Zusammenfassung von Die Sturmhöhe

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Die Sturmhöhe Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Roman
  • Viktorianische Ära

Worum es geht

Düster-romantisches Werk um Leidenschaft und Rache

Die Sturmhöhe ist die Geschichte eines erbarmungslosen, Existenzen vernichtenden Rachefeldzugs. Der Rächer trägt den Namen Heathcliff, die Familien Earnshaw und Linton sind seine Opfer. Deren Familiensitze sind die alleinigen Schauplätze des Romans. Als Findelkind kommt Heathcliff nach Wuthering Heights, als Jugendlicher dominiert er die Earnshaw-Geschwister, mit denen er aufwächst. Dann verliebt er sich leidenschaftlich in die ihm wesensähnliche Catherine Earnshaw. Von ihr und ihrem Bruder Hindley wird er jedoch zutiefst gedemütigt – was folgt, ist ein Exzess psychischer Gewalt, aus dem es kein Entrinnen gibt. Nach Jahren der Selbstverbannung kehrt Heathcliff zurück, um die beiden Landgüter in seinen Besitz zu bringen und Catherine mitsamt ihren Angehörigen in tödliches Unglück zu stürzen. Wegen der erbarmungslosen Konsequenz Heathcliffs stieß der Roman beim zeitgenössischen Publikum auf empörte Ablehnung. Die literarische Anerkennung wurde ihm erst Jahrzehnte nach dem Tod der jung gestorbenen Autorin zuteil. Der Roman wurde mehrfach verfilmt und lieferte sogar Material für zwei Welthits der Popmusik.

Take-aways

  • Die Sturmhöhe ist ein fesselnder Roman um Liebe, Leidenschaft und Rache.
  • Heathcliff kommt als Findelkind nach Wuthering Heights, einem abgelegenen Hofgut in Yorkshire, wo er eine Heimat findet, aber auch Demütigungen erleidet.
  • Die Liebe zwischen ihm und seiner Adoptivschwester Catherine zerbricht an deren überzogenen Vorstellungen. Dafür rächt sich Heathcliff fürchterlich.
  • Seine Rache zielt nicht nur auf sämtliche Familienmitglieder, sondern auch auf die Bewohner des Nachbarguts, in das Catherine einheiratet.
  • Heathcliff bringt sich in den Besitz der beiden Landgüter und macht die Bewohner von sich abhängig.
  • Sein gesamtes Gebaren hat etwas Satanisches, abgrundtief Böses.
  • Für den Leser erträglich wird diese Geschichte durch die Stimme der Erzählerin, einer Hausangestellten, die die Vorgänge über Jahrzehnte miterlebt hat.
  • Das Grauen in Wuthering Heights wird erst durch die überlebenden Kinder überwunden, die sich in echter Zuneigung gegenseitig Respekt erweisen.
  • Mit unerbittlicher Konsequenz entwickelt Emily Brontë die Tragödie allein aus den Charaktereigenschaften der Hauptfiguren.
  • Für das zeitgenössische Publikum war der Roman zu grausam und zu wenig erbaulich, es lehnte ihn vehement ab.
  • Erst Jahrzehnte später erkannte man die meisterhafte Komposition und den weltliterarischen Rang des Werks.
  • Emily Brontë starb ein Jahr nach Erscheinen ihres einzigen Romans, erst 31 Jahre alt.

Zusammenfassung

Antrittsbesuch auf Wuthering Heights

Mr. Lockwood macht im Jahr 1801 seinen Antrittsbesuch bei seinem Pachtherrn, Mr. Heathcliff, in einer abgelegenen Moorgegend im Norden Englands. Weder der äußere noch der innere Zustand von Heathcliffs Hofgut Wuthering Heights (zu Deutsch: „Sturmhöhe“) sind besonders einladend. Die auf einer sturmanfälligen Anhöhe platzierten Gebäude wirken vernachlässigt, düster und kalt. Heathcliff gibt sich abweisend unhöflich und pflegt mit seinen Hausgenossen einen barschen Umgangston. Lockwood sieht sich selber zwar auch als Einzelgänger, aber die Herbheit in Heathcliffs Wesen überrascht sogar ihn. Das von Lockwood gepachtete Hofgut Thrushcross Grange liegt ungefähr vier Meilen entfernt.

„1801. Ich bin gerade von einem Besuch bei meinem Gutsherrn zurückgekehrt – diesem einsamen Nachbarn, der mir zu schaffen machen wird.“ (Mr. Lockwood über Heathcliff, S. 9)

Aus nachbarschaftlicher Gutmütigkeit heraus wiederholt Lockwood den Besuch am folgenden Tag, obwohl er dafür einen langen Fußmarsch durch bittere Kälte auf sich nehmen muss. Heathcliff, seine trotzige Schwiegertochter Cathy Linton, der junge Grobian Hareton Earnshaw, der knurrige alte Knecht Joseph und eine Meute scharfer Hunde bilden den Haushalt. Man gibt Lockwood deutlich zu spüren, dass er nicht willkommen ist. Als ein Schneetreiben einsetzt, ist er aber zu einer Übernachtung gezwungen. Man weist ihm eine kaum benützte Kammer zu. Dort findet er eine Menge Bücher und in ein Sims eingeritzt die Namen Catherine Earnshaw, Catherine Heathcliff und Catherine Linton. Nach einer albtraumhaften Nacht – er meint, ihm sei der seit 20 Jahren umherirrende Geist Catherine Lintons erschienen – macht sich Lockwood in der Morgendämmerung auf den Heimweg. Ganz durchgefroren kommt er in Thrushcross Grange an. Am Kamin lässt er sich von Mrs. Dean, seiner freundlichen Wirtschafterin, die früher lange Jahre in Wuthering Heights gedient hat, Mr. Heathcliffs Geschichte erzählen.

Mrs. Deans Erzählung

Der frühere Besitzer von Wuthering Heights, Mr. Earnshaw, bringt eines Tages ein Findelkind von einer Geschäftsreise mit, einen dunkelhäutigen Knaben, der fremdländisches Kauderwelsch spricht. Obwohl unschuldig, zieht sich der Junge gleich den ganzen Hass von Earnshaws Sohn Hindley zu, weil eine sehnsüchtig erwartete Geige die Reise nicht heil überstanden hat. Earnshaw tauft den Jungen auf den Namen Heathcliff, lässt ihn gemeinsam mit seinen beiden eigenen Kindern, Hindley und seiner Tochter Catherine, aufwachsen und bevorzugt ihn bald in jeder Weise, vor allem gegenüber seinem Sohn. Die temperamentvolle, verwöhnte und jähzornige Catherine freundet sich mit dem ihr wesensähnlichen Heathcliff an. Gemeinsam hecken sie viele Streiche aus. Hindley fühlt sich dadurch umso mehr ausgeschlossen und hintangesetzt. In ihm wächst ein tiefer Groll.

„Auf dieser kahlen Höhe war die Erde hart gefroren, und die kalte Luft ließ mich am ganzen Körper erschauern.“ (Mr. Lockwood, S. 17)

Der Höhepunkt der Rivalität zwischen den Jungen ist erreicht, als Mr. Earnshaw ihnen zwei junge Pferde schenkt. Heathcliff will das schönere für sich und erhält es auch. Doch nach wenigen Wochen lahmt das Pferd und Heathcliff fordert von Hindley einen Tausch. Ohne sich gegen diese Ungerechtigkeit aufzulehnen, lässt Hindley sich sein Pferd wegnehmen. Einige Zeit später wird er, seinem Vater zufolge ein echter Taugenichts, zum Studium fortgeschickt. Nach drei Jahren kehrt er zurück – zur Beerdigung seines Vaters und an der Seite seiner Ehefrau Frances. Als Erbe übernimmt er umgehend das Regiment in Wuthering Heights. Heathcliff wird zum Gesinde verbannt und fortan so schlecht wie nur möglich behandelt. Er und Catherine schließen sich daraufhin umso enger zusammen.

Verbindung mit der Nachbarsfamilie

Auf einem ihrer Streifzüge durch die Gegend starren Heathcliff und Catherine durch die erleuchteten Fenster von Thrushcross Grange. Sie beobachten, wie sich dort die ungefähr gleichaltrigen Kinder Edgar und Isabella Linton während der Abwesenheit ihrer Eltern um einen Schoßhund streiten. Für Heathcliff und Catherine tut sich eine Welt gediegener Wohnlichkeit auf, einschließlich funkelnder Kronleuchter, die sie bisher nicht kannten. Als die Eltern zurückkommen, entdecken sie die heimlichen Späher. Bei ihrer Flucht wird Catherine von einem Wachhund gebissen. Sie wird von den Lintons, die sie als Nachbarstochter erkennen, ins Haus gebracht und gepflegt. Heathcliff aber jagen sie weg. Während ihres fünfwöchigen Genesungsaufenthaltes lernt Catherine bei den kultivierten Lintons, sich wie eine junge Dame zu benehmen.

„‚Das muss trotzdem aufhören!‘, murmelte ich, stieß meine Faust durch die Scheibe und streckte den Arm aus, um den lästigen Zweig zu packen. Stattdessen schlossen sich meine Finger um eine kleine, eiskalte Hand!“ (Mr. Lockwoods Albtraum, S. 38)

Auf Wuthering Heights wird Hindleys Sohn Hareton geboren. Allerdings überlebt Frances die Geburt nicht. Hindley verliert daraufhin jeglichen inneren Halt. Er wird zum Trinker, Spieler und Gotteslästerer. Mrs. Dean wird die Pflege des Säuglings anvertraut. Eines Abends muss sie erleben, wie Hindley ihr den kleinen Hareton entreißt, mit ihm in seiner Raserei die Treppe hinaufstürmt und das Kind über das Geländer hält, um es zu zerschmettern. Er zögert, lässt es durch ein Missgeschick aber doch fallen ... Ausgerechnet der zufällig vorbeikommende Heathcliff kann das Kind auffangen. Damit steht Hindley tief in der Schuld seines verhassten Widersachers. Kurz nach diesem Ereignis beginnt Edgar Linton der gereiften Catherine den Hof zu machen. Gegen den anfänglichen Widerstand Hindleys, der die sanften, höflichen Lintons nicht ausstehen kann, heiraten die beiden. Dabei weiß Catherine einerseits genau, dass ihr Herz Heathcliff gehört, andererseits hält sie es mittlerweile für unter ihrer Würde, ihn zu heiraten. Dies sagt sie auch – Heathcliff hört es mit an und ist tödlich beleidigt. Unmittelbar vor der Hochzeit verschwindet er bei Nacht und Nebel. Mrs. Dean begleitet Catherine nach Thrushcross Grange. Der inzwischen fünfjährige Hareton bleibt bei seinem Vater in Wuthering Heights.

Heathcliff taucht wieder auf

Drei friedliche Jahre vergehen, dann taucht Heathcliff wieder auf. Er ist stattlicher und männlicher geworden und lässt Spekulationen darüber aufkommen, ob er als Soldat gedient hat. Er gibt jedoch nichts preis. Offensichtlich ist er auch zu Geld gekommen: Er nistet sich in Wuthering Heights ein und spielt nächtelang mit Hindley um dessen Geld. Außerdem stattet er Catherine häufig Besuche ab, zum wachsenden Missfallen ihres Gatten. Als Edgar endlich so weit ist, Heathcliff hinauszuwerfen, entführt dieser Edgars Schwester Isabella, die sich während seiner Besuche in ihn verliebt hat. Catherine erleidet einen Anfall von Wahnsinn: Ohnehin schon überspannt, kann sie den Verlust des von ihr heimlich geliebten Heathcliff an eine andere Frau nicht verwinden.

„Er war ein gedrücktes, geduldiges Kind, anscheinend an schlechte Behandlung gewöhnt.“ (über Heathcliff, S. 54)

Isabella muss schnell einsehen, dass sie in Bezug auf Heathcliff bloß ihrer romantischen Vorstellung verfallen ist. Und er tut nichts, um ihre Illusionen aufrechtzuerhalten. Im Gegenteil, er behandelt sie verächtlich, bringt sie unter erbärmlichen Umständen in dem völlig verwahrlosten Wuthering Heights unter und verbietet ihr jeglichen Kontakt mit ihrem Bruder Edgar oder Catherine. Sowohl Heathcliff als auch Hindley wachen darüber, dass sie nicht entrinnen kann. Erst am Ende des Winters gelingt ihr die Flucht. Wenige Stunden hält sie sich bei Mrs. Dean in Thrushcross Grange auf, um ihre durchnässten Kleider zu wechseln, dann verschwindet sie auf Nimmerwiedersehen. Einer Korrespondenz mit ihrem Bruder Edgar ist lediglich zu entnehmen, dass sie in der Nähe von London lebt und einen Sohn geboren hat.

„‚Na, dann nimm mein Füllen, Zigeuner!‘, sagte der junge Earnshaw. ‚Ich bete zu Gott, dass es dir einmal das Genick bricht; nimm’s, du verdammter, erbärmlicher Eindringling! Schwatze nur meinem Vater alles ab, was er hat, zeige ihm nur hinterher dein wahres Gesicht, du Satansbrut!‘“ (S. 57)

Ebenfalls am Ende dieses Winters ist Catherine von ihrer Schwäche und geistigen Umnachtung halbwegs genesen. Mithilfe von Mrs. Dean verschafft sich Heathcliff Zugang zu ihr, als alle anderen im Ostergottesdienst sind. Im Angesicht von Catherines lebensbedrohlicher Schwäche kommt es zu leidenschaftlichen Liebesgeständnissen zwischen den beiden. In derselben Nacht fällt sie in Ohnmacht und ihre Tochter Cathy kommt vorzeitig zur Welt. Catherine selbst stirbt bei der Geburt. Ein halbes Jahr darauf stirbt auch Hindley im Alter von 27 Jahren: Er hat sich buchstäblich zu Tode gesoffen. Das völlig überschuldete Wuthering Heights fällt an den Gläubiger: Heathcliff. Er bemächtigt sich auch des jungen Hareton und lässt ihn zum analphabetischen Knecht verkommen.

Die nächste Generation

Zwölf glückliche Jahre lang wächst die junge Cathy in der Obhut von Mrs. Dean und ihrem Vater Edgar Linton unbehelligt in Thrushcross Grange auf. Sie entwickelt sich zu einer hübschen, gebildeten, aber auch naiven, verwöhnten und standesbewussten jungen Dame, die außerhalb des Parks von Thrushcross Grange nichts und niemanden kennt. Kaum dem Kindesalter entwachsen, erkundigt sie sich nach der Aussicht von einem nahe gelegenen Berg: Dort aber liegt Wuthering Heights, von dessen Existenz sie nichts ahnt. Der Gang dorthin wird ihr streng verboten. Umso mehr konzentriert sich natürlich ihre Neugier darauf. Als ihr Vater Edgar für drei Wochen zu seiner im Sterben liegenden Schwester Isabella reist, nutzt Cathy die erstbeste Gelegenheit, um nach Wuthering Heights zu entwischen. Der raue Umgangston dort ist ihr völlig fremd. Sie ist erstaunt, dass ein linkischer Lümmel wie Hareton ihr Vetter sein soll.

„Heathcliff ertrug seine Erniedrigung anfänglich ganz gut, weil Cathy ihm beibrachte, was sie lernte, und mit ihm auf den Feldern arbeitete oder spielte.“ (S. 64)

Isabellas letzter Wunsch ist, dass sich Edgar um ihren Sohn Linton Heathcliff kümmert. Cathy freut sich auf einen Kameraden, doch der blonde, hübsche Linton erweist sich als kränklicher Jammerlappen. Schon am Tag nach seiner Ankunft auf Thrushcross Grange muss er nach Wuthering Heights ausgeliefert werden, denn Edgar kann dem Verlangen Heathcliffs, seinen Sohn bei sich zu haben, keine rechtlichen Mittel entgegensetzen. Der Junge wird während der kommenden Jahre systematisch schikaniert.

„Jetzt wäre es unter meiner Würde, Heathcliff zu heiraten, darum darf er nie wissen, wie sehr ich ihn liebe –“ (Catherine, S. 110)

Bei einem Ausflug an Cathys 16. Geburtstag begegnet sie gemeinsam mit Mrs. Dean Heathcliff, der die beiden zu einem Besuch in Wuthering Heights nötigt. Heathcliffs Plan ist es, Cathy und den ebenso weltfremden Linton ineinander verliebt zu machen, um ihre Heirat herbeizuführen. Da er nicht damit rechnet, dass Edgar noch lange lebt, will er sich so auch noch in den Besitz von Thrushcross Grange bringen. Der Plan geht auf: Cathys Gefühle für Linton wachsen. Trotz aller Verbote in Thrushcross Grange kommt es zu heimlichen Begegnungen der jungen Leute. Darüber vergeht mehr als ein Jahr, in dem Edgar immer schwächer wird. Zuletzt erscheint bei einer dieser heimlichen Begegnungen Heathcliff selbst auf der Bildfläche und lockt Cathy und die sie begleitende Mrs. Dean mit einem Trick nach Wuthering Heights. Die beiden werden praktisch eingesperrt. Cathys Trauung mit Linton wird direkt am nächsten Tag vollzogen. Fünf Tage später kommt Mrs. Dean frei. Zur gleichen Zeit liegt Edgar im Sterben, ohne sein Testament noch ändern zu können: Heathcliff hat den Notar bestochen, sodass der von Edgar erbetene Termin immer wieder verschoben wurde. Cathy flieht von Wuthering Heights und erscheint in letzter Minute bei ihrem sterbenden Vater. Aber unmittelbar nach der Trauerfeier verfügt Heathcliff erbarmungslos ihren Umzug nach Wuthering Heights. Kurz darauf stirbt auch Linton. Monatelang lebt Cathy nun in zunehmender Isolierung von den ihr feindlich gesinnten Bewohnern von Wuthering Heights.

„Nein, ich werde dir keine Frau weiter vorschlagen; das hieße Satan eine verlorene Seele anbieten. Dein größtes Glück besteht darin, andere ins Unglück zu stürzen.“ (Catherine zu Heathcliff, S. 153)

So verhält sich die Situation, als Mr. Lockwood sich bei seinen beiden Besuchen auf Wuthering Heights so wenig willkommen fühlt, und so endet auch Mrs. Deans Bericht.

Das Ende

Von einer Erkältung genesen, reitet Mr. Lockwood erneut nach Wuthering Heights, um den Pachtvertrag für Thrushcross Grange zu kündigen. Heathcliff, mürrisch wie immer, akzeptiert. Ein Jahr später gelangt Lockwood auf einem Jagdausflug wieder in die Gegend. Aus Neugier macht er einen Abstecher nach Wuthering Heights und findet zu seinem Erstaunen Cathy und Hareton in heiterem Einvernehmen vor. Cathy bringt Hareton das Lesen bei. Aus dem misstrauischen, groben Jungen ist ein prachtvoller, gut gekleideter junger Mann geworden. Wiederum ist es Mrs. Dean, die über das inzwischen Vorgefallene zu berichten weiß:

„Die zweite Frage, die von großer Wichtigkeit für mich ist, lautet: Ist Mr. Heathcliff ein Mensch? Wenn ja, ist er wahnsinnig? Und wenn nicht, ist er ein Teufel?“ (Isabella, S. 185)

Nach einigen düsteren Monaten gewann Cathy Haretons Herz, indem sie ihm in einem Moment der Zuneigung eines ihrer Bücher schenkte und ihm anbot, ihn das Lesen zu lehren. Anfangs gab es zwar Momente der Verstocktheit, aber durch dieses Angebot wurde das Ende von Haretons Demütigungen herbeigeführt und ein Pakt zwischen ihm und Cathy geschlossen. Hareton fand sogar die Kraft, Heathcliff die Stirn zu bieten. Heathcliff musste das Scheitern seiner lebenslangen Bemühungen einsehen, verweigerte tagelang die Nahrungsaufnahme und starb schließlich, dem Wahnsinn nahe, von den Geistern seiner Vergangenheit gejagt.

Zum Text

Aufbau und Stil

Die Haupthandlung von Emily Brontës Roman Die Sturmhöhe ist sozusagen doppelt verpackt: Wir lesen Mr. Lockwoods Aufzeichnungen, der wiederum den mündlichen Bericht von Mrs. Dean wiedergibt. Lockwood ist eine reine Nebenfigur, die vor allem am Anfang handelnd auftritt, indem sie den Leser quasi nach Wuthering Heights führt und einen ersten Eindruck des düsteren Landguts vermittelt. Mrs. Dean ist von Anfang an stärker in die Handlung involviert, bewegt sich aber als Dienstbotin auch eher am Rande des Geschehens: So ist sie – genau wie der Leser – zur hilflosen Beobachtung des Grauens verurteilt, das sich vor ihren Augen abspielt. Ihre tage- und nächtelange Erzählung am Kamin von Thrushcross Grange macht den bei Weitem größten Teil des Werks aus. Der Roman folgt keiner strengen Chronologie, was für die damalige Zeit fortschrittlich ist. Schauplätze sind ausschließlich die Güter Wuthering Heights und Thrushcross Grange sowie deren unmittelbare ländlich-einsame Umgebung. Die handelnden Figuren beschränken sich auf die wenigen Familienmitglieder und einige Hausangestellte. Die Familiengeschichte umfasst drei Generationen. Das eigentliche Drama spielt sich in der mittleren Generation zwischen Catherine, Heathcliff, Hindley, Edgar und Isabella ab. Emily Brontë verkettet die Schicksale dieser fünf Menschen zu einem Strudel der Gewalt und Leidenschaft, in dessen Zentrum bis zum Ende der Findling Heathcliff steht. Die Tragödie wird ohne grelle Effekte entwickelt. Durch den völlig unaufgeregten Erzählton der abgeklärten, bescheidenen Mrs. Dean wirkt das von Leidenschaften und Bosheit getriebene Geschehen umso grauenvoller und beklemmender.

Interpretationsansätze

  • Heathcliff ist ein Teufel in Menschengestalt, von Grund auf böse und nur am Verderben seiner Mitmenschen interessiert. Gleichzeitig ist er hochintelligent, seine Bosheit entspringt nicht nur den Demütigungen, die er als Findelkind ertragen musste. Der von ihm aufgezogene Hareton ist zwar auch grob und verstockt, aber nicht so abgrundtief böse wie sein Ziehvater. Brontë legt das Monströse in der Person Heathcliffs an, nicht in äußeren Einflüssen.
  • Heathcliff verfolgt zwei Strategien der Rache: Zum einen eignet er sich den sozialen Status seiner früheren Peiniger an. So kann er Hindley und Catherine, die ihm die Anerkennung verwehrt haben, doch noch als Gleicher gegenübertreten. Zum anderen zahlt er ihnen auf emotionaler Ebene die Verletzungen heim, die sie ihm angetan haben.
  • Catherine ist eine Art Spiegelbild von Heathcliff: Was sich bei ihm in Düsterkeit und Neigung zur Gewalttätigkeit äußert, ist bei ihr das extrem Kapriziöse. In ihrer Überspanntheit entsprechen sich die beiden Charaktere. Emily Brontë, ganz Kind des sittsamen Viktorianischen Zeitalters, unterstreicht damit, dass extreme Wesenszüge ins Unglück führen müssen. Die junge Cathy und der junge Linton zeigen ähnliche Charaktereigenschaften wie ihre Eltern, aber in abgeschwächter Form.
  • Die gesamte Handlung und die tödlichen Konflikte ergeben sich aus den Charaktereigenschaften der Hauptfiguren, ohne Zuhilfenahme äußerer Ereignisse wie z. B. Naturkatastrophen. Der Mensch selbst scheint Brontë Katastrophe genug.
  • Ohne die Vermittlung der Erzählerin Mrs. Dean wäre das Geschehen kaum zu ertragen: Der Leser müsste es entweder als ununterbrochenen Albtraum oder aber als sentimental-kitschig empfinden. Insofern hat diese Randfigur auch eine wichtige dramaturgische Funktion.

Historischer Hintergrund

Das Grauen in der Romantik

Emily Brontës Die Sturmhöhe ist ein singuläres Werk, der einzige Roman der Autorin. Ähnlich verhält es sich auch mit anderen berühmten Romanen von Schriftstellerinnen, so z. B. Onkel Toms Hütte von Harriet Beecher Stowe und Vom Winde verweht von Margaret Mitchell, auch wenn diese Bücher nicht den gleichen literarischen Rang einnehmen wie Die Sturmhöhe. Eine Sonderstellung nimmt dieser Roman auch deshalb ein, weil es keine wirklichen Vorläufer- oder Nachfolgewerke gibt.

Gleichwohl kann man beim Blick auf literarische Themen der Zeit feststellen, dass das Schaurige damals im Trend lag. Ausgesprochen dämonische Figuren, ähnlich wie Heathcliff, gibt es z. B. auch bei Lord Byron und E. T. A. Hoffmann. Richard Wagners Fliegender Holländer ist ein gespenstischer Seemann, halb Mensch, halb Dämon, der seine Senta vor stürmischer Natur- und Geräuschkulisse in Wahnsinn und Tod treibt. Urwüchsige Natur und atmosphärisch aufgeladene Orte wie eben Wuthering Heights dienen in der Literatur oft als Spiegelbilder leidenschaftlich aufgewühlter Seelen von Menschen, die auf Ablehnung stoßen oder deren Liebesbekundungen verschmäht werden. Derartige Motive sind typisch für die literarische Romantik, die menschliche Gefühle und Leidenschaften in möglichst großer Unmittelbarkeit in das Zentrum künstlerischen Schaffens rückte: Und dazu gehört eben nicht nur die romantische Liebe, sondern auch das nackte Grauen angesichts der Untiefen der menschlichen Seele. So erinnert Heathcliffs kalt berechnende Inszenierung des Untergangs seiner Peiniger auch an Mary Shelleys Frankenstein: Ihr berüchtigter Forscher Viktor Frankenstein konstruiert ein seelenloses Monstrum, das aus verschmähter Liebe gnadenlos tötet. Diese Figur ist ebenfalls ein typisches Produkt der Nachtseite der Romantik.

Entstehung

Patrick Brontë, der Vater der drei Brontë-Schwestern, hegte selbst literarische Ambitionen, schrieb Gedichte und sogar zwei (allerdings bedeutungslose) Romane. Als Pfarrer einer armen Gemeinde war er nicht im Übermaß mit weltlichen Gütern gesegnet. Trotz aller materiellen Beengung war das Elternhaus der Schwestern aber durchaus offen und anregend. Die Kinder – die drei zu literarischem Weltruhm gelangten Schwestern und ihr Bruder Branwell – verbrachten viel Zeit mit erzählerischen Fantasiespielen. Damit wurde gewiss die Grundlage für das schriftstellerische Talent der Brontë-Schwestern gelegt.

Der zweite Hauptantrieb zur Entstehung von Die Sturmhöhe (sowie der fast zeitgleich erschienenen Romane der beiden anderen Brontë-Schwestern) war das Schreiben als Mittel zum Gelderwerb. Emilys nach einem Lehraufenthalt in Brüssel gefasster Plan, selbst eine Schule zu gründen, sowie der Versuch, als Lehrerin tätig zu werden, erwiesen sich als nicht realisierbar. Von zu Hause war kein Geld zu erwarten und Aussichten auf vorteilhafte Eheschließungen bestanden ebenso wenig. Nach der Veröffentlichung eines gemeinsamen Gedichtbandes 1846 kündigten die Schwestern die drei Romane an, die ein Jahr später unter Pseudonymen erschienen. Über die konkrete Entstehung von Die Sturmhöhe, dieses für seine Zeit ungewöhnlich kühnen Romans einer sehr zurückgezogen lebenden jungen Frau, weiß die Literaturwissenschaft trotz aller Nachforschungen wenig zu berichten. Emily Brontë sprach kaum über sich selbst, hinterließ keine Aufzeichnungen und verstarb sehr bald nach der Veröffentlichung von Die Sturmhöhe.

Wirkungsgeschichte

Die Romane der drei Brontë-Schwestern erschienen allesamt unter männlich klingenden Pseudonymen: Currer, Ellis und Acton Bell. Emily wählte das Pseudonym Ellis Bell. Von der Ankündigung, dass drei „Brüder“ gleichzeitig Romane veröffentlichen würden, erwarteten sich die Schwestern sicherlich erhöhte Aufmerksamkeit beim Publikum. Charlotte Brontës Jane Eyre war ein Sensationserfolg, Anne Brontës Agnes Gray, heute als das am wenigsten herausragende Werk der Schwestern klassifiziert, traf immerhin auf breite Akzeptanz – Emilys Sturmhöhe jedoch widerfuhr vehemente Ablehnung. Erst 50 Jahre später begann man, den literarischen Rang dieses Romans zu erkennen. Die Schilderung schicksalhaft verzehrender Leidenschaften bis zum wahrhaft bitteren Ende, vorgetragen in klarer, unaufgeregter Prosa ohne Sentimentalitäten, hatte sich als denkbar ungeeignet für den erbaulichen Geschmack des viktorianischen Publikums erwiesen und konnte erst in einer Epoche gewürdigt werden, die sich psychologischen Problemen bereits wissenschaftlich genähert hatte und insgesamt illusionsloser geworden war. Seit dieser Zeit gilt die facettenreiche und wahrhaftige Schilderung der Charaktere in Die Sturmhöhe als meisterhaft.

Die erste deutsche Übersetzung erschien bereits 1851. Es folgten zahlreiche weitere, bezeichnenderweise mit sehr unterschiedlichen Titeln, da es für „wuthering“ kaum eine wörtliche Entsprechung im Deutschen gibt. Der Roman wurde mehrmals verfilmt, u. a. mit Laurence Olivier, Timothy Dalton und zuletzt Ralph Fiennes in der Rolle des Heathcliff. Die Popsängerin Kate Bush formte aus Inhalten von Die Sturmhöhe ihre Welthits Wuthering Heights und Running Up That Hill.

Über die Autorin

Emily Brontë wird am 30. Juli 1818 in Thornton im nordenglischen Yorkshire geboren. Ihr Vater ist Pfarrer und siedelt mit seiner Familie zwei Jahre später nach Haworth über, ein bitterarmes Dorf in einer besonders abgelegenen, einsamen Moorgegend. Das Pfarrhaus der Brontës ist klein und bietet wenig Platz. Die Mutter stirbt früh. Zeitweilig kümmert sich eine Tante um die Kinder. Von den sechs Kindern des Pfarrers überleben vier, die drei heute berühmten Schwestern Charlotte, Emily und Anne sowie ihr Bruder Branwell. Zur Ausbildung werden die Mädchen jeweils im Alter von sechs Jahren in ein strenges Internat geschickt. Die Zustände dort sind menschenunwürdig, es herrschen Kälte, Krankheit und demütigende Disziplin. Die zwei ältesten Brontë-Schwestern Maria und Elizabeth fallen einer Typhusepidemie zum Opfer. Daraufhin dürfen die heimwehkranken Mädchen Charlotte und Emily wieder nach Hause zurückkehren. Der Vater ist ein literarisch interessierter Mann. Die Schwestern haben reichlich Zugang zu Literatur und vertreiben sich häufig die Zeit mit der Erfindung von Geschichten, die man heute dem Fantasy-Genre zurechnen würde. 1838 beginnt Emily Brontë als Lehrerin zu arbeiten, 1842 reist sie mit ihrer Schwester Charlotte nach Brüssel, um Französisch zu lernen und sich im Lehrerberuf weiter ausbilden zu lassen. 1846 veröffentlichen die drei Schwestern unter Pseudonymen einen gemeinsamen Gedichtband, der gänzlich erfolglos ist. 1847 erscheint Emilys Die Sturmhöhe unter dem Pseudonym Ellis Bell. Das viktorianische Publikum lehnt den Roman ab. Emily Brontë stirbt knapp ein Jahr danach, am 19. Dezember 1848, in Haworth im Alter von nur 31 Jahren, vermutlich an Tuberkulose.

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