Zusammenfassung von Große Griechen und Römer

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Große Griechen und Römer Buchzusammenfassung

Literatur­klassiker

  • Geschichte
  • Griechische Antike

Worum es geht

Der größte Biograf aller Zeiten

Unter Historikern wird Plutarch nicht besonders ernst genommen. Zu frappant sind die Ungenauigkeiten, zu subjektiv die Auswahl dessen, was er über die großen Persönlichkeiten der griechischen und römischen Antike zu berichten hat. Bei dieser Bewertung wird eines häufig übersehen: Plutarch hatte gar nicht den Anspruch, mit den Historikern in Konkurrenz zu treten. Die Möglichkeit einer objektiven Geschichtswissenschaft sah er ohnehin kritisch: Zeitgenossen seien von ihren Vorurteilen geblendet und spätere Generationen nicht mehr in der Lage, alle Details zu sehen. Sein Ziel war ein anderes: Er wollte, wie ein Porträtmaler, Lebensbilder zeichnen, die seine Leser dazu animieren, den großen Männern nachzueifern und sich moralisch an ihnen zu messen. Mit viel Fingerspitzengefühl hebt Plutarch die menschliche Größe der Dargestellten anhand kleiner Anekdoten und großer Taten hervor. Er erwähnt auch ihre Fehler – um sie dann aber gleich als allzu menschliche Makel zu entschuldigen – und weist auf die Gefahr hin, aus Gier nach Ruhm und Macht seine Ideale aus den Augen zu verlieren. Mag es den Biografien auch an historischer Akkuratesse fehlen, sie bleiben ein beeindruckendes literarisches Werk, das seinem pädagogischen Anspruch noch immer gerecht wird.

Take-aways

  • Plutarchs „Parallelbiografien“ großer Griechen und Römer gelten als Meisterstücke der Gattung.
  • Inhalt: In 48 Biografien stellt Plutarch die großen Köpfe der griechischen und römischen Antike vor – unter anderem Theseus, Alexander, Cicero, Cäsar und Perikles.
  • Die Biografien sind, bis auf vier Ausnahmen, als Doppelporträts angelegt. Dabei wird jeweils ein großer Grieche einem großen Römer gegenübergestellt.
  • Mit dieser Struktur verfolgte Plutarch das Ziel, Griechen und Römer einander näherzubringen.
  • Die Schilderungen sollen dem Leser als moralisches Vorbild dienen und ihn zu einem tugendhaften Leben anleiten.
  • Wichtiger als historische Tatsachen ist Plutarch ein lebendiges Bild des jeweiligen Charakters.
  • Die Biografien sind nicht vollständig erhalten. Zudem liegen sie nicht im Original, sondern nur als Abschriften vor.
  • Das Werk hat von Machiavelli über Shakespeare bis Goethe und Nietzsche unzählige europäische Geistesgrößen beeinflusst.
  • Plutarch lebte sein Leben lang in seiner Heimatstadt, doch er reiste viel: innerhalb von Griechenland sowie nach Ägypten, Kleinasien und Italien.
  • Zitat: „Denn ich schreibe nicht Geschichte, sondern zeichne Lebensbilder, und (…) oft wirft ein geringfügiger Vorgang (…) ein bezeichnenderes Licht auf einen Charakter als Schlachten mit Tausenden von Toten (…)“
 

Zusammenfassung

Die Staatengründer: Theseus und Romulus

Theseus ist schon in jungen Jahren fest entschlossen, große Heldentaten zu vollbringen wie sein Vorbild Herakles. Er wächst nicht in Athen auf, sondern kommt erst als junger Mann in die Stadt, um bei seinem Vater, König Aigeus, zu leben. Im Kampf tötet er unzählige Schurken und macht sich schließlich auf, um den Minotaurus zu erschlagen. Als er erfolgreich zurückkehrt, tritt er die Nachfolge seines Vaters an. Sein großes Ziel ist, die griechischen Stämme und Staaten zu einer einzigen Demokratie zu vereinen. Nachdem ihm das gelungen ist, erweist er sich unter anderem im Amazonenkrieg als hervorragender Feldherr. Seine Schwäche sind jedoch immer wieder die Frauen: Im stolzen Alter von 50 Jahren entführt er die blutjunge Helena. Während Theseus’ Abwesenheit wiegeln seine Feinde das Volk gegen ihn auf, sodass er bald nicht mehr in Athen willkommen ist. Er zieht sich mit seinen Söhnen auf die Insel Skyros zurück, wo er nach einiger Zeit von einem Felsen in den Tod stürzt. Erst später erinnern sich die Athener wieder an ihren Helden und feiern ihm zu Ehren zahlreiche Feste.

„Nach dem Tode des Aigeus setzte sich Theseus eine große und bewunderungswürdige Aufgabe: Er schloss die Bewohner Attikas zusammen und machte zu einer Bürgerschaft einer Gemeinde Menschen, die bis dahin verstreut lebten und schwer zur Beratung über das allgemeine Wohl zusammenzuberufen waren (...)“ (Bd. 1, S. 87)

Über die Entstehung Roms und den Stadtgründer Romulus gibt es viele Sagen. Die wahrscheinlichste berichtet von zwei Knaben, die im Auftrag ihres Großonkels Amulius getötet werden sollen. Ein Diener setzt die Jungen in der Wildnis aus. Eine Wölfin ernährt sie, bis sie von Zieheltern aufgenommen werden. Die Brüder Romulus und Remus wachsen zu mutigen jungen Männern heran. Gemeinsam besiegen sie den Tyrannen Amulius. Nach diesem Sieg verlassen die Brüder ihre Heimat und gründen eine neue Stadt, in der sie jedem Flüchtigen oder Hilfesuchenden Aufnahme gewähren. Remus fällt wenig später im Kampf – womöglich von Romulus erschlagen. Dieser ordnet das Gemeinwesen, gründet den Senat und teilt die Bewohner der Stadt in Patrizier und Klienten, die gegenseitige Rechte und Pflichten haben. Weil es in der Stadt an Frauen fehlt, entwickelt er den Plan, die Töchter der Sabiner zu entführen. Das Vorhaben gelingt und die Frauen werden von ihren neuen römischen Männern so gut behandelt, dass sie sich mit ihrer Lage abfinden. Mit der Zeit schließen sich immer mehr Völker Rom an: Romulus verleibt die Fremden seinem Staat ein, indem er Siedler in die neuen Gebiete schickt und selbst neue Bürger aufnimmt. Später entwickelt er sich aber zum Tyrannen. Nach 38 Jahren Regierungszeit verschwindet er spurlos. Zuvor hat er den Senat entmachtet – möglicherweise wird Romulus von dieser Seite ermordet.

Die besonnenen Feldherren: Perikles und Fabius Maximus

Perikles stammt aus einer wohlhabenden Familie, ist griechischer Staatsmann und hochgebildet. Er schließt früh Freundschaft mit dem Philosophen Anaxagoras, der ihn beinahe sein ganzes Leben als Berater begleitet. Perikles gilt als hervorragender Redner. Das Volk bringt er durch Großzügigkeit auf seine Seite: Mit den Einnahmen, die er durch kluge Politik anhäuft, lässt er prächtige Bauwerke errichten – so haben alle Arbeit und können vom Reichtum Athens profitieren. Seine politischen Gegner räumt er aus dem Weg und vereint in seinen Händen eine nie gekannte Machtfülle. Durch seine Vorsicht im Hinblick auf Kriege und seine kluge Verwaltung entwickelt sich Athen zu wahrer Blüte. Er beendet den Krieg mit den Thrakern, schließt Frieden mit Sparta und besiegt die Samier mit geringen Verlusten. Als sich dann aber die Stimmung im Volk gegen ihn wendet und Prozesse gegen seine Vertrauten angestrengt werden, sieht er sich gezwungen, den Peloponnesischen Krieg anzufachen, um von den Problemen im Innern abzulenken. Nach seinem Tod – er stirbt an der Pest – wünschen ihn viele zurück, weil er trotz all seiner Macht bis zum Schluss freundlich, bedacht und gütig war.

„Sodann machte er alle zum Staatsvolk (...), die hundert Tüchtigsten aber machte er zu Ratmannen und nannte sie Patrizier, ihre Versammlung Senat.“ (über Romulus, Bd. 1, S. 116)

Fabius Maximus stammt aus dem römischen Geschlecht der Fabier, die ihre Herkunft auf Herakles zurückführen. Er ist mutig, aber besonnen und rät schon früh dazu, sich dem in Italien einfallenden karthagischen Feldherrn Hannibal nicht zum Kampf zu stellen. Als Diktator, das heißt alleinherrschender Oberbefehlshaber, greift er stattdessen zu einer Zermürbungstaktik gegen den gerissenen Gegner. Die kommt beim Volk und bei den Soldaten jedoch nicht gut an. Als die Stimmung nach einer Fehlentscheidung endgültig kippt, fordert das Volk, dass ein anderer den Oberbefehl über das Heer erhält. Doch das erweist sich schnell als Fehler und Fabius erhält seinen Posten zurück. Der Feldherr Scipio entwirft schließlich, gegen den Rat von Fabius, den Plan, Hannibal nicht auf italienischem Boden, sondern direkt in Karthago anzugreifen. Scipio siegt – Fabius erlebt es nicht mehr, denn er stirbt kurz zuvor.

Die Staatsdiener: Agesilaos und Pompejus

Der Spartaner Agesilaos ist als jüngerer Bruder des Agis nicht dafür vorgesehen, König zu werden. Er hat ein lahmes Bein, das ihn jedoch nie von etwas abhält, sondern ihn noch ehrgeiziger macht. Infolge einer Intrige wird Agesilaos nach dem Tod seines Bruders König. Während seiner Regentschaft zeigt er sich fair gegenüber seinen Feinden, allerdings setzt er sich gegen geltendes Recht für seine Freunde ein. Im Krieg gegen die Perser wird er als Erster seit Agamemnon zum Feldherrn für ganz Griechenland ernannt. Er gilt als unbestechlich, enthaltsam und bescheiden. Politische Gegner macht er zu seinen Freunden und sichert so seine Machtposition. Indem er sich offen gegen Theben wendet, verhindert er einen innergriechischen Frieden und verursacht schließlich den Verlust der Vormachtstellung Spartas. Nach mehreren Niederlagen greifen die Thebaner Sparta auf eigenem Gebiet an. Agesilaos kann die Stadt mit Mut, Härte und Umsichtigkeit halten. Bei den darauffolgenden Friedensverhandlungen zeigt er sich stur und fordert den Ausschluss der Messenier aus dem Bündnis, da er Anspruch auf deren Land erhebt. Mit über 80 Jahren wird er, als Söldner in Ägypten, noch einmal Feldherr. Nach einer gewonnenen Schlacht stirbt er mit 84 Jahren auf dem Heimweg nach Sparta.

„Solche Kraft wohnt den Taten edler Männer inne, denn wer sich betrachtend in sie versenkt, wird erfüllt vom Eifer und dem drängenden Verlangen, ihnen nachzustreben.“ (Bd. 2, S. 107)

Pompejus ist freundlich und einnehmend und führt einen einfachen Lebensstil. Er begleitet seinen Vater, den Feldherrn Strabo, schon früh im Kampf und wird nach dessen Tod selbst zum Anführer. Auf eigene Faust rekrutiert er Truppen und unterstützt mit ihnen im Bürgerkrieg den Römer Sulla – dieser siegt und erhebt sich zum Diktator. Pompejus wird nach Sizilien entsandt und zieht, nachdem er dort die Ordnung wiederhergestellt hat, nach Nordafrika, wo er die gesamte Region unter römische Führung bringt. Aufgrund seines Erfolgs erhält er den Beinamen Magnus, der Große. Außerdem findet ihm zu Ehren ein Triumphzug statt, obwohl er weder Konsul noch Praetor ist, was eigentlich die Voraussetzung wäre. Nach Sullas Tod schlägt Pompejus weitere Unruhen nieder und befriedet Spanien. Er wird Konsul und befreit die Gewässer von gefährlichen Piraten. Im Anschluss wendet er sich nach Kleinasien, um im schon lange währenden Krieg Roms gegen Mithridates die entscheidende Wendung herbeizuführen. Pompejus verfolgt seinen Gegner, kann ihn jedoch nie in einer offenen Schlacht schlagen. Mithridates begeht schließlich Selbstmord. Pompejus erhält seinen dritten Triumphzug und entlässt das Heer. Als wenig später sein alter Gegenspieler Crassus stirbt, bricht in Rom Chaos aus. Pompejus wird zum Diktator ernannt, um die Ordnung wiederherzustellen. Der Aufsteiger Cäsar will das nicht hinnehmen, sondern um die Macht kämpfen. Pompejus zieht aus Rom ab, um außerhalb seine Truppen zu sammeln. Aus der folgenden gigantischen Schlacht geht Cäsar als Sieger hervor. Pompejus zieht sich nach Ägypten zurück, um seine Kräfte zu sammeln, wird dort jedoch ermordet. Cäsar verurteilt diese Tat später und lässt die Mörder hinrichten.

Die großen Redner: Demosthenes und Cicero

Als Demosthenes noch ein Kind ist, stirbt sein Vater; das Vermögen wird an Vormunde übertragen, die damit sehr fahrlässig umgehen. Um sein Erbe zurückzubekommen, schult sich der junge Demosthenes in der Redekunst und erstreitet sich in einem Prozess wenigstens einen Teil seines Vermögens. Er arbeitet hart an sich, um seine Wirkung auf das Publikum zu vervollkommnen. Zunächst schreibt er Reden für andere, dann geht er selbst in die Politik. Er ruft zum Krieg gegen die Makedonen unter Philipp auf und gewinnt die griechischen Völker für die Sache. Als es dann zur Schlacht kommt, flieht Demosthenes. Doch das Volk verzeiht ihm seine Feigheit. Als bekannt wird, dass Demosthenes Bestechungen angenommen hat, wird er aus Athen verbannt. Später darf er aus der Verbannung zurückkehren, doch kurz darauf wird er erneut verurteilt, dieses Mal zum Tode. Kurz bevor seine Verfolger ihn festnehmen können, nimmt er sich selbst mit Gift das Leben.

„So schwer und mühevoll ist es offenbar, in der Geschichte die Wahrheit zu finden. Denn die Nachkommen können die Geschehnisse nicht mehr klar erkennen, weil ihnen die Zeit hindernd im Wege steht. Sind es aber die Zeitgenossen, welche das Leben und die Taten eines Mannes beschreiben, dann wird die Wahrheit durch Neid und Feindschaft, Gunst und Schmeichelei verdreht und entstellt.“ (Bd. 2, S. 126)

Cicero erweist sich schon früh als begabter Schüler und lernt die Redekunst von angesehenen Lehrern. Er wird zwar berühmt für seine Ruhmsucht und sein Eigenlob, erweist sich in der Politik aber als unbestechlich und gerecht. Als Konsul verhindert er einen Aufstand und einen möglichen Bürgerkrieg, der von Lucius Catilina angezettelt wird. Für diese Tat erhält er den Ehrentitel „Vater des Vaterlands“. In seiner weiteren Laufbahn stößt er viele Gegner, aber auch Parteigänger mit seiner spitzen Zunge vor den Kopf. Bald bringt sein Widersacher Clodius die drei mächtigsten Männer in Rom, Crassus, Pompejus und Cäsar, gegen Cicero auf. Der muss fliehen, kann aber zurückkehren, als sich die Stimmung wieder gegen Clodius wendet. Cicero macht sich einen Namen als gerechter, fähiger Statthalter und besonnener Feldherr. Als sich der Bürgerkrieg zwischen Cäsar und Pompejus anbahnt, versucht er zunächst zu vermitteln, schlägt sich später aber auf Cäsars Seite. An Brutus’ Mordkomplott ist er nicht beteiligt. Dennoch wendet sich Antonius nach Cäsars Tod gegen Cicero, der fliehen muss und zum Tod verurteilt wird. Man stellt ihn, tötet ihn und hackt ihm Kopf und Hände ab, um sie in Rom zur Schau zu stellen.

Die unsterblichen Feldherren: Alexander und Cäsar

Zahlreiche Mythen ranken sich um Alexanders Geburt. Schon als Kind ist er ehrgeizig und leidenschaftlich, dabei aber großherzig und liebenswert. Er strebt nach Ruhm und will seinen erfolgreichen Vater Philipp übertrumpfen. Alexander wird von Aristoteles unterrichtet und stark beeinflusst, später entfremden sie sich jedoch voneinander. Nach Philipps Tod übernimmt Alexander mit nur 20 Jahren die Regentschaft. Dann beginnt er seinen Feldzug gegen die Perser – mit geringen finanziellen Mitteln, aber großen Hoffnungen und voller Wagemut. Er besiegt den persischen König Dareios und setzt seinen Feldzug nach Asien fort. Dank kluger Strategie und glücklicher Umstände kann Alexander weitere Siege erringen. Er geht respektvoll mit seinen unterlegenen Gegnern um, isst und trinkt zurückhaltend. Seinen Feinden gegenüber behauptet er gern, er sei der Sohn eines Gottes, doch er glaubt nicht selbst daran. Alexander will weitere Landstriche erobern, um seine Herrschaft zu festigen. Oft macht er auf seinem Weg andere Herrscher ohne Blutvergießen zu Freunden und Untertanen. Erst am Ganges endet der Eroberungszug, weil das Heer nicht weiterziehen will. Auf dem Rückweg nimmt Alexander weitere Städte ein und schlägt Unruhen nieder. Auf dem Weg nach Babylon erkrankt er schwer und stirbt. Über seinen Tod kursieren verschiedene Gerüchte; unter anderem wird behauptet, Alexander sei auf Aristoteles’ Rat hin vergiftet worden.

„Allein Fabius Maximus erlebte das Ende des Krieges nicht mehr, er hört nichts mehr von Hannibals Niederlage (...). In den Tagen, da Hannibal Italien räumte, warf ihn eine Krankheit darnieder, der er erlag.“ (Bd. 2, S. 192)

Während Sullas Gewaltherrschaft gilt Cäsar früh als aussichtsreicher Mann. Seine Nähe zum Volk und seine Großzügigkeit bringen ihm Einfluss, aber auch Missgunst ein. Seine Kriegszüge gegen die Gallier begründen endgültig seinen Ruhm. Er überbietet alle seine Vorgänger und spornt seine Soldaten zu nie gekannten Heldentaten an, indem er sie großzügig belohnt und selbst nie einer Gefahr aus dem Weg geht. Die reiche Beute nutzt er, um sich in Rom die Unterstützung der Mächtigen zu sichern. Als erster römischer Feldherr überschreitet Cäsar den Rhein, dann bricht er nach Britannien auf und besiegt schließlich die germanischen Stämme unter der Führung des Vercingetorix. Nach dem Tod des Crassus herrscht in Rom Anarchie; Machtansprüche werden nicht mehr mit Argumenten, sondern mit Waffengewalt durchgesetzt. Um die Ordnung wiederherzustellen, wird Pompejus zum einzigen Konsul ernannt. Cäsar bewirbt sich ebenfalls um dieses Amt und schlägt vor, sein Heer aufzulösen, wenn Pompejus das Gleiche tue. Der Kompromiss kommt nicht zustande. Cäsar stürzt das Land daraufhin mit seinem Angriff auf Ariminum in einen Bürgerkrieg. Pompejus flieht aus Rom und zögert so die Entscheidung heraus. Als es dann doch zur Schlacht kommt, erringt Cäsar einen überragenden Sieg. Nach Pomepejus’ Ermordung in Ägypten unternimmt Cäsar einen Feldzug dorthin und trifft auf Kleopatra, der er die Königwürde verschafft und mit der er einen Sohn zeugt. Zurück in Rom wird Cäsar zum Diktator auf Lebenszeit gewählt, was ihm unbegrenzte Machtbefugnisse verleiht. Er hat hochfliegende Pläne, lässt den Kalender neu berechnen und strebt die Königswürde an. Letzteres wollen seine Feinde nicht zulassen: Mit 23 Schwertstichen töten Verschwörer Cäsar am helllichten Tag.

Zum Text

Aufbau und Stil

Plutarchs Große Griechen und Römer umfasst Lebensbeschreibungen von insgesamt 48 Männern der griechischen und römischen Geschichte in einem Zeitraum von rund 1000 Jahren. Dabei konzentriert er sich bei den Griechen auf die archaische Zeit von 700 bis 500 v. Chr. und die klassische Phase von 500 bis 323 v. Chr.; bei den Römern liegt der Fokus auf der Zeit der Bürgerkriege von den Gracchen 133 v. Chr. bis zu Antonius rund 40 v. Chr. Plutarch stellt jedem Griechen einen Römer gegenüber und sucht nach Gemeinsamkeiten, die er abschließend in einer vergleichenden Betrachtung näher erläutert. Ausnahmen sind Aratos, Artaxerxes, Galba und Otho, deren Porträts für sich allein stehen. Die spannende Frage nach der Reihenfolge, in der Plutarch die Biografien schrieb, und danach, ob er für den Leser eine bestimmte Reihenfolge vorgesehen hat, beschäftigt die Forschung noch heute. In den meisten modernen Ausgaben werden die Biografien chronologisch nach den Griechen angeordnet. Das Werk ist Plutarchs Freund Quintus Sosius Senecio gewidmet, den er in mehreren Biografien direkt anspricht. Die Lebensbeschreibungen sind – von einigen Längen in den am Ende doch unvermeidlichen Schlachtenbeschreibungen abgesehen – flüssig zu lesen. Sie bieten auch dem wenig vorgebildeten Leser einen umfangreichen Einblick in die antike Welt.

Interpretationsansätze

  • Plutarchs Ziele erschließen sich aus einigen eingestreuten Bemerkungen in den Biografien. Es ging ihm darum, ein lebendiges Bild vom Charakter der jeweiligen Person zu zeichnen, nicht darum, als Historiker alle Details aufzuzählen. Anstelle der epischen Beschreibung von Schlachten und Kriegen setzt er daher oft auf Anekdoten aus dem Alltag der Porträtierten oder auf die Beschreibung ihres Verhaltens gegenüber ihren Freunden und Feinden, „nicht um unnützen geschichtlichen Ballast anzuhäufen, sondern um Material, das für die Erkenntnis des Charakters und der Sinnesart des Mannes von Wert ist, zu übermitteln“, so Plutarch in der Biografie des Nikias.
  • Die Biografien sollten keine Lobreden sein, doch auch nicht zu scharf mit den Fehlern der großen Männer ins Gericht gehen. Plutarch vergleicht seine Aufgabe mit derjenigen eines Porträtmalers, der kleine Makel um der Gesamtwirkung willen ausgleicht.
  • Außerdem verfolgte er – maßgeblich beeinflusst von der platonischen Tugendlehre – ein pädagogisches Ziel: Er wollte das Menschliche der historischen Persönlichkeiten in den Mittelpunkt stellen und diese zu Vorbildern machen, an denen sich die Leser moralisch orientieren können.
  • Die Biografien sind Teil eines ambitionierten Projekts, das auch Kaiser Trajan (53 bis 117 v. Chr.) verfolgt hatte: Griechen und Römer – plakativ gesagt: Denker und Macher – einander näherzubringen. Denn auch 200 Jahre, nachdem Griechenland zur römischen Provinz geworden war, herrschten noch Vorurteile und Missverständnisse zwischen den Völkern.
  • Während manche Paare tatsächlich gut zusammenpassen, zum Beispiel Demosthenes und Cicero oder Theseus und Romulus, muss Plutarch in anderen Fällen, etwa bei Perikles und Fabius Maximus, auf konstruiert wirkende Parallelen zurückgreifen, um zu rechtfertigen, dass er sie gemeinsam vorstellt.

Historischer Hintergrund

Die Weltmacht Rom und seine Provinz Griechenland

Im ersten Jahrhundert n. Chr. befand sich Rom auf der Höhe seiner Macht. Im Jahr 54 kam Nero auf den Kaiserthron, der anfangs als Hoffnungsträger galt, vor allem, weil er den Ratschlägen seines Erziehers Seneca folgte. Später entwickelte er tyrannische Züge und überwarf sich mit den Philosophen, dem Senat und dem Heer. Der Senat zwang ihn zum Selbstmord und beschwor so das Vierkaiserjahr 69 herauf, in dem die Generäle Galba, Otho und Vitellius kurz an die Macht kamen, um dann Vespasian und der Dynastie der Flavier Platz zu machen. Vespasian regierte bis 79, schlug mehrere Aufstände nieder, sicherte die Grenzen gegen die Germanen und brachte Ordnung in Heerstruktur und Finanzen. Er gab auch den Bau des Kolosseums in Auftrag. Seine beiden Söhne Titus und Domitian traten nacheinander seine Nachfolge an.

Danach begannen die hohe Kaiserzeit und die Phase der Adoptivkaiser, die in Ermangelung direkter Nachfolger erwählt wurden. 98 kam der hispanische Aufsteiger Trajan an die Macht und erreichte bis zu seinem Tod 117 nach erbitterten Kämpfen in Dakien und im Partherreich die größte Ausdehnung des Reiches, das sich nun von Schottland bis zur Sahara und von Spanien bis in den heutigen Irak erstreckte. Sein Nachfolger Hadrian musste einen Teil der östlichen Gebiete wieder aufgeben.

In Griechenland, seit 146 v. Chr. eine römische Provinz, brachte das erste nachchristliche Jahrhundert eine neue Blüte der Kultur, die auch durch den von Nero und Hadrian betriebenen Wideraufbau vieler Städte gefördert wurde. Mehrere Kaiser setzten sich dafür ein, Griechen und Römer einander näherzubringen. Die griechische Klassik galt als maßgebender Kulturstandard.

Entstehung

Plutarch war schon über 50, als er mit dem Verfassen von Biografien begann. Von da an beschäftigte er sich mehrere Jahrzehnte mit dieser Gattung. In welcher Reihenfolge er die Texte geschrieben hat, ist nicht abschließend geklärt. Die Informationen aus den einzelnen Texten lassen sich nicht zu einem Gesamtbild zusammenfügen.

Plutarch war ein belesener Mann, der seine umfassende Bildung auch in seine Werke einfließen ließ. Verweise auf Geistesgrößen wie Aischylos, Hesiod, Aristoteles, Euripides, Simonides, Aristophanes, Homer, Sophokles und andere zeigen, wie vielfältig seine Einflüsse waren. Für seine Biografien zog er historische Aufzeichnungen zurate, die oft verschiedene Versionen einer Geschichte oder vollkommen unterschiedliche Erzählungen wiedergaben. Zum Teil geht er in den Biografien auch auf die widersprüchlichen Versionen ein. Er berichtet von den Schwierigkeiten bei der Recherche und begründet seine Entscheidung für die Bevorzugung einer Version vor der anderen. Dabei kritisiert er auch offen seine Vorgänger, erklärt ihre Urteile für zu hart oder von persönlichen Gefühlen beeinflusst.

Innerhalb der Gattung der Biografie konnte Plutarch auf eine Reihe von Vorgängern zurückgreifen. Schon im fünften Jahrhundert v. Chr. verfasste Thukydides erste Kurzbiografien, später finden sich etwa bei Xenophon längere biografische Einschübe. Daneben entstanden immer wieder Lebensbilder außerhalb von Geschichtswerken, die sich nicht nur mit Staatsmännern, sondern auch mit Denkern und Philosophen beschäftigten.

Wirkungsgeschichte

Plutarchs Lebensbilder sind nicht vollständig erhalten. Im Aufsatz über Alexander und Cäsar fehlen größere Abschnitte. Nachgewiesen ist, dass einige weitere Einzelbiografien verloren gingen. Von den Paarbiografien fehlt der Text über Epaminondas und Scipio, die wohl den Anfang der Reihe bildeten. Die ältesten überlieferten Handschriften der Biografien stammen aus der Zeit rund 900 Jahre nach Plutarchs Tod. Daher ist unklar, wie viel darin von nachfolgenden Generationen hinzugefügt, ausgelassen oder geändert wurde.

Schon Zeitgenossen sahen in Plutarch einen Meister der Biografie. Diese Bewunderung hat sich durch die Jahrhunderte fortgesetzt. Seine Werke wurden vervielfältigt, seine unvollendeten Manuskripte hervorgeholt und veröffentlicht, sie wurden gefälscht und nachgeahmt, im gesamten griechischsprachigen Raum verbreitet und tradiert. Griechische Gelehrte brachten die Schriften im 15. Jahrhundert mit in den Westen, wo sie übersetzt und in den Bildungskanon aufgenommen wurden. Kaum eine europäische Geistesgröße – von Machiavelli über Shakespeare bis Goethe – ist nicht von Plutarchs Biografien geprägt und beeinflusst worden.

Noch Friedrich Nietzsche rief in Vom Nutzen und Nachteil der Historie aus: „Sättigt eure Seelen an Plutarch und wagt es, an euch selbst zu glauben, indem ihr an seine Helden glaubt.“

Über den Autor

Plutarch wird 45 n. Chr. in Chaironeia nordöstlich von Delphi geboren. Seine Familie ist wohlhabend, hoch angesehen und legt Wert auf eine umfassende Bildung der Söhne, die sie unter anderem in Athen erhalten. Dort kommt Plutarch in Kontakt mit der Philosophie Epikurs, wendet sich dann aber der Stoa, dem Philosophen Ammonios und schließlich der platonischen Philosophie zu. Er beschäftigt sich mit ägyptischer Geschichte und Religion, wovon sein Werk Über Isis und Osiris zeugt. Bis heute wird es von der Wissenschaft genutzt. Plutarch heiratet nach seiner Ausbildung in Athen Timoxena und lebt mit ihr in Chaironeia. Sie bekommen vier Kinder, von denen zwei vor Erreichen des Erwachsenenalters sterben. Plutarch übernimmt verschiedene politische Ämter in seiner Heimatstadt, wo er auch eine Akademie gründet, und wird ab 95 n. Chr. Priester in Delphi. Obwohl er sein Leben lang an seiner Heimatstadt hängt und gern dort lebt, reist er viel – in Griechenland und nach Ägypten, wohl auch nach Kleinasien (heute ein Teil der Türkei) und wiederholt nach Italien. In Rom hält er gut besuchte Vorträge, hat Beziehungen zu hochrangigen Politikern und erhält das römische Bürgerrecht. Er ist zeitlebens ein umtriebiger Denker und ein ebenso fleißiger wie vielseitiger Schriftsteller. Eine besondere Beziehung verbindet ihn mit seinem Großvater Lamprias, der auch in seinen Moralia wiederholt als Gesprächspartner auftaucht. Plutarch verfasst literaturhistorische und wissenschaftliche Schriften, berühmt wird er aber für seine populärphilosophischen Arbeiten, die sich mit pädagogischen, politischen und religiösen Fragen beschäftigen. Von seinen Schriften ist nur etwa die Hälfte erhalten geblieben – sein Werk umfasste viele Tausend Seiten. Plutarch stirbt um 125 n. Chr. Das genaue Todesjahr ist nicht bekannt.


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