Zusammenfassung von Wege zum Glück

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Wege zum Glück Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Philosophie
  • Griechische Antike

Worum es geht

Die Lust am selbstgenügsamen Leben

Nur wer zufrieden ist mit dem, was er hat, und nicht nach Unerreichbarem strebt, kann ein glückliches Leben führen – auf diesem Gedanken fußt Epikurs Ethik. Macht, Reichtum, Ansehen, der Wunsch nach Unsterblichkeit: All das führt über kurz oder lang ins Unglück. Statt in die Zukunft zu blicken, sollte man dankbar das Gute der Vergangenheit und Gegenwart betrachten. Die Gedanken des antiken Philosophen sind in der heutigen, schnelllebigen Welt nicht weniger hilfreich als vor 2300 Jahren – und nicht weniger radikal. Was macht das persönliche Glück aus? Wonach soll man streben, wie sein Leben gestalten? Woran glauben und woran nicht? Epikur hat Ratschläge parat, die in ihrer Hellsichtigkeit, menschlichen Wärme und logischen Brillanz verblüffen. Der kleine Band, der alle erhaltenen Texte des griechischen Denkers beinhaltet, ist kein Buch, das man an einem Stück verschlingt; es lädt vielmehr zum wiederholten punktuellen Lesen ein, zum Nach- und Weiterdenken. Auch für Nicht- und Temporärphilosophen ist es problemlos verständlich und nützlich – nicht zuletzt als hervorragende Einführung in die zentralen Themen der hellenistischen Philosophie.

Take-aways

  • Wege zum Glück versammelt alle erhaltenen Schriften Epikurs: Neben einzelnen Zitaten und Fragmenten sind das drei Lehrbriefe und zwei Spruchsammlungen.
  • Epikurs Ethik beruht auf dem Gedanken, dass die Lust das höchste Gut ist.
  • Voraussetzungen für ein lustvolles Leben sind die Freiheit von Schmerzen und die Ruhe der Seele.
  • Tugenden sind nur dann erstrebenswert, wenn sie die Lust vergrößern.
  • Nur wer gerecht und maßvoll ist, kann glücklich leben. Das lehrt uns die Vernunft.
  • Wer nach Macht, Ruhm und Unsterblichkeit strebt, wird unglücklich.
  • Götter sind ewige, glückliche Wesen, die keine Aufgaben haben, keinen Zorn und keine Güte kennen. Gebete zu ihnen sind darum überflüssig.
  • Das Universum besteht aus leeren Räumen und aus Atomen, die sich zufällig zu größeren Körpern anordnen können.
  • Wahr ist, was wir beobachten können oder was sich unserem Verstand unmittelbar erschließt.
  • Maßloser Konsum und das Streben nach Luxus hat nichts mit der Philosophie Epikurs zu tun, obwohl sie immer wieder so verstanden wird.
  • Epikur versteht unter Lust schon die Abwesenheit eines natürlichen Mangels, z. B. Hunger.
  • Die so genannten Epikureer grenzten sich von den lustfeindlicheren Lehren der Stoiker ab.
 

Zusammenfassung

Lustvoll leben

Gestalte dein Leben so, dass du möglichst viel Lust empfindest. Das heißt nicht, dass negative Gefühle wie Trauer nicht zugelassen sind und nicht durchlebt werden dürfen. Was sich aber wirklich nachteilig auf die Gemütsruhe auswirkt, sind zu viele Begierden. Deshalb können nur diejenigen ein glückliches Leben führen, die einfach zu befriedigende Bedürfnisse haben. So kann ein simples Stück Brot zufriedener machen als ein üppiges Mahl, nicht zuletzt, weil das zweite schwerer zu erreichen ist – und schwerer zu verdauen. Wer glücklich leben will, muss sich immer ein gewisses Maß an Freiheit bewahren: zum einen die Freiheit von Mängeln wie Hunger oder Durst, zum anderen aber auch die Freiheit von unerfüllbaren Wünschen.

„Ich fordere dich auf zu ununterbrochenem Streben nach Lust und nicht zu leeren und sinnlosen Tugenden, deren Früchte man nur mit Unruhe im Herzen erhofft.“ (S. 9)

Die Grenze dessen, was man besitzen sollte, wird von der Natur vorgegeben. Was sie dem Menschen zur Verfügung stellt, reicht vollkommen aus, um ein glückliches Leben zu führen. Die Natur ist es auch, die den besten Beweis dafür liefert, dass die Lust zu suchen und der Schmerz zu meiden ist: Zeigen nicht alle Lebewesen dieses Verhalten? Eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein glückliches, lustvolles Leben ist deshalb die körperliche Unversehrtheit.

Über Götter

Alle Menschen verfügen über einen angeborenen, naturgegebenen Gottesbegriff, den sie vor jeder weiteren Bildung schon kennen. Dadurch ist eindeutig bewiesen, dass es tatsächlich Götter gibt. Wer hätte uns sonst die Vorstellung davon eingepflanzt? Diesem natürlichen Vorbegriff entsprechend stellt man sich die Götter als ewige und glückliche Wesen vor. Ein solches Wesen ist perfekt in dem Sinn, dass es keine Schwächen hat – also auch keine Gefühle wie Zorn oder Zuneigung, die ebenfalls als Schwächen gelten. Die Furcht vor dem göttlichen Zorn und die Hoffnung auf göttliche Hilfe sind darum vollkommen unbegründet; Gebete und die Einhaltung von Regeln, die angeblich von den Göttern stammen, sind überflüssig. Verehren sollte man die Unsterblichen nur aufgrund ihrer Größe und Schönheit, nicht, weil man sich von ihnen etwas erhofft. Dass all das Flehen und Beten sinnlos ist, zeigt sich ja auch im Alltag: Meist sind es die guten, frommen Menschen, denen Böses widerfährt, während die schlechten mächtig und erfolgreich sind.

„Flieh vor jeder Bildung, du Glücklicher, mit einem schnellen Schiff.“ (S. 12)

Aus der Annahme, dass göttliche Wesen glückliche Wesen sind, folgt auch, dass sie keine Aufgaben haben. Denn wer Aufgaben hat, hat keine Ruhe, und nur Ruhe ermöglicht ein glückliches Leben. Die Götter können also nicht die Welt erschaffen haben, weil dies eine Aufgabe gewesen wäre, die ihre Ruhe gestört hätte. Zu dieser Schlussfolgerung gelangt man auch mit einem weiteren Gedankengang: Wenn die Götter die Welt geschaffen hätten, müssten sie es zu einem bestimmten Zeitpunkt getan haben. Wie kann man aber erklären, dass sie es genau dann und nicht früher getan haben? Die Annahme, sie hätten sich auf einmal und ohne besonderen Anlass entschieden, eine Welt zu erschaffen, ist nicht mit glücklichen und ruhenden Göttern vereinbar, obwohl wir diese Vorstellung von Natur aus besitzen. Die Welt muss demnach auf natürliche Weise und ohne Schöpfungsakt entstanden sein. Nur so ist auch zu erklären, warum sie so viele Mängel und Fehler aufweist: Strenge Winter, Hitzewellen, Nahrungsknappheit und Krankheiten können wohl kaum das Werk eines perfekten Wesens sein. Also: Die Ordnung der Welt, wie sie sich heute zeigt, ist das Ergebnis einer natürlichen Entwicklung.

Lust, Schmerz und die Tugenden

Das größte Übel ist der Schmerz, das höchste Gut die Lust. Diese einfache Grundregel muss jedem einleuchten. Allerdings gilt es auch immer zu beachten, dass die Lust evtl. größeren Schmerz nach sich ziehen kann. Lust sollte nur dann angestrebt werden, wenn sie weder für einen selbst noch für andere negative Folgen hat. Sich davon überwältigen zu lassen, ist nicht gut. Vielmehr gilt: Wer davon absieht, Dinge zu tun, die er seiner Meinung nach nicht tun soll, gewinnt gerade durch den Verzicht die höchste Lust.

„Ich weiß allerdings nicht, was ich mir unter dem Guten vorstellen soll, wenn ich verzichte auf die Freuden des Gaumens, verzichte auf die Freuden der Liebe, verzichte auf die Freuden des Hörens, verzichte auf die Freuden, die als angenehme Bewegungen eines schönen Körpers mit den Augen wahrgenommen werden ...“ (S. 16)

Generell muss man zwischen kurzen, teilweise folgenschweren Lusterlebnissen und der höchsten Lust, die die vollkommene Abwesenheit von Schmerz bietet, unterscheiden. Jede Beseitigung eines Schmerzes führt zu größerer Lust. In engem Zusammenhang mit den verschiedenen Arten der Lust stehen die verschiedenen Begierden: Es gibt natürliche und notwendige Begierden, die nicht sehr schwer zu befriedigen sind, etwa der Hunger. Dann gibt es natürliche, aber nicht notwendige Begierden, die ebenfalls recht leicht gestillt werden können. Drittens gibt es auch unnatürliche, nicht notwendige Begierden, die zu Maßlosigkeit führen, und aus diesem Grund unterdrückt werden sollten.

„So kann man auch nicht sagen, dass allein die Freude des Geistes ein Gut sei. Denn unter Freude des Geistes verstehe ich Folgendes: Sie besteht in der Hoffnung, dass unsere Natur frei von Schmerz sein wird, wenn sie alle Dinge, die ich eben aufgezählt habe, besitzt.“ (S. 16)

Viele halten die Tugenden für die höchsten Güter, doch auch sie sind nur deshalb erstrebenswert, weil sie die Lust vergrößern können. Warum ist z. B. Weisheit eine Tugend? Weil durch sie die unnatürlichen Begierden und die Leidenschaften eingeschränkt werden. Denn aus denen entstehen Hass, Streit und Krieg; sie stören die Ruhe der Seele und das Glück anderer Menschen. Genauso verhält es sich mit der Tugend der Mäßigung: Nur wer das rechte Maß hält und nicht zu viel verlangt, kann Ruhe und Gelassenheit finden, die zu einem glücklichen Leben führen. Und schließlich die Gerechtigkeit: Auch sie wird nur deshalb angestrebt, weil sie einem glücklichen Leben zuträglich ist. Denn wer ein Verbrechen begeht, verliert seine Seelenruhe; ständig muss er in Angst leben, entdeckt und verurteilt zu werden. Ein lustvolles Leben führt also derjenige, der weise, maßvoll und gerecht ist.

Freundschaft und Seelenruhe

Manche behaupten, das Streben nach Lust und die Freundschaft würden sich gegenseitig ausschließen, denn die Rücksichtnahme auf andere verringere den Lustgewinn. Doch das ist nicht wahr: Freundschaft ist ein nützliches Gut und sie kann durchaus ein lustvolles Leben fördern. Freundschaften werden meist aus praktischen Gründen geschlossen. Sie bieten Sicherheit und beruhigen die Seele. Und mit zunehmender Dauer und Tiefe verschaffen sie einem sogar einen höheren Lustgewinn: Außer Freuden kann auch der Schmerz geteilt werden. Schlussfolgerung: Die Freundschaft ist eines der höchsten Güter, nach denen die Menschen streben sollten.

„Von beiden aber (von Platon und den Stoikern) möchte ich wissen, warum die Erbauer der Welt plötzlich aufgestanden sein sollen, nachdem sie eine Ewigkeit lang geschlafen haben.“ (S. 25)

Neben der Abwesenheit von körperlichem Schmerz ist die Ruhe der Seele die wichtigste Voraussetzung für ein glückliches Leben. Die einzigen Wissenschaften, mit denen sich zu beschäftigen es sich lohnt, sind also jene, die zu einem besseren Leben mit einer gelassenen Weltanschauung beitragen. Hierzu zählt insbesondere die Philosophie. Entscheidend für die Seelenruhe ist im Übrigen folgender Tipp: Anstatt bang in die Zukunft zu schauen, erinnert man sich besser dankbar an gute Erlebnisse zurück. Das Glück, das man bereits erfahren hat, kann einem niemand mehr nehmen. In diesem Sinne sollte man immer dankbar sein für das, was man besitzt, und nicht nach etwas verlangen, was man nicht erreichen kann.

Die Naturphilosophie

Tatsächlich wahr ist nur, was wir direkt wahrnehmen können oder was sich unserem Denken unmittelbar erschließt – das ist die Grundlage der Naturphilosophie. Geht man von dieser Basis aus, lassen sich einige Wahrheiten feststellen, aus denen dann weitere abgeleitet werden können. So lässt sich z. B. folgende Erkenntnis gewinnen: Da nichts aus nichts entstehen kann, muss unser Universum als Ganzes schon immer so gewesen sein, wie es ist; es kann keine Materie hinzugekommen oder fortgenommen worden sein. Allerdings können sich die Körper immer wieder neu anordnen. Wenn sich Körper jedoch immer neu zusammensetzen können, muss es etwas Kleines, Unteilbares geben, aus dem sie alle bestehen: die Atome. Das gesamte Weltall besteht demnach aus Atomen und Leere. Wie sich die Atome in der Leere anordnen, wird durch den Zufall bestimmt.

„Glück und Seligkeit bestehen weder in einer großen Menge Geld noch in bedeutenden Leistungen oder irgendwelchen Ämtern und Machtpositionen, sondern nur in Schmerzlosigkeit, Beruhigung der Leidenschaften und in einem Zustand der Seele, der das Natürliche umfasst.“ (S. 75)

Neben den festen Körpern gibt es auch solche, die zwar dieselbe Gestalt haben, aber eine feinere Struktur besitzen. Das sind die Bilder, die wir sehen. Sie werden von den festen Gegenständen an uns übermittelt, wodurch wir deren Form und Farbe erkennen. Eben weil die Bilder direkt von den Körpern selbst kommen, muss alles, was wir auf diese Weise wahrnehmen, auch tatsächlich wahr sein. Irrtümer können nur dann entstehen, wenn wir etwas noch nicht Bestätigtes als wahr annehmen oder wenn wir selbst die Wahrnehmung beeinflussen. Ähnliches wie fürs Sehen gilt übrigens fürs Hören und Riechen: Die Geruchs- oder Hörempfindungen werden von den Gegenständen selbst verursacht.

„Denn nur das, was wirklich beobachtet wird oder durch den unmittelbaren Zugriff mit dem Verstand erfasst wird, ist wahr.“ (S. 91)

Bei der Seele handelt es sich entgegen der geläufigen Meinung um etwas Körperliches. Sie besteht aus feinsten Teilchen, die sich im Köper verteilen. Wenn wir also etwas mit der Seele wahrnehmen, dann nur über die Vermittlung des Körpers. Sobald sich die Seele vom Körper trennt, besitzen beide kein Wahrnehmungsvermögen mehr. Mit der Auflösung des Körpers zerstreut sich die Seele.

Himmelserscheinungen

Die Beschäftigung mit den Himmelserscheinungen dient in erster Linie unserer Beruhigung: Denn nur wer keine Angst vor den Wetterphänomenen und astronomischen Bewegungen hat, kann ein ruhiges Leben führen. Wie lassen sich die Erscheinungen des Himmels erklären? Der Mensch kann ihre Funktionsweisen nicht genau wahrnehmen oder erkennen, deshalb sollten alle Erklärungen gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Einzige Voraussetzung für die Gültigkeit einer Erklärung ist, dass sie mit unseren Sinneswahrnehmungen kompatibel ist, d. h. dass wir entweder in unserer Wahrnehmung Hinweise für ihre Richtigkeit finden oder dass wir Vergleiche zu uns bekannten Erscheinungen ziehen können. So lässt sich z. B. das Leuchten des Mondes dadurch erklären, dass er das Licht aus sich selbst heraus sendet, ebenso gut kann er jedoch auch die Strahlen der Sonne reflektieren. Für beide Fälle gibt es auf der Erde vergleichbare Erscheinungen.

Tod, Schicksal und Vernunft

Der Tod verliert seine Bedeutung, wenn man sich vor Augen führt, dass es nichts Schlechtes ist, nicht zu leben. Mit dem Tod setzt unsere Wahrnehmung aus, weil sich Körper und Seele trennen: Wir werden schlicht nicht mehr da sein, sobald der Tod eintritt. Die Begrenztheit des Lebens ist eine Aufforderung, unsere Zeit so lustvoll wie möglich zu gestalten.

„Gottlos aber ist nicht jener, der die Götter der Leute verwirft, sondern der den Göttern den Glauben der Leute anhängt.“ (S. 116)

Die Vernunft befähigt uns, abzuwägen, was erstrebenswert ist und was wir besser meiden. Insofern ist sie das wichtigste Mittel zur Erreichung eines lustvollen Lebens, ja man kann sagen: Die Vernunft ist das wertvollste Gut des Menschen. Durch sie erkennen wir, dass man nur dann lustvoll leben kann, wenn man weise und gerecht handelt, und auch, dass man nur weise und gerecht handeln kann, wenn man lustvoll lebt.

„Das schauerlichste Übel, der Tod, hat also keine Bedeutung für uns; (...) denn für die einen ist er nicht da, die anderen sind für ihn nicht mehr da.“ (S. 117)

Was das Schicksal betrifft, ist es unnütz, darüber zu schimpfen: Alle Dinge, die uns widerfahren, tun dies entweder notwendig, zufällig oder durch unser eigenes Handeln. Das Notwendige kann man nicht ändern, der Zufall ist unberechenbar und entzieht sich unserem Einfluss. Deshalb sollte man auf notwendige und zufällige Ereignisse mit Gleichmut reagieren. Was wir selbst herbeigeführt haben, kann freilich gelobt oder getadelt werden. Dabei ist es dem Weisen lieber, eine richtige Entscheidung gefällt zu haben, die nicht von Erfolg gekrönt ist, als eine falsche, welcher der Zufall zum Erfolg verhilft.

Gesetz, Recht und Gerechtigkeit

Das Recht ist im Grunde ein Vertrag zwischen den Menschen, in dem sie festlegen, dass sie sich gegenseitig nicht schädigen werden. Ohne einen solchen Vertrag gibt es weder Recht noch Unrecht. Gesetze haben demnach nur eine Legitimation, wenn sie dem friedlichen Umgang der Menschen miteinander dienen. Unterschiedliche Zeiten und Länder haben vielleicht unterschiedliche Anforderungen an ihre Gesetze; sobald aber der ursprüngliche Grund für ein Gesetz wegfällt, ist es nicht mehr legitim.

„Wenn wir also sagen, dass die Lust das Ziel sei, meinen wir nicht die Wollust der Unersättlichen und die Lüste, die sich auf oberflächlichen Genuss beschränken, wie einige aufgrund von Unkenntnis und Ablehnung oder aus Missverständnis meinen, sondern die Freiheit von körperlichem Schmerz und von seelischer Unruhe.“ (S. 120)

Wer etwas tut, was gegen den Gesellschaftsvertrag verstößt, kann niemals sicher sein, unentdeckt zu bleiben. Er lebt unruhig, und das steht einem glücklichen, lustvollen Leben entgegen. Ungerechtigkeit ist kein Übel an sich, doch jeder vernünftige Mensch muss einsehen, dass man gerecht sein muss, um in Frieden leben zu können.

Zum Text

Aufbau und Stil

Wege zum Glück ist kein vom Autor in dieser Form verfasstes Buch, sondern eine Zusammenstellung aller überlieferter Schriften Epikurs. Das Buch ist in drei große Abschnitte untergliedert. Der erste beinhaltet die Fragmente: direkte und indirekte Zitate, manchmal gar freie Wiedergaben von Epikurs Schriften, die bei anderen Autoren gefunden wurden –darunter Cicero, Plutarch, Seneca, insbesondere aber Diogenes Laertios, der sich intensiv mit Epikur und dessen Nachlass beschäftigt hat. Den zweiten Teil bilden die erhaltenen Briefe des Philosophen. Der erste Brief, an Herodot, gibt die Grundzüge von Epikurs Naturphilosophie wieder, der zweite, an Pythokles, behandelt seine Theorien zur Erkenntnis und zu den Himmelserscheinungen, während der dritte Brief, an Menoikeus, die Grundzüge der Ethik zusammenfasst. Im dritten Teil des Buches finden sich die beiden erhaltenen Spruchsammlungen Epikurs: zum einen die „Maßgebenden Sätze“ („Kyriai Doxai“), zum andern die „Vatikanische Spruchsammlung“ („Gnomologium Vaticanum“).

Die Zitate im ersten Teil sind am besten verständlich, obwohl sie auf unterschiedliche Autoren zurückgehen und in losem Zusammenhang stehen. Die Abschnitte von Cicero lockern die ernsten Themen oft mit ironischen Einschüben auf, wie etwa: „Ich staune über die Einfalt der Leute, die behaupten, dass ein unsterbliches und ebenso glückliches Lebewesen kugelförmig sei, einfach weil Platon bestreitet, dass es eine schönere Form als diese gebe.“ Im Gegensatz dazu wirken die oft verwinkelten Satzkonstruktionen in Epikurs Lehrbriefen gelegentlich etwas sperrig. Kein Wunder: Hier komprimiert er die wichtigsten Punkte seiner Lehre für diejenigen, die damit bereits vertraut sind. Wie griffig und prägnant er formulieren kann, zeigt sich in den Spruchsammlungen: „Man muss begreifen, dass die lange und die kurze Rede dasselbe Ziel haben.“

Interpretationsansätze

  • Zentrales Thema von Epikurs Lehre ist das lustvolle Leben. Daran misst er jede Ethik und Philosophie: „Wir halten die Lebensentwürfe für vulgär und plump, die nicht auf ein glückliches Leben zielen.“ Wünschenswert ist nicht ewiges Leben, sondern lebenslange Seelenruhe. Heute würde man das als innere Ruhe bezeichnen.
  • Dieses Primat der Lust, oft als reiner Hedonismus missverstanden, schließt ein tugendhaftes Leben keineswegs aus. Im Gegenteil: Wer nicht maßvoll und gerecht lebt, so Epikur, halst sich Probleme auf – keine gute Voraussetzung für inneren Frieden. Epikur würde den heutigen maßlosen Konsum verurteilen.
  • Epikurs Natur- und Erkenntnistheorie ist streng materialistisch. Was nicht sinnlich erfahrbar oder logisch plausibel ist, wird verworfen. Selbst die Seele ist für ihn körperlich – eine Meinung, die über 2000 Jahre lang kaum Anklang fand und erst seit wenigen Jahrzehnten durch die Hirnforschung akzeptiert wird.
  • Epikur lehnt jedes gängige Gottesbild als unlogisch ab, ohne es wirklich durch ein anderes zu ersetzen. Er ist in diesem Sinne Atheist. Die Götter, wie er sie beschreibt – perfekt, glücklich und völlig desinteressiert an dem Geschehen auf der Erde –, sind symbolisch zu verstehen, als eine Art imaginierte Vollkommenheit.

Historischer Hintergrund

Der Hellenismus

Im vierten Jahrhundert v. Chr. war Griechenland zunächst eine Ansammlung verschiedener Staaten und Stämme. Erst unter Alexander dem Großen schlossen sich alle Staaten, mit Ausnahme von Sparta, zusammen. Alexander wurde zum gemeinsamen Heerführer und eroberte auf seinen Feldzügen gegen Osten und Westen große Teile der damals bekannten Welt. Nach seinem Tod im Jahr 323 v. Chr. hinterließ er das Weltreich seinen Generälen, den so genannten Diadochen, die es in verschiedenen Kriegen untereinander aufteilten. Zur Sicherung der Besitztümer im Osten wurden dort Griechen als Kolonisten angesiedelt, wobei eine strenge Zweiklassengesellschaft zwischen orientalischen und griechischen Bürgern eingehalten wurde. Die verschiedenen griechischen Stämme vermischten sich, und es entstand erstmals eine Einheitssprache, die Koine, in der später auch das Neue Testament abgefasst wurde. Den Kulturexport der kleinen griechischen Stadtstaaten auf ein riesiges Gebiet, eine Art Miniglobalisierung, bezeichnet man als Hellenismus. Plötzlich wiesen z. B. Vasen oder Gebäude an so verschiedenen Orten wie Sizilien, Syrien und Ägypten den gleichen Stil auf.

Auch die Philosophie machte in dieser Zeit gewaltige Schritte: Hatten für Sokrates und Platon noch der Mensch als gesellschaftliches Wesen und die ideale Ordnung des Staates im Vordergrund gestanden, beschäftigten sich die griechischen Philosophen im Hellenismus eher mit der Frage, wie der Mensch als Individuum sein Leben gestalten sollte. Es bildeten sich drei bedeutende Schulen heraus: die Kyniker mit ihrem Ideal der Bedürfnislosigkeit, die Stoiker (eine abgespaltene Gruppe der Kyniker, die besonderen Wert auf Selbstbeherrschung legte) und schließlich die Epikureer. Besonders die letzteren beiden widersprachen sich heftig.

Während Athen das Zentrum der Philosophie war und blieb, wurde Alexandria in Ägypten zum Mittelpunkt der neuen Wissenschaften. Durch ihr Museion (heute würde man es Universität nennen) und die berühmte Bibliothek zog die Stadt Denker wie Euklid und Archimedes an, deren Erkenntnisse z. T. bis heute Gültigkeit haben.

Entstehung

Epikur vereinte in seinen Lehren zahlreiche Einflüsse. In seiner Ethik stützte er sich zu einem guten Teil auf die hedonistischen Lehren Aristipps, in seiner Naturphilosophie schloss er sich jedoch vollkommen Demokrits Lehre von den Atomen an. Bei Epikur selbst findet sich freilich kein solcher Hinweis auf fremde Einflüsse: Er bestand darauf, als vollkommen autonomer Denker verstanden zu werden, der alle Erkenntnisse aus seinem eigenen Verstand gewonnen hatte.

Die Chronologie von Epikurs Schriften und ihre genauen Entstehungshintergründe sind nicht bekannt. Sein Hauptwerk Über die Natur umfasste Epikurs drei große Themen: Naturphilosophie, Erkenntnistheorie und Ethik. Daneben schrieb er verschiedene Streitschriften und Briefe, in denen er seine Lehren für einzelne Schüler zusammenfasste. Von diesen Lehrbriefen sind jedoch nur drei erhalten. Im Zentrum seiner unterrichtenden Tätigkeit standen die Spruchsammlungen (nur zwei von ihnen sind erhalten geblieben), die von seinen Schülern auswendig gelernt werden mussten und keinerlei Veränderung erfahren durften. Wohl aus diesem Grund ist die Schule Epikurs eine der wenigen im antiken Griechenland, die keine Abspaltungen erlebte.

Wirkungsgeschichte

Allein die zahlreichen Zitate, die den ersten Teil der Wege zum Glück ausmachen, zeigen, wie stark sich viele antike Denker mit Epikurs Lehren befassten. Nicht alle waren seine Anhänger: Einige Zitate sind von erklärten Gegnern des Philosophen überliefert. Dennoch: Die epikureische Naturphilosophie und Ethik beeinflusste viele große Geister. So wird angenommen, dass etwa Lukrez in seinem Lehrgedicht Über die Natur der Dinge Passagen aus Epikurs Werk Über die Natur unverändert übernommen hat. Die epikureische Schule sollte, im Gegensatz zu vielen anderen philosophischen Strömungen, für 700 Jahre Bestand haben.

Unser heutiges Bild des Denkers wird zu einem großen Teil dadurch geprägt, was seine Gegner ihm andichteten. Die Stoiker und später das Christentum stilisierten Epikur zum willkommenen Feindbild. Indem sie seine Lehre von der Lust absichtlich missverstanden, wurde er über Jahrhunderte zum Inbegriff des Atheisten und Genusssüchtigen. Erst in der frühen Neuzeit begann man, ihn differenzierter zu betrachten. Pierre Gassendi griff im 17. Jahrhundert Epikurs Ethik auf und versuchte sie mit den christlichen Lehren in Einklang zu bringen; seine Beschäftigung mit der epikureischen Naturphilosophie gilt heute als Meilenstein auf dem Weg zur modernen Atomtheorie. Auf diese Weise wurden die Lehren Epikurs zumindest in wissenschaftlichen Kreisen rehabilitiert und beeinflussten Gelehrte wie Thomas Hobbes, Gottfried Wilhelm Leibniz, Isaac Newton, die Utilitaristen des 19. Jahrhunderts sowie die ethischen Theorien von Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche und Herbert Marcuse.

Über den Autor

Epikur wird vermutlich 341 v. Chr. auf der Insel Samos geboren, wohin seine Eltern als attische Bürger übergesiedelt sind. Epikurs Vater Neokles ist möglicherweise als Elementarlehrer tätig, ein Beruf, den sein Sohn später auch ausüben wird. Epikur lernt zunächst bei dem Platoniker Pamphilos, später an der Küste Kleinasiens bei Nausiphanes Philosophie. Bei Letzterem kommt er zum ersten Mal mit dem neuen hellenistischen Gedankengut in Kontakt. Durch seinen Militärdienst, den er zwischen 323 und 321 in Athen absolviert, hat Epikur die Möglichkeit, im philosophischen Zentrum des Reichs mehrere große Denker seiner Zeit zu hören. Über die Jahre zwischen 320 und 310 liegen kaum Informationen vor; es ist aber anzunehmen, dass Epikur in dieser Zeit sein persönliches System entwickelt, das er ab 310 in einer eigenen Schule lehrt. Nach mehreren Standortwechseln und der Knüpfung vieler wertvoller Kontakte siedelt er sich 306 auf einem Gartengrundstück in Athen mit seiner Schule an, die er später nur noch den „Garten“ (Kepos) nennen wird. Mit Ausnahme weniger Reisen verbringt er hier die restlichen Lebensjahre. Epikur stirbt 270 v. Chr. mit 72 Jahren an einem Nierenstein. Ganz im Sinne seiner Philosophie bleibt er angesichts des nahen Todes gelassen und munter: „An diesem glücklichen und zugleich letzten Tag meines Lebens konnte ich euch nur noch Folgendes mitteilen: Meine Harnbeschwerden und mein Ruhrleiden haben ihren Höhepunkt erreicht. Trotz allem aber empfinde ich Freude in meinem Herzen, wenn ich an unsere gemeinsamen Gespräche zurückdenke.“


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