Zusammenfassung von Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen

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Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker


Worum es geht

Alles ist eins

In Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen legt der italienische Philosoph Giordano Bruno den Grundstein zu einer neuen Metaphysik und vollzieht eine radikale Abwendung von der dualistischen Weltsicht seiner Zeit: der klassischen Zweiteilung in Gott und Welt, Geist und Materie. Für Bruno sind diese vermeintlichen Gegensätze nur verschiedene Aspekte eines einzigen Seins, einer einzigen, unendlichen und unteilbaren Wirklichkeit. Gott selbst als allerhöchstes Wesen und Ursprung des Seins steht für Bruno nicht außerhalb der Welt, sondern ist Teil der allumfassenden Wirklichkeit des Seins. Die Abkehr von den Lehren des Aristoteles, dessen Erkenntnisse Ende des 16. Jahrhunderts noch immer eine dominierende Rolle in den offiziellen Lehrmeinungen spielten, brachte Bruno in einen permanenten Konflikt mit der katholischen Kirche; auch die Inquisition warf bereits frühzeitig ein Auge auf ihn. So kam es schließlich, dass seine Werke und die Konsequenz, mit der Bruno seine Auffassungen nach außen verteidigte, zu seiner Verurteilung zum Tod auf dem Scheiterhaufen führten. Bruno wurde zum Märtyrer der Inquisition und seine Werke zu Klassikern der Philosophie.

Take-aways

  • Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen ist eine philosophisch-kosmologische Abhandlung Giordano Brunos, die 1584 in London erschien.
  • Bruno war ein italienischer Dichter und Philosoph des 16. Jahrhunderts, der von der Inquisition wegen Ketzerei verurteilt und verbrannt wurde.
  • Inhalt: Der Hauptteil des Werks besteht aus fünf Dialogen. Bruno entwickelt eine Philosophie, nach der sich alles von der einen, höchsten Ursache ableitet und alles wieder zu dem Einen, Übergreifenden hinführt. Der klassische Dualismus von Form und Materie, Gott und Welt wird dadurch überwunden. Der Pantheist Bruno sieht alles von allem durchdrungen.
  • Bruno übt scharfe Kritik an den Lehren des Aristoteles, die damals noch nahezu unangefochten waren.
  • Zeit seines Lebens war Bruno ein Getriebener. Binnen weniger Jahre lebte und arbeitete er an mehreren Orten in der Schweiz sowie in Frankreich, England und Deutschland.
  • Bereits im Alter von 18 Jahren wurde er der Ketzerei verdächtigt, als er sich weigerte, Heiligenbilder in seiner Mönchszelle aufzuhängen.
  • Im Jahr 1600 wurde er zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt und auf dem Campo de’ Fiori in Rom verbrannt.
  • 1889 wurde dort eine Bruno-Statue aufgestellt. Der Blick des Philosophen ist direkt auf den Vatikan gerichtet.
  • Erst im Jahr 2000 wurde Bruno von der katholischen Kirche teilweise rehabilitiert und seine Verurteilung als Unrecht bezeichnet.
  • Sein Einfluss erstreckt sich auf eine Vielzahl unterschiedlicher Philosophen und Dichter, darunter Jacobi, Schelling und Goethe.
 

Zusammenfassung

Gespräch unter Philosophen

Elitropio spricht mit Filoteo. Er befürchtet, dass sich viele Anhänger der orthodoxen Lehrmeinungen von Filoteo abwenden werden, da sie offensichtlich unfähig sind, die enorme Kraft seiner Gedanken auszuhalten. Filoteo sieht die Schuld jedoch nicht in der Strahlkraft seines Gedankengebäudes, sondern sucht sie bei denen, die nicht in der Lage sind, sie zu ertragen. Elitropio warnt Filoteo davor, wie gefährlich es sein kann, die Menschen aus der Dunkelheit ins Licht zu führen.

„Gefangenen gleich, die an Dunkelheit gewöhnt aus finsterm Burgverlies an das Licht heraustreten, werden viele Anhänger der landläufigen Philosophie und manche andere dazu scheu werden, stutzen und weil sie unfähig sind, die neue Sonne deiner hellen Gedanken zu ertragen, böse werden.“ (Elitropio zu Filoteo, S. 1)

Armesso tritt hinzu und kritisiert Filoteo dafür, dass er nicht in der Lage sei, seine Gedanken geradeheraus zu formulieren. Filoteo vergleicht seine Lehren mit einem Gastmahl, das er anderen bereitet und das aus Zutaten mit verschiedenen Geschmacksrichtungen besteht. Das Ziel seiner Lehre ist vor allem, andere Menschen zu verbessern. Den Vorwurf, er tue dies auch wider deren Willen, beantwortet er damit, dass er als Philosoph gar keine andere Wahl habe, als sich wie ein Philosoph zu verhalten. Dabei treiben ihn, wie er behauptet, keine persönlichen, egoistischen Motive an, sondern allein die Liebe zur Wahrheit. Elitropio wirft ein, dass gerade diese Liebe zur Wahrheit den Philosophen zum Nachteil gereicht wird. Sie ist der Grund dafür, warum sie so häufig vom gemeinen Volk verachtet werden.

Schmähung und Verteidigung

Filoteo wird mit dem Vorwurf konfrontiert, er habe in seinem Buch Das Aschermittwochsmahl üble Schmähungen gegen seine Stadt und seine Heimat ausgestoßen. Er weist dies entschieden von sich. Solche Vorwürfe kann er sich nur als Missverständnis erklären und vermutet, dass ein Teil seiner Zuhörer die Verurteilungen einiger Repräsentanten seiner Heimat als Verurteilung der ganzen Stadt, ja der gesamten Nation aufgefasst habe. Elitropio vermutet, dass Filoteo seine Ansichten einfach nicht mit der gebotenen Vorsicht äußert und sich deshalb ein ums andere Mal unnötig in Gefahr begibt. Geschlossen klagen die drei Gesprächsteilnehmer darüber, dass der wissenschaftliche Standard der heimischen Universität ihrem Ruf immer weiter hinterherhinke, was ungerechtfertigten Vorwürfen und übler Rede leicht den Weg ebne. Akademische Titel würden zu rasch vergeben, und die, welche sie erhielten, hätten zwar Aristoteles und Platon studiert, diese allerdings nie wirklich verstanden.

„Sagt, was ihr wollt, denkt, wie es euch beliebt! Ich sage, dass es für das Glück des Lebens besser ist, sich Crösus zu dünken und arm zu sein, als sich arm zu dünken und Crösus zu sein.“ (Elitropio, S. 20)

Armesso spricht Filoteo auf ein Buch an, dass dieser in der Hand hält. Filoteo erwidert, dass es sich dabei um einen Band mit Dialogen handle. In diesen treten verschiedene Personen in Erscheinung: Teofilo (niemand anders als Filoteo selbst) als Lehrer und Philosoph, Alexander Dicson als Stichwortgeber für Teofilos Ausführungen, Gervasio, der lediglich zum Zeitvertreib an den Unterredungen teilnimmt, und schließlich Poliinnio, ein pedantischer Schulmeister und Verächter der Philosophie.

Prinzip und Ursache

Teofilo behauptet, dass jedes Ding, das nicht selbst das oberste Prinzip, die erste Ursache (also Gott) ist, ein bestimmtes Prinzip und eine bestimmte Ursache hat. Die wesentliche Substanz des obersten Prinzips und der eigentlichen Ursache ist nicht zu erkennen. Sie gibt sich nur in ihren Erscheinungen, also im Wirken Gottes preis, und selbst dies ist für den Menschen schwer zu verstehen. Folglich macht es keinen Sinn, sich über Gott zu unterhalten oder ihn über sein Wirken definieren zu wollen. Gott ist nach Teofilos Auffassung Ursache und Prinzip, und dabei handelt es sich um dieselbe Sache. In der Natur hingegen sind Ursache und Prinzip verschiedene Dinge innerhalb eines Systems von unterschiedlichen Beziehungen. In der begrifflichen Unterscheidung zwischen Prinzip und Ursache ist für Teofilo das Prinzip der allgemeine Begriff einer Sache, die Ursache hingegen allein das, was etwas anderes hervorbringt. Die allgemein bewirkende Ursache ist für ihn die universelle Vernunft, als Teil der Weltseele.

Alles ist beseelt

Teofilo unterscheidet drei Arten von Vernunft:

  1. die göttliche Vernunft, die alles ist,
  2. die universelle Vernunft, die alles macht, und
  3. die Vernunft der Dinge, die alles wird.
„Ich meine deshalb, es ist von dem Naturphilosophen nicht zu verlangen, dass er alle Ursachen und Prinzipien aufzeige, sondern nur die physischen, und von diesen auch nur die hauptsächlichen und jedes Mal eigentümlichen.“ (Teofilo, S. 25)

Es gilt, zwischen formalen und bewirkenden Ursachen zu unterscheiden. Es ist durchaus möglich, dass etwas zugleich Prinzip und Ursache ist – z. B. Gott. Auch die Weltseele kann ebenso Form wie gestaltende Kraft sein. Die Welt mit ihren einzelnen Gliedern ist in jedem Fall belebt und beseelt. Teofilo behauptet sogar, dass nicht nur die Weltform, sondern überhaupt die formale Seite aller Dinge belebt sei. Dies lasse sich dadurch beweisen, dass die Seele, die in einem Teil des Ganzen wohne, wiederum auch einen Teil dieses Teils bewohnen müsse. Schließlich gäbe es nichts auf der Welt, was ohne eine Seele, ohne einen Keim des Lebens wäre. Dicson erstaunt diese Ansicht, aber er stimmt Teofilo letztlich ebenso zu wie Gervasio. Allein Poliinnio sträubt sich dagegen. Für ihn ist es nicht vorstellbar, dass beispielsweise ein Leichnam beseelt sein soll. Teofilo weist ihn aber darauf hin, dass die Dinge z. T. nicht wirklich, sondern lediglich der Substanz nach lebendig seien.

„Wenn wir Gott oberstes Prinzip und wenn wir ihn oberste Ursache nennen, so meinen wir eine und dieselbe Sache in verschiedener Beziehung; wenn wir aber von Prinzipien und Ursachen in der Natur sprechen, so meinen wir verschiedene Dinge in verschiedenen Beziehungen.“ (Teofilo, S. 27)

Wenn also gemäß Teofilo Seele, Leben und Geist in allen Dingen vorhanden sind, so ist es der Geist, der die wahre Wirklichkeit und die wahre Form aller Dinge darstellt. Entsprechend fügt die Weltseele das gesamte Universum zusammen. Diesen Gedanken verfolgend, muss man weder einen körperlichen noch einen seelischen Tod fürchten, denn beide, Körper (Materie) und Geist (Form), sind Konstanten des Universums. Teofilo unterscheidet die folgenden Formen: erstens die materielle, räumlich wirksame Form; zweitens die Form, die die Wirksamkeit der Teile eines Ganzen ausmacht; und drittens die Form, die das Ganze zur Vollendung führt – von dieser Art ist die Seele. Heißt es in diesem Zusammenhang, dass Weltseele und Geist überall vorhanden seien, so ist dies nicht in einem materiellen, sondern in einem geistigen Sinn gemeint.

Form und Materie

Während Gervasio am folgenden Tag auf seine Gesprächspartner wartet, lästert er über Poliinnio. Als dieser eintrifft, zieht Gervasio ihn mit seiner Gelehrsamkeit auf. Poliinnio begreift zunächst gar nicht, dass er sich über ihn lustig macht und nimmt seine als Schmeicheleien getarnten Neckereien wörtlich. Als er ihm schließlich doch auf die Schliche kommt, schließt sich Dicson dem Gespräch an und schlichtet den sich anbahnenden Streit zwischen den beiden.

„(...) denn die Form, welche alle Qualitäten umfasst, ist keine einzige von ihnen; was alle Gestalten hat, hat keine von ihnen, was alle sinnliche Existenz hat, wird deshalb gar nicht sinnlich wahrgenommen.“ (Teofilo, S. 86)

Was das Verhältnis von Form und Materie betrifft, sind Dicson und Teofilo der gleichen Auffassung: Es ist unmöglich, dass das eine ohne das andere existiert. Der Geist bestimmt das Werden, die Materie das Sein. Die Materie bleibt, was ihre innere Substanz angeht, immer gleich; lediglich die Formen, die sie unter den jeweiligen Umständen annimmt, ändern sich. Daraus lässt sich schließen, dass nichts von den Dingen in dieser Welt wirklich vergänglich ist, sondern alles lediglich seine Form verändert, die aus bestimmten Akzidenzien besteht. Die Materie kann nicht anders als durch ihre Eigenschaften klassifiziert werden, also durch die Form, die ihr konstituierendes Prinzip ist. Die Formen dringen in die Materie ein und gehen wieder aus ihr hervor. Sie haben kein Sein außerhalb der Materie, daher hat diese das Vorrecht, als einziges substanzielles Prinzip anerkannt zu sein.

Verschiedene Arten der Materie

Am nächsten Tag räsoniert Poliinnio in einem Monolog über die verschiedenen Bezeichnungen der Materie und ihr Verhältnis zum Weiblichen. Er begreift das Weib wie die Materie als etwas im Grunde Sündhaftes, im Gegensatz zu der guten, maskulinen Form. Er polemisiert heftig gegen die Frauen, denen er vorwirft, die Männer zu verderben. Gervasio hält dagegen, aber Poliinnio bleibt bei seiner Haltung: Für ihn besteht das Weib lediglich aus Materie. Schließlich treten Teofilo und Dicson hinzu.

„So ist denn also das Universum ein Einiges, Unendliches, Unbewegliches.“ (Teofilo, S. 97)

Teofilo breitet weitere Aspekte seiner Philosophie aus. So glaubt er an eine bestimmte Ordnung von allem, was ist. Diese Ordnung unterliegt einer zeitlichen und einer hierarchischen Struktur. Die Materie ist das, was allen Dingen gemeinsam ist, während die Formen der Dinge sich stets auf etwas Unterscheidendes beziehen. Diese Unterscheidung kann nicht verstanden werden, ohne dass die Materie als das eigentlich Verbindende begriffen wird. Das, worin sich die Formen vereinigen, ist wiederum die Materie. Dicson will daraufhin wissen, wie es sein kann, dass selbst in den höchsten Dingen immer noch ein Quantum an Materie ist. Teofilo antwortet, dass die Materie sämtliche Maße, alle Arten von Gestalten und jede räumliche Richtung in sich vereint und durchdringt. Die Wirklichkeit umgreift alle diese einzelnen Aspekte, ist aber selbst keine dieser materiellen Gegenstände oder Formen. Denn um alles zu sein, kann die Wirklichkeit nicht ein Einzelnes sein.

Die Formen als Möglichkeit in der Materie

Die Materie ist unteilbar, weil sie über keine räumliche Ausdehnung verfügt; sie erhält diese lediglich über die unterschiedlichen Formen, die sie annimmt. Die Materie kann in diesem Sinne nur zeitlich oder dem Vermögen nach der Formen beraubt sein, nicht aber grundsätzlich. Auch wenn es eine Unzahl verschiedener Individuen gibt, ist letztlich alles eins. Dieses Eine ist zugleich Zielort und Grenze des Philosophierens und aller Naturbetrachtungen.

„Solchergestalt ist das eine höchste Wesen, in welchem Wirklichkeit und Vermögen ungeschieden sind, welches auf absolute Weise alles sein kann und alles das ist, was es sein kann, in unentfalteter Weise ein Einiges, Unermessliches, Unendliches, was alles Sein umfasst (...)“ (Dicson, S. 105)

Dicson stellt fest, dass das, was in der Wirklichkeit als fassbar und wahrnehmbar erscheint, niemals der Grund der Wirklichkeit selbst sein kann, sondern nur eine Erscheinungsform. Teofilo ist der Meinung, dass Aristoteles ungenau ist, wenn es darum geht, Form, Materie und Prinzipien differenziert zu betrachten. Vor allem Aristoteles’ Behauptung, die Materie sei lediglich Vermögen, wird von ihm kritisiert. Schließlich äußert er sich auch über die Analogie von Weib und Materie. Teofilo betrachtet Poliinnios Auffassung als Unfug. Seiner Meinung nach steckt in der Materie weder ein Begehren noch ein Wille, wie er sich beispielsweise im Weiblichen ausdrückt.

Einig, unendlich, unbeweglich

Für Teofilo ist das Universum ein Einiges, Unendliches, Unbewegliches. Es umfasst alle Gegensätze in Einheit und Harmonie. Das Universum ist unvermessbar. Seine Länge, Breite und Höhe mögen gleich sein, dennoch hat es nicht die Gestalt einer Kugel, denn sonst wäre es nicht unendlich. Das Universum ist all das, was sein kann; Wirklichkeit und Vermögen unterscheiden sich hier nicht, alles ist in allem zusammengefasst. Die Veränderungen, die es zweifellos gibt, streben nicht ein anderes Sein, sondern nur eine andere Art zu sein an. Genau das ist auch der Unterschied zwischen den Gegenständen im Universum und dem Universum selbst. Jede Art von Erzeugung bedingt eine Veränderung, die Substanz an sich aber bleibt davon unbehelligt. Wer zu dieser Einsicht gelangt ist, hat damit die Wahrheit, die Weisheit und auch seinen inneren Frieden gefunden.

„Das höchste Gut, der höchste Gegenstand des Begehrens, die höchste Vollkommenheit, die höchste Glückseligkeit besteht in der Einheit, welche alles in sich schließt.“ (Teofilo, S. 114 f.)

Dicson bestätigt Teofilo in den Grundfesten seiner Lehre: Alle Eigenschaften von Gegenständen, Beschaffenheit, Farbe, Gestalt usw., sind nichts anderes als unterschiedliche Erscheinungsweisen; die eigentliche Substanz des Universums bleibt davon unberührt. Geht es nach Dicson, dann ist das allerhöchste Wesen, also Gott, von dieser Art: Wirklichkeit und Vermögen finden sich in seiner Kraft vereint. Teofilo fügt hinzu, dass die Philosophen dem Unteilbaren unterschiedliche Bezeichnungen geben, dass das Prinzip des Unteilbaren aber in allen Philosophien gleich bleibt. Die höchste Erkenntnis, zu der der Mensch in der Lage ist, ist die der Einheit des Universums. Es liegt daher in der Natur des Verstandes, die Dinge zu vereinheitlichen, das Verbindende in ihnen zu finden. Wer z. B. Mathematik studiert, gelangt zwangsläufig zu dieser Erkenntnis. So gleicht sich etwa ein Kreis, je größer er ist, immer mehr seinem natürlichen Gegenteil, der Geraden, an.

Zum Text

Aufbau und Stil

Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen, im Original auf Italienisch, besteht aus einer längeren Einleitung, die Bruno an seinen Förderer Michel de Castelnau richtet, aus vier Gedichten und fünf Dialogen. Letztere bilden den Schwerpunkt, in dem Bruno die Grundzüge seiner Philosophie ausbreitet. Die Dialogform orientiert sich an den platonischen Schriften. Die Dialoge sind weniger darauf ausgerichtet, die einzelnen Gesprächsteilnehmer psychologisch darzustellen oder sie in ihren Gesprächen realistischen Konfliktsituationen auszusetzen. Vielmehr ist jeder Dialog auf das Ziel philosophischer Erkenntnis ausgerichtet. Gesprächsführer und Lehrer ist der Philosoph Teofilo (bzw. Filoteo im ersten Dialog), der eindeutig als Alter Ego des Autors zu erkennen ist. Er lehrt, erklärt und deutet seinen Zuhörern seine pantheistische Lehre. Die anderen Anwesenden nehmen den vorgegebenen Faden auf, spinnen ihn weiter, geben Hinweise, wenn diese helfen, die Philosophie Teofilos zu vertiefen; alles in allem reagieren sie eher, als dass sie agieren. Dicson tritt als der scharfsinnige Stichwortgeber auf, der die Ideen Teofilos ergänzt und zuweilen mit Beispielen unterfüttert, Gervasio hat die Funktion des intelligenten Spaßvogels und Poliinnio die eines akademischen Pedanten und Wichtigtuers.

Interpretationsansätze

  • Giordano Brunos Schrift Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen steht in der Tradition des philosophischen Dialogs, des Lehrgesprächs, in dem ein Philosoph seinen Zuhörern die Welt erklärt. Brunos Werk hat Züge eines dramatischen Dialogs, wenn auch eher auf einem komischen Niveau.
  • Brunos Philosophie ist pantheistisch, verharrt dabei jedoch nicht in bloßer Mystik, sondern kämpft durchaus mit scharfen metaphysischen Waffen um die eigentliche Essenz dieser Weltanschauung. Geist und Materie, Gott und Welt bilden für ihn insofern eine universelle Einheit, als sie sich gegenseitig durchdringen. Damit überwindet Bruno das traditionell dualistische Weltbild; zugleich übt er scharfe Kritik an den philosophischen Autoritäten seiner Zeit, vor allem an Aristoteles.
  • Bruno stellt sich mit seiner Abkehr vom geozentrischen Weltmodell in die Tradition des heliozentrischen Weltbilds des Astronomen Nikolaus Kopernikus, nach dem die Erde um die Sonne kreist. Für ihn wie für Kopernikus ist das Universum etwas Unendliches, nicht zu Begrenzendes, Unfassbares. Bruno setzt diese Erkenntnis auf konsequente Weise philosophisch um und nimmt dafür – anders als der zeitlebens vorsichtig agierende Kopernikus – sogar Verdammung und Tod in Kauf.
  • In seinen Schriften ist Giordano Bruno kaum als Geistlicher bzw. Theologe zu erkennen. Obwohl die Erkenntnis Gottes als Weltenlenker, als Prinzip und Ursache am Ausgangs- und Endpunkt seines Gedankengebäudes steht, so erscheint er doch – ähnlich wie der von ihm ungeliebte Aristoteles – als durch und durch weltlicher Philosoph.
  • Auch wenn Brunos metaphysische Haarspalterei heute ziemlich irrelevant erscheint, so bleibt doch sein mit aller Konsequenz durchgezogener Nonkonformismus bewundernswert. Und dies in einer Zeit, als Nonkonformismus einem noch nicht einen Platz in einer Fernseh-Talkshow einbrachte, sondern Folter und Verbrennung bei lebendigem Leib.

Historischer Hintergrund

Die Inquisition im 16. Jahrhundert

Die politische Bedeutung des Kirchenstaats nahm im 16. Jahrhundert ab, gleichzeitig wuchs seine Abhängigkeit von den europäischen Großmächten. 1542 gründete Papst Paul III. die Kongregation für die Glaubenslehre als ständige Einrichtung, die die Kirche vor abweichenden Glaubensvorstellungen schützen sollte. Anders als im Mittelalter verfolgte die Römische Inquisition nicht mehr ganze, der Ketzerei verdächtigte religiöse Bewegungen. Ihre eigentliche Aufgabe bestand darin, Inhalte und Formen des wahren Glaubens zu bewahren, statt andere Glaubensrichtungen zu verfolgen.

Nichtsdestotrotz wurden philosophische, theologische und wissenschaftliche Lehren, die vom Glauben abwichen, ständig überprüft und, wenn es angemessen schien, auch entsprechend hart verfolgt. Dabei gab es klare Vorgaben. So wurde die eigentliche Inquisition stets in Anwesenheit von mindestens zwei Zeugen vorgenommen. Um den Angeklagten zu einem Geständnis zu zwingen, durfte nach wie vor die Folter angewandt werden. Die Ergebnisse der Inquisition wurden schließlich öffentlich verkündet. Im gewünschten Fall schwor der Angeklagte dann seinem Irrglauben mit auf die Bibel gepresster Hand ab. Die Strafen für sein Vergehen konnten unterschiedlich ausfallen. Sie reichten von der Verpflichtung zu Kirchenbesuchen bis hin zu längerfristigen Gefängnisaufenthalten. Die Todesstrafe wurde zu jener Zeit nur verhängt, wenn der Beschuldigte – wie Giordano Bruno – keine Reue zeigen wollte.

Entstehung

Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen entstand während Brunos Aufenthalt in England und erschien 1584 in London. Hält man sich die schwierigen Umstände vor Augen, die sein Leben weitgehend bestimmten, so fällt die Publikation in eine verhältnismäßig unbeschwerte Zeit. Bruno hatte kurz an der Universität von Toulouse gelehrt, war aber im Zuge der Hugenottenkriege nach Paris weitergezogen, wo er, u. a. durch Heinrich III. gefördert, bis 1583 blieb. Mit einem Empfehlungsschreiben des Franzosenkönigs reiste er schließlich nach England, wo er sich als Dozent an der renommierten Universität von Oxford einen Namen machen wollte.

Hier schaffte sich Bruno jedoch mit seinen Angriffen auf den zu dieser Zeit immer noch sakrosankten Aristoteles rasch Feinde. Hinzu kam, dass er wegen eines angeblichen Plagiats in Verruf geriet. Bis zum Sommer 1585 lebte er bei einem seiner maßgeblichen Förderer, dem französischen Botschafter in London, Michel de Castelnau. Der zweijährige Aufenthalt auf der britischen Insel gehörte zu den produktivsten Phasen in Brunos Leben. In jener Zeit schrieb er einige seiner wichtigsten Werke, darunter Das Aschermittwochsmahl oder Über das Unendliche, das Universum und die Welten.

Wirkungsgeschichte

Nach Giordano Brunos Tod gerieten seine Werke für knapp 200 Jahre beinahe vollständig in Vergessenheit. 1789, im Jahr der Französischen Revolution, veröffentlichte der Philosoph und Schriftsteller Friedrich Heinrich Jacobi als Beilage zur zweiten Auflage seiner Briefsammlung Über die Lehre des Spinoza, in Briefen an den Herrn Moses Mendelssohn Auszüge aus Brunos Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen. So wollte er Ähnlichkeiten und Berührungspunkte in den Philosophien Brunos und Baruch de Spinozas aufzeigen: „Schwerlich“, schrieb Jacobi damals, „kann man einen reineren und schöneren Umriss des Pantheismus im weitesten Verstande geben, als ihn Bruno zog.“

Die deutlichste Wirkung hinterließ Brunos Pantheismus bei dem deutschen Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling. 1802 veröffentlichte dieser sein Werk Bruno oder über das göttliche und natürliche Prinzip der Dinge. Auch Johann Wolfgang von Goethe beschäftigte sich intensiv mit dem Werk Brunos. „Dieser außerordentliche Mann ist mir niemals ganz fremd geworden“, schrieb er beispielsweise 1812 in einem Brief. Daneben wurde Giordano Bruno – vor allem in der Kunst, aber auch in der Populärkultur – in vielfacher Weise als Kämpfer für die Glaubens- und Meinungsfreiheit und als Märtyrer der Inquisition dargestellt. Als besonders provozierender Ausdruck dieser Haltung zeigt sich das 1889 auf dem römischen Campo de’ Fiori errichtete Denkmal, das direkt auf den Vatikan blickt.

Über den Autor

Giordano Bruno wird 1548 in Nola bei Neapel geboren. Seine außerordentliche Begabung wird rasch erkannt. Bereits 1562 beginnt er an der Universität von Neapel sein Studium der humanistischen Wissenschaften, drei Jahre später tritt er den Dominikanern bei, 1572 wird er zum Priester geweiht. Schon kurz nach seinem Eintritt in den Orden zeigt sich Brunos unbequemer Charakter. Er wendet sich gegen den Marienkult und die Anbetung von Heiligenbildern und gerät damit in Konflikt mit den Ordensvorstehern. Kurz nachdem er das Studium der Theologie abgeschlossen hat, wird er 1576, wegen seiner Zweifel am Dogma der Trinität, der Häresie verdächtigt. Bruno flieht aus Neapel in die Schweiz, weiter nach Frankreich, England und Deutschland. Aufgrund der Ablehnung, auf die seine Haltung und seine Schriften stoßen, schafft er es nicht, sich an einem Ort dauerhaft niederzulassen. In Frankfurt am Main lernt er den venezianischen Patrizier Giovanni Mocenigo kennen, der ihn nach Venedig einlädt, um sich von ihm in der Gedächtnis- und Erfindungskunst unterrichten zu lassen, der aber wohl insgeheim hofft, Einblicke in die Geheimnisse der Magie zu bekommen. Von Mocenigo wird Bruno schließlich an die Inquisition verraten. Er wird 1592 in Venedig wegen Sektierertum verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Nachdem der Prozess, der gegen ihn angestrengt wird, anfänglich noch günstig zu verlaufen scheint, wird er im Februar 1593 in das Gefängnis des Heiligen Offiziums nach Rom überstellt. Nach jahrelangen Untersuchungen und zahlreichen Verhören, in denen er es immer wieder ablehnt, seine Lehren zu widerrufen, wird Bruno zum Tod verurteilt und am 17. Februar 1600 auf dem römischen Campo de’ Fiori auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 400 Jahre später erklärt der päpstliche Kulturrat die Hinrichtung Giordano Brunos für Unrecht.


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