Zusammenfassung von Tristan und Isolde

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Tristan und Isolde Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker


Worum es geht

Totale Liebe – quälend problematisch

Tristan und Isolde handelt von der Liebe – und zwar von der Sorte, die sich des Liebenden vollkommen bemächtigt und ihn blind macht für den Unterschied zwischen Liebeserfüllung und Tod. Um diese extreme Liebe ranken sich in Wagners Oper nahezu alle Motive der deutschen Romantik: Gefühlskult, Vernunfthass, Zaubertränke, Seefahrten, Ritterburgen, Vergöttlichung des Einzelnen – hier zweier verschmolzener Einzelner – und gleichzeitige Verachtung der Gesellschaft. Dazu die Sprache: genial fingiertes Echo einer mythischen deutschen Vergangenheit. Von der Musik ganz zu schweigen. Das alles ist Romantik par excellence – allerdings mit einigen Jahrzehnten Verspätung und damit bereits gefährlich nah an dem, worauf die ganze Nachtverherrlichung schließlich hinauslief. Sicher war Richard Wagner kein Proto-Nazi. Gegen diesen Vorwurf hat ihn unter anderem Thomas Mann überzeugend verteidigt. Und dafür, dass Hitler Tristan und Isolde 40-mal gesehen hat, kann Wagner nichts. Doch Mann hat auch auf das „quälend Problematische“ im deutschen Wesen hingewiesen. Im Lichte dieses Wortes scheint der Weg von Wagner zu Hitler deutlich genug auf, um eine L’art-pour-l’art-Lektüre von Tristan und Isolde unmöglich zu machen.

Take-aways

  • Tristan und Isolde ist eine der großen Opern des Komponisten Richard Wagner.
  • Inhalt: Der Ritter Tristan kommt nach Irland, um die Königstochter Isolde seinem Onkel als Braut zuzuführen. Unterwegs trinken die beiden aus Versehen einen Trank, der sie mit rasender Liebe zueinander erfüllt. Sie werden in flagranti erwischt, Tristan wird verletzt und flieht in seine Heimat, wo er auf Isolde wartet. Als sie endlich kommt, stirbt er in ihren Armen. Isolde folgt ihm.
  • Wagner schrieb sowohl die Musik als auch das Textbuch für Tristan und Isolde.
  • Dazu vertiefte er sich in mittelalterliche Ausarbeitungen des mythischen Tristan-Stoffs, vor allem in die Dichtung Tristan des Gottfried von Straßburg.
  • Allerdings nahm Wagner für seine eigene Version erhebliche Kürzungen vor.
  • Die Konstellation der Hauptfiguren spiegelt Wagners eigene Situation zur Zeit der Entstehung: Er liebte Mathilde Wesendonck, die junge Frau seines väterlichen Gönners.
  • Berühmt geworden ist der sogenannte Liebestod Isoldes am Schluss der Oper.
  • Ein Hauptmotiv ist die Verherrlichung der Nacht als geheimnisvolle metaphysische Heimat der Liebenden.
  • Damit knüpft Tristan und Isolde an die Philosophie Schopenhauers an und weist zugleich auf Freuds Psychoanalyse voraus.
  • Zitat: „Tristan! Isolde! / Welten-entronnen / du mir gewonnen! / Du mir einzig bewußt, / höchste Liebeslust!“
 

Zusammenfassung

Vorspiel in Irland

Einst segelte der irische Feldherr Morold nach Cornwall, um vom dortigen König Marke Tribut einzutreiben. Markes Neffe, der Ritter Tristan, zog gegen Morold in den Kampf und tötete ihn. Dann schickte er Morolds abgeschlagenen Kopf nach Irland.

„Blaue Streifen / stiegen in Westen auf; / sanft und schnell / segelt das Schiff; / auf ruhiger See vor Abend / erreichen wir sicher das Land.“ (Brangäne, S. 8)

Doch war er auch selbst im Kampf schwer verletzt worden. Mit einem Boot machte er sich auf nach Irland, um sich von Isolde, der Tochter des irischen Königs, deren Heilkunst weit gerühmt wurde, retten zu lassen. Als Isolde ihn verarztete, entdeckte sie an seinem Schwert eine ausgebrochene Stelle, zu der ein Klingenfragment passte, das sie im Kopf Morolds, ihres Verlobten, gefunden hatte. Kurz erwog sie, Tristan mit ebendiesem Schwert zu töten, doch dann blickte der Ritter sie auf eine Weise an, dass sie sich in ihn verliebte, ihn heilte und nach Hause schickte.

Der Brautwerber

Später kehrte Tristan nach Irland zurück, um die schöne Isolde als Braut für König Marke mitzunehmen. Auf dem Schiff, das jetzt mit vollen Segeln gen Cornwall steuert, befinden sich außerdem Kurwenal, Tristans treuer Knappe, und Brangäne, Isoldes Dienerin. Isolde ruht gerade auf ihrem Lager. Brangäne teilt ihr mit, dass Cornwall noch am gleichen Tag erreicht werde. Isolde ist verzweifelt und beschwört das Meer, es solle das Schiff verschlingen. Brangäne versucht sie zu beruhigen. Da sieht Isolde am anderen Ende des Schiffes Tristan stehen. Ihm gilt ihre Verzweiflung, da er sich distanziert gibt. Besonders ärgert es Isolde, dass Tristan sich ihrem Blick nicht stellt. Sie verspottet ihn als Feigling, der ihr im Wissen um die Schändlichkeit seines Tuns ausweicht. Dann schickt sie ihre Dienerin, Tristan herbeizuholen. Brangäne erreicht jedoch nichts. Tristan redet sich damit heraus, dass er als Steuermann gebraucht werde. An seiner Stelle ergreift nun Kurwenal das Wort. Er erteilt Brangäne eine Abfuhr: Isolde habe Tristan gar nichts zu befehlen.

„Mir erkoren, – / mir verloren, – / hehr und heil, / kühn und feig –: / Tod geweihtes Haupt! / Tod geweihtes Herz!“ (Isolde über Tristan, S. 11)

Die hat die freche Rede von ihrem Lager aus gehört und ist wütend. Nun erzählt sie Brangäne, was sich damals zugetragen hat, als Tristan zu ihr kam, um sich heilen zu lassen. Sie äußert ihre Erbitterung darüber, dass Tristan, der ihr einst ewige Treue schwor, sie nun quasi als Beute dem alten Marke zuführt. Brangäne versucht, ihre Herrin zu trösten: Sie solle doch froh sein, Königin von Cornwall zu werden und Gattin eines Mannes wie Marke, dem selbst ein Held wie Tristan untertan sei. Doch Isolde liebt eben Tristan, und die Aussicht, ihn ständig zu sehen, aber die Frau eines anderen zu sein, erscheint ihr unerträglich, zumal sie meint, dass Tristan ihre Liebe nicht erwidert. Brangäne versucht sie vom Gegenteil zu überzeugen und deutet an, ein Zaubertrank könne das Problem womöglich lösen.

Isolde will Sühne

Isolde gebietet ihr, eine Truhe mit Tränken zu bringen, die ihre Mutter zusammengestellt hat. Zu Brangänes Entsetzen nimmt sie den Todestrank heraus. Da kommt Kurwenal und mahnt, Isolde solle sich bereit machen, das Schiff werde in Kürze landen. Isolde lässt ausrichten, Tristan solle zu ihr kommen und ihre Huld suchen; die Heirat mit König Marke hänge davon ab, dass seine Schuld gesühnt werde. Dann gebietet sie Brangäne, den Trank zu mischen. Die sträubt sich zunächst, leistet der Aufforderung aber schließlich Folge.

„Der zagend vor dem Streiche / sich flüchtet, wo er kann, / weil eine Braut als Leiche / er seinem Herrn gewann!“ (Isolde über Tristan, S. 12)

Als Tristan tatsächlich erscheint, wirft ihm Isolde sein distanziertes Verhalten vor. Er schützt vor, nur seine Ehre im Sinn gehabt und sich aus Gründen der Schicklichkeit von Isolde ferngehalten zu haben. Die mahnt ihn nun zur Sühne seiner Schuld. Tristan ist jedoch der Ansicht, das sei schon geschehen, indem nach Morolds Tod zwischen Irland und Cornwall Urfehde geschworen worden sei. Dieses Friedens Pfand sei Isolde. Die will aber noch private Sühne und erinnert Tristan an seine Treueschwüre von damals. Ihr ist es um Rache für Morold zu tun.

Der Zaubertrank

Tristan fordert sie auf, ihn mit seinem eigenen Schwert zu töten. Doch Isolde verweigert die Tat – wie sie sagt, aus Ehrerbietigkeit gegenüber Marke, dessen ruhmreichen Ritter sie ja nicht umbringen will. Stattdessen fordert sie Tristan auf, einen Sühnetrunk zu trinken. Er zögert. Erst als sie ihn erpresst, indem sie seine Sühne zur Bedingung für ihre Willfährigkeit gegenüber Marke macht, ringt er sich durch und trinkt den Becher zur Hälfte aus. Isolde trinkt die andere Hälfte. Plötzlich starren sich die beiden voller Liebesglut an, stammeln Worte der Leidenschaft und umarmen sich. Brangäne hat Isolde nämlich nicht gehorcht und statt des Todestranks einen Liebestrank gemischt. Als sie nun dessen Effekt sieht, ahnt sie Schlimmes. Mit viel Mühe trennt sie die Verliebten und bereitet ihre Herrin auf die Landung vor.

„Wehe! Wehe! / Unabwendbar / ewige Not / für kurzen Tod! / Tör’ger Treue / trugvolles Werk / blüht nun jammernd empor!“ (Brangäne, S. 39)

König Marke kommt dem Schiff auf einem Kahn entgegen. Alles jubelt. Tristan und Isolde sind so in ihrem Liebestaumel befangen, dass sie zunächst gar nicht begreifen, was geschieht. Brangäne hat ihre helle Mühe, sie einigermaßen zur Räson zu bringen. Erst als sie den Liebestrank erwähnt, dämmert es den Verliebten. Isolde fällt entsetzt in Ohnmacht.

Nächtliches Stelldichein

Brangäne wacht nachts bei Fackelschein vor Isoldes Zimmer und lauscht Hufgetrappel nach. Es findet eine Jagd statt. Isolde gesellt sich zu ihr. Während für Brangäne der Lärm der Jagdgesellschaft noch gut hörbar ist, wähnt ihre Herrin ihn schon längst verklungen und wirft ihr Ängstlichkeit vor. Brangäne kontert mit dem Vorwurf des Wunschdenkens. Es gilt nämlich die Verabredung, dass Tristan kommen soll, sobald Isolde die Fackel am Eingang löscht. Daher kann es Isolde gar nicht schnell genug gehen. Brangäne ist aber überzeugt, dass Tristans Freund Melot den beiden hinterherspioniert, da er eifersüchtig auf Isolde ist. Dass diese alle Mahnungen zur Vorsicht einfach abtut, lastet Brangäne ihrer Liebesblindheit an.

„Tristan! Isolde! / Welten-entronnen / du mir gewonnen! / Du mir einzig bewußt, / höchste Liebeslust!“ (Tristan und Isolde, S. 41)

Sie meint außerdem, die Jagd sei eine List und in der Absicht organisiert, das heimliche Liebespaar in Sicherheit zu wiegen und es so in flagranti zu erwischen. Doch Isolde bezichtigt Brangäne der Schwarzmalerei und befiehlt ihr, endlich die Fackel zu löschen. In ihrer Verzweiflung gesteht ihr Brangäne nun, dass sie damals die Tränke absichtlich vertauscht hat, da sie es nicht über sich bringen konnte, ihrer Herrin den Todestrank zu reichen. Die aber meint, der Grund für ihre Liebe zu Tristan sei ohnehin nicht der Trank gewesen. Dann löscht sie, zu Brangänes Entsetzen, die Fackel eigenhändig aus.

„O Heil dem Tranke! / Heil seinem Saft! / Heil seines Zaubers / hehrer Kraft!“ (Tristan, S. 58)

Schon kommt Tristan herbei. Die beiden fallen sich stürmisch in die Arme. Wortreich zelebrieren sie ihre Liebe. Gemeinsam klagen sie den Tag als ihren Feind an und preisen die Nacht als gemeinsame Heimat. Der Tag sei auch schuld daran, dass Isolde nun Markes Frau sei. Unterdessen hält Brangäne auf einem Turm Wache. Von dort mahnt sie, der Tag sei nah. Tristan fasst schon den Tod ins Auge: Er will den Tag nicht ertragen. Ohnehin hat er in seinem Liebeswahn keine Angst vor dem Sterben. Er und Isolde sehnen sich die ewige Vereinigung im Tod herbei.

In flagranti ertappt

Da schreit Brangäne auf. Waffen klirren. Kurwenal stürzt herein, das Schwert in der Hand. Er fordert Tristan auf, sich in Sicherheit zu bringen. Jetzt stürmen Marke, Melot und andere Männer herein und umstellen das Paar. Tristan verbirgt Isolde mit seinem Mantel vor ihren Blicken. Marke sieht sich durch den Verrat Tristans, seines treuen Vasallen und Neffen, zutiefst erschüttert und klagt ihn des Undanks an. Durch ihn habe er den Glauben an das Gute verloren.

„O sink hernieder, / Nacht der Liebe, / gib Vergessen, / daß ich lebe; / nimm mich auf / in deinen Schoß, / löse von / der Welt mich los!“ (Tristan und Isolde, S. 60)

Tristan verteidigt sich gar nicht ernsthaft. Er fordert Isolde auf, ihm in die Nacht, in den Tod zu folgen. Als die sich bereit erklärt, küsst er sie auf die Stirn. Melot echauffiert sich, klagt wütend Vergeltung ein. Nun wendet Tristan sich gegen ihn. Mit gezücktem Schwert rennt er auf ihn los, wobei er sich am Schwert von Melot verletzt, das dieser ihm entgegenstreckt. Kurwenal fängt den Verwundeten auf. Isolde wirft sich an Tristans Brust. Da greift König Marke ein und hindert Melot an weiteren Aktionen.

Ein Schiff wird kommen

Tristan ist auf seiner Heimatburg Kareol, wo ihn Kurwenal in Sicherheit gebracht hat. Er ist nicht bei Bewusstsein. Draußen spielt ein Hirte ein trauriges Lied auf der Schalmei. Kurwenal hat ihm aufgetragen, das Meer zu beobachten und nach dem Schiff Ausschau zu halten, mit dem Isolde kommen soll, um Tristan zu heilen. Wenn das Schiff in Sicht ist, soll der Hirte ein fröhliches Lied spielen.

„Doch unsere Liebe, / heißt sie nicht Tristan / und – Isolde? / Dies süße Wörtlein: und, / was es bindet, / der Liebe Bund, / wenn Tristan stürb’ / zerstört’ es nicht der Tod?“ (Isolde, S. 64)

Zu Kurwenals Freude schlägt Tristan nun die Augen auf, doch er ist völlig desorientiert, weiß nicht, wo er ist. Sein Diener muss ihn über das Geschehene aufklären. Tristans eigene Erinnerung ist dunkel, einzig Isolde ist ihm noch präsent. Nach ihr sehnt er sich mit wilder Verzweiflung. Wie damals in Cornwall verflucht er jetzt wieder den Tag und preist die Nacht. Kurwenal macht ihm Hoffnung, er versichert, Isolde werde heute noch mit dem Schiff ankommen. Tristan ist außer sich vor Freude. In höchsten Tönen lobt er Kurwenals aufopferungsvolle Treue. Doch noch spielt der Hirte sein trauriges Lied. In diesem erkennt Tristan eine alte Weise aus seiner Kindheit. Er fühlt sich zu ewiger Sehnsucht verdammt und beklagt sein Schicksal. Vor allem den Trank verflucht er. Dann verliert er wieder das Bewusstsein. Kurwenal fürchtet schon, sein Herr sei der Wunde erlegen.

Der Freude Flagge

Gerade als er des vermeintlich Toten bereits trauernd gedenkt, bewegen sich dessen Lippen. Tristan lebt, Kurwenal frohlockt. Tristans erster Gedanke gilt dem Schiff. Er fragt, ob es endlich in Sicht sei. Kurwenal ist sicher, dass es noch heute kommen muss. Jetzt beginnt Tristan wieder mit seinen Reminiszenzen an Isolde. Er vergegenwärtigt sich ihre Gestalt und ergeht sich in Schwärmereien. Da endlich erklingt das fröhliche Lied des Hirten. Kurwenal springt auf und rennt zum Turm, von wo er voller Begeisterung die Ankunft des Schiffes ausruft. Tristan will wissen, welche Flagge das Schiff gesetzt hat. „Der Freude Flagge“, antwortet Kurwenal. Tristan richtet sich begeistert auf. Doch plötzlich kann Kurwenal das Schiff nicht mehr sehen, es ist durch einen Fels verborgen. Gleich fürchtet Tristan das Schlimmste, nennt Kurwenal einen Verräter. Doch da taucht es wieder auf, und Tristan nennt ihn seinen besten Freund und will ihn zum Alleinerben einsetzen.

„O süße Nacht! / Ew’ge Nacht! / Hehr erhabne, / Liebes-Nacht! / Wen du umfangen, / wem du gelacht, / wie – wär’ ohne Bangen / aus dir je erwacht?“ (Tristan und Isolde, S. 67 f.)

Jetzt sieht Kurwenal Isolde winken, schon springt sie an Land. Er rennt gleich los zum Strand, um sie heraufzubringen. Tristan ist so voller Glück, dass er sich von seinem Lager erhebt und Isolde entgegeneilt. Doch er kann nur noch „Isolde!“ rufen, dann fällt er in ihre Arme. Ohne den Blick von ihr zu lassen, sinkt er sterbend zu Boden. Verzweifelt ruft Isolde ihn an, will nicht fassen, dass er tatsächlich tot ist. Doch es ist alles umsonst. Wortreich beklagt Isolde nun ihr Schicksal und bricht schließlich über Tristans Leiche zusammen. Da meldet der Hirte dem ebenfalls vom Schock gelähmten Kurwenal die Ankunft eines zweiten Schiffes. Auf diesem erkennt Kurwenal König Marke und Melot. Sogleich ergreift ihn die Wut, und er rüstet sich voll Todesverachtung zum Kampf.

Liebestod

Melot kommt bis zum Tor der Burg, dort haut ihn Kurwenal wütend nieder. Sterbend ruft Melot nach Tristan. Brangäne ist ebenfalls mit dem zweiten Schiff gelandet, sie versucht, den rasenden Kurwenal zur Räson zu bringen. Der wurde inzwischen im Kampf schwer verwundet. Da kommt König Marke herein und sieht den toten Tristan. Er bejammert dessen Tod. Auch Kurwenal klagt verzweifelt über den Tod seines Herrn – und stirbt darüber selbst. Unterdessen ist Isolde in Brangänes Armen wieder zu sich gekommen. Diese berichtet ihr, was das alles zu bedeuten hat: Sie habe König Marke von dem Trank erzählt, worauf dieser seinen Irrtum eingesehen habe. Er war sogar heilfroh, dass sich sein treuer Ritter Tristan als unschuldig herausstellte. Marke wollte ihm Isolde abtreten. Doch nun sind alle um ihn herum tot und König Marke beklagt sein Schicksal.

„Du Isolde, / Tristan ich, / nicht mehr Tristan, / nicht Isolde; / ohne Nennen, / ohne Trennen, / neu Erkennen, / neu Entbrennen; / endlos ewig / ein-bewußt: / heiß erglühter Brust / höchste Liebes-Lust!“ (Tristan und Isolde, S. 69)

Isolde bekommt von alledem nichts mit, sie blickt auf den toten Tristan und imaginiert ihn zurück ins Reich der Lebenden. Dann stirbt sie auf der Leiche ihres Geliebten.

Zum Text

Aufbau und Stil

Tristan und Isolde ist klassisch als Dreiakter aufgebaut. Der ursprüngliche Tristan-Stoff, wie er seit dem zwölften Jahrhundert kursierte und im Versroman Tristan des Gottfried von Straßburg seine klassische Form fand, war im Lauf der Zeit mehrmals erweitert worden, sodass Wagner ihn zunächst gewaltig straffen musste, bis sein Ideal erreicht war: eine konzentrierte Komposition, in der jedes Detail die erzählerische Absicht unterstützt und zur Motivation des tragischen Schlusses beiträgt. So verzichtete Wagner auf die Figur der Isolde Weißhand, im Original eine deutsche Herzogstochter, mit der Tristan sich vermählt, weil sie ihn an seine Isolde erinnert. Die wiederum musste er auf der Flucht vor König Markes Rache zurücklassen. Ebenso strich Wagner alle Abenteuer Tristans, die im Original das Bedürfnis des Publikums nach Aufregung und Spannung bedienten – wie die Kämpfe mit einem Drachen oder mit einem Riesen. Auch die ganze Vorgeschichte von der Geburt Tristans über den Krieg gegen Morold bis zur Heilung seiner Wunde durch Isolde lässt Wagner weg. Er beschränkt sich darauf, seine Figuren in knappster Weise darauf Bezug nehmen zu lassen. Die Sprache von Tristan und Isolde ist archaisierend und stark vom Mittelhochdeutsch des Gottfried von Straßburg beeinflusst. Wagner zeigt sich als großartiger Dichter, der durch ungewöhnliche Kombination bekannter Wörter und mit intuitiv einleuchtenden Wortschöpfungen ein Sprachkunstwerk von hoher Originalität und unmittelbarem Ausdruck schafft. Dazu trägt auch sein Lieblingsstilmittel bei, der Stabreim – ein altes germanisches Metrum, bei dem die bedeutungstragenden Wörter einer Zeile den gleichen Anlaut tragen: „Barg im Busen / uns sich die Sonne, / leuchten lachend / Sterne der Wonne.“

Interpretationsansätze

  • Tristan und Isolde kann als verspäteter Höhepunkt der Romantik gelesen werden. Besonders die Verherrlichung der Nacht als metaphysischer Urgrund des Seins, in den zurückzukehren es die Liebenden drängt, knüpft an die Werke romantischer Dichter wie Novalis (Hymnen an die Nacht) an, die ihrerseits ein Versuch waren, dem ernüchternden Licht der Aufklärung das geheimnisvolle Dunkel des Irrationalen entgegenzusetzen.
  • In der Betonung undurchschaubarer, unkontrollierbarer Seelenkräfte weist Tristan und Isolde auf die Psychoanalyse Sigmund Freuds voraus. In dieser Lesart steht der Zaubertrank als Symbol für das triebhafte Moment unseres Handelns, das uns ständig mit den gesellschaftlichen Normen in Konflikt bringt.
  • In der Figurenkonstellation ist Wagners eigene Situation während der Entstehung des Werks erkennbar: Wie Tristan und Isolde verband auch Wagner und Mathilde Wesendonck eine verbotene Liebe. Wagners Verhältnis zu seinem Nebenbuhler und väterlichen Mäzen Otto Wesendonck entspricht der Konstellation von Tristan und König Marke.
  • Ein weiterer Bezug besteht zur Philosophie Schopenhauers. Wagner war 1854 mit Schopenhauers Die Welt als Wille und Vorstellung bekannt gemacht worden. Vor allem die Metaphorik von Tag und Nacht in Tristan und Isolde knüpft an Schopenhauer an: Dem Tag entspricht Schopenhauers Welt der bloßen Erscheinungen; die Nacht entspricht der Erlösung des Menschen vom Leiden an der trügerischen Welt durch die Aufgabe allen Wollens, sprich der Tod.
  • Isoldes Sterben im dritten Akt ist als Liebestod zum literarischen Topos geworden: der Freitod aus Sehnsucht nach Verschmelzung mit dem Geliebten.

Historischer Hintergrund

Revolution, Romantik und Restauration

1789 hatte das französische Volk sein Geschick in die eigene Hand genommen und sich von der Monarchie befreit. Dieser unerhörte Vorgang machte weltweit Furore; vielen war klar, dass eine neue Epoche der Weltgeschichte angebrochen war. „Freiheit“ hieß das Wort der Stunde. Wie diese Freiheit aber zu gebrauchen sei, darüber gingen die Vorstellungen auseinander. Im Grunde lässt sich, was nun folgte, als historische Arbeit am Freiheitsbegriff betrachten. Den Anfang machte Napoleon, der zunächst als General die Freiheit, bald darauf aber als Kaiser die Notwendigkeit verkörperte. Nicht erst 1815, als er von den Repräsentanten der alten Ordnung, Österreich, Russland, Preußen, niedergerungen worden war, sondern schon mit seiner Krönung 1804 verschwand die Freiheit vorerst aus der politischen Sphäre. Dafür trieb sie jetzt in der Welt des Geistes Blüten, besonders in Deutschland.

Dort hatte formal noch das alte Reich Bestand, in Gestalt eines Flickenteppichs aus Kleinstaaten. Die Romantiker nahmen hier den Impuls von 1789 auf ihre Weise auf: Es wurde geschwärmt, geträumt, gefühlt, nach innen geschaut, kurz: Man lotete das Subjekt der Befreiung, den Menschen, in den Dimensionen seiner Freiheit aus. Mit dem Befreiungskampf gegen Napoleon kam ein nationalistisches Moment hinzu, das sich nach 1815 immer weiter steigerte, zumal es durch restaurative Ordnungsbestrebungen unterdrückt wurde. In dieser Vormärz genannten Phase dachten und dichteten die liberalen Schriftsteller des Jungen Deutschland. Der Fortschritt wurde ausgerufen und mit der Mission beladen, die Menschheit zu befreien – oder wenigstens den deutschen Teil derselben. Deutschland und Freiheit wurden geradezu zu Synonymen. Diesem hehren Streben mangelte es jedoch an politischer Durchschlagskraft: Der Revolutionsversuch von 1848 verpuffte kläglich, die alte Ordnung triumphierte und mit ihr die Notwendigkeit, in Gestalt von Kaiser, Volk und Vaterland.

Entstehung

Richard Wagner musste nach seiner Beteiligung am Dresdner Maiaufstand 1849 aus Deutschland fliehen und ging nach Zürich. Ab 1857 ließ ihn dort der reiche Seidenhändler und Kunstmäzen Otto Wesendonck in einem Gartenhaus neben seiner Villa wohnen. Dessen junge, schöngeistige Frau Mathilde wurde Wagners Muse. Es entwickelte sich eine platonische Schwärmerei zwischen den beiden. Schon während seiner Zeit als Kapellmeister in Dresden hatte Wagner stapelweise Bücher über alte Sagen, Mythen und Geschichte angeschafft, unter anderem das Versepos Tristan des mittelalterlichen Dichters Gottfried von Straßburg. Der Stoff selbst war keltischen Ursprungs und im zwölften Jahrhundert von altfranzösischen Dichtern verschriftlicht worden. Wagner kannte wohl auch diese Bearbeitungen. Im Oktober 1854 schrieb er das inhaltliche Konzept für Tristan und Isolde nieder. Erst 1857 allerdings begann er mit der eigentlichen Dichtung. Mit solcher Heftigkeit drängte sich ihm das Werk auf, dass er seine Arbeit am Ring des Nibelungen mittendrin unterbrach und sich voll Tristan und Isolde widmete. Zunächst skizzierte er die Handlung in Prosa, um sie anschließend in Versform zu bringen. Am 18. September 1857 war das Werk vollbracht. Wagner übergab Mathilde Wesendonck feierlich den letzten Akt, worauf diese sagte: „Nun habe ich keinen Wunsch mehr!“

Nachdem das Textbuch abgeschlossen war, ging Wagner ans Komponieren. Während der Arbeit am ersten Akt vertonte er fünf Gedichte aus der Feder Mathilde Wesendoncks. Zwei dieser sogenannten Wesendonck-Lieder kennzeichnete er als musikalische Studien zu Tristan und Isolde. Dem Hausherrn wurde so viel Schwärmerei allmählich zu bunt, und auch Wagners Frau Minna empörte sich. Die Stimmung im Hause Wesendonck kühlte sich empfindlich ab. Um der Situation zu entkommen, reiste Wagner – ohne seine Frau – nach Venedig und später nach Luzern, wo er im Hotel Schweizerhof am 6. August 1859 die Partitur abschloss.

Wirkungsgeschichte

Zur Aufführung der Oper kam es erst am 10. Juni 1865 am Hoftheater in München unter der Schirmherrschaft von Wagners großem Gönner Ludwig II. von Bayern. Die Oper war ein gewaltiger Erfolg. Wagner fühlte sich auf dem Höhepunkt. Die Wertschätzung seines Werks nahm in der Folge noch zu. Für Friedrich Nietzsche war Tristan und Isolde ein Erweckungserlebnis, er verherrlichte das Stück als „eigentliches opus metaphysicum aller Kunst“ – ein Urteil, dem sich später Thomas Mann anschloss. Der Komponist Richard Strauss sah in dem Werk gar den Höhepunkt der abendländischen Theatergeschichte. Jedenfalls steht die Oper am Anfang einer neuen Ära – sowohl dichterisch, indem sie die Erkenntnisse Freuds und damit das moderne Menschenbild vorbereitet, als auch musikalisch, mit dem gewagten „Tristan-Akkord“, den Arnold Schönberg später „die Emanzipation der Dissonanz“ nannte. Noch heute ist Tristan und Isolde eine der meistgespielten Opern überhaupt.

Über den Autor

Richard Wagner wird am 22. Mai 1813 in Leipzig geboren. Seine musikalische Laufbahn beginnt 1831 mit einem Studium in Leipzig. Verschiedene Engagements führen ihn in der Folge nach Würzburg, Magdeburg, Königsberg und Riga. In Königsberg heiratet er 1836 die Schauspielerin Minna Planer. Riga muss er 1839 verlassen, weil er Schulden gemacht hat; er geht über London nach Paris, wo er in ärmlichen Verhältnissen lebt. Die Oper Rienzi wird 1842 in Dresden sehr erfolgreich aufgeführt; Wagner wird dort Hofkapellmeister. Es folgen Der fliegende Holländer (1843), Tannhäuser (1845) und Lohengrin (1850). Neben seinem Opernschaffen tritt Wagner auch als Autor zahlreicher Schriften hervor, darunter Das Kunstwerk der Zukunft (1850) und Oper und Drama (1851). In Das Judentum in der Musik (1850) kommt Wagners ausgeprägter Antisemitismus zum Ausdruck. Wegen seiner Teilnahme am gescheiterten Dresdner Maiaufstand im Jahr 1849 flieht Wagner in die Schweiz. Hier beginnt die Arbeit am Ring des Nibelungen und an Tristan und Isolde. Unterstützung im Schweizer Exil erfährt Wagner durch den Unternehmer Otto Wesendonck, mit dessen Frau Mathilde er eine Liebesbeziehung beginnt. Ihr sind die Wesendonck-Lieder gewidmet. Nach dem Ende der Unterstützung durch Wesendonck lebt Wagner, inzwischen von seiner Frau getrennt, an wechselnden Orten, unter anderem in Venedig, Luzern und Wien. 1863 wird er von König Ludwig II. in München empfangen; dort erfolgt die Uraufführung von Tristan und Isolde (1865) und von den Meistersingern von Nürnberg (1868), beide unter dem Dirigenten Hans von Bülow. Mit dessen Frau Cosima, der Tochter Franz Liszts, hat Wagner ein langjähriges Verhältnis, sie heiraten 1870. Zusammen leben sie von 1866 bis 1872 in Tribschen bei Luzern, wo sie von König Ludwig II. und häufig von Friedrich Nietzsche besucht werden. 1872 siedelt Wagner nach Bayreuth über, wo die Grundsteinlegung zum Festspielhaus erfolgt, das 1876 mit der ersten kompletten Aufführung des Rings des Nibelungen eingeweiht wird. Die Eröffnung des Festspielhauses ist ein europaweit beachtetes Ereignis. 1882 wird die Oper Parsifal uraufgeführt. Wagner stirbt am 13. Februar 1883 in Venedig und wird im Garten seiner Villa Wahnfried in Bayreuth beigesetzt.


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