskraft bewahrt. Den Kritikern des katholischen Dogmas kann die Lektüre der Summe jedoch auch die Augen öffnen: Schließlich spiegeln sich in den Abhandlungen über den Ursprung und die Aufgaben der Frau, über Ungläubige und Ketzer und über das Primat der kirchlichen Autorität zahlreiche fragwürdige Einstellungen der katholischen Obrigkeit.

Take-aways

  • Die Summe der Theologie ist ein Hauptwerk der mittelalterlichen Philosophie und noch heute das wichtigste Lehrbuch der katholischen Kirche.
  • Thomas von Aquin liefert darin eine Synthese der aristotelischen Philosophie mit der augustinischen Offenbarungstheologie.
  • In seinen berühmten „fünf Wegen zu Gott“ versucht er, die Existenz Gottes mithilfe des Verstandes zu beweisen.
  • Er räumt jedoch ein, dass der Verstand des Menschen begrenzt und er im Glauben stets auf Gottes Gnade angewiesen ist.
  • Die Wirklichkeit ist von Grund auf gut. Das Böse existiert nicht an sich, sondern nur als Mangel des Guten.
  • Der Mensch strebt natürlicherweise nach Glückseligkeit, und diese liegt in Gott.
  • An oberster Stelle steht das ewige Gesetz Gottes, aus dem sich das Naturgesetz sittlichen Handelns ableitet.
  • Gotteslästerung ist die schwerste aller Sünden. Um die Gemeinschaft der Christen vor Zersetzung zu bewahren, müssen Ketzer mit dem Tod bestraft werden.
  • Dieses und ähnliche Argumente dienten der Inquisition als Rechtfertigung.
  • Von Anfang an sorgte das Werk für heftige Kontroversen: Den einen ging Thomas’ Anspruch an Verstand und Wissenschaft zu weit, den anderen nicht weit genug.
  • Thomas’ theologische Nachfolger, die Thomisten, setzten sich gegen ihre Widersacher, die Skotisten (benannt nach Johannes Duns Scotus), durch.
  • Trotz anfänglicher Ächtung durch den Papst wurde Thomas knapp 50 Jahre nach seinem Tod heiliggesprochen.
 

Zusammenfassung

Beweise für die Existenz Gottes

Scheinbar ist die Theologie gar keine Wissenschaft, denn sie befasst sich mit dem, was die menschliche Vernunft übersteigt und eigentlich nur dem Glauben zugänglich ist. Doch dieses Argument erweist sich bei näherer Betrachtung als nicht stichhaltig. Die Theologie ist nicht nur eine von vielen Wissenschaften, sondern thront sogar über allen anderen: Schließlich gründet sie auf ultimativen Wahrheiten, die Gott uns offenbart hat. Während die Vernunft menschlich ist und irren kann, ist das Licht der Offenbarung göttlich und daher unfehlbar. Gottes Existenz lässt sich mithilfe der „fünf Wege zu Gott“ nachweisen:

  1. Nichts bewegt sich von alleine. Alles wurde irgendwann einmal angestoßen. Gott existiert als erste Ursache der Bewegung und gleichsam als „unbewegt Bewegender“.
  2. Die Welt besteht aus Ursachen und Wirkungen. Ohne Ursache gibt es keine Wirkung. Es muss also eine erste Ursache geben – und die ist Gott.
  3. Allen Dingen auf Erden ist es möglich, zu sein oder nicht zu sein. Folglich muss es ein notwendiges Sein geben, das sie aus der bloßen Möglichkeit ins Dasein gehoben hat: Gott.
  4. Alle Dinge und Wesen zeichnen sich durch abgestufte Eigenschaften aus: Etwas ist immer wärmer, größer oder schöner als etwas anderes. Auf der obersten Stufe der Vollkommenheit kann nur einer sein: Gott.
  5. Die Welt bildet eine perfekte Einheit aus unzähligen Elementen. Nur eine einzige planerische Intelligenz kann für die ihr innewohnende Ordnung verantwortlich sein: Gott.
„Es war notwendig zum menschlichen Heile, dass außer den philosophischen Fächern, in welchen die Vernunft des Menschen forscht, noch eine Wissenschaft besteht, die auf der göttlichen Offenbarung gründet.“ (Bd. 1, S. 3)

Gott mit unserem begrenzten Verstand zu erkennen, entzieht sich jedoch unseren Fähigkeiten. Deshalb ist wahre Gotteserkenntnis nur durch seine Gnade möglich. Angesichts von Gottes Überhelle verhalten sich die Menschen wie Nachtvögel im Sonnenlicht. Erst im Tod und in der Auferstehung werden wir sein Wesen ganz erkennen.

Gottes Weisheit und das Böse

Die Ursache allen Seins ist das Denken Gottes. Gottes Sein ist unendlich, und deshalb sind auch seine Weisheit und seine Macht unendlich. Allerdings lassen sich diese nicht nach menschlichen Maßstäben und Zweckmäßigkeiten beurteilen. Das ist auch bei der Frage nach der Ursache des Bösen zu berücksichtigen: Wenn letztlich alles auf Gott zurückzuführen ist, gilt das nicht auch für das Böse, und ist Gott dann nicht auch böse? Nein, denn das Böse ist ein Mangel an Vollkommenheit, eine Bewegung hin zum Nichtsein. Da Gott aber vollkommenes Sein ist, kann er nicht die Ursache dieses Mangels sein. Hingegen ist er durchaus die Ursache von strafendem Übel, das notwendig wurde, weil Adam und Eva durch den Sündenfall Schuld auf sich geladen hatten. Ihre Schuld bestand darin, dass sie eigenmächtig zwischen Gut und Böse unterscheiden und Gott ähnlich sein wollten. Diese Wahlfreiheit ist es aber auch, die uns zu Menschen macht: Schließlich gäbe es ohne die Alternative des Bösen auch kein Gutes.

Natur und Ursprung des Menschen

Der Mensch bildet eine Einheit von Leib und Seele. Der Körper kann nur in Beziehung zur Seele existieren, denn sie gibt ihm erst seine Form. Die menschliche Seele ist in der Naturwelt einzigartig: Anders als die Sinnesseele, die auch den Tieren gegeben ist, existiert die menschliche Erkenntnisseele unabhängig vom Körper und ist unsterblich. Die Seele geht ebenso wie der Körper auf Gottes Schöpfung zurück. Den ersten menschlichen Körper hat Gott aus Erde und Wasser gestaltet, wie es in der Bibel geschrieben steht. Um dem Mann die Möglichkeit zur Fortpflanzung zu geben, schuf Gott aus Adams Rippe das Weib Eva. So wie Gott Anfang und Ende des Kosmos ist, ist der Mann Anfang und Ende der Frau. Er soll sie als Teil seiner selbst lieben und sie soll dem Mann dienen. Der Mensch ist ein unvollkommenes Ebenbild Gottes. Der Anspruch vollkommener Ebenbildlichkeit kann gar nicht bestehen, da Gott einzigartig und somit unvergleichlich ist.

Der Endzweck menschlichen Seins

Die Basis menschlicher Sittlichkeit ist die Vernunft. Diese trägt dazu bei, natürliche Triebe und Veranlagungen durch jahrelange Übung in eine tugendhafte Richtung zu führen. Doch was ist Tugend? Was ist ethisches Handeln? Um diese Fragen zu beantworten, muss der Mensch von seinem Endzweck her betrachtet werden: der Glückseligkeit.

„Unvermeidlich stößt man in der Dingnatur auf ein erstes unanwegliches Seiende, das vorderste Wirksame, das Notwendige, das Nirgendwoher, am meisten seiend, gut und allerbest, an der Spitze mit Vernunft regierend und aller Dinge letztes End: das ist Gott.“ (Bd. 1, S. 26)

Handlungen sind nur dann explizit menschlich, wenn sie sich von denen der unvernünftigen Geschöpfe unterscheiden. Das Verhalten des Menschen ist mit Überlegung gewollt und strebt von sich aus auf ein ganz bestimmtes Ziel hin, anstatt von Instinkten oder Trieben geleitet zu sein. So wie man alle Ursachen auf eine erste zurückverfolgen kann, ist das Handeln zwangsläufig auf einen letzten Zweck hin gerichtet: den Endzweck der Glückseligkeit. Dieser liegt unabhängig vom Streben der einzelnen Menschen darin, das Wesen Gottes zu erkennen. Grundsätzlich richtet sich der menschliche Wille auf das Gute, auch wenn man mit gesundem Menschenverstand zu einem anderen Schluss kommen mag. Wollen wir nicht allzu oft auch das Böse? Nein, denn der Mensch erstrebt zumeist das, was ihm auch objektiv gesehen nützt, was also für ihn das Gute ist.

Moral im menschlichen Handeln

Das Böse ist keine Daseinsform an sich, sondern ein Mangelzustand. Vollkommenes Sein ist absolut gut. Was an Gutheit fehlt, ist schlecht – so kommt es etwa einem Tauben zugute, dass er lebt, während er am Übel seines fehlenden Gehörs leidet. Auf die Güte einer Handlung wirken verschiedene Aspekte: Inhalt, Absicht und Umstände. Sobald eine dieser Variablen negativ besetzt ist, ist die Handlung nicht mehr gänzlich gut. Beispiele hierfür sind etwa eine gut gemeinte Geldspende an eine schlechte Organisation oder ein Diebstahl, den man in der Absicht begeht, die Beute an die Armen zu verteilen. In der Regel bestimmt die Vernunft, gelenkt vom Gewissen, was sittlich und gut ist. Das Gewissen befiehlt im Namen Gottes und ist deshalb absolut. Man kann es auch als sittliches Naturgesetz betrachten. Der Mensch sündigt dann, wenn er dieses Gesetz aus freiem Willen verletzt. Im Zweifelsfall steht das ewige, göttliche Gesetz stets über der menschlichen Vernunft, denn oft genug können wir mit unserer begrenzten Erkenntniskraft den göttlichen Willen nicht erkennen. So wollten z. B. die Juden ebenso wie Gott selbst den Tod Christi, jedoch aus sehr unterschiedlichen Motiven. Die folgenden drei Gesetzesformen stehen in hierarchischer Beziehung zueinander:

  1. das ewige, göttliche Gesetz als Maß aller Dinge,
  2. das Naturgesetz als Teilhabe der Vernunft am göttlichen Willen,
  3. das menschliche Gesetz als praktische Umsetzung in der Gemeinschaft.
„Wenn darum irgendein Mensch gefahrvoll für die Gemeinschaft und zu ihrer Zerstörung wirkt, wegen irgendeiner Sünde, so wird er löblicher und heilsamer Weise getötet, damit das Gemeinwohl erhalten bleibt.“ (Bd. 3, S. 302)

Vom Menschen gemachtes Gesetz kann und darf sich niemals über die höheren Ebenen hinwegsetzen. Es muss in der Erfüllung von Gottes Willen darauf zielen, den Menschen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, d. h. jedem zu geben, was ihm zusteht.

Die Tugend

Tugend bedeutet, die in uns wohnenden Möglichkeiten, Gutes zu tun, zu realisieren. Dies geschieht jedoch nicht natürlich oder automatisch. Der Mensch muss erzogen werden: während der Kindheit von anderen, später zunehmend auch von sich selbst. Angeborene, sittliche Tugenden kann er durch Klugheit vervollkommnen. Denn eine tugendhafte Handlung ist immer eine Wahl und muss als solche vom Verstand gefestigt werden. Sonst wäre die sittliche Tugend stets durch entgegengesetzte Kräfte der Leidenschaft und Begierde gefährdet. Gute und schlechte Taten sind auch immer in den sozialen Kontext eingebettet. Sie können daher danach beurteilt werden, wie vielen Menschen sie nutzen oder schaden. In der Weise, wie jemand Schuld gegenüber seinen Mitmenschen auf sich lädt, macht er sich auch schuldig gegenüber Gott.

Laster und Sünde

Der Gegensatz der Tugend ist das Laster. Es geht gegen die Natur des Menschen, weil es sich der natürlichen Ordnung der Vernunft widersetzt. Sündigen kann man im Geiste wie im Fleische, wobei die geistigen Sünden schwerer wiegen als die fleischlichen, denn sie bedeuten eine Abkehr von Gott, während die Sünden des Fleisches nur eine ungebührliche Hinwendung zum sinnlichen Vergnügen sind. Unwissen entschuldigt die Sünde nicht, solange es durch Lernen überwunden werden kann. Ebenso wenig kann der Hinweis auf den Teufel von der Schuld befreien. Dieser versucht zwar, die Menschen zur Sünde zu überreden, doch ist es ihr freier Wille, den teuflischen Verlockungen zu widerstehen oder nachzugeben. Die Sünde kann man mit einer Krankheit vergleichen: Fügt sie unheilbaren Schaden zu oder führt sie gar zum Tod, so spricht man von einer Todsünde, ansonsten von einer lässlichen Sünde. Durch die Erbsünde ist der Mensch nicht mehr in der Lage, sich aus eigener Kraft völlig von der Sünde zu befreien. Dazu bedarf er der göttlichen Gnade.

Die Liebe

Die Liebe bezieht sich immer auf das Gute. Allerdings besteht ein Unterschied darin, ob das Gute dem Nächsten oder sich selbst gilt: Die Liebe der Freundschaft ist prinzipiell selbstlos, die der Begierde aber selbstbezogen. Am Freund liebt der Mensch das, was ihm ähnlich ist, während er begehrt, was er noch nicht besitzt. Selbstlose Freundschaft bedeutet nicht, sich selbst weniger zu lieben als den Freund, sondern vielmehr keine Gegenleistungen für die Liebe zu erwarten. Die gleichen Unterscheidungen gelten für den Eifer: Man ereifert sich für seinen Freund, weil man ihm das Gute wünscht und Schlechtes fernzuhalten versucht. In der begehrenden Liebe aber wird der Eifer zur Eifersucht. Je besser der Empfänger der Liebe zum Liebenden passt, desto vollkommener ist die Liebe. Deshalb ist die Liebe zu Gott die vollkommenste von allen.

Die Tugend des Glaubens

Was ein Mensch weiß, kann er nicht glauben. Doch er kann glauben, was andere wissen, etwa was sie durch die Gnade der göttlichen Offenbarung geschaut haben. Um die Menschen vor Irrglauben und Ketzerei zu bewahren, bedarf es der Institution der einen heiligen katholischen und apostolischen Kirche, wie es im Glaubensbekenntnis heißt. Wir dürfen glauben, weil Gott selbst uns erleuchtet hat. Nicht zu glauben, ist unsittlich, denn die Grenzen der menschlichen Vernunft sind nicht unbedingt die Grenzen der Wahrheit. Die Fleischwerdung Christi und die Dreifaltigkeit Gottes sind die Grundpfeiler des christlichen Glaubens. Wer diese anzweifelt, der findet kein Heil. Nur der lebendige, in Liebe tätige Glaube ist eine Tugend, denn durch seine Werke erhält er Kraft.

Das Laster des Unglaubens

Vom Glauben abzufallen wird nur noch von der Sünde der Gotteslästerung übertroffen. Getaufte Irrgläubige und Ketzer sind deshalb aus der Gemeinschaft der Gläubigen auszuschließen und nach zweimaliger ergebnisloser Zurechtweisung von einem weltlichen Gericht mit dem Tod zu bestrafen. Nur den im Glauben Gefestigten ist die Gemeinschaft mit Juden oder Heiden gestattet, in der Hoffnung, jene zum rechten Glauben zu bekehren. Die Einfältigen und Schwachgläubigen aber sollten sich von ihnen fernhalten, damit sie nicht in Versuchung geführt werden. Unter den Ungläubigen sind die Juden mit besonderer Nachsicht zu behandeln, da das Christentum auf ihren religiösen Bräuchen aufbaut.

Notwendige Tötung und gerechter Krieg

Obwohl der Mord an sich eine Sünde ist, gibt es doch Ausnahmen. Beispielsweise wird die Tötung von Tieren zur Ernährung des Menschen in der Bibel ausdrücklich empfohlen. Da der Mensch durch die Sünde seine menschliche Würde verliert und sich auf die Stufe eines Tieres begibt, ist die Tötung eines Sünders gerecht. Und so wie das faulige Glied eines Körpers entfernt werden muss, um den Körper als Ganzen zu retten, so ist auch die Tötung von zersetzenden Gliedern der menschlichen Gemeinschaft vonnöten.

„Die Sünde des ersten Menschen war der Hochmut, mit dem er nach einem gewissen geistigen Gut begehrte, das über dem Gemaß seiner Bedinglichkeit lag.“ (Bd. 3, S. 537)

Der Krieg ist an sich schlecht, doch lässt er sich unter drei Bedingungen rechtfertigen:

  1. Die Autorität eines Staatsführers gibt diesem das Recht, den Staat vor äußeren Feinden zu schützen.
  2. Die gerechte Sache des Kriegs ist eine Vergeltung für durch andere begangene Ungerechtigkeiten und Schuld.
  3. Die gute Absicht der Kriegführenden ist es, ein Übel zu beseitigen und dem Guten den Weg zu ebnen.

Zum Text

Aufbau und Stil

Die drei Bände der Summe der Theologie lassen sich inhaltlich in zwei große Themenbereiche einteilen: Der erste (Band 1) behandelt die Existenz Gottes sowie Ursprung und Natur der anderen vernünftigen Wesen (Engel und Menschen), während der zweite (Bände 2 und 3) sich im weitesten Sinne mit Ethik, Moraltheologie und Heilslehre befasst. Dabei geht Thomas nach der Methode der scholastischen Disputation vor: Jede der insgesamt 631 Einzeluntersuchungen wird mithilfe verschiedener Fragen durchleuchtet, z. B. „Ist die Theologie Wissenschaft?“ oder „Ist Betrübnis und Schmerz dasselbe?“. Es folgen mit dem Wörtchen „scheinbar“ eingeleitete Einwände gegen die zu erwartende Antwort, in denen der Autor quasi den Advocatus Diaboli spielt. Mit der Einführung „aber dagegen sprechen“ bringt Thomas anschließend bejahende Argumente in Form von Zitaten aus der Bibel oder von Kirchenvätern und Philosophen. Mit „ich antworte“ liefert er schließlich eine eigene, abschließende Replik auf die Frage. Dieses Vorgehen orientiert sich an der Lehre des Aristoteles, nach der jeder Einsicht eine ausgewogene Konfrontation der verschiedenen Standpunkte vorauszugehen hat. Thomas bemüht sich um einen eindeutigen und knappen Stil. Dennoch ist sein Werk, auch durch die mitunter problematische Übersetzung aus dem Lateinischen, für den Laien nur schwer verständlich (Beispiel einer Überschrift: „Die Genusshabe einer Willenswirke“). Viele seiner Abhandlungen setzen eine grundlegende Beschäftigung mit philosophischen Begriffen voraus.

Interpretationsansätze

  • Thomas versucht, Vernunft und Glauben beide in ihr Recht zu setzen (und so Aristoteles und Augustinus gleichermaßen gerecht zu werden): Die Vernunft kann zur Begründung und Stärkung des Glaubens beitragen. Dieser beruht jedoch letztlich auf der Offenbarung und sollte daher nicht hinterfragt werden.
  • Seine fünf Gottesbeweise sind aus heutiger Sicht weniger einleuchtend: So ist nach aktuellem Wissensstand keinesfalls sicher, dass es eine erste Ursache gegeben haben und die Welt endlich sein muss. Die Idee von der einen planerischen Intelligenz hat mit der Evolutionstheorie und Studien über die Selbstorganisation von Organismen an Überzeugungskraft verloren.
  • Laut Thomas ist alles, was ist, auch gut, und das Böse ist ein Mangel des Guten. Er vertritt also ein von Grund auf positives Weltbild. Viele Interpreten haben ihm deshalb eine Verharmlosung des Bösen vorgeworfen. Dagegen lässt sich jedoch einwenden, dass er in der Summe ausführlich alle möglichen Formen des Übels behandelt.
  • Im Zweifelsfall spricht Thomas der Kirche die alleinige und absolute Autorität zu, weil ansonsten das „Chaos“ regieren würde. Es ist also nur folgerichtig, dass die katholische Kirche, deren Oberhaupt den Anspruch auf Unfehlbarkeit erhebt, ihn als ihren wichtigsten Lehrmeister verehrt.
  • Um Thomas’ Weltbild gerecht zu werden, muss man es im historischen Kontext sehen: Zum Beispiel spiegelt sein Bild der Frau als mangelhaftes Geschöpf die aristotelische und zeitgenössische Biologie wider, nach der die Frau bei der Zeugung von Nachkommen nur als „Gefäß“ für den männlichen Samen dient und selber nichts weiter dazu beiträgt.

Historischer Hintergrund

Die mittelalterliche Scholastik

Gegen Ende des elften Jahrhunderts zeichnete sich eine Wende in der damals christlich bestimmten Philosophie ab: Die Mystik des Glaubens und die göttliche Offenbarung sollten nicht mehr allein die Theologie beherrschen, auch der menschliche Verstand sollte einen wesentlichen Beitrag leisten. Einer der ersten Vertreter dieser Denkrichtung war der Benediktinermönch Anselm von Canterbury. Angesichts der steigenden wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung von Islam und Judentum wollte er der Welt beweisen, dass die christliche Religion den anderen Religionen aus Vernunftgründen überlegen sei. Interessanterweise war es die Aristoteles-Rezeption muslimischer und jüdischer Wissenschaftler (u. a. Avicenna, Averroës und Maimonides), die die Grundlage für die Hochscholastik im zwölften und 13. Jahrhundert legte. Deren Schriften waren während der Kreuzzüge und der Reconquista in Spanien in den lateinischen Westen gelangt. Der Dominikanermönch Albertus Magnus und später auch sein Schüler Thomas von Aquin versuchten nun, auf den Spuren des Aristoteles den Glauben durch Verstand und Wissenschaft zu untermauern. Die Begründer der ersten streng scholastischen, d. h. schulmäßigen Theologie wurden innerkirchlich aufs Schärfste von den Konservativen bekämpft, die eine nicht mehr allein auf der Offenbarung beruhende Gotteslehre als Ketzerei betrachteten. Hinzu kam, dass ein Graben entstand zwischen dem traditionellen Klerus und den neuen Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner, die trotz des Verbots von Ordensneugründungen aus dem Jahr 1215 eine ungeheure Anziehungskraft entwickelten. Doch waren sie sich untereinander keinesfalls einig: Während z. B. der Franziskaner Bonaventura Aristoteles als heidnischen Beschmutzer der reinen christlichen Lehre beschimpfte, kämpfte Thomas leidenschaftlich für seine These, dass Gott dem Menschen den Verstand gegeben habe, damit dieser ihn im Glauben bestärke.

Entstehung

Thomas von Aquin arbeitete von 1265 bis wenige Monate vor seinem Tod im Jahr 1274 an seinem Hauptwerk. Anders als die zwischen 1261 und 1264 zur Bekehrung von spanischen Moslems und Juden verfasste Summe gegen die Heiden richtet sich die Summe der Theologie an die Christen. Thomas wollte auf der Grundlage der Bibel, der Kirchenväter (vor allem Augustinus) und des Aristoteles die katholische Doktrin möglichst umfassend darlegen und verteidigen. Entscheidend für das Werk war sicher auch seine zweite Professur in Paris (1269–1272), als er an zwei Fronten gleichzeitig zu kämpfen hatte: Die Neoaugustinisten warfen ihm vor, das Licht des Glaubens auszuklammern, während die Averroisten behaupteten, dass er Aristoteles’ Lehre verwässere. In der Summe der Theologie versuchte Thomas vielleicht gerade deshalb, eine Synthese der Lehren des Kirchenvaters und des griechischen Philosophen herzustellen. Die in nervöser, nahezu unleserlicher Schrift verfassten Originaltexte lassen vermuten, dass Thomas in den letzten Jahren manisch arbeitete. Was er nicht selbst schrieb, diktierte er oft mehreren Sekretären gleichzeitig. Man hat errechnet, dass er im Durchschnitt gut zwölf Seiten pro Tag produzierte. Im Dezember 1273 brach er seine Arbeit ganz plötzlich ab. Auf das Drängen eines Freundes, die Summe zu vollenden, entgegnete er: „Ich kann nicht; Dinge sind mir offenbart worden, die alles, was ich geschrieben habe, mir als eitel Stroh erscheinen lassen.“ So stammt auch nur die erste Hälfte des dritten Teils eindeutig aus seiner Feder. Der Rest wurde möglicherweise von seinem Freund und Schüler Reginald von Piperno verfasst.

Wirkungsgeschichte

An Thomas’ Werk scheiden sich noch immer die Geister: Für die einen vollzog er den Schritt aus dem mittelalterlichen Zeitalter des Glaubens in jenes der Vernunft, während andere in ihm die Verkörperung einer in uralten Dogmen erstarrten, antidemokratischen und frauenfeindlichen katholischen Haltung sehen.

Drei Jahre nach Thomas’ Tod wurden im Zuge des Pariser Streits um den Aristotelismus 219 seiner Thesen zunächst verurteilt. Als Gegenbewegung zum Thomismus entwickelte sich um 1300 der auf den Franziskaner Johannes Duns Scotus zurückgehende Skotismus mit seiner Lehre von der Unvereinbarkeit von Religion und Logik. Doch 50 Jahre nach Thomas’ Tod war er rehabilitiert: 1323 wurde er heiliggesprochen. Die Summe der Theologie wurde zur Ordensdoktrin der Dominikaner und Jesuiten, die sie u. a. als theologische Rechtfertigung der Inquisition verwandten. Martin Luther bezeichnete Thomas als „Schwätzer“, während die katholische Kirche ihn in Zeiten der Gegenreformation als Einheit stiftende Identifikationsfigur verstand: 1567 ernannte sie Thomas offiziell zum Kirchenlehrer. In der Philosophie geriet der Scholastiker jedoch vorübergehend in Vergessenheit. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte mit dem Neuthomismus eine Gegenbewegung zur Naturwissenschaftsgläubigkeit und zum Atheismus der modernen Philosophie ein. Papst Leo XIII. erklärte Thomas’ Lehre 1879 zur offiziellen Philosophie der katholischen Kirche. Die Summe der Theologie ist bis heute das wichtigste Lehrbuch in Priesterseminaren und an Universitäten.

Über den Autor

Thomas von Aquin wird 1224 oder 1225 in der Grafschaft Aquino bei Neapel geboren. Sein Vater ist eine wichtige Persönlichkeit am Hof des freidenkerischen Friedrich II. Thomas wird im Benediktinerkloster Monte Cassino erzogen, wo er auf Wunsch der Eltern später Abt werden soll. Mit 14 geht er zum Studium an die Universität von Neapel. Hier kommt er erstmals mit griechischer Philosophie, insbesondere mit Aristoteles, und arabischer Astronomie in Kontakt. Nach seinem Studium tritt er 1244 – gegen den Willen seiner Familie – in den Bettelorden der Dominikaner ein. Seine Eltern halten ihn daraufhin ein Jahr im Familienschloss Roccasecca gefangen, um ihn umzustimmen. Einer Legende zufolge wird ein wunderschönes Mädchen in die Kammer des Sohnes geschickt, um ihm die fleischlichen Freuden schmackhaft zu machen. Doch der junge Mönch vertreibt es mit einem glühenden Holzscheit und brennt damit ein Kreuz auf seine Tür. Von Thomas’ unbeirrbarer Frömmigkeit überzeugt, lässt ihn die Familie schließlich nach Paris ziehen. Hier studiert er bei Albertus Magnus und geht bald zusammen mit ihm nach Köln. Auf Vorschlag Albertus’ wird er 1252 als Lehrer wieder nach Paris entsandt. In dieser Zeit beginnt Thomas mit einer langen Reihe von Schriften, in denen er nach dem Vorbild Albertus’ die aristotelische Philosophie mit der christlichen Lehre zu vereinen sucht. Sieben Jahre später verlässt er Frankreich, um am päpstlichen Hof in Rom, in Viterbo und Orvieto zu unterrichten. 1269 kehrt er für eine zweite Professur nach Paris zurück, vor allem um gegen den dort schwelenden Averroismus zu kämpfen. 1272 gründet Thomas eine Dominikanerschule in Neapel. Dann kommt der Dezember 1273: Aufgrund einer überwältigenden Erfahrung hört Thomas plötzlich mit dem Schreiben auf. Manche haben diese als Vision, andere als Nervenzusammenbruch interpretiert. Schließlich stirbt Thomas 49-jährig am 7. März 1274 auf dem Weg zum Konzil von Lyon. Er hinterlässt ein gewaltiges Werk, darunter die beiden Summen (Summe der Theologie und Summe gegen die Heiden).


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