Zusammenfassung von Die Grenzen des Wachstums

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Die Grenzen des Wachstums Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Ökonomie
  • Moderne

Worum es geht

Weniger Kinder, Konsum und Kommerz für mehr Lebensqualität und Gerechtigkeit – das forderten 1972 der MIT-Ökonom Dennis Meadows und sein Forscherteam, nachdem sie im Auftrag des Club of Rome die „Grenzen des Wachstums“ ausgelotet hatten. Doch der Urknall der Umweltbewegung sollte sich als ihr größter Rohrkrepierer herausstellen: Knapp 50 Jahre später hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt und der globale Konsum verzehnfacht. Selbst umweltbewegte Ökonomen halten Nullwachstum und freiwillige Selbstbeschränkung inzwischen nicht mehr für sinnvoll und plädieren stattdessen für grünes, nachhaltiges Wachstum. Bleibt die Frage: Wie lange noch?

Take-aways

  • Der 1972 veröffentlichte Bericht Die Grenzen des Wachstums gilt vielen als die Geburtsstunde der modernen Umweltbewegung.
  • Inhalt: Auf einem endlichen Planeten ist grenzenloses Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum unmöglich. Die Ergebnisse einer Computersimulation mit den Einflussgrößen Erdbevölkerung, Industrie- und Nahrungsmittelproduktion, Umweltbelastung und Rohstoffvorkommen legen nahe: Das gefährliche exponentielle Wachstum muss sofort stabilisiert werden. Ansonsten bricht das Wirtschaftssystem bis spätestens 2100 zusammen.
  • Der Bericht wurde vom 1968 gegründeten Club of Rome in Auftrag gegeben, um die „missliche Lage“ der Menschheit zu erforschen. 
  • An dem von dem MIT-Ökonomen Dennis Meadows geleiteten Projekt arbeiteten 17 Forscher aus sechs Nationen mit.
  • Andere Experten kritisierten das Buch als unwissenschaftlich und warfen den Autoren Hochrechnungstricks und Innovationsblindheit vor.
  • Das Buch wurde in Dutzende Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft.
  • Politisch waren die Forderungen nach freiwilliger Selbstbeschränkung und Umverteilung nicht durchzusetzen.
  • In einem späteren Update ihrer Studie datierten die Autoren den Kollaps auf 2030 vor – wenn wir so weitermachen wie bisher.
  • Heute gilt die Idee vom Nullwachstum als veraltet. Offizielles Ziel ist die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie.
  • Zitat: „Wenn die Menschheit wartet, bis die Belastungen und Zwänge offen zutage treten, hat sie – wegen der zeitlichen Verzögerungen im System – zu lange gewartet.“
 

Zusammenfassung

Die Gefahren exponentiellen Wachstums

Dem Bericht liegt ein stark vereinfachtes Modell zugrunde, das die Wirkungen und Wechselwirkungen von fünf Trends untersucht, die für die Zukunft der Menschheit entscheidend sind: Industrialisierung, Bevölkerungsentwicklung, Unterernährung, Ausbeutung von Rohstoffreserven und Zerstörung des Lebensraums. All diese Erscheinungen entwickeln sich exponentiell. Was das konkret bedeutet, illustriert die persische Sage vom Höfling, der seinem König ein Schachbrett schenkt und dafür einen vermeintlich bescheidenen Lohn verlangt: für das erste Feld ein einzelnes Getreidekorn, für das zweite Feld zwei, für das dritte vier, für das vierte acht usw. – immer doppelt so viele Körner wie für das vorige Feld. Der Haken: Während auf das zehnte Feld noch 512 Körner entfallen, sind es für das 21. bereits mehr als 1 Million, und da stehen noch weitere 43 Verdopplungen aus!

„Exponentielles Wachstum ist trügerisch, weil schon bei relativ geringen Wachstumsraten in kurzer Zeit astronomische Zahlen erreicht werden.“ (S. 19)

Exponentielles Wachstum ist dynamisch, das heißt, seine Elemente sind veränderlich und miteinander verbunden. Um komplexe Systeme verstehen zu können, müssen die Wechselwirkungen verschiedener Faktoren und ggf. auftretende Zeitverzögerungen einbezogen werden. Ein Beispiel ist das Bevölkerungswachstum: 1650 lebte etwa eine halbe Milliarde Menschen auf der Erde, bei einer jährlichen Wachstumsrate von 0,3 Prozent und einer Verdopplungszeit von 250 Jahren. 1970 waren es 3,6 Milliarden, bei einer Wachstumsrate von 2,1 Prozent und einer Verdopplungszeit von nur noch 33 Jahren. Entscheidend ist hier die Tatsache, dass die positive Feedbackschleife der Geburtenrate die negative Feedbackschleife der Sterberate dominiert, dass also mehr Geburten als Todesfälle pro Jahr auftreten. Ähnliches gilt für die Weltwirtschaft, die sogar noch schneller wächst als die Weltbevölkerung: Das eingesetzte Kapital nimmt rascher zu, als es sich abnutzt und beispielsweise als Schrott ausgeschieden wird. Allerdings kommt das zusätzliche Wirtschaftswachstum nicht unbedingt den Bedürftigen zugute. Denn rechnet man die Daten zum Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum auf das Jahr 2000 hoch, dann zeigt sich, dass ein Großteil des künftigen Wohlstandszuwachses auf die bereits reichen Länder entfällt, in denen ohnehin weniger Kinder geboren werden.

Die Grenzen exponentiellen Wachstums

Die materiellen und sozialen Ressourcen unseres Planeten sind endlich. Grenzenloses Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum ist darum faktisch unmöglich. Da Faktoren wie gesellschaftliche Stabilität, Bildung oder technischer Fortschritt nur schwer vorauszusagen sind, konzentriert sich diese Studie auf materielle Gegebenheiten. Bei anhaltendem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum ergeben sich folgende Szenarien:

  • Nahrungsmittel: In vielen unterentwickelten Ländern der Erde ist heute mehr als die Hälfte der Menschen unterernährt. Die Nahrungsmittelerzeugung pro Kopf hinkt der Bevölkerungsentwicklung hinterher. Selbst wenn alle potenziell nutzbaren Flächen urbar gemacht würden, würde bereits im Jahr 2000 das Land knapp. Sollte sich die Produktivität pro Hektar verdoppeln oder vervierfachen, würde man 30 bzw. 60 Jahre Zeit gewinnen.
  • Nicht erneuerbare Rohstoffe: Immer mehr Menschen verbrauchen Rohstoffe und jeder von ihnen in immer größeren Mengen. Selbst die optimistischsten Prognosen hinsichtlich Recyclingraten, alternativen Werkstoffen und neu entdeckten Lagerstätten ergeben, dass die meisten Rohstoffvorkommen in 100 Jahren entweder ganz erschöpft oder nur noch sehr kostspielig zu erschließen sein werden.
  • Umweltverschmutzung: Die Schadstoffraten in unserer Umwelt scheinen exponentiell zuzunehmen. Die Absorptionsmechanismen der Erde stoßen bereits an ihre Grenzen. Der Kohlendioxidgehalt in der Luft steigt exponentiell um 0,2 Prozent jährlich, und die CO2-neutrale Kernenergie birgt aufgrund der anfallenden radioaktiven Abfälle große, wenn auch schwer kalkulierbare Gefahren.
„Wenn der Gebrauch natürlicher Brennstoffe eines Tages durch die Freisetzung von genügend Kernenergie ersetzt werden sollte, hört auch die Freisetzung von Kohlendioxid auf, vielleicht, wie man hofft, ehe es messbare ökologische und klimatologische Wirkungen hinterlassen hat.“ (S. 61)

Man weiß nicht, ab welchem Zeitpunkt ökologische Gleichgewichte kippen. Da zwischen der Freisetzung von Schadstoffen und ihren negativen Auswirkungen oft viele Jahre vergehen, greifen auch die Maßnahmen zur Vermeidung dieser Auswirkungen mit zeitlicher Verzögerung. Die besondere Herausforderung liegt darin, dass der Nutzen umweltschädlicher Tätigkeiten meist in der Gegenwart liegt – ihr Preis aber in einer nahen oder fernen Zukunft. Möglicherweise ist es dann für eine Wiederherstellung des Gleichgewichts zu spät.

Wechselwirkungen im Weltmodell

Prognosen stützen sich oft auf die Extrapolation gegenwärtiger Tendenzen. Diese Methode stößt an ihre Grenzen, wenn die untersuchten Größen mit anderen in Wechselwirkung stehen: Das Bevölkerungswachstum etwa hängt von der Nahrungsmittelproduktion ab und umgekehrt, und Umweltverschmutzung wirkt sich auf beides aus. Fünf Größen – Bevölkerung, Nahrungsmittel, Kapital, Rohstoffe und Umweltverschmutzung – sind in einem hochkomplexen System verschiedener Regelkreise und Rückkopplungsschleifen miteinander verbunden. Sich diesem anzunähern, ist die Aufgabe des dynamischen Weltmodells, das im Rahmen dieser Studie entwickelt wurde. Damit es verständlich bleibt, musste es grob vereinfacht werden. Nationale Grenzen oder die ungleiche Verteilung von Kapital, Nahrung und Rohstoffen blieben unberücksichtigt.

„Welche Kenntnisse kann uns ein so vereinfachtes Modell vermitteln? Sind seine Aussagen sinnvoll? Im Sinn einer exakten Voraussage haben sie keinen Aussagewert. Wir können nicht die Bevölkerung der Vereinigten Staaten, das Nationalprodukt Brasiliens oder die Weltproduktion an Nahrungsmitteln im Jahr 2015 voraussagen.“ (S. 80)

Das Modell kann die Zukunft nicht voraussagen. Doch es hilft, die Funktionsweise und die Grenzen sozialer und wirtschaftlicher Systeme zu verstehen. Die Wirkung der Kausalketten im Weltmodell lässt sich anhand von drei Beispielen erläutern, die aufgrund unterschiedlicher Datenqualität zu jeweils unterschiedlich verlässlichen Prognosen führen:

  • Pro-Kopf-Verbrauch von Rohstoffen: Die Industrieproduktion pro Kopf betrug 1970 in den USA 1600 Dollar. Jeder US-Bürger verbrauchte damals ungefähr siebenmal mehr Rohstoffe als der durchschnittliche Erdenbürger. Allgemein gilt: Der Rohstoffbedarf steigt bei wachsendem Wohlstand zunächst steil an, der Anstieg flacht dann aber ab, weil materielle Bedürfnisse erfüllt sind und Einkommenszuwächse zunehmend für Dienstleistungen ausgegeben werden.
  • Erwünschte Geburtenrate: Steigt das Bruttosozialprodukt in einer Gesellschaft, so hat das mit einer zeitlichen Verzögerung von ein bis zwei Generationen eine sinkende Zahl erwünschter Geburten zur Folge. Eine mögliche Erklärung liegt in der familiären Abwägung zwischen dem Wert und den Kosten für jedes zusätzliche Kind: In armen, traditionellen Gesellschaften haben Kinder einen relativ hohen materiellen Wert, während die Kosten gering ausfallen. In wohlhabenden, industriellen Gesellschaften ist es umgekehrt.
  • Umweltverschmutzung und Lebenserwartung: Aufgrund der dürftigen Datenlage sind hier nur Annahmen möglich. Eine konservative Schätzung ergibt,  dass eine Erhöhung der Umweltverschmutzung um den Faktor 10 sich (noch) nicht auf die Lebenserwartung auswirkt. Ab dem 50-fachen Wert nehmen negative Folgen für die Gesundheit aber exponentiell zu.

Szenarien des „Weiter so“

Angenommen, es ändert sich nichts. In dem Fall wird das System laut Weltmodell bis spätestens 2100 zusammenbrechen: Das Industriekapital wächst, bis die Rohstoffvorräte erschöpft sind oder ihre Förderung so kostspielig wird, dass es keine Mittel für Investitionen mehr gibt. Industrie, landwirtschaftliche Produktion und der Dienstleistungssektor brechen ein. Zunächst wächst die Bevölkerung noch, dann verläuft die Kurve aufgrund einer steigenden Sterberate steil abwärts. Erhöht man im Modell die Menge der verfügbaren Rohstoffe, so erkaufen wir uns damit zwar etwas mehr Zeit. Gleichzeitig macht die stärkere Umweltverschmutzung einen Zusammenbruch wahrscheinlicher. Sind wir also zum Untergang verdammt? Nicht unbedingt, denn der Mensch ist so intelligent und einfallsreich, dass er sein Verhalten ändern kann.

Wunderwaffe Technologie?

In den vergangenen drei Jahrhunderten haben wir mithilfe technischer Neuerungen immer wieder Grenzen überwunden, die dem Wachstum von Bevölkerung und Wirtschaft einst einen Riegel vorschoben. Viele lehnen die geforderten Verhaltensänderungen auch weiterhin mit dem Argument ab, die menschliche Innovationskraft sei unerschöpflich. Dabei vergessen sie, dass technische Neuerungen nichts an der Endlichkeit des Gesamtsystems ändern, egal wie erfolgreich sie an einzelnen Stellschrauben drehen. Angenommen, die erhofften Innovationen ermöglichen künftig eine deutliche Erhöhung des landwirtschaftlichen Ertrags, perfekte Geburtenkontrolle, erhöhte Recyclingraten und bessere Umweltschutzmaßnahmen. Dann käme es durch die Überbeanspruchung landwirtschaftlicher Nutzflächen und die Erschöpfung der Rohstoffvorräte bis 2100 zu einer schweren Krise.

„Technologische Lösungsversuche allein haben zwar die Periode des Wachstums von Bevölkerung und Industrie verlängert, erwiesen sich aber offensichtlich als ungeeignet, die endgültigen Grenzen des Wachstums zu beseitigen.“ (S. 128)

Zudem kommt es manchmal zu unerwünschten Nebenwirkungen. Ein Beispiel hierfür ist die Grüne Revolution in Indien oder Mexiko. Das Ziel einer höheren Nahrungsmittelproduktion wurde vordergründig erreicht. Allerdings haben vor allem Großgrundbesitzer vom verbesserten Saatgut und der modernen Anbautechnik profitiert. Kleinbauern fehlten dazu die Mittel. Sie waren gezwungen zu verkaufen und wanderten in die Städte ab – die Ungleichheit nahm zu. Man hatte versäumt, technische Innovationen mit sozialen und politischen Maßnahmen zu verbinden.

Sollte die Menschheit versuchen, innerhalb definierter Grenzen zu leben? Oder sollte sie Bevölkerung und Kapitalmenge unbeschränkt wachsen lassen, in der Hoffnung auf technische Wunderlösungen, die den unvermeidlichen Systemzusammenbruch um ein paar Jahrzehnte hinauszögern? Noch haben wir die Chance, darüber bewusst zu entscheiden. Der Segen vieler Innovationen ist unbestreitbar. Doch wir dürfen uns nicht allein darauf verlassen, denn die Fokussierung auf technische Lösungen lenkt vom eigentlichen Problem ab: der Unmöglichkeit exponentiellen Wachstums in einem begrenzten System.

Die Welt im Gleichgewicht

Positive Feedbackschleifen führen zu exponentiellem Wachstum, bis sie durch negative Feedbackschleifen gebremst werden. Bisher hat  sich menschliches Eingreifen auf den Versuch beschränkt, die Symptome negativer Feedbackschleifen zu bekämpfen. Die positiven Feedbackschleifen – sprich das Wachstum an sich – blieben unangetastet. Im Weltmodell wurden Entwicklungen durchgespielt, die einen angemessenen Lebensstandard für alle in einem stabileren System ermöglichen. Ein ideales, aber höchst unrealistisches Szenario sieht folgendermaßen aus:

  • Bevölkerung: Ab 1975 wird die Geburtenrate der Sterberate angepasst, um die Bevölkerungszahl konstant zu halten.
  • Wirtschaft: Bis 1990 darf das Industriekapital noch wachsen. Danach wird die Kapitalinvestition an die Kapitalabnutzung gekoppelt und so stabilisiert.
  • Rohstoffe, Umwelt, Ernährung: Die Rohstoffintensität der Wirtschaft sowie die Umweltverschmutzung durch Industrie und Landwirtschaft werden auf ein Viertel des Niveaus von 1970 gesenkt. Oberste Priorität hat die Bekämpfung von Unterernährung.
  • Weniger materieller Konsum: Es kommt zu einem Wertewandel, der Dienstleistungen im Gesundheits- und Bildungswesen aufwertet und hilft, den Konsum materieller Güter zu reduzieren.
  • Längere Lebensdauer von Investitionsgütern und Produkten: Um die niedrigere Kapitalausstattung der Industrie zu kompensieren, wird vermehrt in Haltbarkeit und Reparaturfähigkeit investiert.

Natürlich ist die Annahme eines sofortigen Wachstumsstopps in der realen Welt unrealistisch. Änderungen müssen schrittweise erfolgen. Allerdings gilt auch: Die Spielräume werden enger, je länger das exponentielle Wachstum anhält. Der Gedanke an selbst auferlegte Wachstumsbeschränkungen erscheint vielen illusorisch, ja irrsinnig. Allerdings deutet alles darauf hin, dass die einzige Alternative ein erzwungener, chaotischer Wachstumseinbruch sein wird.

Prinzip Hoffnung

Das anzustrebende Gleichgewicht ist nicht mit Stagnation gleichzusetzen. Niemand kann voraussagen, wie sich Gesellschaften im Gleichgewichtszustand entwickeln, ob Innovationen abgewürgt oder bestehende Ungerechtigkeiten in Stein gemeißelt würden. Doch es besteht Grund zur Hoffnung, dass im Gegenteil ein innovationsfreundliches, auf Gleichheit und Gerechtigkeit beruhendes Zusammenleben wahrscheinlicher wird. Der menschlichen Erfindungsgabe wären auch in einem Gleichgewichtszustand keine Grenzen gesetzt. Kunst, Wissenschaft, Sport und zwischenmenschlicher Austausch könnten sich ohne Einschränkung weiterentwickeln. Höhere Produktivität würde sich in kürzeren Arbeitszeiten und mehr Freizeit niederschlagen, anstatt Menschen in die Arbeitslosigkeit zu verbannen.

„Die lange Kette menschlicher Erfindungen hat bis jetzt zu Überbevölkerung, Zerstörung der Umwelt und zu größerer sozialer Ungleichheit geführt, da die Wirkung erhöhter Produktivität wieder durch das Wachstum von Bevölkerung und Kapital aufgehoben wurde.“ (S. 159)

Die Befürworter ungebremsten Wachstums behaupten, ein solches sorge für mehr Gerechtigkeit und Gleichheit. Doch das Gegenteil ist der Fall: Je schneller die Bevölkerung wächst, desto intensiver wird der Verteilungskampf. Natürlich bietet auch der Gleichgewichtszustand keine Garantie für eine ideale Gesellschaft. Alte Zwänge würden durch neue ersetzt. Doch wir müssen uns als Gesellschaft entscheiden: Wollen wir mehr Wohlstand oder mehr Menschen, mehr Konsumgüter oder mehr unberührte Natur, mehr Bequemlichkeiten für die Reichen oder mehr Nahrung für die Armen? Und vor allem: Wie soll die Erde aussehen, die wir künftigen Generationen hinterlassen? Sicher ist nur eines: Viel Zeit bleibt nicht mehr.

„Wenn die Menschheit wartet, bis die Belastungen und Zwänge offen zutage treten, hat sie – wegen der zeitlichen Verzögerungen im System – zu lange gewartet.“ (S. 164)

Zum Text

Aufbau und Stil

Die Autoren stellen ihre Thesen in diesem schmalen Band auf rund 180 Seiten in fünf übersichtlichen Kapiteln vor: Von den Gefahren des exponentiellen Wachstums leiten sie über zu dessen Grenzen, stellen dann ihr Weltmodell vor, diskutieren den Einfluss technischer Innovationen und schließen mit ihrer Vision einer Welt im Gleichgewicht. Der Stil ist kurz, knapp und verhältnismäßig leicht verständlich. Neben der Erläuterung komplexer kybernetischer Wachstumsmodelle gelingen den Autoren plastische Bilder und Formulierungen, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben: etwa das Märchen von der wundersamen Getreidevermehrung oder die Metapher von der Seerose, die jeden Tag um das Doppelte anwächst: Noch am 29. Tag ist die Hälfte der Teichoberfläche frei – doch schon am 30. Tag ist alles von Seerosen bedeckt und kein Leben mehr möglich. Es ist die Verbindung aus nüchtern vorgetragenen Fakten, anschaulichen Erklärungen und apokalyptischen Zukunftsvisionen, die dem Bericht eine besondere Dringlichkeit verleiht.

Interpretationsansätze

  • Die Prämisse der Studie lautet: Grenzenloses Wachstum in einer endlichen Welt ist unmöglich. Technische Innovationen können den Zeitpunkt der Grenzüberschreitung und den darauffolgenden Systemkollaps hinauszögern, aber nicht verhindern.
  • Als Untersuchungsmethode diente die von Jay Wright Forrester entwickelte Systemdynamik: Hierbei werden die Wechselwirkungen zwischen Kenngrößen in komplexen Systemen simuliert. Für die Studie wurden bekannte Daten zur Bevölkerungsentwicklung, Industrieproduktion, zum Rohstoffverbrauch usw. in das Computerprogramm „World3“ eingegeben, das daraufhin eine Reihe von Szenarien entwickelte.
  • Die Forscher geben freimütig zu, mit ihren Modellen die Zukunft nicht vorhersagen zu können. Sie wollten lediglich Verhaltensänderungen anregen, bevor es dafür zu spät sei. Allerdings machen sie keine konkreten Vorschläge, wie man eine wachstumsgläubige Gesellschaft von der in ihren Augen notwendigen Umkehr überzeugen könnte.
  • Die skizzierte Welt im Gleichgewichtszustand setzt im Grunde eine zentrale Planungsinstanz voraus, die bestimmt, wer wie viele Kinder bekommen, Rohstoffe verbrauchen und Güter produzieren darf – für viele eine dystopische Vorstellung. 
  • Die Grenzen des Wachstums gilt als Initialzündung der Umweltbewegung und Gründungsdokument der Grünen Partei in Deutschland. Allerdings halten die meisten Experten die Forderung nach Nullwachstum inzwischen für überholt. Stattdessen streben sie ein nachhaltiges, qualitatives und grünes Wachstum an. Selbst die ursprünglich eher wirtschaftsfeindlichen Grünen treten für eine Versöhnung von Ökologie und Ökonomie ein.

Historischer Hintergrund

Urknall der modernen Umweltbewegung

Fortschritt und Industrialisierung riefen von Anfang an Zweifler und Kritiker auf den Plan: Bereits 1845 veröffentlichte Henry David Thoreau mit Walden den Zurück-zur-Natur-Klassiker schlechthin, und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mündete John Muirs Kampf für den Erhalt der amerikanischen Wildnis in der Gründung des ersten Nationalparksystems der Welt. Die meisten der frühen Naturschutzbewegungen waren von rückwärtsgewandter Romantik beseelt. Ihr Einfluss beschränkte sich auf die Hege der Natur, ohne dass die Logik menschlichen Wirtschaftens grundsätzlich infrage gestellt wurde.

Das änderte sich in den 1960er-Jahren: Rachel Carsons Bestseller Der stumme Frühling, der die katastrophalen Folgen von Pestiziden wie DDT aufzeigte, war ein Weckruf weit über die Grenzen der USA hinaus. In vielen Ländern wuchs das Unbehagen am selbstzufriedenen Fortschrittsglauben der Wirtschaftswunder-Generation. Gemeinsam mit den erstarkenden Bürgerrechts-, Friedens- und Frauenbewegungen stellte nun auch die Umweltbewegung zunehmend die Systemfrage. Für viele Aktivisten lag die Wurzel des Übels im Wachstumsdogma der Zeit, und eine Reihe von Beststellern verbreitete düstere Untergangsszenarien: 1968 prophezeite Paul Ehrlich in Die Bevölkerungsbombe für die nahe Zukunft massive, durch Überbevölkerung hervorgerufene Hungersnöte. Gordon Rattray Taylor fragte 1970 in Das Selbstmordprogramm angesichts des Raubbaus an der Natur, ob es für eine Umkehr nicht längst zu spät sei, und der sozialistische Umweltaktivist und spätere erfolglose US-Präsidentschaftskandidat Barry Commoner prägte den Satz „Wir kennen den Feind: Der Feind sind wir.“

Entstehung

Viele sahen in den 1960er-Jahren nach einer Epoche des rasanten Fortschritts und des Wachstums die Menschheit an einem Wendepunkt angelangt. 1968 gründete eine Gruppe von Wissenschaftlern, Diplomaten und Unternehmern um den italienischen Fiat-Industriellen Aurelio Peccei den Club of Rome. Dessen Ziel: die „missliche Lage“ und prekäre Zukunft des Menschen in einer endlichen Welt zu erforschen. Eines der Clubmitglieder war Jay Wright Forrester, Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Begründer der Systemdynamik, einer Methode zur Analyse komplexer Systeme. 1970 schlug Forrester vor, die Lage der Menschheit mithilfe der von ihm entwickelten Computermodelle zu erforschen, und lud interessierte Mitglieder des Club of Rome ein, sich die Sache am MIT näher anzuschauen. Für den gerade mal 28 Jahre alten MIT-Ökonomen Dennis Meadows war das die Chance seines Lebens: Er empfahl die Entwicklung eines Modells in der Computersprache Dynamo, das auf einem Großrechner das Verhalten des Erdsystems simulieren sollte – und bekam den Zuschlag. Als Geldgeber konnte die Volkswagenstiftung in Hannover gewonnen werden. Allerdings stimmten die noch unerprobte Methode und Meadows’ fehlende Erfahrung den Stiftungsrat anfangs misstrauisch, sodass er zunächst nur eine Vorstudie mit 200 000 DM finanzierte, bevor er weitere 775 000 DM freigab.

Am Ende arbeiteten 17 Forscher aus sechs Nationen an dem MIT-Projekt. Bevor sie das komplexe Weltmodell auf die Zukunft losließen, musste es noch einen wichtigen Test bestehen: Die Variablen wurden auf die Werte des Jahres 1900 eingestellt, worauf der Computer die Entwicklung bis 1970 auf eine Weise simulierte, die dem tatsächlichen Geschichtsverlauf ziemlich nahe kam. Nach gut 15 Monaten war die Arbeit vollbracht. Gemeinsam mit seiner Frau und Co-Autorin Donella Meadows und dem Norweger Jørgen Randers legte Meadows im März 1972 den Bericht Die Grenzen des Wachstums vor. Er erschien zeitgleich in zehn westeuropäischen Sprachen und auf Japanisch.

Wirkungsgeschichte

„Eine Bombe im Taschenbuchformat“ kommentierte Die Zeit – und tatsächlich hat selten ein wissenschaftliches Buch eine so heftige Debatte entzündet. Die Kritik war zum Teil vernichtend: „Ein hohles und irreführendes Werk“, urteilte die New York Times Book Review. Der Economist sah mit der Studie die „Hochwassermarke altmodischen Unsinns“ erreicht und der Spiegel titelte herablassend: „Weltuntergangs-Vision aus dem Computer“. Kritiker warfen den Forschern vor, mit ihrer noch unerprobten Methode Daten willkürlich in die Zukunft extrapoliert zu haben. Viele Experten taten die Studie als unwissenschaftlich ab. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul A. Samuelson warf den Autoren vor, einen neo-malthusianischen Irrtum begangen zu haben, indem sie die menschliche Innovationskraft und den Wertewandel in der Gesellschaft ausklammerten. Doch das Buch traf den Nerv der Zeit. 1973 wurden Dennis Meadows und der Club of Rome mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Die Studie wurde in Dutzende Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft.

Die Empfehlungen der Autoren trafen aber schon bald auf realpolitische Hindernisse. Als die Wachstumsraten infolge der Ölkrisen 1973 und 1979/80 in den Keller rutschten, lautete die Frage: Jobs oder Umweltschutz? Die Antwort damals: Jobs! Freiwillige Selbstbeschränkung war erst einmal vom Tisch. 1992 legten die Autoren mit Die neuen Grenzen des Wachstums nach, 2004 folgte Grenzen des Wachstums – das 30-Jahre-Update. Darin argumentierten sie, dass es ohne einen dramatischen Kurswechsel schon 2030 zum Kollaps kommen werde. Und 40 Jahre nach dem Erscheinen der Erstausgabe äußerte sich Dennis Meadows pessimistisch: Die Menschen seien nicht willens oder fähig, die Welt noch zu retten.

Über die Autoren

Dennis Meadows wird am 7. Juni 1942 im US-Staat Montana geboren. In Rochester, Minnesota, genießt er eine unbeschwerte Kindheit und Jugend. Nach einem Abschluss in Chemie folgt er 1964 seiner späteren Frau Donella ans Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, wo er Management studiert und gemeinsam mit Jay Wright Forrester, dem Erfinder der Systemdynamik, an mathematischen Modellen forscht. Seine Doktorarbeit schreibt er über die Anwendung der Systemdynamik auf den Schweinefleischpreis. Nach der Promotion reist er mit Freunden ein Jahr lang in einem Geländewagen quer durch Europa und Asien. Das Ausmaß an Armut und Umweltzerstörung in vielen Ländern erschüttert ihn, stößt ihn aber gleichzeitig auf sein Lebensthema. Zurück in den USA beauftragt Forrester den 28-Jährigen mit der Durchführung einer computergestützten Langzeitstudie für den Club of Rome, die sich mit den Folgen exponentiellen Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums auseinandersetzen soll. Meadows leitet das 17-köpfige internationale Forscherteam und legt 1972 den heftig debattierten Bericht Grenzen des Wachstums (The Limits to Growth) vor. Anschließend verfolgt er seine akademische Karriere weiter, verfeinert die statistischen Methoden der Systemanalyse und entwickelt Brettspiele wie „Fishbanks Ltd.“, mit denen Spieler nachhaltiges Wirtschaften üben können. Der inzwischen emeritierte Professor lebt mit seiner zweiten Ehefrau in New Hampshire.


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